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"Jura ist leicht"

Lesen lernen studieren Studentin Buch [Quelle: freeimages.com, 2daydesign]

Quelle: freeimages.com, 2daydesign

Im Jurastudium muss man viel auswendig lernen? Blödsinn, sagt Bundesrichter Thomas Fischer. Was an den Unis alles falsch läuft, erklärt er hier

ZEIT Campus: Herr Fischer, macht einen das Jurastudium fit für jeden juristischen Beruf?

Thomas Fischer: Nein, natürlich nicht.

ZEIT Campus: Was fehlt den Absolventen?

Fischer: Meistens die Softskills, also die sozialpsychologischen Fähigkeiten. Die werden fast nicht gelehrt: Verhandlungskompetenz erwirbt man im Studium nicht, den meisten mangelt es auch an kommunikativer Sorgfalt.

ZEIT Campus: Warum wäre das wichtig?

Fischer: Jura ist eine Wissenschaft, die sich fast ausschließlich mit Sprache beschäftigt. Sie müssen im Beruf Reden halten, Positionen verteidigen, Konfliktsituationen lösen und vor allem Empathie für fremde Personen haben.

ZEIT Campus: Kann man das an der Uni lernen?

Fischer: Im angloamerikanischen Raum fordern Professoren die Studenten ständig auf, ihre Meinung zu sagen und sich mit Gegenpositionen auseinanderzusetzen. Sie sind von Anfang an in einem System, das sie in die Lage versetzt, juristische Berufe auszuüben.

ZEIT Campus: Und in Deutschland ist das anders?

Fischer: Ja. Hier können sie bis zum zwölften Semester in der hintersten Reihe sitzen und kein Wort sagen. Wer sich schämt, in der Öffentlichkeit zu reden, nicht mit Sprache umgehen kann oder nicht weiß, wie man den Konjunktiv verwendet, für den ist das tragisch. Der kommt aus der Uni, kann Einzelfälle bearbeiten, aber merkt bald, dass er sich als Richter oder Rechtsanwalt vor Menschen fürchtet. So geht es auch manchen Ärzten, die glücklich wären, wenn es nur die Patienten nicht gäbe.

ZEIT Campus: Warum gibt es keine Vorlesungen in Verhandeln oder Diskutieren?

Fischer: Veranstaltungen, die nicht unmittelbar Examenswissen vermitteln, gibt es schon allein deshalb nicht, weil die meisten Studenten nicht darauf reagieren würden. Sie denken, es gelte, die ganze Kraft auf das Auswendiglernen von Prüfungsstoff zu richten, und wollen sich mit nichts anderem mehr beschäftigen.

ZEIT Campus: Wirklich so schlimm?

Fischer: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die Studenten sitzen in der Vorlesung Strafrecht* Allgemeiner Teil und möchten ein Schema mitgeteilt bekommen, mit dem man einen einfachen Strafrechtsfall lösen kann. Das Schema schreiben sie auf eine Karteikarte, zusammen mit wichtigen Begriffen und Definitionen. Die Karten versuchen sie später auswendig zu lernen. Das ist grob falsch.

ZEIT Campus: Warum?

Fischer: Wer so lernt, wird nicht sehr schlau. Aber Studenten lassen sich leider durch nichts und niemanden davon abbringen. Obwohl es ihnen nichts nützt: Die Ergebnisse der Examina sind so schlecht wie eh und je. 25 bis 30 Prozent fallen durch. Die Mehrheit der Übrigen kriegt allenfalls mittelmäßige Noten.

ZEIT Campus: Trotzdem bleibt ihnen ja nichts anderes übrig, als viel zu lernen.

Fischer: Das Jurastudium ist nicht wirklich schwierig. Es scheint mir viel leichter zu sein als Physik, Linguistik oder Elektrotechnik. Es bleibt genug Zeit, um zu lesen und sich mit Kommilitonen zum Diskutieren zu treffen.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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