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Ein Rechner, den man ohne Berührung bedienen kann

Eine Fotopistole [Quelle: http://www.vonheddernheim.de, Joachim Buff]

Quelle: http://www.vonheddernheim.de, Joachim Buff

Nein, Steampunk ist keine Musik-Richtung. Sondern eine Art Retro-Futurismus, deren zentrale Frage ist: 'Wie hätten sich Menschen aus der Vergangenheit die Zukunft vorstellen können?' Joachim Buff ist überzeugter Steampunker und erfindet Geräte, die gleichzeitig praktisch und schön sein sollen.

Was versteht man unter Steampunk?

Steampunk ist eine Art Retro-Futurismus, eine Bewegung, bei der moderne Technik mit dem viktorianischen Zeitalter verbunden wird. Es gibt sowohl Steampunk-Kleidung, als auch –Malerei, -Musik, -Literatur – und eben auch Steampunk-Technik. Die Ausgangsfrage ist: "Wie hätte man sich in der Vergangenheit die Zukunft vorgestellt?" Welche Kleidung gibt es da, welche Geräte? In der viktorianischen Zeit nahm die Elektrizität ihren Anfang, es war die Zeit der dampfbetriebenen Geräte – das spiegelt sich auch in meinen Erfindungen wieder.

Wieso beschäftigen Sie sich mit Steampunk?

Mich stört, dass Dinge immer nur weiterentwickelt werden, ohne mal einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Digitalkameras sind viereckig, weil man in ihre Vorläufer viereckige Platten reinschieben musste. Warum sind sie dann aber heute noch viereckig? Ich lasse mich da gerne von meinen Ideen und vom viktorianischen Zeitalter inspirieren – und heraus kommt Steampunk.

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich baue eine Jukebox, wie sie vor ungefähr 150 Jahren hätte aussehen können. Darauf bin ich gekommen, als ich mich gefragt habe, warum sich eigentlich nur die Schallplatte dreht und nicht die Lautsprecher. Dann habe ich festgestellt, dass es sich drehende Lautsprecher schon gibt: Sie nennen sich Leslie-Lautsprecher. Da ist aber nur ein Lautsprecher eingebaut. Um einen besonders interessanten Raumklang zu erreichen, baue ich jetzt eine Jukebox, bei der sich zwei Trichter mit Lautsprechern drehen. Also rotierendes Stereo mit veränderbarer Drehgeschwindigkeit.

Was war Ihre erste Erfindung?

Als Teenager habe ich auf dem Sperrmüll einen Fernseher gefunden. Der hat eigentlich prima funktioniert, nur manchmal wurde das Bild plötzlich klein. Um dieses Problem zu beheben, musste man einmal kräftig auf den Fernseher schlagen. Weil ich dafür nicht jedes Mal aufstehen wollte, habe ich einen Mechanismus konstruiert: Ich habe über mein Bett und über den Fernseher jeweils eine Seilrolle gehängt. An das Seil kam ein Gewicht, und wenn das Bild wieder klein wurde, ließ ich das Gewicht auf den Fernseher herabsausen.

Steampunk-PC

Sind Sie ein Tüftler?

Ich war jedenfalls nie ein Tüftler, der an irgendwelchen Modellschiffen rumgebastelt hat. Ich habe mich immer nur bemüht, Dinge zu erfinden, die im täglichen Leben weiterhelfen - zum Beispiel eine Handtaschen-Innenbeleuchtung, die ich vor 12 Jahren mal für meine damalige Freundin gebaut habe. Ich finde, Ingenieure sollten mit aufmerksamen Augen durch die Gegend gehen und sich für vieles interessieren. Was nützt einem ein Fachidiot, der nie über den Tellerrand schaut?

Was braucht man denn im alltäglichen Leben?

Zum Beispiel einen Rechner, den man bedienen kann, ohne ihn zu berühren. Auf diese Idee bin ich gekommen, als ich eine gestengesteuerte Drohne beim von gesehen habe. Um meinen Einfall umzusetzen, habe ich mir genau angesehen, wie eine Computertrastatur funktioniert. Ich verwende den Tastaturcontroller und benutze statt den Tasten ein paar Foto-Widerstände. Wenn man nun mit der Hand vor einen Foto-Widerstand kommt, verändert sich dieser und der Schaltkontakt wird ausgelöst. Es sieht ganz witzig aus, wenn man mit den Händen in der Luft rumfuchtelt und auf dem Monitor erscheinen die Ziffern oder Rechenoperationen.

Statt den Foto-Widerständen könnten man auch x-beliebige Taster nehmen und im ganzen Haus verteilen. Die Buchstaben A bis G sind im Wohnzimmer, H bis M sind im Bad und der Rest ist im Keller verteilt. Man reduziert also sein Körpergewicht durch ausgiebige Bewegung beim Schreiben und hat durch diese entschleunigte Methode Zeit zum Nachdenken, ob man diesen Brief überhaupt schreiben will. Wenn man Platz im Wohnzimmer hat, kann man sich auch große Tasten in den Fußboden einbauen und dann Briefe hüpfen statt zu tippen.

Wie lange brauchen Sie, um eines Ihrer Geräte zu bauen?

Ich baue alle meine Geräte mit gebrauchten Materialien vom Sperrmüll oder vom Flohmarkt – daher kann es schon mal ein bisschen dauern, bis ich alles Nötige zusammenhabe.

Gibt es in der Welt zu wenig Steampunk?

Mein Traum ist, dass eine Firma auf mich zukommt und sagt: Schau dir mal dieses Produkt an, das wir auf den Markt bringen möchten – wie würdest du als Steampunker an die Sache herangehen? Wie würde das Gerät aussehen, was könnte es? Egal was es ist, man kann jedes Gerät verändern und verbessern, wenn man seiner Phantasie freien Lauf lassen kann. Und zwar so, dass einem die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Steampunk?

Träumen. Das ist wie damals bei den Goldsuchern, die irgendwo am Klondike River standen mit ihrem Sieb. Die träumten von einem riesigen Goldnugget. Ich träume davon, eine bahnbrechende Erfindung zu machen. Dabei reicht es ja eigentlich auch schon, wenn es für einen selbst bahnbrechend ist. Und ich finde es spannend, wenn man etwas wirklich Neues mit relativ einfachen Mitteln herstellt.

Wollten Sie schon immer Ingenieur werden?

Eigentlich wollte ich Arzt werden. Aber als ich mit der Schule fertig war, wurde vor einer Ärzteschwemme gewarnt – also habe ich mich nach einer Elektriker-Lehre und dem Zivildienst für den relativ neuen Studiengang Medizintechnik entschieden. Das war ein sehr vielfältiges Studium, wir haben Mechanik, Optik, Physik und noch vieles mehr gelernt. Toll wäre es, wenn es einen Studiengang "Steampunk" gäbe.

Steampunk-Briefkasten

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