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Was tun, wenn’s brennt?

Brand, Feuerwehr, Feuer (Quelle: freeimages.com, Autor: Fastfood)

Quelle: freeimages.com, Fastfood

Feuer und Explosion im Krankenhaus, ein Massenunfall in der Umgebung – viele Krankenhäuser sind auf katastrophenartige Ernstfälle nicht ausreichend vorbereitet. Worauf es ankommt, erklärt Dr. Hanjo Lorenz vom Deutschen Institut für Katastrophenmedizin (DIFKM).

"Ein Notfall in unserer Klinik? So etwas passiert bei uns nicht. Der Brandschutz ist so hoch und in unsere Rehaklinik kommen sowieso keine Notfallpatienten", oder aber "In unserem Haus der Maximalversorgung trainieren wir mit unserer Zentralen Notaufnahme den Massenanfall von Verletzten tagtäglich bei über 50.000 Notfallpatienten pro Jahr. Was soll da noch Schlimmeres passieren?"– So oder ähnlich hört man es immer wieder aus den Krankenhäusern, wenn es um das Thema Notfallmanagement geht. Dass ein Notfall, ein Massenanfall an Verletzten, eine Evakuierung oder zusammenfassend gesagt eine Katastrophe jetzt, heute, und ausgerechnet in der eigenen Klinik auftritt, wird oftmals als unrealistisch angesehen.

Viele, größtenteils unvorhersehbare Faktoren können diese "Hypothese" schlagartig bittere Realität werden lassen: sei es das Zugunglück, das Erdbeben oder der Brand im Altenheim mit einer Vielzahl an Verletzten. Diese müssen dann umgehend versorgt und je nach Schweregrad ihrer Verletzung an alle regionalen und überregionalen Krankenhäuser und auch unter Umständen an Kur- und Rehakliniken verteilt werden. Notfälle machen auch vor der eigenen Klinik nicht Halt: Brände, oder eine Rauchentwicklung, Bombendrohungen oderAmokläufer. Es kann uns alle treffen. Heute, hier und jetzt. Und genau darauf müssen wir vorbereitet sein.

Das Landeskatastrophenschutzgesetz verlangt von Krankenhäusern, sich durch Alarm- und Einsatzpläne auf einen möglichen Massenanfall von Verletzten (MANV) vorzubereiten und dadurch organisatorische, ärztliche und pflegerischeMaßnahmen festzulegen.

Außerdem haben die Krankenhäuser der Katastrophenschutzbehörde des Landes oder der von ihr hierzu beauftragten Stelle zu melden, welche Fachabteilungen, welche Operations- und Bettenkapazitäten, wie viele Beatmungsplätze und Reanimationseinheiten und welche Möglichkeiten der Kapazitätserweiterung vorliegen. Grundlagen für Planungen und Vorbereitungen von Krankenhäusern im Katastrophenfall sind das Zivilschutzgesetz (ZSG) sowie die ländereigenen Katastrophenschutzgesetze.

Aufgrund unserer Erfahrung in allen Varianten von Großschadensereignissen und Katastrophen sind wir, das DIFKM, bei der Erstellung von Krankenhauseinsatzplänen (KHEP) der ideale Partner. In enger Kooperation mit dem TÜV SÜD, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), den jeweils zuständigen Behörden auf Landesebene sowie den relevanten Fach- und Zertifizierungsgesellschaften wurden so bereits zahlreiche Krankenhauseinsatzpläne erstellt.

Die Versorgung vieler Patienten bei einem Massenanfall an Verletzten gliedert sich in verschiedene Phasen. Nach der prähospitalen Phase, die in der Regel von nichtstaatlichen Hilfsorganisationen oder der Feuerwehr recht gut bewältigt wird, werden die Patienten ins Krankenhaus transportiert. In der nun folgenden hospitalen Phase liegt der kritische Punkt, auf den die jeweilige Klinik vorbereitet sein muss. Hier greifen wir als DIFKM mit unserem Wissen ein.

Es ist zwar für Krankenhäuser gesetzlich vorgeschrieben, Alarm- und Einsatzpläne für ein MANV-Ereignis bereitzuhalten, doch sind diese Pläne häufig nicht auf die Verhältnisse des jeweiligen Krankenhauses angepasst und es wurden keine Übungen durchgeführt.

Diese Vorbereitungen sind jedoch notwendig, da in der Ersteinsatzphase kaum die Zeit bleibt, um "im Ordner nachzusehen". Daher ist der vorbeugende Aspekt dieser Unterlagen und Schulungen von besonderer Wichtigkeit.

Wir konnten bereits mehrfach zeigen, dass es möglich ist, mit geringem finanziellen Aufwand einen praxistauglichen Alarm- und Einsatzplan für alle Arten von Krankenhäusern, vom Maximalversorger bis zu Fach-, Kur- oder Belegkliniken, zu erstellen und diesen zu üben. Eine wesentliche Voraussetzung ist hierbei das Engagement der verantwortlichen Personen, einen solchen Plan zu erarbeiten.

Die im KHEP für den Brand- und Katastrophenschutz enthaltene Verfahrens- und Handlungsanweisungen zur wirksamen Bewältigung von internen und externen Gefahrenlagen, wie zum Beispiel Feuer und Explosionen im Krankenhaus, Betriebsstörungen der Ver- und Entsorgung sowie der Informations- und Kommunikationstechnik, Gefährdung durch chemische, biologische, radioaktive und nukleare Stoffe, der Massenanfall von Patienten außerhalb des Krankenhauses sowie Drohungen und Anschläge – sogenannte polizeitaktische Lagen – sowie die Räumung und Evakuierung werden durch uns idealerweise mindestens einmal jährlich geübt.

Die Erstellung des KHEP ist hierbei das Fundament, auf dem die Umsetzung und Übung fußt, um im Einsatzfall die notwendigen Schritte routiniert und ruhig umzusetzen. Im Rahmen dieser Übung werden alle Bereichsverantwortlichen mit ihrer jeweiligen Aufgabe vertraut gemacht und das Personal in die Lage versetzt, die ihnen obliegenden Aufgaben zu erfüllen.

Nur durch eine gute Zusammenarbeit und regelmäßiges Training wird es uns gelingen, ein solches, hoffentlich nie eintretendes Ereignis, mit dem bestmöglichen Outcome zu bewältigen. Wir hoffen alle, dass wir nicht in die Lage kommen, Maßnahmen nach dieser Anweisung umsetzen zu müssen. Ereignisse haben aber gezeigt, dass interne beziehungsweise externe Gefahrenlagen überall und zu jeder Zeit möglich sind. Daher müssen Krankenhäuser auf solche Situationen bestmöglich vorbereitet sein.

Und nicht zu vergessen: "Ein verbessertes Krisenmanagement führt nicht nur zu einer verbesserten Mitarbeiter- und Patientensicherheit, sondern oft auch zur Verbesserung und Effizienzsteigerung im Regelbetrieb."

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