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Durchstarten wie Barack Obama

Studium, Buch, Brille (Quelle: sxc.hu/yust4you)

Studium, Buch, Brille (Quelle: sxc.hu/yust4you)

Neue Management-Bücher haben einen Trend: Die Zeit der exotischen Führungsprinzipien ist vorbei, Sachlichkeit triumphiert. Autoren schauen auf Promis und besinnen sich auf die Grundlagen der Mitarbeiterführung.

Berlin. Die Managementliteratur 2010 hat die neue Sachlichkeit entdeckt. Passé sind die Zeiten, in denen die Autoren fantasievolle Führungsprinzipien auf dem Buchmarkt platzierten: Da avancierte der Chef zum Alphawolf, der mit seinen Fähigkeiten ein Wolfsrudel in Schach halten konnte, oder wurde feingeistig zum Dirigenten erklärt, der ein Orchester zum Klingen bringt. Auch von Minuten-Managern oder radikalen Ansätzen, die Führungskräften empfahlen, ihre Instrumentarien zur Personalentwicklung gleich ganz über Bord zu werfen, ist nichts mehr zu lesen.
 
Stattdessen: zurück zur Basis und den - oft unzufriedenen - Mitarbeitern. Beim Blick auf die Neuerscheinungen der ersten Jahreshälfte sticht ein Trend ins Auge: Es geht ganz konservativ um die Grundlagen guter Führung, also Ziele setzen, Feedback geben und eine offene Informationspolitik betreiben, auch wenn es hart auf hart kommt. Statt neue Kennzahlen zu definieren und zu kontrollieren, sollen Mitarbeiter motiviert werden und stärker ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden.

Klar ist: Führen wird im Karussell der Krisen und des Wandels ein immer härterer Job. Das spiegeln die vom Handelsblatt ausgewählten drei neuen Managementbücher wider: Das österreichische Autorenteam Elisabeth Haberleitner, Elisabeth Deistler und Gerhard Ratz gibt in seinem Ratgeber "Orientierung geben in schwierigen Zeiten" Tipps, wie man unzufriedene Mitarbeiter motivieren kann. Ihr Landsmann Peter Zulehner unterstützt Führungskräfte beim "Navigieren im Auge des Taifuns".
 
Den kompaktesten Ansatz bei der Suche nach den wesentlichen Grundsätzen von Führung und Management liefert der Schweizer Berater Frank Arnold. In seinem lesenswerten Kompendium "Management. Von den Besten lernen" verführt er den Leser dazu, eine Stunde mit Madonna, Steve Jobs, Jack Welch oder Thomas Mann zu verbringen. 62 kurze Biografien von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Kunst, Geschichte und Showbizz verknüpft er mit zentralen Managementlehren. So stehen der legendäre CEO von General Motors, Alfred P. Sloan, für das Thema "Wirksame Entscheidungen treffen", Thomas Mann für "Disziplin", Einstein für das Thema "Eigene Stärken einsetzen", Computerhändler Michael Dell für "Kundenorientierung" und Madonna für "Innovation und radikale Neuausrichtung".
 
Auch US-Präsident Barack Obama wird porträtiert, er steht für das Kapitel "Beförderung und Karriere", in dem es um die Frage geht: Wie soll man die Weichen für den Aufstieg stellen?

Fleiß statt Work-Life-Balance

Die Idee, die dahintersteckt: Welche Fähigkeiten bringen Menschen dazu, ihre Ziele zu erreichen, und was können wir von ihnen lernen? Jack Welch, Managerlegende von General Electrics, steht für das Kapitel: "Sich mit guten Leuten umgeben". Führungskräfte müssten sich immer fragen: "Wofür ist dieser Mitarbeiter gut?" Arnold rät: "Da Menschen nur wenige Stärken haben, muss man das eine Gebiet finden, auf dem ein Mensch wirklich etwas Bemerkenswertes leistet."

Die Zuordnung der Persönlichkeiten zu einem Managementthema ist manchmal etwas willkürlich. Allerdings macht die Vielfalt der Biografien auch den Reiz des Buches aus. Und ganz nebenbei bringt Arnold das Kunststück fertig, ein Managerbuch zu schreiben, das viele Leser ohne Fachinteresse finden kann.
 
Peter Zulehner legt in "Navigieren im Auge des Taifuns. Die Kunst des Führens leicht gemacht" die Summe seiner Erfahrungen vor. Einen "Werkzeugkoffer" will der Ex-Manager des Autozulieferers Magna seinen Lesern an die Hand geben. Er fordert Führungskräfte auf, Ruhe zu bewahren und wichtige Entscheidungen nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten. Und vor allem: Er zeigt, was Manager zu Führungskräften macht.
 
"Führen heißt: Sorge tragen, dass die Arbeit gemacht wird", schreibt Zulehner und gibt praktische, leicht umsetzbare Anweisungen: Klare Worte sind gut, Konsequenz und vor allem Anerkennung für die Mitarbeiter. Dabei zeigt er sich gerne als Manager alter Schule und fordert zu "Fleiß, Bodenhaftung und gesundem Menschenverstand" auf. Von Work-Life-Balance hält er nicht allzu viel - da käme der Fleiß zu kurz.
 
Das fällt in der neuen Managerliteratur insgesamt auf: Zwar werden die Herausforderungen durch Globalisierung, sich schnell verändernde Märkte und eine immer höhere Informationsdichte in allen Büchern umrissen. Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf den Führungsstil werden aber kaum thematisiert. Was heißt es für die Chefs und Chefinnen, dass mehr und mehr junge Mitarbeiter darauf drängen, Beruf und Familie zu vereinbaren, und Karriereperspektiven einfordern? Was bedeutet es, internationale Teams zu führen oder einen ständigen Mitarbeiterwechsel wegen befristeter Stellen aufzufangen?
 
Die Coachingtrainer Elisabeth Haberleitner, Elisabeth Deistler und Gerhard Ratz, die sich an das mittlere Management wenden, gestehen den Managern in der sich rasant verändernden Unternehmenswelt immerhin zu, selbst Ängste zu haben. Die Konsequenz daraus: ab zum Coaching. Erst wenn sich die Führungskraft über ihren "Wesenskern" klar geworden sei, kann sie Mitarbeiter führen. Das mag stimmen. Der Coachingansatz bringt jedoch einen pseudophilosophischen und spirituellen Zug hinein, der das Eingangskapitel zur zähen Lektüre macht.
 
Und was kann man lernen? Alle Autoren geben Praxistipps, wie man als Führungskraft seine Rolle als Primus inter Pares konsequent ausfüllt. Die wichtigste Regel heißt: raus aus der Chefetage und direkt mit den Leuten reden. Es geht darum, frühzeitig über Veränderungen zu informieren und als Chef zum Vorbild zu werden. Auch das unter einem großen Druck stehende mittlere Management muss sich mutig gegen Vorgaben aus dem Vorstand durchsetzen, um bei den Mitarbeitern glaubhaft zu bleiben. Hilfreich ist bei Haberleitner und Co. die Klassifizierung in Typen wie Empathiker, Logiker, Bewahrer und Rebellen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen, die manche Chef-Mitarbeiter-Beziehung erleichtern dürfte.
 
In puncto Optik ist "Orientierung geben" mit großen Textblöcken und blass gedruckten Grafiken so schlicht gehalten, dass es nicht unbedingt zum Lesen inspiriert. "Management - Von den Besten lernen" ist auch ästhetisch ein Genuss. Das Buch eignet sich sogar als Nachttisch-Lektüre.
 
Frank Arnold: Management - Von den Besten lernen Hanser, München 2010, 417 Seiten, 24,90 Euro.
 

Peter Zulehner: Navigieren im Auge des Taifuns. Die Kunst des Führens leicht gemacht Linde, Wien 2010, 160 Seiten, 22 Euro.
 

E. Haberleitner, E. Deistler, G. Ratz: Orientierung geben in schwierigen Zeiten Redline, München 2010, 240 Seiten, 29,90 Euro.
 

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