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Ambulanzflüge – Einsatz auf der ganzen Welt

Fliegen mit Flugzeug (Quelle: freeimages.com, Autor: vimark)

Quelle: freeimages.com, vimark

Hamda hat nur eine Überlebenschance – einen Flug von Abu Dhabi in die USA. Doch die Reise birgt erhebliche Gefahren für das Frühchen. Alltag für Ärzte wie Dr. med. Wolfgang Kratzer. Der Mediziner begleitet schwerkranke Patienten bei Intensivverlegungen auf Ambulanzflügen. Sein Einsatzgebiet: die ganze Welt. In arzt & karriere berichtet er von den Herausforderungen seines Jobs und davon, welche emotionalen Momente er mit Angehörigen und Patienten erlebt.

Dr. med. Wolfgang Kratzer hat eine zwölf Jahre lange Erfahrung als bodengebundener Chirurg im OP, in der Notaufnahme und vor allem auf der Intensivstation. Sechs Jahre lang war er als hauptamtlicher Notarzt auf einem Rettungshubschrauber bei rund 2.000 Einsätzen tätig. Seit fünf Jahren begleitet er Patienten bei Intensivverlegungen auf Ambulanzflügen für das Unternehmen epitop medical.

Die Luftrettung hat mich schon immer sehr fasziniert. Als ich vor gut fünf Jahren damit anfing, Intensivverlegungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu betreuen, war ich überzeugt, dass das der Bereich ist, der mich als Arzt am meisten begeistert. Bei jedem Flug komme ich mit unterschiedlichen Fachbereichen und Erkrankungen sowie Kulturen und Ländern in Berührung – das ist jedes Mal eine neue Herausforderung, da man sich stets neu auf die Situation einstellen muss. Eine wiederkehrende Routine wie in der Klinik erlebt man in diesem Job sehr selten. So verbringe ich gut zwei Wochen im Monat in Abu Dhabi, einem der Standorte von epitop medical.

Angefangen hat alles von heute auf morgen: Ein Kollege rief mich eines Tages an und fragte, ob ich Interesse daran hätte, spontan auf einer Intensivverlegung von Abu Dhabi nach London einzuspringen. Der Fall sei zwar kritisch, aber das sei ich ja aus meinem Alltag gewohnt, meinte er. Natürlich habe ich sofort zugesagt – diese Chance, bei einem solchen Einsatz helfen zu können, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zuvor hatte ich bereits von epitop medical gehört und auch eine Bewerbung in Betracht gezogen. Durch meine langjährige Erfahrung als Chirurg und Notarzt auf einem Rettungshubschrauber sowie der Intensivstation erfüllte ich alle Voraussetzungen für diese Tätigkeit.

Am folgenden Morgen flog ich auch schon nach Abu Dhabi. Dort holte mich ein Koordinator vom Flughafen ab und wir fuhren direkt ins Krankenhaus, um unseren Patienten von der Intensivstation abzuholen. Ich erinnere mich noch ganz genau daran – es war ein 23-jähriger Mann, der nach einem Autounfall ein Polytrauma erlitten hatte. Mit einem intensivmedizinisch umgerüsteten Executive Jet unseres Partners Royal Jet flogen wir in eine Fachklinik nach England. Als wir abends in London ankamen und unseren Patienten der dortigen Klinik übergeben hatten, wusste ich, dass ich unbedingt wieder Ambulanzflüge machen wollte.

Es folgten rasch weitere Einsätze. Die Arbeit in "luftiger Höhe" war ich zwar eigentlich bereits durch meine Tätigkeit als Arzt im Rettungshubschrauber gewöhnt, doch die 13.000 Meter, in die wir uns jedes Mal begeben, übertrafen alles. Hinzu kommen die vielen unterschiedlichen Fälle, die ich täglich erlebe. Neben zahlreichen Polytraumata habe ich auch Intensivverlegungen von schwer erkrankten Frühchen überwacht oder Patienten versorgt, die zu einer Transplantation in die USA geflogen wurden. Der Schwerpunkt meiner Aufgaben liegt ganz klar in der Patientenüberwachung und -versorgung. Da es sich in der Regel um Intensivpatienten handelt, die eine Maximalversorgung benötigen, kommt mir meine Erfahrung auf der Intensivstation sowie mein ständiger Kontakt zu Schwerverletzten im Alltag sehr zugute. Auf einer "Mission", wie wir Ärzte es unter uns nennen, sind wir aber immer zu zweit – ein erfahrener Assistent steht mir in diesen kritischen Stunden stets hilfreich zur Seite. "Teamarbeit" ist hier das Schlagwort. Wir müssen uns komplett aufeinander verlassen können.

Prinzipiell befindet sich alles an Bord, was der Patient auch auf der Intensivstation zum Überleben benötigt. Je nach Reiseziel dauern unsere Flüge acht bis 18 Stunden – genaue Vorbereitung ist daher ein Muss. Die größte Herausforderung ist für mich definitiv, dass man sich bei jedem Patienten auf eine neue Situation einstellen und sehr flexibel sein muss. Zudem sind mein Assistent und ich während des Fluges auf uns allein gestellt. In kritischen Situationen müssen wir schnell die richtige Entscheidung treffen. Vor der Mission klären wir daher ganz genau ab, ob der Patient "fit-to-fly" ist. Dennoch lassen sich nicht immer alle Eventualitäten vorhersehen.

Da in der Regel Angehörige des Patienten mit an Bord sind, ist viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen gefragt. Gerade wenn Kinder betroffen sind, kann es eine große Herausforderung sein. Auch der kulturelle Aspekt ist sehr wichtig und eine besondere und interessante Herausforderung. Wir müssen eine gewisse Offenheit für fremde Kulturen und Länder mitbringen. Um hierfür bestens vorbereitet zu sein, erhalten wir ein ausführliches Briefing über Dos und Don'ts zu Beginn unserer Tätigkeit. Meist wird es von flug- und kulturerfahrenen Kollegen durchgeführt. Aber auch der Koordinator von epitop medical, spielt eine wichtige Rolle.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir bei meinen vielen Einsätzen die Überführung eines Frühchens, das an einem genetisch bedingten Lungenschaden litt. Nach allen notwendigen Untersuchungen stellte sich eine Transplantation als einzige Überlebenschance heraus. Bereits drei seiner Geschwister waren an ein und demselben Gendefekt verstorben. Obwohl alle Beatmungsparameter gegen den Flug sprachen, wagten wir es dennoch. Gemeinsam mit einem erfahrenen Neonatologen – einem Spezialisten auf dem Gebiet der Neugeborenenmedizin – und zwei intensiverfahrenen Kinderkrankenschwestern flogen wir das invasiv beatmete Kind mit einer Hochfrequenzbeatmung als Backup nach St. Louis, Missouri. Die Eltern begleiteten uns auf dem Flug. Die Reise dauerte rund 15 Stunden und war äußerst anstrengend. Als wir in St. Louis ankamen, waren wir einerseits heilfroh, andererseits auch sehr zufrieden. Durch unseren Mut, den Transport trotz der schwierigen Umstände zu wagen, hatten wir dem knapp vier Wochen alten Hamda eine reelle Überlebenschance ermöglicht. Solche Einsätze zeigen mir immer wieder, weshalb ich Arzt geworden bin.

 

Es sind aber nicht nur Kinder, die in ihrem Heimatland oft keine optimale Chance zur Genesung haben – auch viele Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen profitieren von unserem Einsatz. Die Dankbarkeit der Patienten und Angehörigen nach einem Flug ist riesig. Insgesamt betrachtet, bereichert diese verantwortungsvolle Arbeit meinen Alltag sehr. Neben unzähligen herausfordernden Fällen befinde ich mich von heute auf morgen in einem anderen Land, einer fremden Kultur und noch dazu einer anderen Zeitzone. Wenn ich in Abu Dhabi bin, weiß ich nicht, was mich am folgenden Tag erwartet. Fliege ich nach London, Shanghai oder sogar nach New York? Das macht das Leben einfach spannend! Wenn wir Glück haben, bleiben wir einen ganzen Tag am Zielort – daraus ergibt sich die Möglichkeit, sich die jeweilige Stadt genauer anzusehen. Das ist ein gelungener Ausgleich zur Anspannung, die ein langer Flug mit sich bringt.

Was den Job besonders spannend für mich macht ist, dass jeder Einsatz eine neue Fachdisziplin streift oder sogar in verschiedene Disziplinen übergreifen kann. Das setzt für mich als Arzt eine sehr hohe fachliche Kompetenz voraus, hat aber auch einen ganz persönlichen Reiz. Wie sagt man so schön: Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Und genau so ist es.

 © Evoluzione Media AG, arzt & karriere

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