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Ein Masterplan für angehende Ärzte

Medizin, Doktor, Kittel [Quelle: RGBStock.com, Autor: lusi]

Quelle: RGBStock.com, lusi

Das Medizinstudium steht vor der Reform. Schlechte Abiturienten sollen bald keinen Studienplatz mehr bekommen, auch nicht durch Klagen und Wartezeit. Umstritten ist eine Landarztquote.

Bianca und Susanne sitzen im Keller der Frankfurter Universitäts-Hautklinik nur wenige Bankreihen voneinander entfernt. Beide beugen sich über ihre Mikroskope, schieben ein Glasplättchen nach dem anderen unter das Objektiv. Vor den Fenstern wird es langsam dunkel, während der Kursleiter durch sein Mikrofon erklärt, welche Strukturen die Humanmedizin-Erstsemester auf den Präparaten sehen können: Knorpel, Knochen, Fettzellen.

Für Bianca und Susanne ist es die dritte Woche nach Semesterbeginn. Eigentlich habe sie befürchtet, mit ihrer Abiturnote 1,7 keine Chance auf einen Medizinstudienplatz zu haben, erzählt die neunzehn Jahre alte Bianca. Doch im freiwilligen Studierfähigkeitstest TMS (Test für medizinische Studiengänge), dessen Ergebnis etwa zwanzig Medizinerfakultäten neben dem Abitur in ihr eigenes Auswahlverfahren einbeziehen, erreichte sie ein herausragendes Ergebnis und bekam einen Studienplatz, nur wenige Wochen nach ihrem Abitur. Für ihre 26 Jahre alte Kommilitonin Susanne dauerte es sieben lange Jahre, bis ihr die Zulassungsstelle hochschulstart.de endlich den ersehnten Bescheid schickte. Sie nutzte die Zeit, um eine Ausbildung zur Krankenschwester abzuschließen.

Wenn es nach den Vertretern der Deutschen Hochschulmedizin ginge, dann wird es in Zukunft mehr Studenten wie Bianca geben, die mit einem guten, aber nicht exzellenten Abitur sofort einen Studienplatz bekommen. Ein Eingangstest wie der TMS soll zur Pflicht für alle Bewerber werden. Studienbewerber mit mittelmäßigem oder schlechtem Abitur, die sich bisher nur mit Wartesemestern einen Platz sichern konnten, sollen sich künftig nur noch dreimal bewerben können. Jedes Mal entscheidet dann das Los, nicht die Dauer der Wartezeit. So steht es in dem Reformpapier "Masterplan Medizinstudium 2020", das der Dachverband Deutsche Hochschulmedizin - bestehend aus Medizinischem Fakultätentag und Verband der Universitätsklinika Deutschlands - vorgelegt hat. Die großen Felder der vom Bundesgesundheitsministerium und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erarbeiteten Reform werden die Zulassung zum Studium, die Praxisnähe der universitären Ausbildung und, mit Blick auf die schwindende Zahl der Hausarztpraxen in ländlichen Regionen, die Stärkung der Allgemeinmedizin schon im Studium sein.

Schlechtere Resultate nach Wartezeit

In den vergangenen Wochen haben verschiedene Expertenorganisationen deutlich gemacht, wie sie zu den großen Themen der Reform stehen. Die Stellungnahmen von Marburger Bund, Deutscher Hochschulmedizin und der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften weisen starke Parallelen auf. Die Reform der Zulassungsregeln ist für alle die größte Baustelle. "Wir haben zurzeit Wartezeiten, die länger dauern als die Regelstudienzeit", sagt Josef Pfeilschifter, Dekan der Frankfurter Medizinerfakultät und als Präsidiumsmitglied des Medizinischen Fakultätentages mitverantwortlich für die neue Stellungnahme. "Weil es so nicht weitergehen kann, schlagen wir vor, die Möglichkeit, über die Wartezeit ins Studium zu kommen, zu limitieren." Dafür solle ein "leistungsgesteuertes Losverfahren" entwickelt werden. "Jemand mit der Abiturnote 2,5 hat dabei eine höhere Chance als derjenige mit 3,5." Aber jeder Abiturient darf nur dreimal teilnehmen. Zudem soll die Wartezeitquote verkleinert werden. Im Moment stellt sie zwanzig Prozent der Studienanfänger.

Weitere zwanzig Prozent der Plätze gehen an die Abiturbesten. Sechzig Prozent werden im Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben, das ebenfalls die Abiturnote stark gewichtet, aber auch andere Kriterien, etwa den TMS oder gesellschaftliches Engagement einbezieht. Der Ansturm auf das Medizinstudium führte dazu, dass diejenigen, die in der Abiturbestenquote zugelassen werden, derzeit in der Regel ein 1,0-Abitur haben müssen. Daten der Medizinerfakultäten belegen immerhin, dass die wegen guter Abiturnoten ausgewählten Medizinstudenten im Studium stets am besten abschneiden. Studenten, die ihren Platz über die Wartezeit erhielten, studieren dagegen länger, erzielen schlechtere Resultate und brechen das Studium häufiger ab.

Auch das Gewicht der Abiturnote soll nach den Vorstellungen der Hochschulmedizin künftig abgeschwächt werden. Jeder Bewerber soll einen Eignungstest ähnlich dem TMS ablegen. Auch mit einem 1,7-Abitur hat man dann eine gute Chance auf einen Studienplatz. Mit dem TMS lässt sich das Lösungsvermögen bei naturwissenschaftlichen Problemen einschätzen.

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