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Zaubermittel für Hausarbeiten?

Buch: Seminararbeit: too_tired Quelle:sxc.hu Autor:lusi 174x100

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Wie schreibe ich eine Seminararbeit? Walter Krämers Antwort interessiert wohl jeden Studenten. Eine Universallösung aber hat auch er nicht.

Hab keine Angst vor Wissenschaft. Befriedige deine Neugier. Eine Studienarbeit soll Spaß machen. Das klingt doch gut. Und wie schafft der Student das? Als erstes nennt Krämer die Themen- und Betreuerwahl.
 

Themen- und Betreuerwahl

 Das Thema sollte nicht zu umfangreich sein. Nimm dir nicht zu viel vor, sondern konzentriere dich auf deine Stärken. Wenn du dir das Thema aussuchen kannst, schreibe über etwas, was du schon kennst, rät Krämer. Wichtig für die Qualität der Arbeit ist auch der Betreuer. Wie also wählst du den richtigen Dozenten? Gute Informationen über seine Favoriten findet man zum Beispiel bei Google. Ob dieser Tipp viel wert ist?
 

Gutes braucht keine Weile

 "Die Schnellsten sind meist sogar die Besten" hingegen ist ein interessanter Satz. Krämer distanziert sich klar von dem Gedanken, gute Abschlussarbeiten bräuchten viel Zeit. Wie lange du schreibst, ist unwichtig - es kommt auf den Inhalt an. Der allein kann dafür sorgen, dass die Arbeit akademische Aufmerksamkeit bekommt. "Vielleicht können Sie sie später mal voller Stolz Ihren Enkeln zeigen."
 

Pflicht und Kür

 Das gilt wohl kaum für die Hausarbeit aus dem ersten Semester. Viel wichtiger ist doch erst mal eine gute Note. Wie also schaffst du das? Vorarbeiten, rät Krämer. Mach dich mit deinem Schreib-Programm vertraut und lerne das Maschinenschreiben mit zehn Fingern. Etwas verstaubt wirkt das Buch hier, das auch noch von "Klapprechnern" spricht, die die Schreibmaschine ersetzt haben.
 

Der Datenbank-Checker

 Auch wichtig für eine gute Note: Quellen. Damit beschäftigt sich Krämer im zweiten Kapitel. Hier gibt er nützliche Tipps fürs Suchen in Datenbanken, wie zum Beispiel: den Fokus auf Schlagworte legen. Die sind zuverlässiger als Stichworte, weil sie von Menschen eingegeben werden. Maschinengenerierte Stichworte führen oft in die Irre. Außerdem bietet das Buch im Anhang eine Liste mit Datenbanken für verschiedene Fachrichtungen – eine nützliche Übersicht.
 

Empirisch unerheblich

 Im zweiten Teil diskutiert Krämer kurz die Gefahren eigener empirischer Erhebungen, von Messfehlern zu falschen Interpretationen. Dieser Einschub ist zu kurz, als dass er eine Hilfe für Studenten wäre. Das sieht Krämer selbst und verweist auf seine Bücher "Statistik verstehen" und "So lügt man mit Statistik".
 

Formsache: Inhaltsverzeichnis und Fußnoten

 Dann endlich befasst sich "Wie schreibe ich eine Seminararbeit" mit der Form. Wie muss das Titelblatt aussehen, und wie das Inhaltsverzeichnis? Krämer warnt vor zu vielen Unterpunkten - vier Ebenen reichen. Er gibt Beispiele für gute und schlechte Verzeichnisse. Seine zweiseitige Beschreibung zu Fußnoten allerdings macht er selber mit dem Kommentar überflüssig, dass er Fußnoten als störend empfindet. Wer kann, solle doch bitte auf Fußnoten verzichten. Das trifft sicher nicht den Geschmack aller Professoren.
 

Literaturverzeichnis und Grafik

 Krämers Angaben zum Literaturverzeichnis sind eher grob. Besonders, weil es in vielen Prüfungsordnungen genaue Angaben zu dessen Form gibt. Deswegen sollte der Student auch unbedingt alte Arbeiten einsehen und auf jeden Fall die Prüfungsordnung lesen. Für solche Tipps braucht man kein Buch. Immerhin erklärt es sehr anschaulich, wieso und wie man gute Grafiken verwendet. Seine Anekdoten und Schaukästen sind eine große Hilfe. Erfahrene Studenten aber werden in diesem Form-Teil wenig Neues erfahren.
 

Sprache: Begeistere böswillige Leser
 "Keiner der Ratschläge ist neu", sagt Krämer auch über seine Tipps zur sprachlichen Gestaltung. Trotzdem liefert er gute Hinweise: "Gute Schreiber schreiben so, dass auch der böswillige Leser sie verstehen muss." Auch die Kästen und Listen zu überflüssigen Silben und Verben sind praktisch. Nützlich sind auch die Ratschläge zum Einbinden von Formeln und zur Verwendung von Abkürzungen.
 

Zitate

 Im nächsten Kapitel beschreibt Krämer, wie wichtig korrekte Zitate sind. Leider erklärt er nur das Harvard Referencing System. Gerade international wird in den Geisteswissenschaften aber hauptsächlich das System der Modern Language Association verwendet. Zwar enthält das Buch eine umfangreiche Anleitung für das Zitieren mit Harvard Referencing, aber die gibt es auch übersichtlicher auf der Website der Anglia Ruskin-Universität. Klarheit über Zitier-Systeme bringt zudem der e-fellows.net wiki-Artikel.
 

Angst vorm weißen Blatt?

 Und wenn du eine Schreibblockade hast? Dann rät Krämer: einfach anfangen. Auch kein wirklich neuer Einfall. Er stellt allerdings einige hilfreiche Techniken vor wie das Ideen-Clustern oder das Führen eines wissenschaftlichen Journals. Er betont auch die Notwendigkeit, die Arbeit von anderen gegenlesen zu lassen, und rät davon ab, in der Schriftart Comic Sans zu schreiben – eigentlich selbstverständlich.
 

Mit Tippex zur 1,0?

 Am Ende bietet das Buch eine Checkliste für den Moment vor der Abgabe - ein praktischer Zusatz. Es sagt allerdings auch: Wer nach dem Druck noch Fehler findet, der darf ruhig mit Tippex korrigieren – das gefällt sicher nicht jedem Professor.
 

Ein Buch für Einsteiger

 "Wie schreibe ich eine Semester- oder Examensarbeit" ist ein handliches Buch für absolute Neulinge. Es ist gut strukturiert, bietet Schaukästen und Listen. Die Datenbanken-Übersicht im Anhang ist sehr nützlich. Wer allerdings schon mal eine Studienarbeit geschrieben hat, wird aus diesem Ratgeber kaum etwas Neues erfahren und sich an manchen Stellen an den Kopf fassen. Walter Krämers Buch ist geeignet für alle Fächer, aber ein wirkliches Erfolgsrezept für die perfekte Studienarbeit kann es nicht liefern - vielleicht, weil es dieses Zaubermittel nicht gibt?
 

Walter Krämer: Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? Campus Verlag, Frankfurt/Main 2009. 189 Seiten, 15,90 Euro.

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