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Karrierekiller Social Media?

Like, Share, Tweet - Social Media (© Rawpixel - Fotolia.com)

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Gerade junge Ärzte sind intensive User von Social Media. Das die ungehemmte Verbreitung nur vermeintlich privater Informationen mit Risiken verbunden ist, dürfte den meisten bekannt sein. Wie nachteilig aber kann eine schlechte Web Reputation für die Karriere wirklich sein? Und welche Möglichkeiten gibt es, sich intelligent als Wissensträger zu positionieren? Ein Fachbeitrag des Internetexperten Dr. Michael Gebert.

Nicht nur als Markenbotschafter, sondern auch bei der Karriereplanung spielt der Ruf im Internet inzwischen eine entscheidende Rolle. Laut einer Studie des Branchenverbands BITKOM veröffentlichten im Jahr 2013 über 44 Prozent der deutschen Unternehmen aller Branchen offene Stellen in sozialen Netzwerken. Aber die Personaler nutzen Social Media nicht nur zur Stellenausschreibung. Bei einer Befragung der US Jobbörse CareerBuilder im Herbst vergangenen Jahres gaben 26 Prozent der Personalbearbeiter an, Informationen über ihre Bewerber im Internet zu recherchieren. Sie klopfen Lebensläufe ab, überprüfen Referenzen, stöbern nach Meinungsäußerungen und Freizeitaktivitäten. Nicht selten legen dabei Handlungen und Meinungen aus der Privatsphäre der Bewerber Details offen, die Personalchefs weitaus mehr interessieren als die eingereichten Bewerbungsunterlagen. Unternehmen gehen aber noch einen Schritt weiter: Headhunter wie Heidrick & Struggles beschäftigen ganze Abteilungen, um Kandidaten auf Herz und Niere zu überprüfen. Im indischen "Knowledge Management Center" des weltweit operierenden Personalberatungs- unternehmens erstellen Experten nach Informationen der Wirtschaftswoche bis zu 25-seitige Dossiers über potenzielle Führungskräfte natürlich mithilfe des Internets.

Digitales Vergessen

In der digitalen Welt beeinflusst ein ganzes Arsenal von neuen Medien wie Blogs, Tweets, SMS, Posts auf Facebook oder Videos auf Youtube die Reputation im realen Leben. Den meisten ist dabei nicht bewusst, dass die Datenspuren, die Alltagshandlungen im Netz hinterlassen, sich ganz einfach zu einem Persönlichkeitsprofil zusammenbauen lassen – und wie wenig man dies unter Umständen beeinflussen kann. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn das Profil Fehler enthält, Informationen veraltet oder verjährt sind oder sich gar auf eine ganz andere Person mit gleichem oder ähnlichem Namen beziehen. Deshalb will das Verbraucherschutzministerium Fotos in sozialen Netzwerken wie Facebook mit einem Verfallsdatum versehen. Der Saarbrücker Informatiker Michael Backes entwickelte zu diesem Zweck die Software Xpire, die Bilder nach einer bestimmten Zeit mit einer Art "digitalem Radiergummi" unsichtbar machen soll. An einer ähnlichen Verschlüsselungslösung arbeitet derzeit auch ein Team an der Universität des US Staates Washington. Das "Vanish"-Projekt will erreichen, dass sich digitale Daten aller Art, also nicht nur Fotos, nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören. Der Haken: Solange die Daten sichtbar sind, können sie kopiert und ohne Verfallsdatum weiterverbreitet werden. Auch von den mit Xpire geschützten Fotos kann man während ihrer Sichtbarkeit auf Facebook Screenshots anfertigen und kopieren. Backes räumt daher ein, dass diese Lösung "kein Freifahrtschein" sei.

Die neue Öffentlichkeit

Kritiker ziehen daher den nachhaltigen Umgang mit persönlichen Daten dem 'digitalen Vergessen' vor. Andy Müller Maguhn vom Chaos Computer Club meint zum 'digitalen Ratzefummel' Xpire: "Ich möchte nur ungern eine technische Lösung abnicken, die bei Leuten nicht greift, die es nicht gut meinen." Es könne mehr Schaden als Nutzen stiften, wenn sich die Nutzer in einem falschen Gefühl der Sicherheit wögen. Viktor Mayer Schönberger von der Harvard University und Autor des Buchs 'Delete' vergleicht den Versuch, im Netz etwas ungeschehen zu machen, daher auch mit dem Wunsch, eine Tätowierung wegzubekommen. Tinte beziehungsweise Informationen gingen dabei oft nicht weg, sondern verliefen nur noch weiter, sagt er. Auch Journalist und Internetexperte Richard Gutjahr hält die Vorstellung, dass einmal ins Netz gestellte Daten löschbar sind, für naiv. Seiner Meinung nach steht die Gesellschaft beim Thema Öffentlichkeit gerade an einem Wendepunkt. "Wir werden uns daran gewöhnen, dass wir öffentliche Menschen sind und dass wir uns auch selbst in der Öffentlichkeit darstellen wollen", ist Gutjahr überzeugt.

Eigenes Persönlichkeitsprofil verfolgen

Unabhängig vom Haltbarkeitsdatum von Fotos, Videos oder Posts scheint es unerlässlich, die eigene Reputation im Netz ständig im Blick zu behalten, zu analysieren und die Informationen über das eigene Persönlichkeitsprofil sinnvoll zu verdichten. Für die Analyse von Reputation im Internet ist die klassische Keyword Suche längst nicht mehr ausreichend. Es bedarf linguistischer und kontextsensitiver Suchalgorithmen, die das gesamte Web, seien es klassische Portale oder soziale Netzwerke durchforstet und die relevanten Inhalte auf einen Nenner zusammenbringt.

Dr.Michael Gebert im Gespräch mit Ibrahim Evsan, Online-Reputationsexperte und Gründer von www.socialtrademarks.de

Die zehn wichtigsten Insider Tipps:

Schützt euren Namen: Ibrahim Evsan weiß, dass ihr einzigartig seid – euer Name ist es im Zweifel aber nicht! Insofern solltet ihr ihn im Web auf sämtlichen Social-Media-Plattformen und der persönlichen Domain schützen. Wer euch googelt, soll euch auch finden und nicht die Webseite eines Zahnarztes mit dem gleichen Namen.

Seid euer eigener Verleger: Evsan rät außerdem dazu, sich ein eigenes Blog anzulegen. Schreibt von Anfang an in eurem Namen und legt interessante Kategorien an: Frei wählbare Kategorien können zum Beispiel Presseberichte und eine Konferenzseite sein. Wichtig ist auch die sogenannte „Über-mich“-Seite, auf der alle Social- Media-Kanäle gebündelt aufgeführt sind.

Beiträge und Kommentare verfassen: Schreibt regelmäßig Blog-Artikel und stellt sicher, dass ihr sie auf ehrliche und persönliche Weise verfasst. Um auch außerhalb eurer Seite auf euch aufmerksam zu machen, rät der Experte fachspezifische Portale sowie Foren aufzusuchen, um hier ebenfalls euer Wissen mitzuteilen.

Verschiedene Content-Arten nutzen: Bedient euch im Netz einer Vielzahl von Content- Arten: Fertigt Präsentationen auf Slideshare an, gebt Webinare, veröffentlicht Infografiken und Statistiken zu euren Themen und setzt euch mit visuellem Storytelling sowie Podcasts auseinander.

Fachinterviews durchführen: Mithilfe von Video- und Online-Interviews, könnt ihr zeigen, dass ihr auch von Außen als Experte zu eurem selbstgewählten Thema wahrgenommen werdet. Ibrahim Evsan hat dahingehend festgestellt, dass vor allem Videoformate aufgrund des visuellen Effekts öfter in Sozialen Medien geteilt werden. Zudem bekommen Zuschauer einen direkten Eindruck von euch und eurer Persönlichkeit.

Beteiligung an Social-Media- Communities: Lasst euren Namen nicht in Vergessenheit geraten, rät der Blogger. Seid daher aktiv im Internet unterwegs und beteiligt euch an Diskussionen zu eurem Herzensthema.

Keine Vernachlässigung der ausgewählten Plattformen: Wenn ihr euch für bestimmte Soziale Medien und einen Blog entschieden habt, füllt die Kanäle regelmäßig mit interessanten und für den Leser wertvollen Inhalten. Nur auf diese Weise bindet ihr eure Follower an euch und werdet von ihnen auch weiterempfohlen.

Kontakte zu anderen Experten aufbauen: Sucht im Internet nach weiteren Experten auf eurem Gebiet! Evsan verweist dabei vor allem auf Berufsportale wie Xing oder LinkedIn, über die ihr euch leicht vernetzen könnt. Tauscht nach der Kontaktaufnahme gemeinsame Gedanken und Wissen aus und verlinkt euch – wenn möglich – auf euren eigenen Plattformen.

Regelmäßige Besuche auf Konferenzen: Es gibt für jedes Thema entsprechende Events. Informiert euch über die Veranstaltungen und nehmt daran teil. Nutzt offene Plattformen wie Twitter, um Interessierten mitzuteilen, dass ihr als Besucher oder vielleicht sogar Speaker teilnehmt. Evsan weiß: Hier kommt ihr in Kontakt mit anderen Experten und knüpft wertvolle Kontakte.

Reputationskontrolle: Überprüft regelmäßig veröffentlichte Inhalte über euch auf negative Beiträge. Nehmt gegebenenfalls Stellung dazu ein oder bittet darum, diskreditierende Kommentare zu entfernen. Pflegt zudem eure Online-Identität auf Aktualität und haltet Ausschau nach Plagiaten – das kommt öfter vor als ihr denkt!

Fazit

Wer sich im Internet einen guten Ruf aufbauen will, der sollte sich dabei weder zu sehr auf Datenschützer noch auf Ministerien oder neue Technologien verlassen. Da das Selbstbild im Netz sehr stark von Fremdeinwirkungen geprägt ist, ist es wichtig, selbst Verantwortung zu übernehmen. Nur wer ein klares Bild davon hat, wie sich die eigene Reputation im Netz entwickelt, wird auch in der Lage sein, diese positiv zu steuern und frühzeitig negative Einflüsse abzuwehren.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgaben von Arzt & Karriere.

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