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"Das Wichtigste ist eine Verbesserung der Prävention"

Preis, Auszeichnung (Quelle: freeimages.com, Autor: Ambrozjo)

Quelle: freeimages.com, Ambrozjo

Wie fühlt man sich, wenn man den Nobelpreis bekommt? Im Interview beschreibt Prof. Harald zur Hausen diesen Moment und erklärt, was die größten Herausforderungen der Medizin in den nächsten Jahren sein werden.

Harald zur Hausen wurde 2008 zusammen mit den Franzosen Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zuerkannt. Bereits 1976 präsentierte er die Hypothese, dass humane Papillomviren eine Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielen. Aus dem Verdacht wurde bald wissenschaftliche Gewissheit. Die Entdeckung des Auslösers der bei Frauen dritthäufigsten Krebserkrankung eröffnete neue Perspektiven zur Vorbeugung und Behandlung. Dies führte letztlich zur Entwicklung von HPV-Impfstoffen, die seit 2006 verfügbar sind.

Warum haben Sie sich für ein Medizin-Studium entschieden?

Ich wusste schon in meiner Schulzeit, dass ich unbedingt in die Forschung gehen möchte. Es hat mich gereizt, Lebensvorgänge im menschlichen Körper von der biochemischen Seite her zu analysieren. Zudem fand ich die Krankheitsbekämpfung spannend. Biologie war schon in der Schule mein Lieblingsfach, deswegen habe ich es neben Medizin auch für sieben Semester studiert. Ich bin dann gleich nach meiner Assistenzzeit in die Forschung eingestiegen.

Wie sind Sie zur Krebsforschung gekommen?

In meiner Studienzeit wurden Beobachtungen publiziert, dass bei bestimmten Virusinfektionen das Erbgut der Viren auf die befallenen Bakterien überging. Ich hatte die Vermutung, dass der gleiche Vorgang bei Menschen möglich ist und vielleicht eine Veränderung der menschlichen Zell-DNS Ursache von Krankheiten wie Krebs ist. Diesem Gedanken bin ich dann nachgegangen.

Mit der Zeit wurde klar, dass sich alles etwas komplizierter verhält, als ich es in der Studienzeit angenommen hatte. Durch Projekte in Afrika konnten wir die These, dass Virusinfektionen auch bestimmte Krebserkrankungen auslösen können, bereits Anfang der 70er Jahre untermauern. Eine Übertragbarkeit auf den Gebärmutterhalskrebs war naheliegend. Mein Team und ich haben dann in zwei Jahrzehnten durch biochemische Verfahren nachweisen können, dass unsere Vermutungen stimmten.

Und wie war es, als das Ergebnis klar wurde?

Es ist schwer, dieses Gefühl zu beschreiben. Die Forschung war ja ein kontinuierlicher Prozess. Es gab nicht den einen Moment, in dem man auf einmal wusste, dass alles stimmt. Außerdem sind ja noch so viele Fragen in der Krebsforschung offen.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie erfuhren, dass Sie den Nobelpreis bekommen?

Ich habe mich in dem Moment natürlich sehr gefreut. Wenn man so lange in diesem Gebiet forscht, fast 50 Jahre, dann ist das schon erfreulich. Meine Angehörigen haben sich fast noch mehr gefreut (lacht). Eine Zäsur dargestellt hat die Verleihung des Nobelpreises für mich trotzdem nicht, denn die wissenschaftliche Arbeit lief und läuft intensiv weiter – man hört ja nicht einfach auf. Klar bin ich seither mehr unterwegs und zu meinem großen Bedauern bleibt gerade nicht mehr so viel Zeit für die tatsächliche Laborarbeit.

Beschreiben Sie einen typischen Tag in Ihrem Leben.

Im Moment bin ich viel auf Reisen, einen typischen Tagesablauf gibt es eher nicht. Erst vor kurzem war ich in Malaysia und Hongkong, bald geht es noch nach Kanada. Wenn ich zu Hause bin, arbeite ich nach wie vor am liebsten hier in meinem Labor oder im Büro.

Gibt es auch bei anderen Krebsarten den Verdacht auf virale Ursachen? Kann man eventuell weitere Impfungen für andere virale Erkrankungen herstellen?

Es gibt eine Reihe von Krebsarten, bei denen wir annehmen, dass sie ebenfalls durch Viren verursacht werden. Einen Hinweis darauf gibt auch die geografische Verteilung bestimmter Krankheiten. Der Verdacht liegt zum Beispiel nahe bei kindlichen Formen der Leukämie, also Blutkrebs, oder auch bei Darmkrebs. Es wäre natürlich gut, wenn es klappt, für diese Krankheiten ebenfalls einen Impfstoff herzustellen. Allerdings dauert dieser Prozess sehr lange. Man muss ja erst die biochemischen Zusammenhänge entschlüsselt haben, bevor man sich der Prävention und Behandlung widmen kann.

Warum sollte sich ein junger Arzt heute für die Forschung entscheiden?

Die Forschung bietet viele Karriere-Chancen, die sehr interessant und bereichernd sein können. Man muss sich für sein Fach sehr begeistern. Ich hoffe sehr, dass derzeitige Studenten zunehmend in die Forschung einsteigen.

Das Wichtigste ist meiner Meinung nach eine Verbesserung der Prävention, da diese immer auch viel kostengünstiger ist als die Heilung. Hier ist noch ein Umdenken nötig, denn Medizinstudenten werden heute vor allem für die Therapie und nicht für die Vorbeugung ausgebildet. Auf die Vorbeugung sollte das Augenmerk in der Ausbildung der jungen Ärzte gelegt werden, gerade wenn es um Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Krebserkrankungen geht. Im Gespräch mit vielen Gynäkologen und Zytologen stelle ich leider oft ein hohes Maß an Uninformiertheit fest.

Von Ihrem heutigen Standpunkt aus: Was hätten Sie in Ihrem Leben anders gemacht?

In der Medizin gibt es sehr viele andere, interessante Bereiche, die mich während meines Studiums auch schon fasziniert haben. Zum Beispiel sind molekulare Mechanismen des Lebens ein spannendes Forschungsfeld. Für mich stand schnell fest, dass ich in die Forschung gehen will. Nur einmal habe ich daran gezweifelt: nach meiner Assistenzzeit in der klinischen Medizin – das hat mir schon auch sehr viel Spaß gemacht. Da ich aber mein Fach besonders gern betreibe, kann ich behaupten, dass ich alles vermutlich noch einmal genauso machen würde.

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