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Auf dem Barhocker zum Erfolg

Bücher (sxc.hu, svilen001)

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Meterweise füllt Management-Literatur die Bücherregale. Doch die meisten Ratgeber sind langweilig oder kompliziert. Neue Bücher zeigen, dass es auch anders geht: mit Leichtigkeit und Spaß.

Im Sitzen wird der Organismus träge, meint Helmut A. Gansterer. Dann schon lieber auf einem Barhocker lümmeln, denn "der Barhocker hält den Kopf kühl und den Kreislauf frisch", schreibt der Wirtschaftsjournalist aus Österreich in seinem Buch "Endlich alle Erfolgsgeheimnisse". Deshalb sei der Barhocker ein unentbehrliches Utensil für jene, die höheren Erfolg suchen - auf ihm erhöht sitzend, arbeitet man schneller und hat dank seiner Unterstützung bessere Ideen.
 
 Wo das Möbel stehen soll, damit die Karriere klappt, schreibt Ganssterer nicht. Es muss nicht in einer Bar sein, kann aber. Gansterer selbst jedenfalls arbeitet lieber am Stehpult. Dass man jedoch auch mit einem Cocktail in der Hand den Weg an die Spitze finden kann, beschreibt Ralph Goldschmidt in seinem Buch "Shake your Life".
 

Leistung und Leidenschaft
 Sein Barkeeper Bruno serviert nicht nur "Painkiller" und "Screwdriver" (inclusive Rezepten), sondern bringt seiner Kundschaft durchaus effizient bei, dass Erfolg, Leistung und Macht auf der einen und Leidenschaft, Lifestyle und Träume auf der anderen Seite kein Widerspruch sein müssen.
 
 Die beiden neuen Management-Ratgeber haben eines gemeinsam: Sie fallen auf in der Masse der Fachliteratur, die in jeder Buchhandlung Regalmeter füllt. Vertieft man sich in die neuen-alten Standardrezepte, die zum großen Teil aus den USA kommen, wird schnell klar, dass die meisten einem Alltagstest nicht standhalten. Viele Anleitungen zum Erfolg, zur Führung und zur beruflichen und persönlichen Entwicklung sind kompliziert zu lesen, überfrachtet mit Diagrammen, schwer umzusetzen und meistens gähnend langweilig.
 
 Auch Gansterer und Goldschmidt haben den Typus Management-Ratgeber nicht neu erfunden und ihre Erkenntnisse ("Erfolg ist nicht Zufall, sondern erlernbar", "Love it, change it or leave ist") sind auch schon woanders publiziert worden. Aber die Lektüre ihrer Bücher macht Spaß. Die raffinierte Mischung von ironischer, aber präziser Beschreibung der zu ändernden Dinge und leichtfüßigen Hinweisen, wie das gehen kann, funktioniert. Dazu sind die Bücher nicht allzu lang und ihre kurzen Kapitel kann man auch einzeln lesen.
 
 Der Vorschlag, mit Barhocker oder Stehpult bessere Ideen zu haben, ist nur eines von vielen Erfolgsgeheimnissen, die Gansterer verrät. Der Publizist bringt mit viel Wortwitz seine Lebenserfahrung in das Buch ein. Als damaliger Chefredakteur des österreichischen Wirtschaftsmagazins "trend" reiste er zehnmal um die Welt, immer mit dem Ziel, so viele Konzernlenker wie möglich zu treffen.

Charisma und Opernschlaf
 So interviewte er Bill Gates, Ryuzaburo Kaku von Canon, Raymond Levy von Renault, Carlo De Benedetti von Olivetti und traf in Silicon Valley noch den alten William Hewlett. Sie alle hätten übereinstimmend die sogenannte Management-Literatur verworfen, merkt Gansterer nebenbei mit Genugtuung an. Doch er erzählt nicht die Geschichten der erfolgreichen Unternehmenslenker, sondern filtert die Gesetzmäßigkeiten des Erfolgs heraus.
 
 Im Grunde geht es in seinem Buch um Erfolgspsychologie, nur neu verpackt. Und so zählt Gansterer - immer in Ich-Form und mit wohltuender Selbstironie - die Faktoren auf, die zum Aufstieg an die Spitze führen. Leidenschaft ist das, Neugier, die Entwicklung eines Gegenwartssinns, aber auch Egoismus, "die natürlichste Sache der Welt". Schon Adam Smith habe nicht nur die Selbstregulierung freier Märkte gelobt, sondern auch gesagt: "Die Summe aller Einzel-Egoismen ergibt das größere Gemeinwohl."
 
 Gansterers Katalog der Erfolgsfaktoren hat auch ungewöhnliche Kapitel: Charisma sei gar nicht gut, schreibt er, denn es sei nicht erlernbar und praktisch seien alle Charismatiker gescheitert, ob Hitler, Stalin, Martin Luther oder Lee Iacocca. Geld dagegen "bringt nicht um", deshalb sein Rat, zu prüfen, ob das eigene Verhältnis zu Geld etwa durch falsche Einflüsterer vergiftet wurde. Grandios wienerisch das Schlagwort "Opernschlaf": Man setze die Geschäftsfreunde auf gute, weit entfernte Plätze, gehe mit Freunden in die eigene Loge, setze die Damen in die erste Reihe und schlummere geschützt im Dunkel dahinter. Es sei nur besser, eine klassische Inszenierung zu wählen, damit kein plötzlicher Donnerschlag den Schlaf stört. Besonders nach einer Mozartoper erwache man wie neugeboren.
 
 Von allen psychologischen Barrieren befreit und auch wissend, dass beim Weg nach oben ungemütliche Phänomene wie ein höherer Grad an Einsamkeit und mehr Gegner dazugehören, entlässt Gansterer seine Leser mit einem eindeutigen Fazit, wenn man seine Regeln befolgt: "Der Erfolg wird sich kaum vermeiden lassen."

Pina Colada steht für Erfolg
 Ralph Goldschmidt, Volkswirt, Sportwissenschaftler, Redner und Coach, hat bei seinem Buch viel Wert auf die Gestaltung gelegt. Fotos zeigen ihn beim Mixen in der Jangada-Bar, bunte Einblocker bieten Sekunden-Weisheiten wie Friedrich Nietzsches "Wer ein Warum im Leben kennt, erträgt fast jedes Wie", und die sieben Kapitel heißen je nach einem Cocktail, dessen Zubereitung ausführlich beschrieben wird. Pina Colada steht für Gesundheit, Erfolg und Familie, Painkiller, mit braunem Rum, Coconut-Cream und Ananassaft, für Status, Luxus und Macht.
 
 Raffiniert webt Goldschmidt seine Botschaft von einem Leben mit Erfolg und Leichtigkeit in Geschichten aus der Bar. Keeper Bruno, sein Alter Ego, mixt, hört zu und gibt der Kundschaft schließlich gute Ratschläge. Mehr Leistungskraft und mehr Lebensglück, das soll dem Leser vermittelt werden.
 

Mangel an Selbstverantwortung
 Da ist zum Beispiel der Pina-Colada-Manager um die vierzig mit dem runden Rücken und dem leichten Übergewicht, "mit einem Schuss zu viel Verantwortung für seine Konstitution", denn erfolgreiche Menschen hätten eine andere Körperhaltung, wie Bruno beobachtet. Er tauft ihn "Hängematte" und diagnostiziert einen Mangel an Selbstverantwortung.
 
 Sein Rezept: nicht mehr jammern, sondern aktiv werden, entweder den Job machen oder etwas anderes suchen. Am Ende verlässt "Hängematte" zufrieden und nachdenklich nach drei Drinks die Bar und meldet sich einen Monat später per Postkarte mit dem Wort "danke".
 
 Auch hier hat also der Tipp mit dem Barhocker geholfen, auch wenn vor der Selbsterkenntnis und den Ideen die Predigt eines Barkeepers kam. Profi Ganterer scheiterte allerdings im eigenen Haus mit seiner Anregung, im Stehen zu arbeiten: Als "trend"-Chefredakteur verordnete er in den 80er-Jahren seiner Redaktion Steh-Konferenzen. Sie hätten nur halb so lang gedauert und zweimal so viele Ideen gebracht, schreibt er, wurden aber wieder abgeschafft, weil die Frauen in der Redaktion protestierten.
 

Helmut A. Gansterer: Endlich alle Erfolgsgeheimnisse, Ecowin, Salzburg 2010, 231 Seiten, 19,95 Euro.
 
 Ralph Goldschmidt: Shake your Life, Gabal, Offenbach 2010, 250 Seiten, 29,90 Euro.
 
 
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