Partner von:

Bachelor of Laws oder Staatsexamen?

Clifford Chance Private Equity Associate (Autor: ArTo, Quelle: Fotolia.com)

© ArTo - Fotolia.com

Staatsexamen oder Bachelor of Laws - wer heute anfängt, Jura zu studieren, hat die Qual der Wahl. Beide Studienformen haben ihre Vor- und Nachteile - die die e-fellows auch in der Community heftig diskutieren. e-fellow Katharina erzählt, warum sie sich für den LL.B. und gegen das Staatsexamen entschied - und damit auch gegen eine mögliche Karriere als Anwältin oder Richterin.

Staatsexamen, Diplom, Bachelor, Master...  als ich mein Abitur in der Tasche hatte, steckten die deutschen Universitäten gerade mitten im Übergang zwischen alten und neuen Studienabschlüssen. Nun sollten die Abschlüsse Bachelor und Master heißen und europaweit vergleichbarer sein. Aber wo genau ist jetzt der Unterschied? Und was ist besser und was schlechter?

Muss es wirklich das Staatsexamen sein?

Jura sollte es sein, das war mir schon vor dem Abi klar gewesen, nur wie und wo, war die Frage. Während die Politiker noch in den Medien darüber diskutierten, wie sinnvoll die Umstellung des Studiensystems denn jetzt wirklich sei, musste ich feststellen, dass die Umstrukturierung wohl an meinem Fach vorbeigegangen sein muss. Für Jura hieß es an fast allen Universitäten immer noch: Erstes und Zweites Staatsexamen. Da stellte sich für mich die Frage: Was erwartete ich von meinem Studium? Musste es unbedingt das Staatsexamen sein? Wollte ich wirklich Richterin oder Anwältin werden? Oder gab es doch noch andere Möglichkeiten?

LL.B. - die Alternative zum Staatsexamen

Am Ende entschied ich mich gegen den klassischen Weg und für ein Bachelorstudium. Nun studiere ich seit drei Jahren an der Hanse Law School, einem Kooperationsstudiengang der Universitäten Bremen, Oldenburg und Groningen (NL). Ich studiere European and Comparative Law mit dem Abschluss Bachelor of Laws (LL.B.). Dieses vierjährige Programm vermittelt Kenntnisse des deutschen und Europarechts und behandelt auch rechtsvergleichende Aspekte.

Heute in Bremen, morgen in Oldenburg, übermorgen in Groningen

Ein Jahr müssen die Studenten an einer ausländischen Universität absolvieren. Der Studiengang ist sehr klein, zu jedem Wintersemester werden maximal 35 Bewerber aufgenommen. In den ersten beiden Jahren studiert man an den Universitäten Bremen und Oldenburg, so dass man an manchen Tagen in der einen, an anderen in der anderen Stadt ist. Auf Grund der Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen in den Niederlanden lernen alle Studenten während des Studiums Niederländisch, was meist sehr witzig und eine Abwechslung zu den juristischen Veranstaltungen ist.

Russland, Indien, Schweiz - das Studium ist international

Jedoch muss man keinesfalls sein Auslandsjahr in den Niederlanden verbringen. Ich war zum Beispiel in London, meine Kommilitonen hat es in die Schweiz, Türkei, nach Frankreich oder sogar nach Russland und Indien gezogen. Entschließt man sich jedoch dazu, ein Jahr in Groningen zu studieren und entsprechende Kurse zu belegen, erhält man nach dem Masterabschluss die Zulassung zum niederländischen Referendariat und kann dann nach zweijähriger Ausbildung die niederländische Anwaltszulassung erhalten.

Fürs Richteramt reicht der LL.B. nicht

Im Gegensatz zum deutschen Staatsexamen qualifiziert der Bachelorabschluss nicht zum Referendariat und somit kann man in Deutschland nicht als Anwalt oder Richter praktizieren. Sollte man dies also bereits vor Studienbeginn ins Auge gefasst haben, so ist von einem LL.B. abzuraten. Das LL.B.-Studium ist im Vergleich zum Staatsexamen jedoch flexibler und man hat eher die Möglichkeit, sich von Studienbeginn an auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren. So findet in meinem Studiengang in jedem Semester mindestens eine Veranstaltung auf Englisch statt und in den einzelnen Kursen gibt es einen stärkeren Bezug zu internationalen Aspekten. Außerdem können sich ausländische Arbeitgeber unter einem Staatsexamen oft nichts vorstellen, während der Bachelor ein internationaler Titel ist.

Und nach dem LL.B.? Der LL.M.!

In Deutschland gibt es mittlerweile verschiedene Programme, die einen LL.B., eventuell auch mit anschließendem Masterstudium (LL.M.), anbieten. Dies kann auch, wie im Falle der Bucerius Law School in Hamburg ein kombiniertes Programm mit den Abschlüssen Bachelor und Staatsexamen sein.

Mit Fragen muss man rechnen

Mit einem LL.B. und eventuell einem  anschließenden Master kann man in verschiedensten Bereichen arbeiten. So steht einem die Möglichkeit offen, als In-House Lawyer in der juristischen Beratung für Unternehmen zu arbeiten, genauso wie für nationale und internationale Behörden, als auch für Handelskammern. In Deutschland muss man mit der Frage rechnen, warum man sich gegen das Staatsexamen und für den etwas ungewöhnlichen Bachelor entschieden hat. Allerdings scheint dies nicht zwangsläufig nachteilig zu sein, wenn man souverän begründen kann, warum man sich dafür entschieden hat.  Ob auf lange Sicht das Bachelor-Master-System das Staatsexamen ablösen wird, steht noch offen,  aber es scheint auf jeden Fall eine Alternative zu sein, die es Wert ist, in Betracht gezogen zu werden.

Tausche dich mit anderen e-fellows aus

Bei der Entscheidung, welche Studienform die richtige für dich ist, hilft es auch, sich mit anderen Studenten oder Juristen auszutauschen. Da viele e-fellows.net-Stipendiaten zu den besten Jura-Studenten in Deutschland gehören, findest du in der Juristen-Gruppe der e-fellows.net community sicher Rat. Außerdem bekommst du  viele nützliche Informationen und exklusive Leistungen im Stipendium.

nach oben

Nach dem Staatsexamen stehen Juristen viele Berufen offen. Perspektiven für Juristen gibt einen Überblick über Berufsbilder und Tipps für die Studien- und Karriereplanung.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (8)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

  1. shelp

    Bernd, dein Statement kann ich nicht so wirklich nachvollziehen. Das Argument des Vergessens mit dem Bach. Studiengang zu asoziieren aber eben nicht mit dem des Volljuristen kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ganzheitlich wäre diese Behauptung schlichtweg falsch, da es immer von jedem einzelnen Studierenden selbst abhängt wie intensiv er sich mit der Materie befasst, dh. entweder nur für die Prüfungen paukt und das Wissen kurzfristig konsumiert oder langfristig denkt und durch hartes erarbeiten, erlernen und ständiges wiederholen bereits behandelter Themenbereiche dieses Wissen zu festigen. Unter dem Strich sind es zwei völlig unterschiedliche Studiengänge mit ebenso unterschiedlichen Kompentenzbereichen, dem bach. grundsätzlich den Weg zum Volljuristen zu verwehren, halte ich jedoch für fragwürdig. Dies sollte über eine Weiterqualifizierung auf jeden Fall ermöglicht werden.

  2. Jan

    Es ist durchaus auch möglich mit der Ausbildung der Hanse-Law-School Volljurist zu werden. Einstiegspunkt hierfür ist die Morgenbesser-Entscheidung des EuGH aufgrund derer § 112a DRiG eingeführt worden ist. Hierfür muss die Qualifikation "civiel effect" in den Niederlanden zwingend erreicht werden (§ 112a Abs. 1 DRiG). Aber das ist vom Umfang her gut zu schaffen. Das Landesjustizprüfungsamt hat dann zu prüfen, ob eine Gleichwertigkeit nach § 112a Abs. 1 DRiG besteht. Hierzu gibt es noch keine einheitliche Linie bei den Landesjustizprüfungsämtern. Meinen derzeitigen unverbindlichen Informationen zu Folge, kann es ausreichen, dass man die Kurse, die man auch im Staatsexamen machen müsste bestanden hat. Also eine gewisse Auswahl von Fächern aus dem Bürgerlichen Recht, dem Öffentlichen Recht und dem Strafrecht. Sollte das Landesjustizprüfungsamt die Auffassung vertreten, dass die Gleichwertigkeit nicht nachgewiesen ist (wofür der Antragssteller beweispflichtig ist), ist immer noch nichts verloren. Gemäß § 112a Abs. 2 DRiG muss das Landesjustizprüfungsamt eine Gleichwertigkeitsprüfung anbieten. Diese besteht aus den schriftlichen Klausuren des 1. Staatsexamens. Allerdings müssen hiervon nur die Hälfte der Klausuren bestanden werden (also die Hälfte der Klausuren mit mindestens 4 Punkten). Eine Note wird nicht bekannt gegeben, es wird lediglich festgestellt, dass die Gleichwertigkeit (nicht) besteht. In Bremen sind es 6 Klausuren (3 im Bürgerlichen Recht, zwei im Öffentlichen Recht und eine im Strafrecht). Die drei Klausuren die bestanden werden müssen müssen sich aus unterschiedlichen Rechtsgebieten zusammen setzen, wobei mindestens eine im Bürgerlichen Recht bestanden worden sein muss. Es wäre also ausreichend, zwei im Bürgerlichen Recht zu besteht und eine im Öffentlichen Recht oder im Strafrecht. Wichtig ist aber, dass diese Möglichkeit nur denjenigen zusteht, die im Ausland zur postuniversitären Rechtsanwaltsausbildung zugelassen sind, also den Absolventen mit civiel effect in den Niederlanden. Ich bin Absolvent des Bachelorstudiums der Hanse-Law-School und mache gerade den darauf folgenden Master und werde genau den oben beschriebenen Weg beschreiten. Nach der Gleichstellung ist man im Übrigen Volljurist ohne Einschränkungen. Man macht das Referendariat und das zweite Staatsexamen und kann dann auch Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt werden. Insofern ist der Beitrag oben nicht vollkommen korrekt, diese Möglichkeit besteht.

  3. Lina

    Hallo! Ich studiere ebenfalls an der Hanse Law School und ich persönliche halte große Stücke von der HLS. Ein großer Pluspunkt ist unter anderem, dass der Studiengang mit max. 35 Studenten belegt wird. Dies war mir zu Beginn des Studium besonders hilfreich, da es leichter fällt, Kontakt zu den Kommilitonen und aber auch zu den Professoren bzw. Leuten, die hinter der HLS stecken, zu knüpfen. Man ist nicht wie im Staatssexamen ein namenloser Student in einem Saal mit 200 weiteren namenlosen Studenten, für die sich der Prof selbst kaum interessiert. An der Hanse Law School "kennt man sich". Besonders in den Vorlesungen ist dies von Vorteil: Man kann sich melden, wenn man etwas nicht verstanden hat und die Profs sind größtenteils bemüht es erneut zu erklären bzw. auf den einzelnen Studenten ein zugehen und auch bei anderen Angelegenheiten zu helfen. Weiter finde ich von Vorteil, dass wir uns auf Rechtsgebiete fokussieren, nämlich Europarecht und Privatrecht und nicht wie im Staatsexamen quer durch die Bank alles zu behandeln. Das heißt nicht, dass der Stoff leichter ist, im Gegenteil, wir müssen und können viel mehr auf die Materie eingehen. Ebenfalls von Vorteil ist, dass man das Auslandsjahr angerechnet bekommt. Wir müssen alle das 3te Jahr im Ausland verbringen. Diese ganze Diskussion um die Berufschancen halte ich für völligen Unsinn. Im Gegenteil, es gibt Rechtsanwälte wie Sand am Meer und für das Richteramt muss man sehr gut abschneiden, was aber dann letztendlich nicht bedeutet, dass man auch einen Job bekommst. Wie ihr ja alles wisst, werden Richter auf Lebzeit ernannt. Wer sich sicher ist, dass er in den Staatsdienst gehen möchte oder als Rechtsanwalt tätig werden möchte, der muss das Staatsexamen machen. Wer aber mit den Gedanken spielt in Firmen als Rechtsberater zu fungieren oder bei der EU tätig zu werden und eventuell später gerne im Ausland arbeiten möchte, dem bietet die HLS ein super Alternative zum Staatsexamen. Im übrigen sollte man auch zur HLS gehen, wenn man keine Lust auf „Lacoste-tragende Yuppies“ hat, die mit Papis Mercedes durch die Gegen fahren, sondern wenn man Lust auf Leute hat, die Persönlichkeit haben und Interesse, an dem was, sie dort lernen. (Die Hälfte der Studenten wird nicht umsonst durch persönliche Auswahlgespräche ausgesucht).

  4. Björn

    Als Student der Hanse Law School studiere ich derzeit in meinem zweiten Auslandssemester an der Rijksuniversiteit Groningen und möchte gerne zu einigen Punkten, die hier aufgeführt worden sind, Stellung nehmen. - Das Verhältnis LL.B./LL.M.: Die Studenten der HLS machen sich doch nichts vor. 90 % der Studenten studieren auf nach dem Bachelor in einem Masterstudiengang. Der Bachelor-Studiengang ist dennoch eine sehr gute Grundlage - und Beispiele eines Mitarbeiters der ILO und einer Trainee bei der Commerzbank belegen dies. Das Argument, dass uns die Gabe des stichhaltigen Arguments und das Gefühl für Systematik fehle, ist doch nicht haltbar: es geht davon aus, dass man innerhalb von 3 Semestern eine Fähigkeit komplettiert, die nach 6 Semestern nicht oder nur rudimentär vorhanden gewesen ist. Ich bin eher der Auffassung, dass dies von den individuellen Fähigkeiten eines Studenten abhängt, und dass wir vieles schon in 12 oder 13 Jahren Schule erlernt haben sollten und ebenso vieles noch im Berufsleben erlernen werden. Aber diese 3-4 Semester am Ende des StEx-Studiums so zu glorifizieren, ist in meinen Augen abenteuerlich. Das Prüfungsargument ist m.E. ebenso wenig stichhaltig. Es ist richtig, dass wir am Ende des Studiums vieles wieder vergessen haben werden. Dies passiert aber mit den StEx-Studenten genauso - nur eben 2 Jahre nach dem StEx. Vielmehr erlaubt die Moduleinteilung doch, sich auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren, was automatisch zu einer Wiederholung des mit den Gebieten zusammenhängenden Stoffes führt, und unnötigen Ballast abzuwerfen. - Das "leichtere Studium": Unsere Entscheidung gegen die anwaltliche Tätigkeit sowie das Staatsexamensstudium und unsere Entscheidung für die HLS miteinander in Verbindung zu bringen ist schon haarsträubend. Erstens sind wir mit dem civiel effect sehr wohl in der Lage, anwaltlich tätig zu werden. Zweitens bereitet das Staatsexamensstudium genauso wenig auf eine anwaltliche Tätigkeit vor, sondern eher auf den Richterberuf, und erlaubt über den Schwerpunkt hinausgehend keine Spezialisierung, die für Kanzleien besonders anziehend wirkte. Gehen wir doch mal durch, was an einem HLS-Studium leichter sein soll: 1) Abgespeckte Kurse / Leichtere Prüfungsleistungen Dies ist an einem Beispiel zu widerlegen: Im Zivilrecht haben wir teilweise die Veranstaltungen des Staatsexamens besucht und dazu begleitend eine rechtsvergleichende Veranstaltung. In der Staatsexamensklausur waren wir im Durchschnitt 4 Punkte besser als die StEx-Studenten. Mithin lässt sich dieser Vorwurf nicht halten. 2) Studieren in verschiedenen Rechtssystemen Dies geht zulasten der Tiefe des Wissens im deutschen Rechtssystem. Das ist keine Frage. Dies muss aber nicht unbedingt ein Nachteil sein, wo zudem der Maßstab so unklar ist. Was ist denn eine ausreichende Tiefe des Wissens? Auch StEx-Studenten sind nicht allumfassend ausgebildet. Das Studieren bei der HLS bietet dagegen einen klaren Vorteil: Wir erlernen die wichtige Fähigkeit, uns schnell an neue Systeme und Situationen anzupassen. Dies ist eine Fähigkeit, die den Staatsexamlern oft fehlt. 3) kein(e) Staatsexamen(svorbereitung) Die Studenten der HLS erwerben alle grundlegenden Fähigkeiten, die auch im Staatsexamen essentiell sind. Wir schreiben Haus- und Abschlussarbeiten und erwerben so die Kenntnisse, wie wissenschaftlich gearbeitet und juristisch in einem solchen Rahmen argumentiert wird. In den Semesterabschlussklausuren wenden wir ebenso wie Staatsexamler den Gutachtenstil an und lösen nicht minder schwere Probleme. 4) umfassende Ausbildung - Organe der Rechtspflege Was ist eine umfassende Ausbildung? Bei aller Liebe, wenn dies bedeutet, dass man auf möglichst vielen Rechtsgebieten Kenntnisse hat, dann ist das m.E. nicht zutreffend. Rechtspflege hat nicht nur diese eine Dimension. Eine frühere Auffassung war, die u.a. in Ländern wie Südafrika weiterhin verfolgt wird, dass man Jura nicht ohne die Kombination mit einem geistes- oder wirtschaftswissenschaftlichen Fach studieren darf. Eine umfassende Ausbildung heißt für mich: Über den Tellerrand hinausschauen zu können und eben keine Subsumtionsmaschine zu sein. Durch die Auslandsaufenthalte und die Kurse in Wiwi bzw. PoWi sind die HLS-Studenten, so bin ich der festen Überzeugung, wesentlich besser auf Rechtspflege vorbereitet als StEx-Studenten. - Berufsperspektiven: Ob denjenigen, die den civiel effect aus Groningen mitbringen und so auf Grund europäischer Richtlinien zumindest ein Recht auf eine Gleichwertigkeitsprüfung vor der Zulassung zum deutschen Referendariat haben, der Staatsdienst dauerhaft verschlossen bleiben wird, muss wohl in der Zukunft geklärt werden. Aber in der Tat werden die Studenten der Hanse Law School vermutlich nie Staatsanwalt bzw. Richter werden (es sei denn auf Grund des civiel effect in den Niederlanden). Ungefähr für 5 % eines Jahrganges sind Plätze in diesen Berufen frei, die als oberste Eingangsvoraussetzung zwei Prädikatsexamina auf ihren Fahnen stehen haben. Diese Voraussetzung wird je nach Bundesland unterschiedlich von 10 % (ich glaube, Sachsen-Anhalt) bis zu 31 % (Hamburg) erfüllt - mithin ist allein dieses Argument schon einmal gar nicht "massentauglich". Die übergroße Mehrheit der Stundenten wird diese Eingangshürde nie überwinden und die 5 %, die es dann letztlich schaffen, sind doch vernachlässigbar. Die anderen Studenten müssen woanders unterkommen - nun ist natürlich die berechtigte Frage, was die Absolventen der HLS (LL.B. oder LL.M.) für Einstiegschancen haben und ggf. für Vorteile gegenüber den StEx-Studenten haben: 1) Unser "Spezialwissen" (absichtlich in Anführungsstriche gesetzt) Die frühe Heranführung der Studenten an das Europarecht und die fundierte wirtschaftsrechtliche Ausbildung bietet uns diverse Einstiegsmöglichkeiten in der Rechtsberatung. Wenn Staatsexamensstudenten von "richtlinienkonformer Auslegung" und "autonomer Interpretation" hören, stehen meistens große Fragezeichen in ihren Gesichtern. Dies mag zunächst wie eine sehr kleine Nische aussehen, kann aber sicherlich ein entscheidendes Argument für die HLS-Studenten sein, da europarechtliche Kenntnisse unter den 150000 Rechtsanwälten nicht sehr verbreitet sind. 2) Im Ausland: Unsere Vielseitigkeit Oftmals wird vergessen, dass es auch außerhalb von Deutschland Karrieremöglichkeiten für Juristen gibt. Beispiel Niederlande: Die Niederlande sind Deutschlands größter europäischer Handelspartner. Das Land lechzt - so meine persönliche Erfahrung, die diesen Ausdruck rechtfertigt - nach Menschen, die auf beiden Seiten der Grenze "zu Hause" sind. Speziell als deutsche Muttersprachler, die nach 2 Jahren Groningen fließend Niederländisch sprechen, sind wir sehr sehr wertvoll für Kanzleien und Unternehmen. Die meisten von uns sprechen zudem Englisch fließend oder sogar auf muttersprachlichem Niveau. Wir sind also in Verbindung mit unseren rechtsvergleichenden und europarechtlichen Kenntnissen gut für den internationalen Arbeitsmarkt gerüstet. 3) Unsere Persönlichkeit Wer sich insbesondere den vorherigen Punkt durch den Kopf gehen lässt, kommt zu dem Schluss, wovon die HLS lebt: den Studenten selbst. Die Studenten sind aufgeschlossen, flexibel und beherrschen mehrere Sprachen. Manchmal spielt dann nicht einmal der "Bachelor" eine Rolle: ein Bachelor-Absolvent des 2.Jahrgang absolvierte ein Praktikum (im 5. Semester) bei der ILO in Genf. Auf Grund seiner hervorragenden Leistungen bekam er dort direkt nach seinem Abschluss einen Vertrag. Ich persönlich absolviere in den nächsten zwei Wintern Praktika bei einem deutschen Generalkonsulat und bei der Europäischen Kommission. Für jemanden, der niemals das Staatsexamen ablegen wird, sind das wiederum zwei attraktive Möglichkeiten (mit einer zugegebenermaßen begrenzten Anzahl an Stellen). Ich kann jedem das Studium an der HLS empfehlen. Die individuelle Betreuung und die Entfaltungsmöglichkeiten, insbesondere im 1-jährigen Auslandsstudium, sind einmalig in Deutschland. Die Absolventen werden von ihren Arbeitgebern (ILO, Ernst & Young, KienhuisHoving, ...) gerade auf Grund ihrer Vielseitigkeit sehr geschätzt.

  5. Bernd

    Aus meiner Arbeit als Studierendenvertreter weiß ich, dass dieses Thema auch an allen Juristischen Fakultäten immer wieder diskutiert wird und die einhellige Meinung ist: 3 Jahre reichen nicht aus, um einen Juristen so auszubilden, dass er genügend Wissen hat um praxistauglich zu arbeiten. Auch aus meiner persönlichen Sicht hätte ich mir - obohl meine Noten soweit in Ordnung sind - es nicht zugetraut, nach 6 Semestern Rechtsberatung zu geben. Ein weiteres Jahr im Ausland ändert an dieser Sicht nichts. Die Regelstudienzeit beträgt nicht umsonst 9 Semester, wobei sich die meisten Studenten doch eher 10 Semester Zeit "gönnen". Der Jurist - in welcher Position auch immer - wird in Deutschland als Organ der Rechtspflege gesehen und wird deshalb umfassend ausgebildet. Gerade diese umfassende Ausbildung ist es dann auch, die einen "guten" Juristen ausmacht. Über die lange Zeit lernt er es (sollte er zumindest), stichhaltig zu argumentieren und gerade aus diesem umfassenden Wissen versteht er es dann auch systematische Argumente zu bringen. Bei einem Bachelorstudiengang, der - wie wohl jeder Bachelorstudiengang - mit vielen Prüfungen aufwartet und bei dem man viel Stoff in kurzer Zeit sich einprägen muss, kann solch ein systematisches Verständnis gar nicht erst entstehen. Das menschliche Gehirn ist auf Vergessen ausgelegt, sodass dieses kurzfristige auf eine Prüfung lernen eben diesen Prozess unterstützt. Internationale Vergleichbarkeit hin oder her, wer Staatsexamina im juristischen Bereich abschafft, kann ein Qualitätsdefizit nur damit auffangen, dass es für JEDEN Studenten die Möglichkeit geben muss einen Masterstudiengang danach zu absolvieren. Die Notwendigkeit hierfür ergibt sich aus den o.g. Gründen.

  6. Cihag

    Hab ich den Artikel jetzt zu oberflächlich gelesen, oder erläutert die Autorin tatsächlich nicht, weswegen sie sich denn letztendlich gegen das StEx und für den LL.B. entschieden hat? International studieren kann man auch beim Staatsexamen (je nach Universität, an den Privaten ohnehin). Und was die Akzeptanz im Ausland angeht: Auch die ausländischen Arbeitgeber werden im Zweifel verstehen, dass das Staatsexamen nunmal die Regel-Juristen-Ausbildung in Deutschland ist... Versteht mich nicht falsch: Aber mein erster Eindruck wäre, dass man sich das vermeintlich "leichtere" Studium aussucht, weil man ohnehin nicht anwaltlich arbeiten will...

  7. Anja

    Ich studiere wie Katharina an der Hanse Law School und kann das Studium jedem empfehlen. Bisher haben alle Absolventen einen guten Job bekommen. Ein Pluspunkt ist vor allem die Möglichkeit ins Ausland während des Studiums zu gehen. Uns werden im Gegensatz zu den Staatsexamlern alle Kurse angerechnet, da das Auslandsjahr im Studium integriert ist. Viele Staatsexamler, die ich im Ausland getroffen habe, konnten lediglich einen einzigen Kurs anrechnen, was viele davon abschreckt letztendlich doch ins Ausland zu gehen und ein Jahr zu verlieren. Derzeit mache ich ein Praktikum in einem Bundesamt (also Verwaltung). In der Europarechtsabteilung befinden sich nicht nur Volljuristen. Vor allem durch die internationale Ausrichtung haben wir auch in diesem Bereich Chancen. Ich stimme mit Katharina deshalb überein, dass das BA-Studium eine interessante Alternative ist.

  8. Malte

    Ich stand vor exakt der gleichen Entscheidung, habe mich gegen die Hanse Law School entschieden und bin nun im 2. Semester Rechtswissenschaften auf StEx in Osnabrück eingeschrieben. Bislang habe ich das nicht bereut. Klar ist es ein Massenstudiengang mit allen Begleiterscheinungen. Mir erscheint aber die andere Option nach wie vor zu unsicher und was ich diesem Artikel an Berufsperspektiven entnehmen kann, kommt mir leider nur allzu bekannt vor aus den Werbematerialien-handfest ist das m.E. nicht. Im Übrigen sollte klar sein, dass man sich mit dieser Wahl nicht nur Richteramt und Anwaltsberuf verbaut. Neben dem Staatsanwaltsberuf bleibt einem wohl auch der Verwaltungsdienst verschlossen, so dass wenig anderes bleiben wird als (Hilfs-)Tätigkeiten in der freien Wirtschaft. Aus Osnabrücker Perspektive kann ich sagen, dass hier etwa die Möglichkeit besteht parallel den LL.B. zu erwerben-was viele Kommilitonen auch tun, zumal der zusätzliche Arbeitsaufwand beschränkt bleibt. Aus meiner Sicht liegt der Anreiz aber höchstens in dem psychologischen Vorteil, angesichts der Unwägbarkeiten des alles entscheidenden Examens schon einen Abschluss in der Hinterhand zu haben.

Das könnte dich auch interessieren