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Pillen, Arzneimittel [Quelle: freeimages.com, Autor: forwardcom]

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Kann man eine persönliche Beziehung zu einem Medikament aufbauen? Zumindest für Thu Le von Strauß und Torney, Country Study Managerin bei Roche, fühlt es sich so an, wenn sie neue Arzneien bis zur Marktreife begleitet hat. Nach dem Medizinstudium hat sie nicht wie ursprünglich geplant in der Chirurgie Karriere gemacht, sondern in der Pharmabranche. arzt & karriere-Chefredakteur Nicolai Haase traf sie in Grenzach.

Frau Dr. von Strauß und Torney, haben Sie schon während Ihrer Zeit in der Klinik daran gedacht, dass die Pharmabranche eine Alternative für Sie sein könnte?

Nein, gar nicht. Da lag mein Fokus immer ganz klar auf der Chirurgie, vor allem der plastischen.

Wie sind Sie dann bei Roche gelandet?

Das war eher Zufall. Ich habe meinen Mann schon während des Studiums kennengelernt und uns war klar, dass es mit der Familienplanung schwierig werden würde, wenn wir beide in der Klinik bleiben und unser Interesse an der Chirurgie verfolgen. Also habe ich mir überlegt, welche Alternativen es für mich geben könnte. Roche war mir schon bekannt, weil ich in Grenzach aufgewachsen bin. Deshalb habe ich mich auf der Webseite nach interessanten Stellen umgesehen. Und es hat auf Anhieb geklappt.

Was war Ihre erste Station, als Sie hierher gekommen sind?

Ich bin gleich in der klinischen Forschung gelandet. Das ist in der Regel auch der Bereich, den man als Mediziner anstrebt, weil man dort sehr nah dran ist und wissenschaftlich arbeitet. Ich bekam einen Mentor zur Seite gestellt, der bereits langjährige Erfahrungen auf diesem Gebiet hatte und mich an die Projektleitung herangeführt hat. So habe ich gelernt, klinische Studien zu betreuen.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie mal in diesem Bereich arbeiten würden?

Überhaupt nicht. Allerdings hat es sich als sehr positiv erwiesen und das ist auch der Grund, wieso ich dabei geblieben bin. Aber es war natürlich schon eine große Herausforderung – schließlich hatte ich davor keinerlei Berührungspunkte damit und ich musste mich in dieses neue Feld erst intensiv einarbeiten. Roche hat mich dabei durch den Mentor sowie Fort- und Weiterbildungen sehr unterstützt.

In welche Richtung geht Ihr Tätigkeitsbereich heute?

Eher in die einer Managementaufgabe: Man managt das Projekt sozusagen. Wenn es eine neue Studie gibt, an der auch Deutschland beteiligt ist, besteht meine Aufgabe darin, geeignete Zentren zu finden und genügend Patienten zu rekrutieren, damit wir entsprechende Daten liefern können.

Entfernen Sie sich so nicht auch ein Stück weit vom Beruf des Arztes?

Ich sage mal Jein. Natürlich ist es nicht mehr der Arztberuf im klassischen Sinne, bei dem ich die Patienten sehe, die ich behandle, mit ihnen Therapiepläne aufstelle und dann beobachte, ob ich damit Erfolg habe. Im weiteren Sinne ist es aber so, dass ich auch in meiner jetzigen Funktion noch für die Versorgung von Patienten zuständig bin: Ich weiß, dass ein Präparat wirkt, es zugelassen wird und es dann einem großen Patientenpool zugänglich gemacht wird und hilft.

Leiten Sie immer ein spezielles Projekt?

Nein. Ich arbeite nicht nur an einer bestimmten Studie, sondern stets an mehreren gleichzeitig. Sehr stolz bin ich vor allem darauf, dass bisher sämtliche Projekte, die ich gemanagt habe, dazu geführt haben, dass die entsprechenden Präparate die Zulassung bekommen haben. Das ist schon ein tolles Gefühl.

Welches Medikament würden Sie persönlich denn als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Ich würde sagen, Kadcyla – das ist das erste Antikörper- Wirkstoff-Konjugat, das überhaupt zugelassen wurde und bei Brustkrebserkrankungen eingesetzt wird. Kadcyla ist ein Antikörper, der mit einem Zytostatikum verlinkt ist. Der Antikörper kann direkt an der Krebszelle andocken, erst in der Zelle wird dann das Zytostatikum freigegeben, wodurch es exakt an dieser Stelle wirken kann.

Können Sie beziffern, wie vielen Menschen dieses Medikament bereits geholfen hat?

Wie groß genau das Marktpotenzial ist, kann man noch nicht sagen. Dafür ist es zu früh. Es wird aber definitiv noch vielen Frauen helfen, die an dieser Erkrankung leiden. Denjenigen, die an den Studien beteiligt waren, hat es schon sehr geholfen. Die dazugehörige, sogenannte EMILIA Studie war darauf angelegt, dass wir sie mit einer festgelegten Anzahl an Events – so nennen wir Todesfälle – Ende letzten Jahres abschließen. Diese Anzahl haben wir nicht erreicht, deshalb wurde die Studie verlängert. Das ist ein klarer Erfolg.

Sind Sie inhaltlich gesehen bei den Studien eigentlich auf den Bereich Brustkrebs beschränkt?

Nein, und genau das macht das Ganze so spannend: dass man eben nicht nur auf einem therapeutischen Gebiet arbeitet, sondern auch die Möglichkeit hat, in anderen Bereichen mitzuwirken. Ich denke auch, dass darin der Vorteil eines Mediziners liegt. Er ist dazu in der Lage, sich relativ schnell in verschiedene Felder einzuarbeiten. Das ist gleichzeitig das, was Roche für Ärzte so interessant macht. In einem so großen Unternehmen gibt es einfach viele Möglichkeiten.

Wenn eines Ihrer Medikamente zur Marktreife gebracht wurde, verfolgen Sie es dann noch weiter?

Natürlich. Das sind sozusagen “meine Babys”! Man wächst mit jedem Produkt und selbst wenn ich es abgebe, weil sich mit der Zulassung andere Kollegen weiter darum kümmern, verfolge ich es nach. Mit der Zulassung hört ein Projekt noch lange nicht auf.

Wie läuft denn konkret der Auswahlprozess geeigneter Krankenhäuser ab, in denen die Studien durchgeführt werden?

Zunächst gibt es den Prozess der Feasibility, das bezeichnet die Machbarkeit der Studie. Hier tritt man näher an ein Zentrum heran und bespricht die grundlegenden Dinge mit den Prüfärzten. Meist liegen bereits erste Protokollentwürfe vor und man kann gemeinsam die einzelnen Punkte durchgehen: Welche Ein- und Ausschlusskriterien gibt es? Gibt es Hindernisse und wenn ja, welche? Inwiefern ist es nötig, mit Behörden zu sprechen? Wichtige Fragen in Bezug auf die Eignung eines Zentrums sind zum Beispiel die personelle und technische Ausstattung und ob entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Es gibt einige Eckpunkte, die man klären muss, um zu evaluieren, ob sich ein Studienzentrum eignet.

Gibt es Mindestanforderungen, die die Kliniken dabei erfüllen müssen?

Ja, im Normalfall schon. Für die Studien brauchen wir ein großes Einzugsgebiet. Wenn man sie zum Beispiel in einem kleinen Haus durchführt, gibt es in der Regel nur wenige passende Patienten. Das führt wiederum dazu, dass weitere Patienten zugewiesen werden müssen – die haben dann lange Anfahrten. Von daher ist es besser, wenn eine Studie in einem Ballungsraum realisiert wird – und Unikliniken eignen sich meist sehr gut.

Wie kann man sich den Umfang an Zentren und Patienten beispielsweise bei der EMILIA-Studie vorstellen?

In Deutschland hatten wir dafür 14 Zentren und insgesamt 58 rekrutierte Patienten. Global dürften es knapp 2.000 Patienten gewesen sein.

58 Patienten in Deutschland erscheinen relativ wenig.

Dem ist aber nicht so. Es handelt sich um eine global angelegte Studie. Auf die teilnehmenden Länder werden dann die Pateientenzahlen aufgeteilt. Die USA decken dabei stets einen großen Teil des Patientenbedarfs ab – zum Rest gehört auch Westeuropa. 58 Patienten in Deutschland sind also so gesehen eine recht gute Quote. Das kommt einem bei 80 Millionen Einwohnern zwar wenig vor – allerdings ist es bei etwa 50 Ein- und Ausschlusskriterien auch nicht einfach, geeignete Patienten zu finden.

Befinden Sie sich bei solchen global angelegten Studien auch im Austausch mit internationalen Kollegen?

Ja, täglich. Dabei kommunizieren wir viel via E-Mail. Ich nehme auch immer wieder an Kongressen teil, hauptsächlich national, aber hin und wieder auch international – vor allem im europäischen Ausland. Dazu kommen, gerade zu Beginn einer Studie, Investigator- oder Kickoff-Meetings, bei denen man sich in verschiedenen Städten in Europa oder auch den USA trifft und nur die einzelnen Country Study Manager teilnehmen.

Könnten Sie sich auch vorstellen, nochmal als Ärztin in der Klinik zu arbeiten?

Ausschließen würde ich es nie. Für meinen derzeitigen Lebensabschnitt passt es aber gut so, wie es momentan ist: Ich habe zwei Kinder und die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Mit einem Stellenumfang von fünfzig Prozent käme ich in der Klinik nicht allzu weit.

Was sollte man aus Ihrer Sicht unbedingt mitbringen, um in Ihrem Beruf erfolgreich zu sein?

Auf jeden Fall ein großes Interesse fürs Management und die Projektleitung. Das ist ganz anders als das, was man im Medizinstudium lernt. Und natürlich das Interesse für die Wissenschaft. Das muss einfach da sein, genauso wie die Leidenschaft und die Fähigkeit zum Umdenken, dass man eben nicht mehr direkt den Patienten behandelt.

© Dieser Artikel stammt aus der neusten Ausgabe von Arzt & Karriere.

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