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UN-Diplomatin für fünf Tage

United Nations Gebäude New York (Quelle: freeimages.com, ericortner)

Quelle: freeimages.com, ericortner

Wie kommt eine UN-Resolution zustande? Wie arbeiten Diplomaten der Vereinten Nationen? Das versteht man am besten, wenn man selbst an einer UN-Versammlung teilnimmt. Bei der 'World Model United Nations' in Melbourne, Australien vertrat Laura Obenauer den Standpunkt Südafrikas in hitzigen Debatten mit 2.000 anderen Studenten. Ob sie wohl die Libanonkrise auf friedliche Weise lösen konnte?

Titel und Thema der Veranstaltung

Harvard WorldMUN 2013

Zeit und Ort

18. bis 22. März, Melbourne, Australien

Teilnehmerzahl

Über 2.000 Studenten aus aller Welt

Alles fing vor ziemlich genau einem Jahr an, als ich mein E-Mail-Postfach öffnete und mir sofort das Wort "WorldMUN" ins Auge fiel. Ich hatte schon von dem "Model United Nations"-Konzept gehört. Die Idee, mit motivierten jungen Menschen aus der ganzen Welt in einer UN-Simulation über internationale Politik zu diskutieren und dabei wertvolle Fähigkeiten und Erfahrungen mitzunehmen, fasziniert mich, seit ich den ersten Bericht darüber las, wie eine Delegation meines Gymnasiums an einer MUN-Konferenz teilgenommen hatte. Genau das wollte ich auch machen. Und das alles in Australien, in Melbourne, als "Weltmeisterschaft" – das hatte sofort meine volle Aufmerksamkeit.

Ab nach Melbourne

Trotz einer Last-Minute-Bewerbung schaffte ich es nach einem zweitägigen Auswahlseminar in die Delegation – ich konnte es kaum glauben! Es war der Beginn einer der intensivsten Zeiten meines Lebens.

Wer denkt, bei WorldMUN hat man den größten Lerneffekt nur während der Konferenz, der liegt falsch. Das meiste habe ich noch vor der Konferenz gelernt. Während der fünfmonatigen Vorlaufzeit wurde die Delegation nicht nur inhaltlich auf die Konferenz vorbereitet, sondern wir organisierten unter grober Anleitung von Tobias Henz und Rima-Maria Rahal, zwei WorldMUN-Alumni, den gesamten Aufenthalt in Melbourne selbst - angefangen von Sponsoring-Aktivitäten, die den Eigenbeitrag zur Reise gering halten sollten, bis hin zur Reise an sich mit Flug und Hotel. Ich war insbesondere für Sponsoring und die Außendarstellung der Delegation bei der Konferenz zuständig.

Suche nach Sponsoren

Sponsoring hatte ich schon zuvor für andere Studentenorganisationen übernommen. Aber nie so intensiv, unter solch einem Zeitdruck und mit einem so klaren Ziel vor Augen. So habe ich nicht nur mein Netzwerk deutlich vergrößern können, sondern auch gelernt, worauf es beim Verkaufen einer Idee wirklich ankommt. Und nicht zuletzt, wie ich mich selbst organisieren kann, sodass ich in wenig Zeit viel erreichen kann. Die intensive Vorbereitungszeit hat mich aber nicht nur persönlich weitergebracht, sondern mir auch neue Freunde beschert. Mit vielen meiner Mitdelegierten habe ich heute noch sehr guten Kontakt und teile sehr schöne Erinnerungen mit ihnen.

Das Schöne am WorldMUN-Gedanken ist, dass es nicht nur um den Wettbewerb geht, sondern auch sehr stark um das Netzwerken auf der Konferenz. Ganz in diesem Sinne gibt es zahlreiche soziale Events, die man selbst mitgestalten kann und bei denen man die anderen 2.000 Delegierten aus aller Herren Länder kennenlernt. Wir haben zum Beispiel beim "Global Village" typisch deutsche Getränke und Snacks präsentiert und spontan Deutschunterricht gegeben.

Mal eben die Libanonkrise beenden

Neben allem Organisatorischen und Lustigen kam die Konferenz an sich natürlich keinesfalls zu kurz. Pünktlich am 18. März waren wir in Melbourne und konnten uns auf fünf spannende Tage freuen. Ich hatte das große Glück, eine volle Ladung Internationalität schon in meinem Co-Delegierten zu haben, einem gebürtigen Slowaken, der American Studies studiert. Wir sollten im "Historical General Assembly" das Land Südafrika vertreten. Das Thema der simulierten "Emergency Special Session" sollte die Libanonkrise im Jahre 1958 sein. Die Eskalation des Kalten Krieges verhindern? Im Nahen Osten? Mit einer Nation, die von Apartheit geprägt war? Die Herausforderung nehmen wir an!

Verbündete für Südafrika finden

Durch gründliche Literaturrecherche vor der Konferenz hatten wir herausgefunden, dass Südafrika nie Teil der historischen Verhandlungen gewesen war – was uns nicht davon abhielt, einen detaillierten Standpunkt zum Thema zu entwickeln. Und siehe da: Bereits während der Reden in der ersten Sitzung unseres Komitees fanden wir heraus, dass einige asiatische Nationen einen sehr ähnlichen Standpunkt hatten wie wir.

Einige Diskussionen außerhalb des Komitee-Raums später war die Allianz besiegelt. Während mein Partner im Komitee blieb und in Reden unsere Meinung vertrat, begab ich mich hinaus und übte mich mit meinen verbündeten Vertretern in Diplomatie. Gemeinsam setzten wir uns gegen die Dominanz von Großmächten und für eine friedliche Lösung ein, die die Unabhängigkeit des libanesischen Staates wahren sollte. Eine Idee, die auf Konsens stieß, doch um unsere Vorschläge formell als Schriftstück vorstellen zu können, brauchte es sehr viele offizielle Unterstützer. Dabei galt es vor allem, unsere Ideen gegen die der zwei anderen Blocks abzugrenzen. Kurz gesagt: Viele Staaten mussten mit viel Überzeugungsarbeit und vielen Kompromissen in unseren Block integriert werden.

Die eigene UN-Resolution durchgesetzt

Nach vier Tagen hitziger Verhandlungen und sogar einem militärischen Zwischenfall war dann der große Augenblick gekommen: Die verbliebenen zwei Blocks - unserer und der der USA - präsentierten ihre Resolutionsvorschläge, und es kam zur Abstimmung. Mit zitterten die Knie, und ich bin der festen Überzeugung, dass es niemandem aus unserem Block anders ging.

Der gegnerische Block hatte seine "Draft Resolution" etwas früher eingereicht – und bekam deshalb Vorrang bei der Abstimmung. Bei der Frage nach "in favor" gingen nach und nach die Schilder der anwesenden Nationen hoch – es sah nach fürchterlich vielen aus. Trotz allem ergab die Zählung, dass es nicht reichte. Aufatmen! Doch unsere Resolution hatte es noch nicht geschafft. Ein weiteres Mal wurden die Schilder gehoben, diesmal für unseren Vorschlag, insgesamt 21. Um 2 Stimmen hatten wir es geschafft! Es dauerte einen kleinen Moment, bis ich es glauben konnte, aber als unser Block anfing aufzuspringen und zu schreien, war es auch mir klar, und mich hielt es nicht mehr auf dem Sitz. Auch die Aufforderung unserer Moderatorin, es möge doch bitte Ruhe einkehren, konnte uns erst einmal nicht mehr bremsen.

Wer braucht schon einen Award?

Am nächsten Tag wurden die Awards für besonders herausragende Delegierte vergeben. Leider waren wir nicht dabei – dafür einige aus unserem Block. Es war ein gutes Gefühl, und wer braucht schon einen Award, wenn man eine Resolution verabschiedet hat?!  Noch heute blicke ich stolz auf die Zeit zurück kann, die ich in Melbourne mit über 2.000 Studenten aus über 65 Ländern erleben durfte – und bin dankbar für alles und jeden, der mir diesen Weg geebnet hat.

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