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Es geht um mehr als nur Technik

Stifte, Lineal und ein Plan [Quelle: freeimages.com, lusi]

Quelle: freeimages.com, lusi

Wie und was sollen Ingenieure an der Uni lernen? Ein Gespräch mit dem Maschinenbauer Manfred Hampe über die richtige Lehre.

DIE ZEIT:

Herr Hampe, können Sie sich noch an Ihr Studium erinnern?

Manfred Hampe:

Sehr gut sogar. Im Wesentlichen habe ich durch Vorlesungen und Praktika gelernt. Jeder war Individualist und hat so vor sich hin gewurschtelt. Man hat sich deutlich weniger um uns gekümmert, als wir uns heute um die Studierenden kümmern. Ich habe im vierten Semester zum ersten Mal mit einem Professor gesprochen. Ich will nicht sagen, dass das eine schlechte Ausbildung war, aber Arbeiten im Team oder gemeinsame Projekte hat es früher so gut wie überhaupt nicht gegeben.

ZEIT:

Wie unterrichten Sie Ihre Studenten?

Hampe:

Ich pflege das Ideal der Humboldtschen Universität. Das bedeutet, dass die Universität die Studierenden an die Selbsttätigkeit heranführt. Sie sollen lernen, selbst Probleme zu lösen. Das macht sie im internationalen Vergleich stark. In anderen Ländern werden die Studierenden viel zu sehr an die Hand genommen. Vielerorts müssen sie zum Beispiel bei Klausuren nur Hausaufgabenwissen wiederholen, statt neue Aufgaben zu lösen.

ZEIT:

Wie macht man es besser?

Hampe:

Wir brauchen aktivierende Lehr- und Lernformen, das bedeutet offene Aufgaben, bei denen die Studierenden selbst den Weg finden müssen. In unserem letzten Kurs "Einführung in den Maschinenbau" mussten sie ein Fahrrad entwickeln, das die Bewegungsenergie speichert. Dabei haben die Studierenden gelernt, wie man konstruiert und wie man in einem Projekt arbeitet. Sie haben sich schon im ersten Semester als Maschinenbauingenieure verstehen können. Und sie mussten sich auf die Teamarbeit einstellen, die sie in Industrie und Wirtschaft erwartet.

ZEIT:

Haben Sie dafür noch ein Beispiel?

Hampe:

Letztes Jahr hatten wir ein interdisziplinäres Projekt für Ingenieure, Informatiker, Biologen, Philosophen und Politologen. Es ging darum, ein Flüchtlingscamp so zu organisieren, dass die Menschen möglichst sicher wohnen und viele Freiheiten haben. Da lernen die Ingenieure und Informatiker dann, offen zu sein und sich früh mit anderen Experten auszutauschen. Aus technischer Sicht kann es sinnvoll sein, ein Flüchtlingscamp mit Stacheldraht einzuzäunen. Die beste Lösung ist es nicht.

ZEIT:

Die Studenten lernen also früh, welche Grenzen ihr Fach hat?

Hampe:

Ein guter Ingenieur muss fachlich sattelfest sein, aber sich auch seiner Rolle in der Gesellschaft bewusst sein. Es geht nicht nur darum, eine technisch gute Lösung zu entwickeln. Er muss sie auch umsetzen können. Er muss die Befindlichkeit der Bevölkerung wahrnehmen und einbeziehen. Das gelingt in Deutschland zunehmend schlechter. Denken Sie an Gentechnik, Stuttgart 21 oder Stromtrassen in Bayern.

ZEIT:

Normalerweise lernen Studenten im Ingenieurstudium zuerst die Grundlagen in Mathe und Physik. Sparen Sie jetzt daran?

Hampe:

Nein, die Grundlagen kommen nicht zu kurz. Das dürfen sie auch nicht. Die Studierenden sehen gerade bei Projekten, welche Lücken sie noch haben. Wenn man weiß, warum man etwas lernt, lernt man es motivierter. Wenn der Studierende einmal angesteckt ist vom Feuer der Wissenschaft, dann arbeitet er so viel und so lange, bis er beherrscht, was er beherrschen will. Diesen Zustand herbeizuführen ist die große Kunst.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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