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Naturparadies in großer Armut: Arbeiten im Land der Gegensätze

Quelle: Zukunft Madagaskar

Quelle: Zukunft Madagaskar

Herkömmliche Freiwilligenarbeit war ihnen zu kommerziell. Deshalb haben die e-fellows Andreas Käshammer, Jakob Kalbfell und Manuel Bender kurzerhand selbst ein Bildungsaustauschprogramm mit einer Hochschule in Madagaskar ins Leben gerufen.

Die Idee für das Austauschprogramm kam den drei Freunden 2008 bei einer Backpacking-Tour. Sie wollten nicht nur Land und Leute kennenlernen, sondern sich auch ehrenamtlich engagieren und etwas zurückgeben. Bei ihrer Suche stießen sie allerdings nur auf Freiwilligenprogramme mit horrenden Teilnahmegebühren. Eine Alternative musste her und so gründeten die Bachelorabsolventen der ESB Reutlingen das Bildungsaustauschprogramm Reutlingen-Madagaskar. Möglich gemacht wurde das Projekt durch einen privaten Kontakt. Dr. Alain Rabarijaona, der gerade Rektor der École Supérieur Spécialisée du Vakinankaratra, kurz ESSVA, geworden war, lud die Freunde ein, an seiner Hochschule in Antsirabe als freiwillige Dozenten zu arbeiten. Dann ging alles ganz schnell und Andreas, Jakob und Manuel machten sich als erste Teilnehmer des Programms auf den Weg nach Madagaskar.

Von Singen und Lebensfreude

Seitdem schickt das Bildungsaustauschprogramm jedes Jahr bis zu fünf ehrenamtliche Dozenten nach Madagaskar, die dort Englisch und Deutsch unterrichten. Die Kurse sind ein Zusatzangebot zum regulären Sprachunterricht. "Wir wollen nicht mit den existierenden Kursen konkurrieren, sondern das Angebot ergänzen", sagt Andreas. Die Studenten sollen spielerisch ihre Angst vorm Sprechen verlieren und Spaß an der Sprache entwickeln. Die Madagassen singen zum Beispiel wahnsinnig gerne. Lieder kommen deshalb im Unterricht immer gut an. Aber auch Serien und Märchen haben die Dozenten schon verwendet. Die Begeisterung für das Austauschprogramm ist Andreas deutlich anzumerken: "Wenn im Unterricht die Nationalhymne gesungen wird, singen alle lautstark mit. Die Madagassen strahlen eine unglaubliche Lebensfreude aus, obwohl sie oft nichts haben. Das ist einfach ansteckend und bleibt mir ein Leben lang eine Inspiration."

Bildung als Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit

Nach und nach bekam das Projekt mehr Struktur, ein Name und eine Broschüre wurden entwickelt. Heute ist das Bildungsaustauschprogramm in den Verein Zukunft Madagaskar eingebettet. "Seit der Verein gegründet wurde, ist noch kein einziges Mitglied ausgetreten", betont Andreas stolz.

Neben dem Bildungsaustauschprogramm bietet Zukunft Madagaskar auch Stipendien für Studenten der ESSVA an, die ihr Studium sonst nicht abschließen könnten. Je nach Bedürftigkeit erhalten sie eine Förderung von 20 bis 80 Prozent der Studienkosten. Die Stipendien gehen direkt an die Hochschule und werden mit den Studiengebühren der Stipendiaten verrechnet. So will der Verein sicher stellen, dass die Gelder auch tatsächlich für die Ausbildung verwendet werden. Mitbegründer Jakob erklärt: "Wir möchten auch zukünftig unseren Teil dazu beitragen, dass sich dieses wunderbare Land durch mehr Bildung positiv entwickelt. Gemäß des Leitspruches der ESSVA – Bildung ist der Schlüssel für ein besseres Leben – setzen wir daher auf die Weiterbildung und den Studenten-Austausch."

Auch Andreas glaubt fest daran: Nur mit Bildung und Hilfe zur Selbsthilfe können langfristig Veränderungen in Gang gesetzt werden. Deshalb ist Nachhaltigkeit dem Verein ein großes Anliegen. Die meisten Studiengänge der ESSVA bereiten die Studenten auf die Arbeit im Tourismussektor vor. Gute Englisch- und Deutschkenntnisse helfen ungemein, in dieser Branche Fuß zu fassen. Die Absolventen sollen eine Multiplikatoren-Rolle übernehmen, meint Andreas. Bei nur einer individuellen Ökotourismus-Reise zum Beispiel, kann ein Reiseanbieter bis zu 50 ungelernte Madagassen beschäftigen. Die Bootsführer, Köche oder Taxifahrer verdienen durch ihren Einsatz dabei so viel wie sonst in einem ganzen Monat. Dadurch soll auch ein breites Bewusstsein für den Schutz der atemberaubenden Natur des Landes geschaffen werden.

Nachhaltiges Wachstum

In Zukunft möchte der Verein weiter wachsen und noch mehr Stipendien bereit stellen. Um auch Schüler zu erreichen, die erst gar nicht studieren würden, wurde das Stipendienprogramm bereits ausgeweitet. Dazu kooperiert Zukunft Madagaskar mit dem Kinderheim Ny Hary. Jedes Jahr wählt Ny Hary zwei geeignete Abiturienten aus, die dann ein Vollstipendium für die ESSVA erhalten. Der Verein kann dadurch schon früh mit seiner Hilfe ansetzen und sich auch sicher sein, dass die Stipendien dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht werden. 

Gegenseitiges Lernen von Freunden

Mit dem Bildungsaustauschprogramm möchte Zukunft Madagaskar auch die veraltete Vorstellung des "weißen Kolonialherren" durchbrechen. Die ehrenamtlichen Dozenten sollen vermitteln, dass sie als Freunde kommen und den gegenseitigen Austausch der Kulturen fördern. Dass wir von den Madagassen noch einiges lernen können, findet auch e-fellow Manuel: "Ich kam nach Madagaskar, um Sprachen zu unterrichten und unsere deutsche Kultur und Lebensweise zu vermitteln. Ganz schnell habe ich jedoch auch vom kulturellen Gegenaustausch profitiert und von den Studenten die Mora Mora- und Kilalaki-Tanz-Kultur kennengelernt. Das werde ich nie vergessen!"

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