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Der beharrliche Heiler

Porträt: Der Erfinder des ersten Impfstoffes gegen Krebs [Quelle: Managermagazin]

Porträt: Der Erfinder des ersten Impfstoffes gegen Krebs [Quelle: Managermagazin]

Gegen große Widerstände entwickelte Harald zur Hausen den ersten Impfstoff gegen Krebs. Der Durchbruch seiner Erkenntnisse brachte ihm den Nobelpreis – und dürfte Millionen Leben retten.

Bombenhagel, Feuerstürme und Naziterror –während das Ruhrgebiet in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs als Lebensraum unterging, vergrub sich der Volksschüler Harald zur Hausen in die Lux-Lesehefte, das Stück zu 20 Pfennig. Dort fand er unter anderem die Biografien von Robert Koch und Louis Pasteur – zwei Wissenschaftlerpersönlichkeiten, die seine Vorbilder werden sollten. Danach stand für den Neunjährigen fest: Forscher wollte er werden, im Labor experimentieren, Krankheiten bekämpfen, Menschen gesünder machen.
 
Als Medizinstudent fand Harald zur Hausen später sein Lebensthema, die Krebsforschung. Und schon früh, mit gerade mal 35 Jahren, legte er sich fest: Die Rolle von Viren bei der Entstehung bösartiger Tumore wollte er entschlüsseln. Seine kühnen Theorien, die er mit raffinierten Verfahren beweisen konnte, und seine bahnbrechenden Entdeckungen zur Krebsverhütung brachten ihm später den Medizin-Nobelpreis des Jahres 2008 ein.

Als Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hat Harald zur Hausen die fundamentalen Erkenntnisse dieser Disziplin maßgeblich erweitert – anfangs gegen den heftigen Widerstand seiner Wissenschaftlerkollegen. Heute weiß man jedoch: Zur Hausens ebenso einfacher wie effektiver Ansatz, die Infektion mit krebsauslösenden Viren durch eine Impfung zu verhindern, kann jährlich viele Hunderttausend Menschenleben retten.
 
Merck und GlaxoSmithKline vermarkten die Impfstoffe gegen Krebs am Gebärmutterhals, die auf der Arbeit der DKFZ-Teams basieren. Eines der Präparate war 2007 das umsatzstärkste Arzneimittel in Deutschland. Das Stockholmer Nobel-Komitee würdigte in seiner Preisbegründung denn auch zur Hausens "Beharrlichkeit".
 
"Ich bin ein westfälischer Dickkopf", charakterisierte sich der 74-Jährige bei der Feier zu seiner Aufnahme in die Hall of Fame der deutschen Forschung selbst. Seine Kollegen und Mitarbeiter rühmen indessen zur Hausens Verlässlichkeit, seine Weitsicht und seine Präzision. Bernhard Fleckenstein, Weggefährte zur Hausens und sein Nachfolger auf dem Erlanger Lehrstuhl für Klinische Virologie, beschreibt den Kommunikationsstil des Nobelpreisträgers als "kurz angebunden". Ansonsten pflegt Harald zur Hausen erlesene Umgangsformen und einen bisweilen altprofessoralen Bekleidungsstil: handgeknotete Querbinder im Labor.
 
Der Beginn seiner Laufbahn war holprig. Im Habilitationsverfahren wäre Harald zur Hausen 1969 um ein Haar gescheitert: Seine Habilitationsschrift wurde von der Fakultät der Würzburger Universität nur mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Ein Ordinarius kritisierte, dass die Zusammenfassung von zur Hausens "kumulativ" eingereichten Originalveröffentlichungen aus den international renommiertesten Wissenschaftsjournalen keine Seitenzahlen trug. Offenbar, so der Herr Professor pikiert, wolle der Kandidat dadurch verschleiern, dass diese Zusammenfassung nur zwölf Seiten lang war.
 
Nach viereinhalb Jahrzehnten in der Krebsforschung brennt Harald zur Hausen noch immer für diese Disziplin. Dabei bezieht der Mediziner übrigens keinen Cent von den Pharmamultis. Die Lizenzzahlungen fließen ausschließlich ans DKFZ in Heidelberg. Doch das verdrieße ihn keineswegs, sagt er. Es gehe ihm schließlich nicht ums Geld, sondern darum, die heilsame Wirkung seiner Erkenntnisse möglichst weit zu verbreiten. Deshalb kritisiert er auch den hohen Verkaufspreis der Vakzine; jede Impfung kostet in Deutschland rund 500 Euro.
 
Heute hat der Emeritus "mehr Spaß denn je" an der wissenschaftlichen Arbeit im Labor. Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Ethel-Michele de Villiers, einer Abteilungsleiterin am DKFZ, hat er gerade eine neue Arbeitsgruppe zusammengestellt. Die soll weiter forschen, welche Viren womöglich sonst noch Krebs auslösen können – und wie sich dies verhindern ließe. Stehen vielleicht auch Rheuma oder Multiple Sklerose im Zusammenhang mit Virusinfektionen?
 
Kaum vorstellbar, dass Harald zur Hausens Wissenschaftlerkarriere mit einem äußerst pragmatischen Promotionsprojekt begann: In seiner Doktorarbeit untersuchte er ganz profan die desinfizierende Wirkung eines bestimmten Bohnerwachses in Lungenheilanstalten.
 
Die vermeintliche Banalität lässt zur Hausen heute schmunzeln. "Ich bin stolz, ein 'Bohnerwachs-Doktor' zu sein“, sagt er. Schließlich wurden Methoden und Ergebnisse seiner Doktorarbeit – anders als seine späteren Ergebnisse – nie infrage gestellt.

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