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Authentisch bleiben - dann klappt's auch mit der Bewerbung

Bewerben als Jurist [© apops - Fotolia.com]

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Neun Punkte im Jura-Examen - der Rest ist egal? Nein, auch dann kommst du nicht darum herum, dich zu bewerben. Rechtsanwalt Dr. Florian Stork gibt im Interview Bewerbungstipps - und erklärt, warum gerade Juristen weitschweifige Anschreiben vermeiden sollten.

Welche Fehler sollte man als Jurist bei der Bewerbung nicht machen?

Bei den Unterlagen sollte man Rechtschreibfehler und schlechten Ausdruck vermeiden, denn geschriebene Texte sind für Juristen sehr wichtig – Sprache ist unsere "Waffe". Also auf keinen Fall: Weitschweifigkeit, Substantivierungen oder Passivkonstruktionen. Sie sollten Ihre Bewerbung auch unbedingt einem Freund oder Familienmitglied zum Gegenlesen geben. Auch sollte man der Versuchung widerstehen, in Anschreiben und Lebenslauf so viele Informationen wie möglich zu packen. Als Jurist sollte man Wesentliches von Unwesentlichem trennen können.

Und wie sieht es mit dem Bewerbungsgespräch aus?

Arroganz schadet immer. Beim Bewerbungsgespräch "wirbt" man für sich und muss die Gratwanderung schaffen zwischen selbstbewusstem und bescheidenem Auftreten. Außerdem sollten Sie gut vorbereitet sein – wenn Sie keine Ahnung von der Kanzlei oder dem Unternehmen haben, ist das schwierig. Darüber hinaus sollte man versuchen, Gemeinsamkeiten zu betonen. Das fängt schon bei der Kleidung an. Ich rate zu dunklen Farben und zu einem konservativen Stil. Aber Vorsicht, auch "too much" kommt nicht gut an: Dicke Manschettenknöpfe passen zum Beispiel meist nicht zum Auftreten und zur Position von Jura-Studenten und -Absolventen. Ein guter Grundsatz ist, sich so zu kleiden wie die Leute, die eine Ebene über einem selbst stehen.

Per E-Mail oder per Post – wie sollte ich meine Bewerbung verschicken?

Manchmal kommen noch Bewerbungen per Post, aber 90 Prozent sind E-Mails. Ich würde immer zur E-Mail raten. Der Vorteil: Die Kanzlei oder Firma muss nichts zurückschicken. Eine E-Mail kann auch schnell weitergeleitet werden. Wenn Sie die Wahl haben, sollten Sie außerdem Online-Bewerbungstools eher vermeiden, denn diese rauben Ihnen schnell die Persönlichkeit. Ihre Bewerbung wirkt nicht mehr so individuell.

Was sollte in meinem Anschreiben stehen?

Das Anschreiben ist der schwierigste Teil der Bewerbung. Was dort nicht stehen sollte: eine Wiederholung des Lebenslaufs. Man kann das Anschreiben nutzen, um gewisse Schwerpunkte aus dem Lebenslauf hervorzuheben und sich ein Profil zu geben. Aber dafür sollte man nur ausgewählte Aspekte seines Werdegangs nennen. Das Anschreiben hat eine Brückenfunktion, es soll eine Brücke zwischen dem Unternehmen und Ihnen bilden: Sie suchen, ich biete. Außerdem kann man dort seine Stärken betonen und eine Kostprobe von seinem Sprachstil geben - so sieht der Arbeitgeber schon einmal, wie Sie später Memos schreiben werden. Der Text sollte nicht zu lang sein - wenn einem nicht so viel einfällt, lässt man den Text lieber kürzer als seitenweise Plattheiten zu schreiben.

Sollte man sich mit oder ohne Foto bewerben?

Unbedingt mit. Auch das fällt unter den Aspekt "Gemeinsamkeiten schaffen". Parteien machen ihren Wahlkampf ja auch nicht ohne Fotos der Kandidaten. Sie bewerben sich als Persönlichkeit und nicht nur als "Jura-Maschine". Aus meiner Sicht ist es dabei egal, ob es sich um ein schwarz-weißes oder um ein farbiges Foto handelt. Es sollte aber nicht zu künstlerisch oder experimentell sein.  

Wie gehe ich mit meiner Nervosität im Vorstellungsgespräch um?

Da hilft Visualisieren, vielleicht schon am Tag vor dem Gespräch: Sie stellen sich den positiven Verlauf des Gesprächs vor. Schon Henry Ford sagte: "Whether you think you can or you can't, you're usually right." Außerdem sollte man versuchen, Spaß und Motivation fürs Gespräch zu finden und die positiven Aspekte herauszufiltern. Sie sind schon mal eingeladen, offensichtlich überzeugen Sie also fachlich. Nun bekommen Sie eine Plattform, um sich selbst vorzustellen. Je optimistischer Sie an das Gespräch herangehen, desto besser werden Sie sein. Sie sollten keine Angst vor Fehlern oder Blackouts haben - kleine Schwächen machen einen sympathisch. Klar, ein perfekter Bewerber wirkt kompetent, aber andererseits nicht so menschlich wie jemand, der Schwächen hat und einräumt. Wenn Sie ein wenig aus dem Konzept kommen, können Sie das sogar zugeben: "Ich habe mich so auf das Gespräch gefreut, aber gerade bin ich ein wenig nervös." Mit so einem Satz hätten Sie mich sofort auf Ihrer Seite.

Was soll man antworten, wenn man nach Stärken und Schwächen gefragt wird?

Da bin ich vorsichtig mit Empfehlungen, denn ich finde, Bewerber sollten authentisch sein. Wichtig ist, dass man erklärt, wie man an sich und seiner Schwäche arbeitet. Zum Beispiel: "Ich bin eher zurückhaltend, weil es mir auch wichtig ist, die Meinung der anderen einfließen zu lassen. Ich arbeite aber daran und bin schon viel aktiver geworden." Man sollte die Schwäche als etwas darstellen, das man schon halb überwunden hat. Ich glaube, wenn jeder in sich hineinhört, dann wird er auch an sich eine "positive" Schwäche entdecken. Generell sollte man auf diese Frage so authentisch wie möglich und so strategisch wie nötig antworten.

Was haben Sie selbst aus Ihren ersten Bewerbungsgesprächen gelernt?

Dass Authentizität am besten funktioniert. Bei Absagen ist es wichtig, diese in die richtige Perspektive zu setzen und das Ganze sportlich zu nehmen. Man sollte sich nicht unterkriegen lassen und sich der nächsten Herausforderung widmen – diese Einstellung hilft auch im restlichen Leben. Wenn man authentisch war und daraufhin eine Absage bekommt, dann ist das im Endeffekt gut so, weil man nicht ins Unternehmen gepasst hätte.

Wie plant man den Berufseinstieg am besten?

Sie sollten sich so früh wie möglich einen Überblick verschaffen, welche Möglichkeiten Sie haben - zum Beispiel im Referendariat. Wollen Sie in eine Kanzlei, in ein Unternehmen oder zum Staat? Der Start in einer Großkanzlei ist immer empfehlenswert, weil Sie dort eine tolle Ausbildung bekommen. Anschließend können Sie immer noch in ein Unternehmen wechseln und haben dort gleich Experten-Status. Ich selbst war vier Jahre in einer Großkanzlei tätig und habe dort viel gelernt. Wenn man wechseln möchte, ist nach drei bis sechs Jahren die ideale Zeit dafür. Möglich ist auch, zuerst zum Staat zu gehen und dann später aus der Behörde in eine Kanzlei oder ein Unternehmen zu wechseln. Allerdings muss man dann natürlich seinen Beamten-Status aufgeben und sich in ein ganz neues Umfeld einfinden.

Tausche dich mit anderen e-fellows aus

Für Bewerbungen gibt es Regeln, aber nicht den einen "goldenen Weg". Deshalb ist es sinnvoll, sich mit anderen e-fellows und Juristen auszutauschen. Da viele e-fellows.net-Stipendiaten zu den besten Jura-Studenten in Deutschland gehören, findest du in der Juristen-Gruppe der e-fellows.net community sicher Rat. Außerdem bekommst du viele nützliche Informationen und exklusive Leistungen im Stipendium.

 

Florian Stork hat Beispiel-Lebensläufe und -Anschreiben zusammengestellt - diese findest du auch im Buch "Perspektiven für Juristen 2014".

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    "Wenn Sie die Wahl haben, sollten Sie außerdem Online-Bewerbungstools eher vermeiden, denn diese rauben Ihnen schnell die Persönlichkeit. Ihre Bewerbung wirkt nicht mehr so individuell." Ich weiß nicht, ob das so ein guter Rat ist. Denn das Auswerten von CVs in unterschiedlichsten Formen verursacht Mehraufwand, ein Grund, warum Recruiter überhaupt auf diese Online-Formulare setzen. Setzt man sich darüber hinweg, kann der Recruiter leichten Herzens die Bewerbung aussortieren. Überbringen, warum man zu dieser Stelle und diesem Unternehmen passt, und warum man z.B. ausgerechnet inhouse, in einer Großkanzlei, in einer Behörde o.ä. arbeiten möchte, kann man auch in einem Online-Bewerbungssystem.

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