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Simulierte Gerichtsverhandlungen für Jurastudenten

Gesetzestext Bücher Bestrafung gerecht [Quelle: Fotolia, Africa Studio]

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Der Praxisbezug kommt im Jurastudium meist zu kurz. Wie gut, dass es Moot Courts gibt: In diesen fiktiven Fällen proben Studenten ihre Überzeugungskraft im Gerichtssaal. Für Jan-Gero Alexander außerdem die ideale Möglichkeit, Studieninhalte schnell und praxisnah zu lernen.

Was sind Moot Courts und inwiefern sind sie für Studenten interessant?

Moot Courts sind simulierte Gerichtsverhandlungen und damit besonders für Jurastudenten spannend, die einen Praxis-Einblick bekommen möchten. Man hat einen fiktiven Fall, wird einer Seite zugewiesen und muss einen Schriftsatz erstellen. Anschließend tauscht man die Schriftsätze mit der Gegenseite (dem anderen Team) aus. Häufig muss auf den erhaltenen Schriftsatz der Gegenseite mit einem weiteren Schriftsatz geantwortet werden. Zum Schluss trifft man auf seine Gegner in einer simulierten Gerichtsverhandlung, die von Professoren, Richtern und Anwälten geleitet wird.

Wie hoch ist der zeitliche und finanzielle Aufwand, bei Moot Courts mitzumachen?

Für große nationale und internationale Wettbewerbe werden Freisemester von den Universitäten vergeben, durch die man auch den Freischuss nicht verliert. Der Gewinn eines solchen Moot Courts trägt zum Prestige einer Universität bei, deswegen werden die Teams oft finanziell unterstützt. Daneben gibt es Moot Courts, die in der eigenen Fakultät ausgetragen werden und den Studenten keine Kosten verursachen. Für die gibt es dann aber in der Regel auch kein Freisemester. Der Arbeitsaufwand sollte nicht unterschätzt werden. Neben der Erstellung der Schriftsätze muss die Verhandlung als solche vorbereitet werden.

Wie gewinnt man einen Moot Court?

In meinem Buch versuche ich herauszuarbeiten, welche Feinheiten für die erfolgreiche Teilnahme beachtet werden sollten. Die Erwartungen sind vor allem bei nationalen oder internationalen Wettbewerben sehr hoch, da die Universität nach außen repräsentiert wird. Man muss einen guten Schriftsatz erarbeiten und die Verhandlung vorbereiten. Daneben zählt die Flexibilität und Dynamik, mit der man im Verfahren schweren Fragen der Richterbank und den spontanen Argumenten der Gegenseite begegnet. Während meines Studiums in Oxford konnte ich an Lehrveranstaltungen zum Thema Moot Courts teilnehmen. Auch hier lag der Schwerpunkt auf der mündlichen Verhandlung, und gute Schriftsätze wurden vorausgesetzt. Leider gibt es noch sehr wenig Fachliteratur und auch im Studium werden praktische Aspekte vernachlässigt.

Inwiefern sind Moot Courts für das Jurastudium relevant?

Moot Courts bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit, um für sich selbst zu erkennen, ob man Jura das Richtige ist. Man schlüpft in die Rolle eines Anwalts und kann so schon einmal vorfühlen, was das Berufsleben ausmacht. Außerdem kann man das, was man in den Vorlesungen lernt und sonst nur in den Klausuren wiedergibt, in der "Realität" erproben. Die mündliche Verhandlung könnte man auch als Vorbereitungsmöglichkeit für die mündliche Prüfung im Staatsexamen sehen. Ich persönlich habe mir Moot Courts so ausgesucht, dass deren Rechtsmaterie in etwa meinen Studieninhalten entsprach. Zusätzlich kann man sich die Wettbewerbsteilnahme inzwischen oft auf das Studium anrechnen lassen (hinsichtlich Schlüsselqualifikation/Schwerpunkt).

Können auch Nichtjuristen an simulierten Gerichtsverhandlungen teilnehmen?

Das ist grundsätzlich möglich und ich habe es auch schon öfter erlebt. Gerade jemand, der etwas komplett anderes studiert, kann eine andere, interdisziplinäre Sicht auf die Dinge beisteuern. Ich halte das für sehr bereichernd.

Warum begeistern dich Moot Courts?

In Erinnerung geblieben sind mir vor allem die mündlichen Verhandlungen. Hier trifft man das erste Mal auf seine Gegner, steht sich Auge in Auge gegenüber und muss über mehrere Runden hinweg überzeugen. Besonders schön ist es, wenn aus dieser Begegnung Freundschaften entstehen. Spannend sind auch die internationalen Wettbewerbe, wo man sich mit Absolventen von sehr renommierten Universitäten wie Harvard oder Oxford misst, viel lernt und großartige Erfahrungen macht, die einen fürs Leben prägen.

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