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Quelle: freeimages.com, mihow

Wer promovieren will, hat viel zu tun – und kann viel falsch machen. Das Thema kann sich als ungeeignet erweisen oder einem weggeschnappt werden, der Doktorvater eine Trantüte sein, der Berg aus Fußnoten und Querverweisen den Doktoranden unter sich begraben. Ein paar Tipps zum Umschiffen der gefährlichsten Klippen auf dem Weg zum Dr. iur. hält der Beitrag bereit.

Am Anfang einer Dissertation steht der Entschluss, sie zu schreiben. Unmittelbar darauf folgt die erste bange Frage: Woher ein passendes Thema nehmen? Eines, das interessant genug ist, um den Aufwand zu rechtfertigen, zugleich aber nicht schon von allen erdenklichen Blickwinkeln aus abgeklopft wurde?

Geeignete juristische Fragestellungen werden zum Teil öffentlich diskutiert. Rainer Schröder und Angela Klopsch nannten kürzlich in ihrem Aufsatz "Der juristische Doktortitel" einige Beispiele aus dieser Gattung: "Welche Rechtsprobleme wirft die Reproduktionsmedizin auf?" etwa, "Welchen Beitrag kann das Recht leisten zur Verhinderung von Folter in der Welt?",  "Wie setzt man am besten rechtliche Mindeststandards im Verbraucherrecht?", oder aber: "Welche über die Tagespolitik hinaus weisenden Fragen wirft die Immobilien- und die Eurokrise auf?"

"Alle diese komplexen Problemstellungen vertragen keine Kürze. Sie brauchen Zeit und Ausdauer und Länge, gelegentlich Empirie: die Länge eines Buches. Sie fordern Dissertationen, ja Habilitationen", so die Autoren.

Auch die längste Dissertation beginnt mit dem ersten Schritt: Themensuche

Christoph Wittekindt warnt allerdings auch. So sei bei Praxisthemen Vorsicht geboten. "Denn es genügt der so genannte Strich des Gesetzgebers, und ein ehemals vielversprechendes Promotions-Thema ist plötzlich gesetzlich geregelt", sagt der Leiter der Personalvermittlung für Juristen, Legal People Deutschland, der selbst 1999 an der FU Berlin zu einem verfassungsvergleichenden Thema promoviert wurde.

Wer sich mit den Professoren und Dozenten austauscht, stößt mit Glück auf Ideen für gute Themen. Auch die vergangenen Semester sind eine wertvolle Fundgrube. "Denn auch eine Seminararbeit, an der man im Studium mit Herzblut geschrieben hat, kann eine gute Grundlage für eine Dissertation sein", sagt Wittekindt.

Der Zwang, Neues mit der Doktorarbeit zu entdecken, muss Kandidaten keinesfalls verzweifeln lassen. Denn die Dissertation kann auf intelligente Weise Forschungsstände zusammenfassen, sie kann Lücken entdecken, kann etwa historisch vergleichend angelegt sein. Hervorragende Arbeiten regen gar zur Gesetzgebung an oder stellen sie in Frage.

Ohne geht es nicht: Der Doktorvater

Aber wenn trotzdem partout kein Thema punktet, bleibt ein Trost: Es gibt noch immer Doktorväter, die einen Zettelkasten mit eigenen Themenvorschlägen hervorholen. Dies Beispiel zeigt, wie eng die Suche nach einem geeigneten Thema mit der nach einem passenden Doktorvater verknüpft sein kann.

Wolfgang Adamczak rät jedoch, bei dieser Suche auch das Umfeld des künftigen Betreuers zu recherchieren. Im jüngst erschienenen GEW-Handbuch "Promovieren mit Perspektive" gibt er handfeste Tipps: Bringen Sie in Erfahrung, ob der anvisierte Betreuer schon Personen promoviert hat – und treten Sie mit ihnen in Kontakt. Frage Sie nach, wie produktiv und verlässlich der Doktorvater ist, etwa anhand seiner Publikationsintensität und -häufigkeit, der Beteiligung früherer Doktoranden an den Publikationen, der Drittmitteleinwerbung auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs und der Dauer der bereits abgeschlossenen Promotionen.

Ohne geht es vielleicht: Das Prädikatsexamen

Promovieren heißt nicht zwangsläufig, mit Bestnoten ins Rennen zu gehen – selbst wenn das die Regel ist. Beispielhaft heißt es etwa in der Promotionsordnung für die Juristische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München: "Wer das Referendarexamen oder das Assessorenexamen in Bayern mindestens mit dem Prädikat 'voll befriedigend' bestanden hat, ist vorbehaltlich der sonstigen Zulassungsvoraussetzungen zugelassen."

Doch auch, wer nicht durch herausragende Examensnoten glänzt, kann gute Ideen für den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn haben. Ist ein vollbefriedigend in wenigstens einem Examen also tatsächlich der alleinige Schlüssel  zum wissenschaftlichen Elfenbeinturm? Christoph Wittekindt beruhigt: "Selbst wenn die Note im ersten Staatsexamen nicht berauschend sein sollte, muss ein Promotionsvorhaben nicht aussichtslos sein."

Denn jede Fakultät habe ihre eigene Prüfungsordnung, die unter Umständen Ausnahmen von den starren Notenvorgaben vorsehe. Notfalls könne man auch daran denken, einen sogenannten Universitätsbeschluss herbeizuführen. "Dort müssen dann die Professoren ihr Votum abgeben, ob jemand ausnahmsweise doch promovieren darf", erklärt Wittekindt.

Thema gefunden, Doktorvater oder -mutter überzeugt, Stift gespitzt, nun geht es los – und zwar an die doppelte Arbeit. Denn eine gute Dissertation muss man zwei Mal schreiben. Im ersten Durchgang gliedert man, formuliert seine Gedanken, schreibt einen Entwurf, verändert Passagen nach Rücksprache mit dem Betreuer. Der zweite Durchgang dreht sich dann um das eigentliche Schreiben, um die Fußnoten und Formalia.

Umsichtige Doktoranden drucken zusätzlich die Fußnoten separat aus und kopieren sämtliche Quellen nebst Fundstellen. So kommen schnell armdicke Kopienstapel zusammen, bange Phantasien von mit DIN A4-Blättern tapezierten Wänden drängen sich ins Bewusstsein. Hinzu kommt die gerade dieser Tage omnipräsente Sorge vor dem Plagiatsvorwurf, verbunden mit der goldenen Regel: Stets so genau wie möglich zitieren.

Das alles zehrt an den Nerven. "Sich zu verzetteln, kann ein Motivationstief verursachen", sagt Wittekindt. Ein Thema erweist sich als nicht tragfähig, ist durch aktuelle Entwicklungen überholt oder gar gegenstandslos oder der Doktorand findet gleich so viele gute Quellen, dass er den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen vermag. Um derartigen Motivations- und Produktivitätslöchern zu entgehen, nennt Wittekindt zwei Strategien: Zum einen Doktorandenseminare oder eine Mitarbeit am Lehrstuhl des Professors, zum anderen eine Beschäftigung in einer Kanzlei für einen oder einige Tage pro Woche. "Dann treibt und motiviert einen die knappe Zeit, die für die Dissertation übrig bleibt."

Gelegenheit macht Diebe

So sehr man das eigene Thema während der Promotion wenigstens phasenweise hassen lernt, so wenig will man es doch von einem anderen wissenschaftlich behandelt sehen. Drohend schwebt die Angst vorm Themenklau im Raum. Immer wieder wird daher die Frage laut, ob und wie man sein Promotionsthema "reservieren" kann, damit es sich kein anderer zu eigen macht. So weit ersichtlich, gibt es gegen diese Gefahr keine wirklich wirksame Sicherung, außer einem wachsamen Doktorvater, der die Publikationen im Blick hat und Parallelforschung zu vermeiden versucht. Im Übrigen herrscht ernster Wettbewerb ohne Schutz vor Konkurrenz, denn alles andere würde den wissenschaftlichen Fortschritt behindern.

Gleichwohl sieht Wittekindt Themenklau bei juristischen Dissertationen als eher theoretisches Problem, da jede Dissertation ihre eigene Aufgabenstellung, ihre eigenen Schwerpunkte und Strukturen habe. Zudem könne sich der Arbeitstitel bis zur Promotion und anschließenden Veröffentlichung noch mehrmals ändern.

Auf diesem oftmals mehrere Jahre überspannenden und bisweilen steinigen Weg kann es durchaus passieren, dass der in Ehren ergraute Doktorvater emeritiert und von seinen Dienstverpflichtungen befreit wird. Damit fällt er jedoch nicht zwangsläufig aus, sondern darf die angefangene Doktorarbeit dennoch weiter betreuen. "So steht es in vielen Promotionsordnungen“, erklärt Wittekindt. "Und stirbt ein Doktorvater gar während des Promotionsvorhabens, kann der Kandidat in der Regel darauf vertrauen, dass ein anderer Hochschullehrer die Betreuung übernimmt." Wie beruhigend.

© lto.de. Artikel zum Jura-Studium bietet die Rubrik "Studium & Referendariat" von Legal Tribune ONLINE.

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