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Leben und Arbeiten in Niederbayern

Bayerische Landschaft (Quelle: freeimages.com, Autor: Alfi007)

Quelle: freeimages.com, Alfi007

Die meisten Mediziner zieht es nach wie vor in die Kliniken der Großstädte. Besonders in ländlichen Regionen bleiben daher oft viele Stellen in Krankenhäusern unbesetzt. Viele Ärzte wissen allerdings nicht, was ihnen gerade diese Gegenden bieten können. Niederbayern ist ein solches Beispiel. In der Region um Passau ist das Leben insbesondere für Familien interessant.

Mit Niederbayern assoziiert man gemeinhin eine provinzielle Gegend mit viel Wald und wenig städtischem Leben. Nichts los dort und wenige bis keine Möglichkeiten, etwas zu erleben – so denkt der Großteil über diese und vergleichbare Regionen. Zu sehr ist das Bild verankert von weiten, unbewohnten Flächen, hier und da ein Bauernhof und ein paar Kühe auf der Weide. Dass diese Regionen weit mehr als das zu bieten haben, ist dabei vielen nicht bewusst.

Auch die Krankenhäuser der Regionen kämpfen mit derartigen Vorurteilen und Klischees. Viele Stellen bleiben unbesetzt, weil es die meisten – insbesondere jungen – Ärzte noch immer in die Kliniken von Großstädten wie Berlin, München, Köln oder Frankfurt zieht. Warum ist das so? Regionen wie Niederbayern haben ein enormes Potenzial und sind weit mehr als bloße Provinz. Von den Vorzügen und Möglichkeiten einer solchen Region und seiner Krankenhäuser für Mediziner habt sich arzt & karriere ein Bild gemacht.

Wer der Meinung ist, in Niederbayern befinde man sich praktisch nur auf dem Land, auf dem nichts los und man abgeschieden von jeglichem städtischen  Treiben sei, dem widerspricht Dr. Gerhard Muth, Chefarzt der Abteilung Kardiologie am Kreisklinikum Eggenfelden, vehement: "Eggenfelden liegt nicht so weit weg von Städten, wie sich das mancher vorstellt. Alles ist höchstens in circa einer Stunde bis anderthalb zu erreichen: Passau, Regensburg, Landshut, natürlich München!" Auch die Nähe zu Österreich hebt er hervor – sowohl in den Alpen zum Skifahren oder Wandern, als auch in der Kulturstadt Salzburg, beispielsweise zu den Festspielen, sei man in etwas mehr als einer Stunde. Und Wien liege sowieso praktisch um die Ecke.

Was in der Region beschäftigte Ärzte sehr dort schätzen ist, dass es dort viele verschiedene Möglichkeiten gibt, seine Freizeit neben dem anstrengenden Klinikalltag zu gestalten. Die Gegend zeichnet sich durch eine Vielzahl von Rad- und Wanderwegen aus, die das ganze Jahr über genutzt werden können. Bekannt sind in diesem Zusammenhang vor allem die zahlreichen Erlebnis- und Thermalbäder der Region – insbesondere das sogenannte Bäderdreieck, bestehend aus Bad Griesbach, Bad Birnbach und Bad Füssing,welche Deutschlands führende Thermal- und Heilbäder sind. Ärzten, die in den umliegenden Krankenhäusern arbeiten gefällt speziell der Aspekt, dass sie sich je nach individuellen Bedürfnissen und Interessen entscheiden können: sportliche Aktivität oder Wellness und Entspannung.

Außerdem darf ein Gebiet nicht vergessen werden, wenn von Niederbayern und den sich dort bietenden Freizeitmöglichkeiten die Rede ist: der Nationalpark Bayerischer Wald, ein circa einhundert Kilometer langes Mittelgebirge, das sich an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien befindet und seinerseits der größte Waldnationalpark in Deutschland ist. Der Wald bietet Krankenhausmitarbeitern der Region die Möglichkeit, ihren Sommer- oder Winterurlaub praktisch vor der eigenen Haustür zu machen. Ein breit gefächertes Netz an Rad- und Wanderwegen sowie verschiedene Arten von Aktivurlaub stehen Besuchern auch hier ganzjährig zur Verfügung.

Brauchtum und Kultur spielen in ganz Bayern eine wichtige rolle. Besonders die Niederbayern im Einzugsgebiet des Bayerischen Waldes halten an der Weitergabe und Fortführung ihrer Traditionen von Generation zu Generation fest. Das ganze Jahr über finden die vielfältigsten Feste statt: von Volks- und Heimatfesten bis hin zu den in Bayern weit verbreiteten Kirchweihfesten.

Kulturell besonders erwähnenswert ist die sogenannte "Landshuter Hochzeit 1475", ein historisches Spiel mit über 2.000 Mitwirkenden, das alle vier Jahre Menschen aus aller Welt in die Region strömen lässt, um eines der größten mittelalterlichen Spiele Europas zu bestaunen. Außerdem finden sich in Niederbayern zahlreiche Burgen und Schlösser, die über die Geschichte sowie früheren Herren der Gegend berichten. In diesen Punkten sieht Muth eine der besonderen Stärken der Region: dass sie "ein super Ausgangspunkt für alle Arten von Reisen oder Unternehmungen" ist. Egal ob Städte, Natur oder kulturelle Veranstaltungen – alles ist schnell und einfach erreichbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in Besitz eines Autos ist oder nicht. Die Verkehrsanbindungen des Öffentlichen Nahverkehrs sind so gut ausgebaut, dass kein Zeitverlust entsteht. Daher empfiehlt er jedem, der zweifelt, ob und was die Region bereitstellen kann: "Wage dich raus aus der Stadt und sieh es dir an.". Nicht umsonst hat zum Beispiel das Rottal, das Eggenfelden miteinschließt, den Spitznamen 'Bayerische Toskana' oder wird die Altstadt Landshuts mit Florenz verglichen. Menschen, die die Region von vorneherein pauschalisieren,wären noch nie da gewesen, meint Muth.

In Bezug auf die Kliniken der Region ist die Meinung des Kardiologen ebenfalls eindeutig. Gerade  jungen Ärzten und angehenden Medizinern würde der Chefarzt auf jeden Fall raten, über eine Stelle beziehungsweise die Ableistung des Praktischen Jahres dort nachzudenken, um sich so ein erstes Bild von der Region und den Karriereperspektiven zu machen. "Man hat die Aussicht, sehr viel zu sehen und zu lernen. Auch die Chance, hier etwas zu werden, ist besser als in Großstädten." Junge Ärzte hätten an Kliniken wie in Eggenfelden viele verschiedene Möglichkeiten, sich selbst einzubringen. Außerdem erlerne man dort frühzeitig und intensiver als an Großstadtkliniken den Bereich der Funktionsdiagnostik, also die beratende Medizin, die man sich nicht aus Büchern aneignen könne.

Des Weiteren spricht noch ein anderer Aspekt für ländlicher gelegene Kliniken: das Betriebsklima. Oft ist dieses in solchen Gegenden besser als in Großstädten. Muth lobt insbesondere den Zusammenhalt der Ärzte untereinander. In Kliniken wie der in Eggenfelden herrschten demokratische Umgangsformen sowie ein sehr angenehmer Ton in den Abteilungen und der Geschäftsführung. Dies liegt nicht zuletzt an der generellen Freundlichkeit der Menschen dort.

Der Kardiologie-Chefarzt gesteht: "Was ein weiterer Grund für mich gewesen ist, hierher zu kommen, war diese unglaubliche Offenheit und Freundlichkeit der Menschen. Es ist wirklich schwer, unangenehme Leute in dieser Gegend zu treffen. Das ist einfach Lebensqualität pur. So etwas ist nicht gang und gäbe. Hier steht der Mensch im Mittelpunkt – immer noch und trotz aller wirtschaftlichen Erwägungen. Das ist sehr faszinierend."

Ein Geschehnis war für ihn dabei besonders prägend. "Es hat mich sehr begeistert, als ich gehört habe, dass das Krankenhaus – wie viele Krankenhäuser – in eine finanzielle Notlage gekommen ist und privatisiert hätte werden können. Darauf hat sich eine Bürgerinitiative aufgestellt und es geschafft, etwas praktisch schon fest Beschlossenes total herumzureißen. Ich fand es einfach toll, dass die Bevölkerung für das Krankenhaus kämpft und habe mir gedacht, das muss ich auf irgendeine Weise unterstützen. So bin ich hier Chefarzt geworden." Einen so starken Bezug der Menschen zu ihrem Krankenhaus findet man sicherlich in keiner Großstadt.

Einen weiteren entscheidenden Vorteil bietet die Region allerdings noch in Bezug auf ein ganz anderes Thema, das besonders junge Ärzte und Ärzte mit Familien ansprechen dürfte. Die Lebenshaltungskosten sind um ein Vielfaches geringer als in Großstädten wie München. "Dadurch hat man sozusagen mehr Netto vom Brutto", drückt Muth es aus. Vor allem die Mietpreise seien im Vergleich zu einer Stadt wie München einfach unschlagbar. Zahlt man in München für eine Mietwohnung mit 100 Quadratmeter in zentraler Lage durchschnittlich etwa 1.500 Euro Kaltmiete aufwärts, bekommt man im Regierungsbezirk Niederbayern auch größere Wohnungen schon ab durchschnittlich 600 Euro Kaltmiete. Selbst in der nicht allzu weit entfernten Stadt Landshut sind die Mietpreise nicht zu vergleichen mit Münchner Verhältnissen: Eine Wohnung mit 100 Quadratmeter ist bereits für eine Kaltmiete von knapp 800 Euro im Schnitt zu haben. Von solchen Preisen können die Münchner nur träumen.

Muth bringt ein daraus resultierendes Problem auf den Punkt: "München hat es durch seine Mietpreise geschafft, genau die Leute, die nicht so gut verdienen – und dazu gehören auch Erzieherinnen und Erzieher – systematisch aus der Stadt zu vertreiben. Dieses Problem, dass Gutverdienende neben wenig Zeit oder nicht ausreichend viel Geld nicht einmal mehr genug Kinderbetreuerinnen und -betreuer zur Verfügung haben, ist ein großes Minus bei der Entscheidung für eine Familie." Neben dem finanziellen Aspekt, aufgrund der hohen Miet- und Lebenshaltungskosten, kommen in Großstädten wie München also fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder hinzu, die jungen Familien oder Paaren, die eine Familie gründen möchten, ihr Vorhaben erschweren. "Diese Probleme haben wir hier nicht", stellt Muth klar heraus.

 

Es zeigt sich: Ein offener Blick frei von Vorurteilen ist durchaus lohnenswert. Was – auch durch die Ausführungen von Dr. Muth – erkennbar wird, ist dass eine ländliche Gegend nicht mit Provinz und Abgeschiedenheit gleichgesetzt werden kann. Regionen wie Niederbayern haben weitaus mehr zu bieten, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Man sollte sich den Tipp des Kardiologen also zu Herzen nehmen und sich selbst von den Vorzügen der Region und seiner Krankenhäuser überzeugen: "Komm und sieh selbst!"

 © Evoluzione Media AG, arzt & karriere

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