Partner von:

Markt der Möglichkeiten

Forschung (Quelle: freeimages.com, greschoj)

Quelle: freeimages.com, greschoj

Wer als Mediziner nach neuen Impulsen für seine Karriereplanung sucht, ist bei arzt & karriere richtig. Ein Beispiel für beruflichen Erfolg außerhalb des Krankenhauses ist Dr. Thomas Mundel, der heute beim Pharmaunternehmen Roche tätig ist. Er berichtet darüber, wie er mit seiner Facharztausbildung über eine Forschungsstation an der Harvard Medical School in die Medical Affairs Abteilung bei Roche kam.

Grenzach-Wyhlen – ein überschaubarer Ort mit 14.000 Einwohnern in unmittelbarer Nähe zu Basel. Doch der Schein trügt. Viele große Unternehmen haben diesen unscheinbaren Ort für sich entdeckt. Neben der Roche Pharma AG mit über 1.200 Beschäftigten, die für die Vermarktung und den Vertrieb verschreibungspflichtiger Arzneimittel für den gesamten deutschen Markt zuständig sind, haben sich auch das Chemieunternehmen BASF und der Pharmakonzern Bayer dort niedergelassen.

Der Standort Grenzach wird von Roche als Brückenkopf ins nahe Ausland genutzt. Der Medical Leader Dr. Thomas Mundel empfängt uns in einem funktional ausgestatteten Konferenzzimmer. Wir sehen uns einem schlanken Mann im eleganten, grauen Anzug gegenüber. Was ihn dazu bewogen hat, den weißen Arztkittel abzulegen und in die Industrie zu wechseln, wird er uns erzählen.

"Mit den Händen arbeiten"

Nach dem Medizinstudium an der renommierten Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg fertigte er seine experimentelle Dissertation auf Grundlage des Befundes einer Patientin mit habituellen Aborden in der Anatomie an. "Bereits in dieser Zeit habe ich erkannt, dass mir die Grundlagenforschung sehr viel Freude bereitet", erklärt er. Im Bereich Nephrologie absolvierte Mundel seinen Arzt im Praktikum (AiP). Nach Abschluss des AiP stand er vor der wichtigen Entscheidung, wie er seine weitere Karriere planen sollte.

"Naheliegend wäre es gewesen, in der Nephrologie zu bleiben. Ich wollte aber unbedingt mit den Händen arbeiten. Daher habe ich mich für die Chirurgie entschieden." Mundel trat eine Stelle als Assistenzarzt in der chirurgischen Uniklinik Heidelberg an. 1999 wechselte er dann an die chirurgische Uniklinik Münster und absolvierte dort seine Facharztweiterbildung. Parallel zu seiner klinischen Tätigkeit forschte er weiter, als Vorbereitung einer späteren Habilitation. Seine weitere Karriere in der akademischen Chirurgie schien vorgezeichnet. Eigentlich hätte er nur noch die Früchte seiner Arbeit ernten müssen. Doch stattdessen entschloss sich der Mediziner zu einem Auslandsaufenthalt.

Begeisterung für Forschung

Er ergriff die Chance, als Post-Doc an die Harvard Medical School nach Boston zu gehen, um dort Grundlagenforschung im Bereich der Krebsforschung
zu betreiben. "Das war sicherlich ein ungewöhnlicher Schritt zu diesem Zeitpunkt, da man als Facharzt fest etabliert ist und auch über einen gewissen Lebensstandard verfügt. Hinzu kommt, dass erst kurz zuvor mein erstes Kind zur Welt gekommen war", führt der Mediziner aus. Während er von der Zeit in Boston berichtet, kommt er ins Schwärmen. "Dort laufen einem die Nobelpreisträger auf dem Gang einfach so über den Weg. James Watson, der Mitentdecker der DNA, hat beispielsweise des Öfteren bei uns im Labor vorbeigeschaut", erzählt Mundel.

Schon bald folgten die ersten Publikationen, unter anderem in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences." "Ich kann jedem Mediziner nur empfehlen, diese Erfahrung zu machen. Ob man dafür allerdings wartet, bis man seinen Facharzt hat, muss natürlich jeder für sich wissen", sagt er. Die Zeit in Boston habe seinen weiteren Karriereweg entscheidend geprägt. "Bis dato war für mich klar, dass die akademische Chirurgie meine Zukunft ist. 

Doch in Boston hatte ich erstmals die vielfältigen Möglichkeiten gesehen, die sich einem Mediziner über die Arbeit als Arzt im klassischen Sinne hinaus bieten." Speziell die unvoreingenommene und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Industrie, industrieller und universitärer Forschung habe ihn dabei nachhaltig beeindruckt.

Gegen Ende seiner Zeit in Boston begann der Forscher, sich aktiv kundig zu machen, welche Optionen es für Mediziner gibt. Letztlich entschied er sich dafür, als Medical Advisor bei Janssen-Cilag im Schmerzbereich anzufangen. "Ich habe in Boston die Erfahrung gemacht, dass ich unabhängig von der Fachrichtung in einem Arztleben nur einer überschaubaren Zahl von Patienten helfen kann. Würde ich allerdings in die Pharmaindustrie wechseln, könnte ich daran mitwirken, Präparate auf den Markt zu bringen, die einer Vielzahl von Patienten helfen", führt er aus.

Mundel ist Überzeugungstäter. Nachdem er erste Erfahrungen in der Pharmaindustrie gesammelt hatte, bekam er über einen Headhunter das Angebot, als Medical Manager bei Roche in Grenzach anzufangen. In dieser Funktion war er als Teil der Abteilung Medical Affairs dafür verantwortlich, die Markteinführung von Präparaten zu begleiten und Studien zu betreuen.

Durch Kommunikation zum Erfolg

In der Zwischenzeit ist der ehemalige Harvard-Forscher Medical Leader Signaling Franchise und in dieser Funktion verantwortlich für einen BRAF-Inhibitor zur Behandlung des metastasierten malignen Melanoms. "Damit haben wir einen Wirkstoff für einen Bereich entwickelt und auf den Markt gebracht, in dem seit über 30 Jahren Stillstand herrschte", sagt er nicht ohne Stolz. "Im Vorfeld mussten wir überlegen,wie das Produkt erfolgreich in den Markt gebracht werden kann, denn das geschieht nicht automatisch, auch wenn das Präparat objektiv das Beste ist. Man muss es entsprechend bekannt machen."

Ein wichtiger Faktor dafür ist die Kommunikation. Dies beinhaltet zum einen intern die Aufklärung darüber, was an dem Präparat neu und herausragend
ist und zum anderen extern die Vermittlung von medizinischem Know-how. "Neben Marketing- und Businessaspekten sind wir für die Erstellung des Medical Plan verantwortlich. Dazu gehört es, Datenlagen zu analysieren, Ergebnisse zu evaluieren und Datenlücken zu schließen. Bei diesem BRAF-Inhibitor sprechen die Ergebnisse für sich. Wir haben die Rückmeldung erhalten, dass einzelne Patienten, die an einem fortgeschrittenen metastasierten alignen Melanom litten, sich im Endstadium befanden und ans Bett gefesselt waren, nach ein paar Tagen Behandlung wieder aufstehen konnten. Diese Ergebnisse sind sensationell."

Dennoch muss die Pharmaindustrie immer wieder gegen Vorurteile ankämpfen. Mundel sieht die Notwendigkeit, am Image der Branche zu arbeiten. "Man darf die Regularien nicht als Korsett begreifen, sondern erkennen, dass sie wichtig sind und uns helfen. Die Sicherheit der Patienten steht im Vordergrund. Kritiker sollten auch bedenken, dass jeder einmal auf eine medikamentöse Behandlung angewiesen sein könnte – und die Medikamente kommen nun mal aus der Pharmaindustrie."

Alternative: Pharmaindustrie

Wer wie Mundel diesen Weg gehen will, sollte eine abgeschlossene oder zumindest fortgeschrittene Facharztausbildung mitbringen. "Die Erfahrungen aus der Interaktion mit Patienten sind nicht zu ersetzen. Dazu sind ein gewisser Forschergeist und die Fähigkeit, Scientific Papers zu interpretieren wünschenswert", sagt er. Auf die Frage, ob er seinen Wechsel in die Industrie als Einbahnstraße auffasst, antwortet der Mediziner: "Ich denke, dass ich aufgrund meiner Ausbildung jederzeit wieder in die Klinik zurückgehen könnte. Das ist sehr beruhigend. Auf der anderen Seite habe ich das gute Gefühl, dass ich mit meiner jetzigen Tätigkeit hier sogar mehr Menschen helfen kann."

 © Evoluzione Media AG, arzt & karriere

nach oben

In der Stipendien-Datenbank findest du fast 900 Stipendien von 500 Institutionen - für Bachelor, Master, Praktikum und Promotion.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren