Partner von:

Die schwierige Suche nach einem Tauschpartner

Bibliothek Studium Studenten Bücher Lachen Paar 1280x720 unsplash.com, Josh Felise

Quelle: unsplash.com, Josh Felise

Zufrieden mit dem Studienfach, aber nicht mit dem Ort? Ein Hochschulwechsel ist auch in zulassungsbeschränkten Fächern wie Medizin möglich – wenn zwei Studenten ihren Platz tauschen. Was ist dabei zu beachten?

Vier Semester lang studierte Anna Levi in Leipzig Medizin, dann hatte sie genug. "Ich wollte einfach noch mal eine andere Stadt kennenlernen." Im vergangenen Jahr ist die Zweiundzwanzigjährige, nachdem sie ihr Physikum abgelegt hatte, an die Goethe-Universität nach Frankfurt gewechselt. Und ist zufrieden mit dieser Wahl: "Ich bin sehr glücklich hier", sagt sie.

Da Medizin ein zulassungsbeschränkter Studiengang ist, konnte Levi sich jedoch nicht direkt in Frankfurt einschreiben. Denn nicht nur für Erstsemester ist es schwer, eine Zulassung für das Medizinstudium zu bekommen. Auch in den höheren Semestern werden an den Unis kaum Plätze frei. Was in zulassungsfreien Studiengängen einfach ist – hier besteht ein Hochschulwechsel daraus, sich an der alten Universität zu exmatrikulieren und sich an der neuen einzuschreiben – muss innerhalb eines zulassungsbeschränkten Fachs anders vonstattengehen, wenn ein Ortswechsel geplant ist: In der Regel tauscht man mit einem Studenten der Wunschuniversität den Platz.

Frühzeitig um Tauschpartner kümmern

Um Medizin in Frankfurt weiterstudieren zu können, musste Levi also jemanden suchen, der in Frankfurt Medizin studierte und nach Leipzig gehen wollte. Dabei ist frühzeitiges Kümmern geboten: Obwohl sie erst im Oktober nach Frankfurt wechselte, begann Levi bereits im Juni mit der Suche nach einem geeigneten Tauschpartner. Dafür inserierte sie in einer Facebook-Gruppe mit dem Namen "Studienplatztausch Medizin". Das sei kein großes Ding gewesen, berichtet sie. "Ich musste nur aufschreiben, von wo ich wohin wechseln will und in welchem Semester ich bin." Denn der Wechsel funktioniere nur bei Studenten, die auf dem gleichen Leistungsstand seien.

An der Goethe-Universität dürfen in den höheren Semestern nur Studenten tauschen, die im selben Fachsemester sind und denselben Ausbildungsstand haben. Wer die Regelstudienzeit überschritten hat, ist davon ausgeschlossen. Wer bereits an einen anderen Ort möchte, bevor er mit dem ersten Semester begonnen hat, muss den Studienplatz in derselben Zulassungsquote wie sein Tauschpartner erhalten haben. Ein Erstsemester, der über Wartesemester an seinen Studienplatz gelangt ist, darf also keinen Tauschpartner haben, der über den Numerus clausus aufgenommen wurde.

"Wir wollen verhindern, dass jemand mit einem Tausch unser Zulassungsverfahren umgeht", sagt der Sprecher der Goethe-Universität. Zum Wintersemester, das im Oktober beginnt, würden in der Regel zwischen zehn und fünfzehn Personen den Studienplatz tauschen, zum Sommersemester seien es weniger als fünf. Das Phänomen gebe es an der Goethe-Uni allerdings fast ausschließlich bei den Medizinern und Zahnmedizinern.

Nach dem Physikum guter Zeitpunkt für Standorttausch

"Das ist fast ein reines Mediziner-Phänomen", sagt auch Dominik Bernsen. Der Zweiundzwanzigjährige ist von Frankfurt nach Würzburg gewechselt. "Würzburg ist eine kleine, traditionelle Studentenstadt. Ich fühle mich dort wohler", sagt er. Genau wie Levi wechselte er nach dem Physikum, doch anders als die Studentin musste er schon ein Jahr vorher mit der Suche nach einem Tauschpartner beginnen. "Frankfurt ist bei den Medizinern nicht besonders begehrt."

Eine Plattform hilft bei der Suche

Pascal Schnalke kann das bestätigen. "Die klinische Phase des Studiengangs hat in Frankfurt bei vielen Studenten keinen guten Ruf", sagt der Frankfurter Student, der sich auch in der Fachschaft Medizin engagiert. Ob der schlechte Ruf berechtigt ist, sei fraglich. Es würden aber viele Studenten darüber nachdenken, nach dem Physikum an einen Studienort zu wechseln, wo es vermeintlich besser sei. Außerdem sei nach dem Physikum, das Medizin-Studenten nach der vorklinischen Phase ablegen, ein guter Zeitpunkt für einen Studienplatztausch. Denn deutschlandweit sei der schriftliche Teil des Physikums einheitlich. Haben beide Tauschpartner die Prüfung gerade abgelegt, könnten die Universitäten daher gut prüfen, ob die Studenten denselben Wissensstand haben. "In der Regel wechseln bei uns die Studenten nach dem Physikum oder vor dem ersten Semester", sagt Schnalke.

Da nicht jeder Medizin-Studiengang denselben Schwerpunkt hat, lassen die Universitäten auch nicht jeden Tauschversuch durchgehen. Die Uni Gießen etwa lässt während der klinischen Phase diesen Vorgang nicht mehr zu. Auch die Universität Frankfurt kann nicht jedem Tauschwunsch nachgehen. "Manche Studenten schalten dann einen Anwalt ein", sagt Schnalke. Doch das sei nicht zwangsläufig erfolgversprechend.

Plattform hilft bei der Suche

Auch Medizinstudent Bernsen hatte Angst, dass sein Wechsel nach Würzburg nicht zustande kommt. Sein Tauschpartner habe bis zum Vollzug ein Semester gewartet. Daher hätten sie beide zwar dieselbe Zahl an Fachsemestern studiert, aber nicht an Semestern insgesamt. "Aber im Endeffekt ging alles ganz einfach", sagt Bernsen. Sein Tauschpartner und er hätten beide ein Formular ausfüllen müssen, das sie ihren jeweiligen Unis vorlegen mussten. "Das hat vielleicht eine Minute gedauert."

Das Tauschformular finden Studenten auf den Internetseiten der Universitäten, wo auch recht genau aufgelistet wird, wie der Prozess ablaufen soll. Komplizierter ist die Suche: "Nur ein Drittel der Tauschwilligen findet auch einen Partner", sagt Manfred Bähr, Betreiber von Studienplatztausch.de. Die Plattform hilft Studenten bei der Suche, sie wird seit 1990 von den Studierendenschaften finanziert. Zwischen 6.000 und 8.000 Studenten sind nach Angaben der Plattform jährlich auf der Suche nach einem Tauschpartner. Die meisten von ihnen studieren ein medizinisches Fach, aber auch Betriebswirte und Juristen nutzten das Angebot der Plattform. In den ersten Semestern wechselten die Studenten aus persönlichen Gründen, etwa um näher bei der Familie zu wohnen. Bei den älteren Semestern sei ein Wechsel aber meist fachlich motiviert, sagt Bähr. "Was ich aber allen rate, die tauschen wollen: mindestens ein halbes Jahr vorher mit der Suche beginnen."

Alle Rechte vorbehalten. Copyright Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

nach oben

In der Stipendien-Datenbank findest du fast 900 Stipendien von 500 Institutionen - für Bachelor, Master, Praktikum und Promotion.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren