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Titelwahn auf Amerikanisch

MBA in den USA, Kellogg-WHU Executive MBA [Bildquelle: sxc.hu, Autor: ba1969]

MBA in den USA, Kellogg-WHU Executive MBA [Bildquelle: sxc.hu, Autor: ba1969]

Beim Blick in den Stellenmarkt von Zeitungen erkennt ein Jobsuchender schnell: Die meisten Berufsbezeichnungen sind in Englisch, wobei man oft nicht wirklich weiß, was eigentlich dahinter steckt. Dabei kann man allein schon aus den Berufsbezeichnungen sehr viel über Tätigkeit und Entwicklung eines Unternehmens erfahren. Um den wuchernden Dschungel der Jobbezeichnungen zu lichten, gibt es nun ein Handbuch für Jobsuchende, Personalfachleute und Führungskräfte.

Wie war das Arbeitsleben früher doch einfach! Ein Hausmeister war ein Hausmeister und eine Sekretärin eben eine Sekretärin. Der Chef hieß Direktor. Heute heißen sie neudeutsch "Facility Manager", "Office Manager" und CEO, oder so ähnlich. Kongruent zum Wachstum eines Unternehmens verhält sich heute auch die Länge neuer Stellenbezeichnungen. In Englisch müssen sie sowieso sein, sonst klingen sie wohl einfach nach nichts. So laufen "Key Account Manager Automotive" as well as "Good Manufacturing Practices (GMP) Compliance Manager" über die Flure der Konzerne und ein Außenstehender fragt sich: Was zum Teufel machen die eigentlich?
 

Mehr als 1.000 Worte
 Die Stellenmärkte der Zeitungen sind voll von amerikanischen Begriffen, deren Ziel nur eines zu sein scheint: möglichst unverständlich zu klingen. Auch die Personalabteilungen in Unternehmen wissen oft nicht, was sie eigentlich suchen und wie sie das genau nennen sollen, was sie suchen. Doch Vorsicht: Ein Jobtitel sagt mehr als 1.000 Worte. Man muss ihn nur verstehen. Außerdem gilt: Sag mir, wen du suchst, und ich sag dir, wer du bist!
 

Verständlich und anschaulich
 Dem Phänomen amerikanisch-englischer Jobtitel geht der Frankfurter Personalberater Oluf F. Konstroffer nach, der vor allem in den USA viel Erfahrung mit der Auswahl von Personal sammelte und diese nun in ein zweisprachiges, deutsch-englisches Buch "American Job Titles – und was sie bedeuten" eingebracht hat. Dabei orientiert sich Konstroffer an den in den USA üblichen Jobbezeichnungen, auch wenn sie nicht immer eins zu eins auf deutsche Firmen übertragbar sind.
 Der Aufbau des Buches ist einfach: Konstroffer nimmt pro Unternehmensbereich ein Kapitel. Dazu gehören für ihn:
 

  • Geschäftsleitung/Planung und Organisation
  • Forschung und Entwicklung
  • Technik und Produktion
  • Materialwirtschaft und Logistik
  • Marketing und Produkt-Management
  • Vertrieb und Kundendienst
  • Finanzen und Verwaltung
  • Recht, Öffentlichkeitsarbeit und Zulassungen
  • Personal- und Sozialwesen
  • Unfallverhütung, Gesundheits- und Umweltschutz
     
     Neben einer ausführlichen Definition beschreibt er die wichtigsten Aufgaben, die generellen Anforderungen und die Befugnisse der jeweiligen Position und liefert auch noch ein Anforderungsprofil. Er bemüht sich auch um realistische Beispiele aus der Praxis. Das macht das Buch verständlich und anschaulich.

Genauer hinsehen
 Und wer nun denkt, die meisten der beschriebenen Stellen seien für ihn nicht relevant, er müsse sie deshalb nicht kennen, greift zu kurz. Denn die Stellen, die ein Unternehmen besetzt, sagen viel über seinen Werdegang aus. Deshalb empfiehlt es sich immer auch, beim Wunschunternehmen genauer hinzusehen, welche Leute das Unternehmen sonst noch braucht. Sucht ein produzierendes Unternehmen zum Beispiel einen "Manager Global Sourcing", dann kann das nur eines bedeuten. Teile oder Komponenten der Produkte sollen nicht mehr selber gefertigt werden, sondern durch diese Stelle auf dem Weltmarkt günstiger eingekauft werden. Für das Unternehmen heißt das: Die Arbeitsplätze werden eher abgebaut, neudeutsch "downgesized".
 

Ein gutes altes deutsches Wort
 Doch was macht nun eigentlich ein so genannter GMP Compliance Manager? Seine Hauptaufgabe ist "die Festsetzung von Normen und Standardverfahren, die durch die Vermeidung von Qualitätsproblemen die Qualität sichern sollen." Zum Anforderungsprofil heißt es: akademischer Hintergrund, Praxis in der Produktion, analytisches Denken, gutes Englisch und vor allem soll er in der Lage sein, andere zu Qualitätsbewusstein und GMP-Einhaltung zu "motivieren". Mit diesen Informationen kann man den Job wieder in einem guten alten deutschen Wort zusammenfassen: Hausdrache.

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