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Warum die juristische Notengebung besser ist als ihr Ruf

Klausuren schreiben [© Adam Gegor – Fotolia.com]

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Zu hart, zu unfair, zu intransparent: Die juristische 18-Punkte-Skala wird von Studenten gefürchtet und außerhalb der Branche belächelt. Julia Marinitsch korrigierte knapp 1.000 Klausuren und fand dabei etwas Gutes am System. Ein Plädoyer.

Zu hart, zu unfair, zu intransparent: Die juristische 18-Punkte-Skala wird von Studenten gefürchtet und außerhalb der Branche belächelt. Julia Marinitsch korrigierte knapp 1.000 Klausuren und fand dabei etwas Gutes am System. Ein Plädoyer.

"Neun Punkte von insgesamt 18? Das ist doch nur die Hälfte, warum freust du dich denn so?" So oder so ähnlich hat das wohl jeder deutsche Jurastudent schon einmal gehört. Und wie oft musste man der Familie erklären, dass das eine tolle Note und besser ist, als es sich anhört – in dem Wissen, dass sie es eh niemals richtig verstehen würde? Genauso frustrierend kann es im Klausurenkurs oder Probeexamen werden. Schon wieder nur fünf Punkte. Dabei lernt man nun schon seit einem Jahr, und trotzdem keine Klausur mit Prädikat!

Ein Schuldiger ist da schnell gefunden: der Korrektor mit Gottkomplex, der seine schlechte Laune an den Studenten auslässt. Auch der Klausurersteller hat seinen Anteil daran: Wer versteht schon forderungsentkleidete Hypotheken und wie soll man überhaupt in fünf Stunden auch noch die 27. Meinung zum Erlaubnistatbestandsirrtum herbeten? Aber Hauptsache, Bundesrichter Thomas Fischer erklärt, Jura sei leicht. Na danke.

Diese oder ähnliche Gedanken hatte wohl beinahe ausnahmslos jeder Examenskandidat. Und fest steht auch: Die juristische Notengebung ist anders. Sie ist härter als in vielen (nicht allen) anderen Fächern. Studenten finden das oft unfair und das Internet scheint ihnen recht zu geben: sei es, dass "scheele Blicke" ernte, wer das begehrte Prädikat nicht mitbringt, oder gar, dass das juristische Benotungssystem unbrauchbar sei.

Die traditionelle juristische Notenskala hat aber auch entscheidende Vorteile. Gerade sie gibt die Möglichkeit der Differenzierung, der Anerkennung und – so hart es für den Betreffenden ist – der ehrlichen Einschätzung.

Bewusstsein schaffen: Sechs Punkte sind keine schlechte Leistung

18 Punkte bekommt keiner, 17 Punkte der liebe Gott und 16 Punkte der Klausurersteller – aber auch nur, wenn es keinen Zweitkorrektor gibt. In diesem geflügelten Wort steckt nicht nur ein Körnchen Wahrheit, wenn man sich die Notenstatistiken ansieht. Die Traumnote "Sehr gut" (16 bis 18 Punkte auf der Skala, 14 oder mehr Punkte im Examensschnitt) erreichten den aktuellsten Zahlen von 2014 nach nur 22 Kandidaten – von insgesamt 12.028. Der Durchschnitt der einzelnen Examensklausuren liegt in der Regel bei fünf bis sechs Punkten. Das sieht nicht nur auf den ersten Blick nach einem unsagbar harten Benotungssystem aus. Es ist tatsächlich hart.

Diese Härte, dieses "zu große" Notenspektrum, gibt in der Bewertung aber eben auch die Möglichkeit der Differenzierung. Der Korrektor hat die Möglichkeit, in seiner Benotung auszudrücken, dass der Kandidat mit neun Punkten eben noch einen Ticken besser war als der mit acht Punkten.

Vorab einmal die "Legaldefinition" der beiden Notenstufen, mit der die meisten Teilnehmer das Staatsexamen abschließen: "ausreichend [ist] eine Leistung, die trotz ihrer Mängel den durchschnittlichen Anforderungen noch entspricht" und "befriedigend [ist] eine Leistung, die in jeder Hinsicht durchschnittlichen Anforderungen entspricht". Diese Definitionen macht bereits deutlich: Eine Klausur mit sechs Punkten ist keine schlechte Leistung – sie ist eine Leistung, die durchschnittlichen Anforderungen gerecht wird.

Großkanzleien und Staat schrauben Erwartungen in die Höhe

Das Empfinden, dass die juristische Notengebung zu hart sei, resultiert nicht aus der Note, sondern aus der Erwartungshaltung. Aber nicht nur der aus den eigenen Ansprüchen. Sie liegt auch in den Anforderungen der Großkanzleien und des Staates sowie den Unkenrufen mancher Bewohner des Elfenbeinturms. Zu oft wird den Studenten erzählt, dass nur mit neun Punkten das Juristendasein lebenswert sei.

Daran ist aber nicht die Notenskala und die juristische Benotung schuld, sondern die seit Jahren zu beobachtende "Juristenschwemme". Insgesamt 96.296 Studenten der Rechtswissenschaften gab es 2010/2011 an deutschen Universitäten, im selben Jahr nahmen 11.842 Kandidaten an der ersten juristischen Staatsprüfung teil. Die Zahl der freien Stellen passt sich dieser Entwicklung nicht an. Das Angebot der Stellen bestimmt die Anforderungen an die Nachfrage. Die Notengebung kann hierfür letztlich ein entscheidendes Kriterium sein – wenn sie denn hinreichend zwischen unterschiedlichen Leistungsniveaus unterscheidet.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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