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Der perfekte Konter

Boxhandschuh Boxen Sport Kontern Schlagfertigkeit (Quelle: sxc.hu, Autor: januszek)

'Schalten Sie Ihr Hirn ein, bevor Sie sprechen.' Wenn du so eine Bemerkung vor den Latz geknallt bekommst, verstummst du wahrscheinlich erst einmal. Die passende Antwort darauf fällt dir erst ein, wenn das Gespräch längst beendet ist. Heinz Ryborz erklärt in dem Buch 'Geschickt kontern: Nie mehr sprachlos', wie man wirksam pariert – zum Beispiel mit absurden Sprichworten.

Schlagfertig ist bekanntermaßen das, was einem auf dem Heimweg einfällt. Wenn du vom Chef mit einem "Sie begreifen aber auch gar nichts" zusammengestaucht wirst oder in einem Vortrag mit "Ihre Rede ist genauso wirr wie Ihre Frisur" unterbrochen wirst, kannst du die Bemerkung natürlich einfach schlucken. Wenn du aber nicht öfter zum Opfer solcher Spitzen werden willst und deinen Ärger darüber nicht in dich hineinfressen willst, solltest du mit einer knackigen Antwort Paroli bieten. Der Führungskräftetrainer Heinz Ryborz weiß Rat in seinem jüngst erschienenen Buch "Geschickt kontern: Nie mehr sprachlos".

Besser "Besser als" als Tschakka

Wer sich nicht am Anfang des Buchs abschrecken lässt von dem nichtssagenden Selbsttest "Wie stark ist Ihr Selbstwertgefühl?" (mit Fragen wie "Fühlen Sie sich oft unsicher?" und "Haben Sie häufig Selbstzweifel?") und Selbstmotivationstipps in Tschakka-Manier ("Ich schaffe es", "Ich will und ich kann"), findet einige wirksame Kontertaktiken, die mit der nötigen Übung berufsalltagstauglich sind.

Nützlich ist zum Beispiel die "Besser-als-Technik", die nach dem einfachen Muster verfährt, vorlaute Bemerkungen immer mit "besser als …" zu parieren. Auf unsachliche Kritik wie "Ihre Hose hat Falten" antwortet man demnach zum Beispiel mit "Besser Falten in der Hose als im Gesicht", auf "Du bist eine Pfeife" mit "Lieber eine Pfeife als stumm und keinen Ton rausbringen."

Community-Diskussionen zum Thema "Schlagfertigkeit"

Aus der Not eine Tugend machen

Nach einer ähnlichen Strategie verläuft die "Gerade-weil-Technik". Sie macht aus einer Schwäche eine Stärke: Wenn du im Bewerbungsgespräch gesagt bekommst, du hättest sehr lange studiert, kannst du antworten: "Gerade weil ich lange studiert habe, kenne ich mich fachlich gut aus." Der Vorteil der "Besser als"- und der "Gerade weil"-Technik ist, dass die Antworten in sehr vielen verschiedenen Situationen passen, nicht zu frech sind, um sich damit selbst ins Bein zu schießen, und einem nach diesen einfachen Mustern sehr schnell etwas Passendes einfällt.

Ebenfalls vielseitig einsetzbar ist die "Übersetzer-Technik", durch die du einen versteckt geäußerten Vorwurf offenlegst. Dir wird beispielsweise vorgeworfen, dass "hier ein schwerer Fehler gemacht wurde". Wenn du antwortest mit "Wollen Sie damit sagen, dass das meine Schuld ist?", versucht dein Gegenüber meistens, den Vorwurf abzumildern, um sich nicht auf eine eindeutige Aussage festnageln lassen zu müssen.

Verwirren mit afrikanischen Sprichwörtern

Andere Tipps von Ryborz muten etwas zu abstrus an, um glaubwürdig zu sein: Beispielsweise schlägt er vor, grundsätzlich mit Sprichwörtern zu antworten, vorzugsweise mit afrikanischen und völlig unpassenden – allein zu dem Zweck, den Gegner zu verwirren. Am besten antworte man auf Provokationen grundsätzlich mit "Die Kuh, die viel herumspringt, kommt wenig zum Fressen." Auf die Frage, was das zu bedeuten habe, solle man wieder mit einem Sprichwort antworten. Gefragt, warum man nur in Sprichwörtern rede, solle man ein Sprichwort über Sprichwörter rezitieren à la "Das Sprichwort ist wie ein Blatt, das man braucht, um ein Wort zu essen." Diese Taktik ist wohl nur zu empfehlen, wenn man sehr abgebrüht ist und seinen Ruf als komischer Kauz eh schon weg hat.

Viel alltagstauglicher sind da die von Ryborz so bezeichneten "weichen Schlagfertigkeitstechniken" wie die Verzögerungstaktik: "Sie werden verstehen, dass ich erst alle Einzelheiten werde prüfen müssen, bevor ich mich dazu äußere". Oder das Umformulieren von Verbalattacken: "Du bist pedantisch" – "Wenn du unter pedantisch verstehtst, dass ich mich immer genau informiere und wichtige Details nicht übersehe, gebe ich dir Recht."

Den Konflikt lösen statt nur zurückzufrotzeln

Vernünftigerweise gibt der Autor selbst zu, dass ein saftiger Konter den eigenen Status vor dem Publikum und vor sich selbst zwar wiederherstellt, einen echten Konflikt aber nicht lösen kann. Ryborz bietet daher in einem eigenen Kapitel Tipps zur Konfliktlösung und die passenden Sätze dazu.

So solle man sich auf Gesprächsregeln zu einigen, wenn das Wortgefecht zu heftig wird. Zum Beispiel könne man sagen: "Einigen wir uns darauf, das Thema ohne Angriffe zu besprechen.", "Ich schlage vor, Sie sagen mir genau, was Sie stört und wir klären den Konflikt." Oder "Können wir uns darauf einigen, diese Angelegenheit sachlich zu besprechen?"

Den anderen sich auskotzen lassen

Zudem solle man zu Anfang des Gesprächs den Konfliktpartner möglichst lange auffordern, seinen Standpunkt näher darzulegen, zum Beispiel mit: "Erläutern Sie mir das bitte näher" oder "Wodurch sind Sie zu der Ansicht gelangt?" Wenn man ihm Zeit gebe, seine Sicht der Dinge darzulegen, werde er auch für andere Meinungen aufgeschlossener. Dann solle man seine eigene Sicht mit Ich-Botschaften darlegen wie "Ich sehe die Sache so", "Ich habe dabei folgendes Gefühl", "Ich schlage vor", statt sich auf allgemeingültige Fakten zu berufen wie "Die Tatsachen zeigen doch", "Da irren Sie sich gewaltig" oder "Das ist nicht richtig". Wenn das Gespräch zu emotional wird und Gefahr besteht, dass man sich zu Gefühlsausbrüchen hinreißen lässt, solle man die Diskussion vertagen.

Die unterschiedlichen Gesprächssituationen ignoriert

Schade, dass das Buch so wenig differenziert zwischen all den unterschiedlichen Situationen, in denen man Provokationen ausgesetzt ist: Je nachdem, ob es sich um ein Bewerbungsgespräch, eine Diskussion mit Kollegen, eine Unterredung mit dem Vorgesetzten, ein Meeting oder ein Kundengespräch handelt, muss man auf andere Angriffe gefasst sein und ist ein anderer Ton angemessen.

Die meisten Strategien sind darauf ausgerichtet, freche Zwischenrufer bei Vorträgen und Reden vor großem Publikum zum Schweigen zu bringen und die Lacher auf seiner Seite zu haben. Mindestens für diese Situationen bietet Ryborz’ Buch aber ein ordentliches Repertoire an Kontern, mit denen man allemal besser dasteht, als wenn man verdutzt schweigt.

Heinz Ryborz: Geschickt kontern: Nie mehr sprachlos! Walhalla, Regensburg 2011, 160 Seiten, 16,95 Euro.

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