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Eine Lampe, die wie Kaffee wirkt

Coffee Lamp [Quelle: ©Raphael Haase, HEAVN UG]

Quelle: ©Raphael Haase, HEAVN UG.

In den meisten Büros ist es zu dunkel. Die Mitarbeiter fühlen sich müde und sind unkonzentriert. Der Unternehmer Raphael Haase will das mit einer neuen Leuchte ändern.

Sie sagen, mit dem richtigen Licht kann man sein kreatives Potenzial besser ausschöpfen. Was ist denn das richtige Licht, Herr Haase?

Als ich in Kalifornien war, fühlte ich mich im Büro immer müde. Sobald ich draußen im natürlichen Licht war, fühlte ich mich deutlich aktiver. Zur gleichen Zeit stieß ich auf Forschungsergebnisse, die den Zusammenhang von Sonnenlicht und Produktivität belegten. So kam ich auf die Idee, ein Produkt zu entwickeln, das diese positiven Eigenschaften des Sonnenlichts in geschlossene Räume bringt.

David Austing, einer meiner Geschäftspartner, hatte sich bereits mehrere Jahre mit Lichttechnik und der Wirkung von Licht beschäftigt. Er hatte zwar den aktivierenden Effekt von hellem und blau angereichertem Licht erfolgreich mit einer Tageslichtleuchte am Schreibtisch ausprobiert. Ihn störte jedoch, dass diese viel Platz einnahm und zudem optisch nicht zum restlichen Bürodesign passte. Auch fehlte der Leuchte die notwendige Intelligenz, um sich im Tagesverlauf dem Biorhythmus anzupassen. Und so beschlossen wir, eine Lampe zu entwickeln, die sowohl den Farbverlauf von Sonnenlicht als auch das Lichtspektrum von diesem nachahmt – und dazu noch ein minimalistisches Design haben sollte.

Herausgekommen ist Ihre sogenannte Coffein Lamp. Wie genau funktioniert die von Ihnen entwickelte Leuchte?

Wir haben eine Lampe entwickelt, die produktiver macht und das Wohlbefinden steigert. Unterstützt wurden wir hierbei von dem Münchner Schlafforscher Till Roenneberg. Unsere Leuchte steuert über einen zweiten Lichtaustritt gezielt Licht in die Augen, das aktivierende Effekte hervorruft. Dafür haben wir in einem aufwändigen Prozess eine Reihe von Kriterien beachtet, die auf die Physiologie des Menschen eingehen. Denn nur wenn das Licht die richtigen Wellenlängen hat und auch aus dem richtigen Winkel in das Auge trifft, ist es wirklich wirksam.

Außerdem kann man unsere Lampe quasi intelligent steuern. Denn draußen verändert sich das Licht ständig, und drinnen muss sich die Beleuchtung dann anpassen. Diese Veränderung haben wir in Lichtfarbe und Intensität mit einem speziellen Steuerungskonzept nachgebaut. Eine zugehörige Smartphone-App ermöglicht, auf den individuellen Bedarf des Nutzers einzugehen.

Und dann gibt es noch einen weiteren Clou – blaues Licht. Gut untersucht ist, dass blaues Licht wieder munter macht. Ein bisschen so wie Kaffee. Daher nennen wir die Leuchte auch Coffein Lamp. Wenn man sich müde fühlt, kann man mit einem Knopfdruck das blau angereicherte Licht in der Lampe aktivieren. Nach einer bestimmten Zeit geht die Leuchte automatisch wieder zurück auf das normale, der Tageszeit angepasste Niveau.

Wie ändert Licht unser Wohlbefinden?

Der Mensch hat Jahrtausende draußen in der Natur gelebt. Dementsprechend hat unser Körper gelernt, sich nach dem Umgebungslicht zu richten. Das heißt, Licht aktiviert unseren Organismus und synchronisiert als Zeitgeber unsere innere Uhr. Dafür zuständig sind spezielle Sensoren im Auge, die sogenannten retinalen Ganglienzellen. Sie arbeiten unabhängig von der Sehfunktion des Auges und reagieren mit hohen Blauanteilen und starker Intensität auf Licht. Werden sie angesprochen, sorgen sie dafür, dass unser Körper das Schlafhormon Melatonin unterdrückt und den Cortisolspiegel anhebt. Das aktiviert und steigert das Wohlbefinden.

Fehlt hingegen tagsüber und insbesondere am Morgen starkes, blau angereichertes Licht mit einer sehr hohen Lichtintensität, werden wir erst später und manchmal auch den ganzen Tag über nicht richtig wach. Die gleichen Zellen reagieren abends sehr sensibel auf blau angereichertes Licht. Bekommen wir also zu viel blaues Restlicht von LED-Leuchten oder Smartphone-Displays, können wir schlechter einschlafen. In Kombination mit zu wenig Licht am Tag verschiebt das den ganzen Rhythmus künstlich nach hinten.

Viele Büros haben heute doch automatische Beleuchtungskonzepte. Ist das förderlich für die Leistungsfähigkeit?

Das hängt vom Konzept ab. Leider richten sich die meisten nicht nach der Natur, sondern sind lediglich auf Betriebskosten optimiert und tun so nichts für die Produktivität und Gesundheit der Mitarbeiter. Das ist aber recht kurzsichtig gedacht, denn Arbeitgebern geht hier viel Geld verloren.

Aber die meisten Menschen haben doch unterschiedliche Biorhythmen. Kann man da überhaupt ein einheitliches Konzept finden?

Es stimmt, Menschen haben unterschiedliche Rhythmen, sie stehen ja auch zu unterschiedlichen Zeiten auf. Auch unterschiedet sich der Zeitpunkt der maximalen Leistungsfähigkeit von Person zu Person. Der eine braucht mehr Helligkeit und der andere weniger.

Um den Biorhythmus optimal zu unterstützen, braucht es unterschiedliche Farbtemperaturen. Das aber ist mit einer einheitlichen Raumbeleuchtung nicht möglich. Damit die innere Uhr nicht überschrieben wird, sollte Licht individuell einzustellen sein. Denn so ist der Rhythmus in Farbe und Helligkeit an das Individuum anzupassen.

Ferner ist problematisch, dass unsere Körper oft schlicht zu wenig Licht bekommen und somit nie richtig wach werden. Tatsächlich "denkt" unser Körper oft, es wäre Nacht. Das ist zum Beispiel bei vielen Beschäftigten der Fall, die in dunklen Arbeitsräumen arbeiten und keine individuelle zusätzliche Beleuchtung haben. Und während die Natur je nach Wetterlage Licht mit einer Intensität von 10.000 bis 100.000 Lux am Auge produziert, sind es im Inneren meist gerade einmal die gesetzlich geforderten 500.

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