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Ann-Kathrin sucht frisches Blut

Initiative, Typisierungsaktion, Ann-Kathrin Rauch (Quelle: e-fellows.net)

Initiative, Typisierungsaktion, Ann-Kathrin Rauch (Quelle: e-fellows.net)

Am Mittwoch, den 6. Mai 2009, starteten die "mios" die erste groß angelegte Typisierungsaktion an der Uni Freiburg. "mio" - dahinter verbergen sich die Mitglieder der Menschenrechts- initiative der Offenen Fachschaft Medizin der Uni Freiburg. Statt fand die Aktion unter dem Motto "Du bist 1:20.000" im Rahmen des Projekts "Uni hilft" an zwei aufeinander folgenden Tagen im zentralen Kollegiengebäude der Universität.

11.000 Leukämie-Erkrankungen jährlich in Deutschland

Durchschnittlich alle 45 Minuten heißt es für einen Deutschen: Diagnose "Leukämie". Doch was bedeutet das überhaupt? Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der blutbildenden Zellen des Knochenmarks, der sogenannten Stammzellen. Noch immer ist sie für viele Patienten das Todesurteil, sofern sie keinen passenden Spender finden. Passend bedeutet, dass Patient und Spender möglichst übereinstimmende HLA- (Human Leucozyte Antigene) beziehungsweise Gewebemerkmale besitzen müssen. Die Wahrscheinlichkeit dafür, einen solchen "genetischen Zwilling" zu finden, beträgt ungefähr 1:20.000 bis 1:1.000.000. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich viele Menschen typisieren lassen. Per Anruf kann man sich jederzeit bei der Deutschen Knochenmarkspender-Datei (DKMS) oder bei Aktionen wie dem aktuellen Projekt in Freiburg anmelden.

Typisieren: ein Pieks kann Leben retten

Mit der Entnahme von zirka fünf bis zehn Millilitern Blut kann eine Typisierung durchgeführt werden. Da diese Untersuchung mit 50 Euro recht teuer ist, startete die "mio"-Gruppe einen doppelten Spendenaufruf: Freiwillige für die Typisierung und finanzielle Unterstützung wurden dringend gesucht. Knochenmark spenden konnte jeder, der zwischen 18 und 55 Jahren alt ist sowie über 50 Kilogramm wiegt oder einen Body-Mass-Index (BMI) unter 40 besitzt.

Hat doch gar nicht weh getan

Die Spende kann grundsätzlich auf zwei Arten durchgeführt werden: Die periphere Stammzellentnahme, bei der dem Blut Wachstumshormone zugesetzt werden, ist dabei die bevorzugte Variante (80%). Bei ungefähr zwanzig Prozent der Spender wird eine Knochenmarkentnahme über den Beckenkamm durchgeführt. Erst nach ausdrücklicher Einwilligung und umfassender Untersuchung kommt es zur Spende. "Oft müssen wir Ängste beseitigen, wenn es um die Frage nach der Spende geht. Viele Leute denken noch immer, dass es sich dabei um die – jetzt nicht mehr eingesetzte – schmerzhafte Rückenmarkspunktion handelt", so Ann-Kathrin. In den Erfahrungsberichten beschreiben die meisten den Spendeprozess als völlig schmerzfrei.

Vom Motto bis zum Startschuss – Organisation ist alles

 Wie schafft man es, innerhalb weniger Monate eine solche Mammutaktion zu organisieren? "Die Bereitschaft und Motivation für die Aktion müssen natürlich da sein, ebenso Disziplin und Organisationsfähigkeit; vor allem aber haben wir ein tolles Team!". Ann-Kathrin und zehn weitere Medizinstudenten ihrer Fachschaft waren in den letzten zwei Wochen täglich unterwegs, um zu Zettel zu verteilen, Pressekontakte herzustellen, Ansagen in Vorlesungen zu machen und die Aktion selbst zu organisieren. Auf die Beine stellten sie auch ein Rahmenprogramm mit Filmen über Leukämie und anschließendem Informations- und Fragenteil mit Experten der Uniklinik.

Vampir als Ehrenamt

In sieben Universitätsstädten Deutschlands wurde eine solche Aktion bereits erfolgreich durchgeführt, zuletzt in Marburg mit 2.700 registrierten potenziellen Spendern. Ann-Kathrin und ihre "mios" stützten sich auf über 100 freiwillige Helfer. Medizinstudenten jedes Semesters beteiligten sich als "Vampire" an den Blutentnahmen. "Mit den vielen Helfern und vor allem der großen Zahl an Typisierungen konnten wir wesentlich dazu beitragen, dass die derzeit zirka 50.000 potenzielle Spender fassende Freiburger Stammzelldatei weiter wächst - eine tolle Bilanz.", freut sich Ann-Kathrin.

Endspurt – jeder "Typ" zählt

Sogar der Rektor der Universität, Prof. Hans-Jochen Schiewer, und die gesamte Vorstandsetage der Uniklinik haben sich typisieren lassen: Damit sind sie auch "1:20.000". Unterstützung erfahren die "mios" vom Oberbürgermeister der Stadt, Dr. Dieter Salomon. Er hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. 2.639 Menschen ließen sich an der Freiburger Uni typisieren. Der Erfolg war so groß, dass die Aktion im kommenden Herbst wiederholt werden soll. Auch du kannst spenden - entweder bei "1:20.000" oder über die DKMS. Ann-Kathrin: "Bereits die Information über das Projekt ist extrem wertvoll. Ein Großteil der Leute lässt sich aufgrund fehlender Kenntnisse über Ablauf und Inhalt der Typisierung noch nicht typisieren."

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