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Nerds an die Maschinen!

Zahnräder, Ingenieur [Quelle: fotolia.com]

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Der Maschinenbau ist noch immer der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland. Aber wer genau ist dort beschäftigt? Es sind nicht nur mehr Computerfreaks als früher. Auch eine andere Gruppe holt auf.

Die deutschen Maschinenbauer haben sich mal wieder auf die Suche nach ihren Ingenieuren gemacht. Das tun sie regelmäßig, um mit Hilfe einer Untersuchung herauszufinden: Wer kommt zu uns? Was können sie? Und inwiefern verändern sich die Bedingungen für Ingenieure?

Einen Teil der neuen Zahlen kann die Branche zur Selbstvergewisserung nutzen: Der deutsche Maschinenbau, mit rund einer Million Beschäftigten größter industrieller Arbeitgeber des Landes, weiß so viele Ingenieure in seinen Reihen wie keine andere Branche. Es waren im vergangenen Jahr 191.000 und damit 8.000 mehr als 2013, dem Jahr der bis dahin letzten Erhebung.

Dass 16,7 Prozent aller Beschäftigten im deutschen Maschinenbau Ingenieure sind, bestätigt den hohen Grad der Akademisierung – auch wenn dieser Wert zum ersten Mal seit gut fünfzig Jahren nicht gestiegen ist. Das bedeutet aber nur, dass auch viele Techniker und Facharbeiter in den Maschinenbau gefunden haben.

Entscheidender ist die Altersstruktur. "Der Trend zur Überalterung unserer Ingenieure ist gestoppt", sagt Carl Martin Welcker, der Präsident des Branchenverbandes VDMA. Denn 39 Prozent von ihnen sind zwischen 31 und 45 Jahre alt. Das ist minimal weniger als bei der vorherigen Studie, aber immerhin gibt es keine Abstürze mehr wie in den Jahren zuvor. Vor zehn Jahren nämlich gehörten noch 50 Prozent aller Ingenieure im Maschinenbau dieser jüngsten Alterskohorte an. Es kommt hinzu, dass der Anteil der Ingenieurinnen gewachsen ist, von 7,5 auf 8,5 Prozent.

Wichtige Muttersprachler

Welcker ist nicht nur Verbandspräsident, sondern auch Familienunternehmer. Die von ihm geleitete Alfred H. Schütte GmbH aus Köln ist ein Werkzeugmaschinenbauer mit knapp 700 Beschäftigten. Er kennt Ingenieure nicht nur aus der Statistik, sondern auch aus der eigenen Werkshalle. Und er legt den Fokus auf eine Gruppe, die weder in der VDMA-Umfrage unter knapp 400 Unternehmen noch in anderen Studien auftauchen: asiatische Ingenieure in deutschen Unternehmen.

Wenn es jene Chinesen oder Japaner nicht gäbe, die an deutschen Hochschulen wie der renommierten RWTH in Aachen – einem Mekka für angehende Maschinenbauer – studieren, dann hätte er als Unternehmer ein Problem. Deutsche Ingenieure sprächen in der Regel kein Chinesisch oder Japanisch – aber die wichtigen Märkte in Asien müssten trotzdem bedient werden. Da kommen in Deutschland ausgebildete Muttersprachler gerade recht.

Dieser Blickwinkel passt zu den sich wandelnden Anforderungen an Ingenieure. Vor allem die sogenannte Industrie 4.0, also die Digitalisierung und Vernetzung der industriellen Produktion, hat die Zusammensetzung der Ingenieure verschoben. Wo Maschinen mit Maschinen kommunizieren oder ihre Steuerung und Überwachung per Smartphone von jedem noch so entfernten Winkel auf der Welt möglich ist, ist mehr IT-Sachverstand gefragt als früher.

Das spiegelt sich in den Zahlen. So beschäftigt der deutsche Maschinenbau 11.700 Informatiker und Informatikingenieure sowie 37.000 Elektroingenieure. "Kein Thema bewegt den Maschinenbau mehr als Industrie 4.0", sagt Welcker.

Der Anteil reiner Informatiker unter den Ingenieuren im Maschinenbau habe früher bei 2 bis 3 Prozent gelegen, heute seien es 6 Prozent. Dass Programmierer ihr Glück nur bei IT-Unternehmen suchen und einen Bogen um den vermeintlich konservativen, fortschrittsfernen Maschinenbau machen – diese Sorge aus der Anfangszeit der Digitalisierung hat die Branche längst hinter sich gelassen.

Sie ist sich ihrer Anziehungskraft sicher. Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, sagt, dass zwar nicht jeder Ingenieur im Maschinenbau programmieren müsse. Aber jeder müsse wissen, wie er mit Programmen arbeiten kann.

"Man lebt mit dem, was da ist"

Dass der Diplomingenieur alter Schule – der nach der Bologna-Reform so gut wie verschwunden ist und nur noch an wenigen Hochschulen hochgehalten wird – leistungsfähiger war als die neuen Ingenieurgenerationen, glaubt Welcker nicht. Das müsse sich noch zeigen.

Zwar habe er den Eindruck, dass mancher Jungingenieur durch die neue, verschulte Ausbildung länger brauche, um richtig im Unternehmen anzukommen. Aber ob das mehr ist als ein flüchtiger Eindruck, werde sich erst in den nächsten zwei, drei Jahren zeigen. So oder so trauere er dem guten alten Dipl-Ing. nicht nach. "Die Schlacht um den Diplomingenieur ist geschlagen", sagt er. "Man lebt mit dem, was da ist."

Allerdings mahnt er, den Praxisbezug nicht aus den Augen zu verlieren. Ohnehin gingen Kandidaten während des Studiums verloren, weil es an der praktischen Umsetzung der vielen theoretischen Kenntnisse mangele. Außerdem empfiehlt Welcker, der mit einer Amerikanerin verheiratet ist, einen Blick in die Vereinigten Staaten. Dort seien die praktischen Fertigkeiten oft größer.

Speziell in dünnbesiedelten Gebieten sei niemand auf Zuruf zu finden, der einen Rasenmäher oder eine Spülmaschine repariere. Dort müssten die Menschen selbst ran – auch so könne jene Technikbegeisterung entstehen, die Ingenieure von morgen inspiriert.

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