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Praxisbeispiel Healthcare IT

Arzt untersucht Herz auf Tablet Healthcare IT (© Syda Productions - fotolia.com)

© Syda Productions - fotolia.com

Dass die elektronische Krankenakte einer der wichtigsten Schritte in die digitale Krankenhauszukunft ist, zeigt das Beispiel des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Papier gibt es durchaus noch am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), nur liegt es jetzt vor allem auf den Nachttischen der Patienten. Denn: Seit dem Neubau wird bei einem der größten Arbeitgeber Hamburgs täglich viel Papier gespart. Das wurde natürlich nicht einfach aus heiterem Himmel beschlossen, sondern steht im Zusammenhang mit einem wichtigen Schritt in die digitale Krankenhaus-Zukunft – der Einführung der elektronischen Patientenakte.

Das Klinikum steckte tief in den roten Zahlen und auch die einst innovative Pavillon-Bauweise getrennt nach Männern und Frauen war nicht mehr zeitgemäß und vor allem unpraktisch. Die Wege waren sprichwörtlich lang, in jeder Abteilung hatten sich über die Jahre unterschiedliche Prozesse herausgebildet. Prozess und Know-how-Barrieren wollten die Verantwortlichen zusammen mit den architektonischen Defiziten beheben. Die Lösung: Ein neues, zentrales Klinikum, das möglichst optimal von der Informationstechnologie unterstützt wird. Trotz der IT-Komponente ein vor allem medizinisches Projekt, wie Stefan Georgy, Headof Sales, der das Projekt für den Healthcare Sector der Siemens AG betreute, versichert. Generell sind Healthcare-Projekte sehr herausfordernd, aber eben auch prozessual sehr unterschiedlich – von Land zu Land, von Krankenhaus zu Krankenhaus. Die Behandlungswege für Patienten bei Krankheiten sind natürlich individuell. Insofern ist die Strukturierung und Optimierung von Prozessen mit Hilfe von Healthcare-IT eine Herausforderung.

Die Vision in Hamburg: Wenn ein Patient von der Dermatologie in die Onkologie verlegt wird, soll jeder behandelnde Mediziner im Onkologieteam genau und schnell sehen können, welche Voruntersuchungen schon erfolgt sind und welche Medikation der Patient erhält – damit Doppeluntersuchungen vermieden werden und damit immer transparent ist, was innerhalb der Versorgungskette nach der Verlegung eines Patienten im Rahmen seiner Geschichte im Krankenhaus schon passiert ist. Allen im Team stehen damit jederzeit die gleichen Informationen auf Knopfdruck zur Verfügung. Das sorgt auch für eine höhere Patientensicherheit und gleichzeitig für eine qualitative Verbesserung der Behandlung. Außerdem geht keine wertvolle Zeit mehr verloren, um kryptische Aufzeichnungen per Hand zu entziffern oder an verschiedenen Stellen Akten zusammenzusuchen, weil die Befundung direkt am Ort der Untersuchung niedergeschrieben werden kann. Dafür werden auch an allen entscheidenden Stellen mobile Untersuchungswagen, sogenannte COWs – Computer on Weels, benutzt. Außerdem gibt es im ganzen Klinikum eine stabile WLAN und UMTS-Versorgung sowie entsprechende Verschlüsselungsmechanismen, um die Sicherheit der sensiblen Daten auch zu gewährleisten.

Natürlich kann man nicht so einfach und ohne Probleme aus 700 verschiedenen Varianten des Arztbriefes eine einzige digitale Vorlage kreieren. Dazu sind viele Gespräche, Tests und Schulungen nötig. Echte Arbeit am Menschen, wie Georgy erklärt: "Entscheidend für den Erfolg war es auf jeden Fall, dass am UKE auf allen Ebenen der Hierarchie, auch in der Projektorganisation, der Geist des Projektes immer ein gemeinsamer war. Und der war davon geprägt, dass wir dieses Projekt von Anfang an gemeinsam zum Erfolg führen wollen."

Es geht darum, eine vernünftige Medizin und Versorgung zu etablieren, die dazu beiträgt, dass die Patienten gesund werden. Georgy berichtet: "Die Rahmenbedingungen, die verschiedene Krankenhäuser ihren Ärzten und Pflegern zur Verfügungstellen, unterliegen starken Regularien. Wenn man sich etwa ansieht, was heute alles im Rahmen der Qualitätssicherung in der Medizin dokumentiert werden muss." Da ist jede Zeit- und Aufwandsersparnis wirklich Geld wert. Wie man auch an den sich erholenden Finanzen des UKEs sehen kann. Denn seit die elektronische Patientenakte dafür sorgt, dass man alle Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort hat – ohne langwierige Aktenanforderungen – ist der Patientendurchsatz deutlich gestiegen. Die Führungsebene hat immer wieder betont, dass die mit der IT-Aufrüstung einhergehende Transparenz und Verfügbarkeit der Informationen und auch die Absicherung der Handlungsfähigkeit dafür ein wichtiger Grundstein waren.

Rein technisch verbirgt sich hinter dem Namen elektronische Patientenakte eine ganze Reihe von Funktionen, die dann neu etabliert über elektronische Wege erfolgen. Das heißt aber auch, dass der große Anteil der Implementierung eines solchen Systems das Change Management im Krankenhaus ist. Es müssen daher die richtigen Personen als Key-User in der Testphase bereitstehen – nicht immer eine Selbstverständlichkeit, wie Georgy versichert. Außerdem braucht es eine starke Führung, die mit gutem Beispiel voran geht. Wie eben beim "Kampf" gegen die Papierberge, die den Umzug nicht mitmachen durften. Um das auch sicherzustellen, wurden Informationstechnologie-Visiten angesetzt. Diese Hamburger Erfindung wurde vom ärztlichen Direktor in Person begleitet. "Dieser war auch immer in der Lage, den Ärzten zu zeigen, wie sie mit den neuen Gegebenheiten arbeiten müssen", berichtet Georgy begeistert. Das sei schon herausragend, dass jemand auf dieser Ebene das Produkt so gut kennt. So etwas hat auf die Mitarbeiter durchaus eine motivierende Wirkung.

Der Umgang mit den Menschen ist hier natürlich auch für die Verantwortlichen von Siemens ganz entscheidend für den Erfolg: "Wir implementieren zwar IT, aber am Ende ist es People-Business, die Arbeit mit und für Menschen."

© Evoluzione Media AG, arzt & karriere. 

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