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(K)ein Patentrezept für die Karriereplanung

Klemmbrett, Ärztin (Quelle: freeimages.com, Autor: Kurhan)

Quelle: freeimages.com, Kurhan

Dem aktuellen Medizinreport 2012 der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) zufolge werden Absolventen des Studiums der Humanmedizin fast ausschließlich als Ärztinnen und Ärzte tätig, verfügen über ein höheres Einkommen als Absolventen anderer Fachrichtungen, sind häufiger in Führungspositionen und zumeist adäquat beschäftigt. Doch worauf genau kommt es bei der Planung der Karriere an?

Es gibt Menschen, die sagen, eine Karriere ist genauso wenig planbar wie der Rest des Lebens. Und es gibt Menschen, die sagen, in der Rückschau auf ihr berufliches Wirken, eine Karriere war nie ihr Ziel, aber sie hätten stets alles dafür gegeben, um zu wachsen. Inwieweit ist die Karriere von Ärztinnen und Ärzten also überhaupt planbar?

Motive für das Studium der Medizin

Die Realität zeigt, dass sich angehende Medizinerinnen und Mediziner bereits sehr früh mit ihren Karriereperspektiven beschäftigen. Der Medizinreport 2012 ist unter anderem der Frage nachgegangen, ob besondere Motivlagen in ein humanmedizinisches Studium führen. Intrinsische Motive, vor allem das fachliche Interesse, spielen für angehende Mediziner wie auch für Studienanfänger aller anderen traditionellen Studiengänge insgesamt eine zentrale Rolle.

Im Vergleich mit allen Universitätsstudenten sind auch soziale Motive wie "Anderen helfen", "viele Kontakte zu Menschen haben" und "zu sozialen Veränderungen beitragen" für Medizinstudenten von großer Bedeutung. Auch extrinsische Motive wie "viele Berufsmöglichkeiten", "eine sichere Berufsposition", "selbständiges Arbeiten" sind verbreitet; sie sind für etwa 70 Prozent der Humanmediziner bei der Wahl des Studiums mitbestimmend. Die Studienabbruchquote ist unter Studenten der Medizin deutlich geringer als im Durchschnitt und sie ist seit Jahren rückläufig. Studienanfänger der Humanmedizin gehören laut dem Medizinreport 2012 zu den lernstärkeren Abiturienten, sie kennen häufig die an sie gestellten Studienanforderungen und bringen nach eigener Einschätzung häufig auch die fachlichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Studienabschluss mit. 

Auf Talentsuche zum richtigen Erfolgsrezept 

Sich seine Talente und Begabungen bewusst zu machen und sein Tätigkeitsfeld danach auszuwählen, wo man diese am besten kombinieren und zum Einsatz bringen kann, ist das richtige Erfolgsrezept, um Lebensglück und eine große Arbeitszufriedenheit zu schöpfen, die Empathie für Patienten und Mitarbeiter trägt, Stresssituationen meistern hilft und die Selbstmotivation erhält. Das zeigt auch das Beispiel von Dr. med. Roswita D., die bis Mitte der 1990er Jahre Humanmedizin in Heidelberg studiert hat. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, hat sie während der ganzen Studienzeit gearbeitet, bei einem Pflegedienst, als Nachtwache auf diversen Stationen einer Chirurgischen Klinik und immer mal wieder bei einer privaten Krankenversicherung. Ihre klinische Laufbahn hat sie an einer großen, in ihrem Fach sehr renommierten Klinik begonnen, an der sie zweieinhalb Jahre als Assistenzärztin tätig war.

Dann folgen mehrjährige Stationen ihrer Fachweiterbildung in einer niedergelassenen Praxis und abschließend wieder in einer Klinik. Ihr weiterer Berufsweg führt sie ins europäische Ausland,wo sie in kollegialer Leitung gemeinsam mit einem deutschen Kollegen eine Fachklinik neu aufbaut. Dazu haben die Beiden das Versorgungskonzept entwickelt, ihre niedergelassenen Kollegen eingebunden und die Details der Zusammenarbeit vereinbart. Ein neues multiprofessionelles Team für Pflege- und Funktionsdienst wurde ausgewählt, fachlich angeleitet und als Team entwickelt. Mit zahlreichen Einrichtungen wurden Kooperationen über die nach stationäre Behandlung vereinbart. Dr. med. Roswita D. hat acht Jahre an dieser Klinik gearbeitet.

Seit letztem Jahr ist sie wieder in Deutschland tätig und zwar als Chefärztin einer bekannten Fachklinik. "Ich fühle mich als Ärztin berufen, habe Organisationstalent, bin sehr kommunikativ, kann Menschen für meine Ideen gewinnen und bin sehr gerne Netzwerkerin. Diese Talente konnte ich in den letzten Jahren und auch jetzt wieder hervorragend kombinieren. Das macht auch meine Zufriedenheit als Ärztin und Klinikmanagerin aus. Und wenn ich mal wieder mit den begrenzten finanziellen Ressourcen hadere oder viel Kraft und Energie in Konfliktsituationen aufbrauche, dann verschaffe ich mir professionelle Unterstützung in einem individuellen Coaching", beschreibt die Medizinerin ihr persönliches Erfolgsgeheimnis. Gerade solche Coachings können dabei helfen, die eigenen Talente, die bei der Karriereentwicklung eingesetzt werden können, gezielt zu identifizieren und zu fördern. 

Das Angebot entscheidet bei der Auswahl des Arbeitgebers 

Ärztinnen und Ärzte haben heute deutlich mehr berufliche Wahlfreiheit als alle Ärztegenerationen vor ihnen. Die Arbeitsmarktsituation sowie der drohende Fachkräftemangel in Pflege und Medizin haben in vielen Kliniken zu einer neuen, mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur geführt. Hier gilt es für Bewerber, sich vor und während des Bewerbungsgesprächs genau zu informieren, was der potenzielle neue Arbeitgeber zu bieten hat. 

Dazu gehören strukturierte Weiterbildungsprogramme, unterstützende Mentorensysteme und regelmäßige Feedback-Gespräche, die für die berufliche Entwicklung der Mediziner sehr wichtig sind. Viele Krankenhäuser finanzieren ihren angehenden Fachärzten zudem die Teilnahme an Kongressen und das Absolvieren von Zusatzkursen. 

Gerade für Medizinerinnen spielen familienfreundliche Angebote eine große Rolle. Immer mehr Krankenhäuser setzen daher auf flexible Arbeitszeitmodelle, betriebseigene Kindertagesstätten,Tagesmuttervermittlungen, klinikeigene Feriencamps zur Betreuung der Grundschüler während der 13 Ferienwochen im Jahr und lebensabschnittsadaptierte Arbeitszeiten wie Elternzeit und unbezahlten Urlaub. Auch Frauenförderprogramme, ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, das dem demografischen Wandel und der Zunahme von psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt Rechnung trägt sowie ein neuer, empathischer Führungsstil, der auch dem Fremdeln zwischen den Generationen entgegenwirkt, sind interessante Angebote, die Bewerber nicht außer Acht lassen sollten. 

Viele Krankenhäuser haben zudem in den letzten Jahren effiziente Krankenhausinformationssysteme und die elektronische Patientenakte eingeführt, um die umständliche Doppel- und Mehrfachdokumentation in Pflege und Medizin zu vermeiden. Auch eine stärkere Delegation von Aufgaben trägt dazu bei, Ärztinnen und Ärzte zu entlasten. Das betrifft nicht nur bürokratische Abläufe, sondern ebenso Tätigkeiten, die zum Beispiel von Vertretern der Pflege- oder der medizintechnischen Assistenzberufe oder neuer Berufsgruppen übernommen werden können.

Diese Entwicklung garantiert, dass sich junge Ärzte auf ihre Kerntätigkeiten, nämlich die Behandlung von Patienten konzentrieren können und nicht zu sehr durch andere Tätigkeiten in Beschlag genommen werden. Viele Krankenhäuser begreifen die genannten Maßnahmen als elementare Imagefaktoren im Wettbewerb um die besten Ärztinnen und Ärzte. Für diese ist es aber entscheidend zu wissen, ob diese Maßnahmen auch Realität sind und eben nicht nur Teil einer Imagekampagne. Um das herauszufinden, nutzen aktuellen Umfragen zufolge, mehr als 70 Prozent aller Akademiker das Internet, insbesondere Plattformen wie Facebook oder Bewertungsportale, um sich gezielt nach Erfahrungsberichten und Informationen zur Unternehmenskultur sowie dem Arbeitsklima zu erkunden. Heutige Ärztegenerationen haben also nicht nur mehr Wahlfreiheit, sondern auch deutlich mehr Informationsfreiheit als alle Generationen vor ihnen. Diese sollten sie daher auch durchdacht nutzen. Zudem kann auch eine professionelle Karriereberatung bei der Auswahl des richtigen Arbeitgebers sehr effizient und hilfreich sein. 

Sinnvolle Zusatzqualifikationen

Die Medizin orientiert sich immer mehr an ökonomischen Gesichtspunkten. Deshalb ist es für Ärztinnen und Ärzte sinnvoll, Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen Gesundheitsökonomie und Health CareManagement zu bekommen. Dabei geht es nicht nur um ein besseres Kostenverständnis, sondern auch um Themen wie Strategieentwicklung und Reorganisation, Projekt- und Prozessmanagement, Terminmanagement, Kommunikationstrainings, Rhetorik-Kurse und Führungskompetenzen. Also um Kompetenzen, die ganz konkret die tägliche Arbeit und die Zusammenarbeit mit anderen erleichtern können. Hier könnten Krankenhäuser geeignete Fortbildungsveranstaltungen inhouse oder unter dem Dach der jeweiligen Landeskrankenhausgesellschaft gemeinsam anbieten. 

Karrierefaktor Unternehmenskultur 

Kliniken können Karriereperspektiven garantieren durch eine langfristige vorausschauende Personalentwicklung, die auf Basis einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur für eine umfassende Qualifizierung sorgt, gute Rahmenbedingungen durch Prozessoptimierung, familienfreundliche Konzepte, Konzepte für Lebensarbeitszyklus und Gesundheitsmanagement schafft und die Mitarbeiter emotional bindet. Dies geschieht durch ihre Wertschätzung, eine gute interne Kommunikation,moderne Führungskonzepte und Teamentwicklung. Damit wird eine Unternehmenskultur geschaffen, die eine tragfähige Basis für langfristige Karrierepfade ist.

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Kommentare (5)

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  1. Anonym

    Na ja...

    Der Titel klag sehr viel versprechend, leider enthalt er aber keine praktischen Leitlinien, die einem helfen seine Karrieremöglichkeiten zu verbessern.

  2. Judith Scharnagl

    Hallo Medizinstudenten, tut mir leid, dass euch der Artikel etwas anderes versprochen hat, als ihr letztendlich vorgefunden habt. Vielen Dank aber für eure Anregungen, was euch wichtig ist - so wissen wir gleich, auf was wir in Zukunft achten und worauf wir eingehen müssen. Viele Grüße Judith

  3. Medizinstudent

    wenn ich mich nun in ein paar monaten auf die suche nach einem arbeitgeber mache, werde ich mich daran erinnern, dass ich gerne rhetorik-kurse und healthcaremanagement-seminare hätte. entscheidungskriterium wird dann die "unternehmenskultur" sein. nicht.

  4. Medizinstudentin

    Schade !

    Eigentlich möchte ich nicht meckern, e-fellows ist ja ein super service. aber immer wieder fällt mir die mangelnde Qualität der Artikel trotz der viel versprechenden Titel auf. Dieses mal bin ich besonders enttäuscht, da der titel thematisierung von fragen versprach mit dem ich und meine kommilitonen sich tatsächlich gerade intensiver beschäftigen, sodass ich mit recht hihem Interesse angefangen habe zu Lesen. Ich hatte mir mal eine Klare Aussage darüber gewünscht, was Aspekte sind die ich in meinem Studium beitragen kann um meine Karrierechancen zu erhöhen. Zählen Noten? Außeruniversitätes Engagement? wo ich meine famulaturen mache? fremdsprachen? auslandsaufenthalte? promotionsqualität? Statt antworten auf diese Fragen - die viele Medizinstudenten auf der Zunge brennen und zu dem sich immer widersprüchliche Aussagen finden - und die der Titel "karriere für mediziner" auch hätte implizieren können - nur seichte Informationen zu anderen Themen. Der Lebenslauf von Frau Roswitha klingt ja nett, aber durch die Anonymisierung ist es leider wenig hilfreich. Was hat sie denn (abgesehen von der praktischen Tätigkeit während des Studiums) ausgezeichnet, um eine Assistenzarztstelle "in einer sehr renommierten Klinik". Interviews mit Chefärzten, mit Leuten die sehr erfolgreich sind, worauf man planen einer Karriere (jedenfalls in dem Maße, in dem das überhaupt möglich ist) achten sollte - sowas würde ich mir mal wünschen !! mit besten Grüßen

  5. Anonym

    Vielen Dank

    Schön, dass mal wieder ein Artikel zu einem medizinischen Thema den e-fellows-Newsletter angereicht hat. Weiter so!

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