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So kommst du gut durchs Jura-Examen

Ein LL.M. kann deine Job-Chancen verbessern [Quelle: freeimages, Autor: ywel]

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Horror juristisches Staatsexamen? Jahrelang keine Freizeit mehr, nur noch büffeln? Einser-Jurist Stefan Schmidt meint: Nein, das ist nicht nötig. Mit einem durchdachten Lernplan bereitest du dich gut auf das Examen vor - und nebenher bleibt noch Zeit fürs Privatleben.

Als für mich die Vorbereitungsphase für das Examen bevorstand, beschlich mich das Gefühl, mein bisheriges Studentenleben sei vorbei. Ist doch ein weit verbreiteter Mythos, dass ein Jurastudent im Repetitorium scheinbar keine Freizeit mehr hat, mindestens zwölf Stunden täglich in der Bibliothek verbringt und auf jegliches Privatleben mindestens ein Jahr verzichtet.

Zwölf Stunden täglich in der Bibliothek?

Ziemlich schnell stellte ich fest, dass es doch nicht so schlimm kommt. Klar, es gibt schönere Zeiten als die Examensphase, und man muss so viel Lernstoff bewältigen, dass man sich fragt, wie das alles in einen einzigen Kopf passen soll. Dennoch hat man nebenher noch ein Leben. Die vielen Klischees von ausufernden Lerntagen von morgens bis abends, sieben Tage in der Woche, sind einfach nicht wahr. Denn spätestens nach ein paar Monaten wird jeder feststellen, dass es auf die Quantität des Lernens keinesfalls ankommt. Examenskandidaten, die täglich zwölf Stunden in der Bib brüten, sind nicht unbedingt die besseren Juristen.

Welches Ziel hast du?

Um die Übersicht in Sachen Zivil-, Straf-, und Öffentlichem Recht zu behalten, solltest du dir schon früh klarmachen, welches Ziel du im Examen anpeilst. Und noch viel wichtiger: wie weit du derzeit davon entfernt bist. Es bringt wenig, sich im Rep mit Detailproblemen in Großkommentaren zu beschäftigen, wenn man bei den Basics Schwächen zeigt.

Generell wird die Grundlagentechnik häufig unterschätzt. Dies liegt vor allem daran, dass Studenten, die ein kommerzielles Rep besuchen, sich auf deren "Rundum-Sorglos-Paket" verlassen und annehmen, wenn sie alle Probleme aus dem Skript auswendig lernen, können sie bedenkenlos ins Examen gehen. Leider kennen auch alle Prüfungsämter die Skripten und wollen gewiss nicht alle zwölf Meinungen zum Gefährlichen Werkzeug in § 250 StGB hören. Zum Nacharbeiten des Stoffs sind Lernpläne unumgänglich. Wenn man ein kommerzielles Rep oder ein Unirep besucht, reicht es meistens aus, den aktuellen Stoff nachzuarbeiten, der gerade im Repetitorium besprochen wurde. Aber spätestens ein paar Monate vor dem Examen ist es an der Zeit, zu wiederholen.

Wie sollte ein Lernplan aussehen?

Ziel eines Lernplans sollte sein, die verbleibende Zeit bis zum Examen effizient zu nutzen, um wirklich alles durchzuarbeiten. Wie viel Zeit dafür in Anspruch genommen wird, ist jedem selbst überlassen. Idealerweise nutzt man die Zeit zwischen Ende des Repetitoriums und dem Examen. Aus eigener Erfahrung kann ich versichern, dass vier bis fünf Monate dafür ausreichen.

Es gibt mehrere Techniken, einen Lernplan zu erstellen. Eines ist aber in jedem Fall erforderlich: Man muss die Disziplin haben, sich streng an den Lernplan zu halten. Auch wenn es manchmal so aussieht – aber Juristen in der Examensphase sind keine Maschinen. Auch sie brauchen Pausen für Privates und zur Regeneration. Deswegen ist zumindest ein freier Tag die Woche Pflicht, auch wenn das Examen in wenigen Wochen vor der Tür steht. Um keinen prüfungsirrelevanten Stoff zu lernen, sollte man zunächst unbedingt einen Blick in das jeweilige Juristenausbildungsgesetz werfen. Viele Rechtsgebiete sind darin ausgeklammert oder müssen nur "im Überblick", bzw. nur "in Grundzügen" beherrscht werden.

Zu dritt lernt es sich leichter

Außerdem solltest du dir für die entscheidende Zeit Mitstreiter suchen, mit denen du deinen Lernplan abstimmst. Dabei sollte es sich um ein bis zwei Kommilitonen handeln, die zum selben Termin ins Examen gehen und auch ungefähr deinem Leistungsniveau entsprechen. Arbeitsgemeinschaften, in denen das Gelernte vertieft und überprüft wird, sind äußerst hilfreich. Diese sollten mindestens dreimal die Woche stattfinden. Mit Lernpartnern stehst du diese schwierige Zeit leichter durch, weil ihr euch gegenseitig euer Leid klagen und euch bestätigen könnt.

Rechtsgebiete gewichten

Gewichte unbedingt die Fachbereiche in deinem Plan. Im Zivilrecht werden gewöhnlich drei Klausuren geschrieben – auch ist darin der meiste Inhalt zu bewältigen. So muss mindestens die Hälfte der Zeit für das Zivilrecht draufgehen, also drei Tage pro Woche. Im Strafrecht musst du nur eine Klausur schreiben, auch der Stoff ist absolut überschaubar. Und nochmal der Rat, nicht die hundertste Mindermeinung zu lernen, sondern sich die systematischen Techniken klarzumachen, sodass du auch unbekannte Sachverhalte bewältigen kannst. Dann reicht ein Tag in der Woche zur Wiederholung.

Ist die Einteilung nach Rechtsgebieten vorgenommen, müssen die einzelnen Blöcke der Rechtsgebiete aufgeteilt werden. Eine Einteilung in noch segmentiertere Abschnitte halte ich nicht für sinnvoll, das ist aber wohl eine Typfrage. Natürlich weiß man vorher nicht, wie viel Zeit zum Beispiel das Sachenrecht in Anspruch nimmt. Dennoch ist eine grobe Gewichtung ohne Weiteres möglich. Denn dass die Wiederholung des allgemeinen Schuldrechts mehr Zeit in Anspruch nimmt als beispielsweise das Erbrecht, sollte aufgrund der unterschiedlichen Stoffmenge vorher klar sein.

Puffer einplanen

In jedem Fall musst du ausreichend Puffer einbauen, damit eine Verzögerung im Lernplan nicht eine sofortige Panikattacke auslöst und das strukturierte Wiederholen zunichte macht. Denn bist du einmal in Verzug, nützt der zuvor erstellte Lernplan nur noch wenig, und die Gefahr wächst, dass du vor dem Examenstermin nicht mit der gesamten Wiederholung fertig wirst. Deswegen solltest du nach jedem großen Lernabschnitt zwei- bis dreitägige Pufferzonen einplanen. Wenn diese nicht in Anspruch genommen werden, eignet sich die gewonnene Zeit hervorragend dazu, aktuelle Entscheidungen zu lesen oder Fälle aus den Ausbildungszeitschriften zu lösen - oder du gönnst dir einen zusätzlichen Tag Regeneration. Des Weiteren muss der Lernplan von vornherein an deine anderen Aktivitäten angepasst sein. An den Tagen, an denen Probeklausuren geschrieben oder solche besprochen werden, kannst du nicht so viel Stoff bewältigen wie an gänzlich freien Tagen. Ohne diese vorausschauende Anpassung besteht wieder die Gefahr des Lernverzuges.

Die letzten zwei Wochen sollten als "Notfallpuffer" dienen, in dem du die Themen behandeln kannst, die du in der angepeilten Zeit nicht geschafft hast. Außerdem ist es so kurz vor dem Examen sinnvoll, deine Karteikarten noch einmal durchzugehen (sofern du welche nutzt) und aktuelle Literatur sowie Rechtsprechung zu sichten. In den letzten drei bis vier Tagen vor dem Examen solltest du dir eine Pause gönnen - die kommenden zwei Wochen werden hart genug. Viel Erfolg!

Wie lernen die e-fellows?

Für die Examensvorbereitung gibt es viele Strategien. Da viele e-fellows.net-Stipendiaten zu den besten Jura-Studenten in Deutschland gehören, findest du in der Juristen-Gruppe der e-fellows.net community sicher einige Tipps und kannst dich über Lernstrategien und aktuelle Themen austauschen. Außerdem bekommst du viele nützliche Informationen und exklusive Leistungen im Stipendium.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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