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Kuschelnoten und Allerweltsprädikate

Rechtswissenschaft Justitia Jura [© stefan welz - Fotolia.com]

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Die Ergebnisse des 2013er-Jahrgangs liegt im LTO-Wegweiser durch Studium und Referendariat vor. In den Schwerpunktbereichen hat sich das "vollbefriedigend" längst zur Selbstverständlichkeit entwickelt, dank dieser Benotungspraxis erreicht inzwischen auch im Examen fast jeder dritte erfolgreiche Kandidat das Prädikat.

Die Ergebnisse des staatlichen Teils der Ersten Juristischen Prüfung – wie das 1. Staatsexamen offiziell heißt – für den Jahrgang 2013 liegen in der Rubrik Studium & Referendariat vor. Gegenüber dem Vorjahr enthalten sie nur geringfügige Änderungen: Auf Bundesebene betrachtet weicht keine Notenkategorie um mehr als 1,5 Prozent von den 2012er-Werten ab. Die Durchfaller-Quote steigt von 28,69 Prozent im Vorjahr geringfügig auf 29,74 Prozent an, wobei lediglich 5,1 Prozent im letzten Versuch gescheitert sind. Tatsächlich rettet sich der Großteil der zunächst gescheiterten Kandidaten im zweiten Anlauf durch das Examen – allerdings werden in  der Statistik jene nicht erfasst, die nach einem erfolglosen ersten Versuch auf Grund von Frustration, Burnout oder ähnlichen Leiden gar nicht erst zum zweiten Mal antreten.

Am oberen Ende der Skala hat sich gleichfalls nicht viel verändert. Die Zahl der Prädikatsexamina (vollbefriedigend oder besser) liegt mit 16,35 Prozent minimal über dem Vorjahreswert von 16,16 Prozent. Diese Konstanz der Ergebnisse ist indes nicht selbstverständlich: Im Jahr 2010 etwa erreichten stolze 20,5 Prozent aller Prüflinge eines der begehrten Prädikatsexamina im staatlichen Teil. Im gleichen Jahr lag allerdings auch die Durchfallerquote mit 33,09 Prozent außergewöhnlich hoch.

Schwerpunktbereiche: Kuschelnoten als Selbstverständlichkeit

Ein weitaus rosigeres Bild offenbart der Blick auf die Schwerpunktbereichsnoten. Durchfaller kennt man dort fast nur vom Hörensagen: Lediglich 4,5 Prozent scheiterten im Jahr 2013 am universitären Teil des Examens, und nur 0,5 Prozent taten dies endgültig.

Auch die Durchschnittsnoten sind weitaus höher. Sie lagen an 26 der 39 erfassten Fakultäten bei 9,0 Punkten oder besser. 12 weitere Fakultäten kamen auf einen Durchschnittswert zwischen 8,0 und 9,0, wobei die Tendenz deutlich zu letzterem geht (sieben dieser 12 Fakultäten landen im Bereich zwischen 8,8 und 8,99). Die Uni Rostock wagt sich als einzige an eine etwas strengere Notenvergabe: Ihre Schwerpunktstudenten kamen durchschnittlich nur auf 7,72 Punkte, was allerdings zu einem guten Teil dem extrem schwachen Abschneiden der Kandidaten des Bereichs Strafverteidigung geschuldet ist – mit durchschnittlich 4,88 Punkten ist ihr Ergebnis das mit Abstand schlechteste irgend eines Schwerpunktbereiches mit nennenswerter Teilnehmerzahl in Deutschland.

Klarer Sieger nach Punkten ist demgegenüber die Bucerius Law School in Hamburg. Die dortigen Prüflinge erzielten durchschnittlich 11,58 Punkte im Schwerpunktbereich, und damit mehr als die Studenten jeder anderen Fakultät. Die private Hochschule, die in Umfragen regelmäßig sehr hohe Zufriedenheitswerte verbucht, wirbt seit jeher gezielt mit dem guten Abschneiden ihrer Studenten – nach eigenen Angaben sollen etwa drei Viertel von ihnen es auf ein Prädikatsexamen bringen.

Fast jeder Dritte erfolgreiche Kandidat kommt auf ein Prädikat

Daran ist die eigene, großzügige Notenvergabe im Schwerpunkt, der bekanntlich zu 30 Prozent in die Examensnote einfließt, natürlich nicht ganz unschuldig. Das gilt in abgemilderter Form aber auch für sämtliche anderen Universitäten: Da sie alle Noten vergeben, die über dem durchschnittlichen Ergebnis in der staatlichen Prüfung liegen, hebt der Schwerpunkt den Notenspiegel dementsprechend an.

So kamen 2013 beispielsweise 31,4 Prozent aller erfolgreichen Kandidaten auf ein vollbefriedigend oder besser als Endnote ihres Staatsexamens – das sind beinahe doppelt so viele wie die 16,35 Prozent, denen dies im staatlichen Teil der Prüfung gelang. Dabei muss man allerdings in Rechnung stellen, dass die Gesamtergebnisse des 1. Staatsexamens (Schwerpunkt + staatlicher Teil) lediglich für die erfolgreichen Kandidaten ausgewiesen werden. Die 31,4 Prozent beziehen sich also ausschließlich auf die Gruppe der Juristen, die ihr Examen überhaupt bestanden haben, wohingegen die 16,35 Prozent im staatlichen Teil für eine größere Gruppe gelten, in der auch knappe 30 Prozent Durchfaller enthalten sind.

Diese Diskrepanz lässt sich aus den Ergebnissen nicht ohne Weiteres herausrechnen, zumal es sich zwischen den beiden Tabellen nicht zwangsläufig um dieselben Prüflinge handelt, da es möglich ist, die staatliche Prüfung (beispielsweise) im Jahr 2013, den Schwerpunkt und somit das volle Staatsexamen aber erst im Jahr 2014 zu absolvieren. Grob geschätzt führt die großzügige Notenvergabe im Schwerpunkt zwar sicherlich nicht zu einer Verdopplung der Prädikatsexamina, aber wohl zu einem Anstieg um etwa 20 bis 25 Prozent.

Ob dem Prädikatsexamen wirklich noch die Wirkung als universeller Wegbereiter für sämtliche Karrierepfade zukommt, kann man durchaus bezweifeln, wenn fast jeder dritte erfolgreiche Absolvent mit einem solchen Ergebnis abgeht. Im zweiten Examen, in dem keine Aufwertung durch universitäre Prüfungen erfolgt, lag die Quote für sämtliche Prüflinge 2013 übrigens bei 18,8 Prozent. Wie groß die Schnittmenge der Prädikatsjuristen aus 1. und 2. Examen ist, ist allerdings nicht bekannt.

© lto.de. Artikel zum Jura-Studium bietet die Rubrik "Studium & Referendariat" von Legal Tribune ONLINE.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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