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Berufseinstieg für Ingenieure und Informatiker

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Ihr werdet gebraucht. Vor allem, wenn ihr Java sprecht. Wenn ihr dann noch die Gründung eines Start-ups im Lebenslauf habt, ist euch die IT-Karriere sicher.

Wie ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt?

113 Tage brauchte ein Unternehmen 2015, um eine offene Ingenieurstelle zu besetzen. Bei den Informatikern waren es 132 Tage. Zum Vergleich: Der Schnitt bei Akademikern allgemein liegt bei 87 Tagen. Die lange Suchdauer zeigt, dass beide Gruppen nach wie vor gefragt sind. Darauf deutet auch die Engpassanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hin, bei der Arbeitslose und offene Stellen gegenübergestellt wurden. In den Top Ten der Engpassanalyse fanden sich im ersten Halbjahr 2016 neben den Informatikern allein vier verschiedene Ingenieurfachrichtungen.

Die lange Suchdauer der Unternehmen spiegelt aber noch etwas anderes wider: Trotz der Konkurrenz um Bewerber sind sie wählerisch und suchen Mitarbeiter, deren Können möglichst genau zur Stelle passt. Passende Studienschwerpunkte sind laut einer Studie des Kölner Staufenbiel Instituts für nahezu 90 Prozent der Arbeitgeber ein entscheidendes Einstellungskriterium. Die Examensnote ist dagegen nur für die Hälfte entscheidend, die Studiendauer nur für ein Drittel.

Wie leicht man eine Stelle findet, hängt auch von der Region ab. Stark gesucht werden Ingenieure laut Bundesagentur für Arbeit in Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hamburg (Stand 2015). In Berlin gibt es dagegen sogar deutlich mehr arbeitslose Ingenieure als offene Stellen. Die Zahl der Absolventen ist in den letzten Jahren gestiegen und wird es voraussichtlich auch weiter tun. Fraglich ist, ob die Nachfrage nach Arbeitskräften im gleichen Umfang mitwächst. Der Adecco Stellenindex, der die Stellenanzeigen in mehr als 30 Online-Jobbörsen und knapp 170 Printmedien auswertet, zählte im ersten Halbjahr 2016 drei Prozent weniger Einsteigerjobs für Ingenieure als im Vorjahr. Bei den Informatikern stieg die Zahl der Stellen, die für Berufsanfänger ausgeschrieben waren, dagegen um 30 Prozent.

Bei den Informatikern wurden laut Adecco im ersten Halbjahr 2016 vor allem Softwareentwickler und IT-Berater gesucht. Die am häufigsten gefragten IT-Spezialisierungen waren Java-, Web- und SAP-Entwicklung.

Bei den Ingenieuren lagen Maschinenbauer sowie Elektro- und Fahrzeugtechniker vorn. Bei der Engpassanalyse des IW finden sich diese beiden Gruppen ebenfalls im vorderen Bereich, außerdem die Energietechnik, baunahe Ingenieurberufe sowie die Verfahrens- und Produktionstechnik.

Wie groß ist die Konkurrenz?

Die Favoriten der Ingenieurstudenten sind deckungsgleich mit den bekannten Automarken. Beim Beliebtheitsranking des Trendence- Instituts vom Frühjahr 2016 standen die Autobauer Audi, BMW, Porsche und Daimler auf den vorderen Rängen. VW war nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte zwar abgerutscht, aber mit Platz 8 nach wie vor noch unter den Top 10. Dass Audi in den Skandal verwickelt sein könnte, war zum Umfragezeitpunkt noch nicht bekannt. Informatikstudenten wollen dem Trendence-Ranking zufolge am liebsten für Google, BMW, Apple oder Microsoft arbeiten.

Große Konzerne würden "mit Bewerbungen überhäuft", sagt Lars Funk, der im Verein Deutscher Ingenieure (VDI) den Bereich Beruf und Gesellschaft leitet. Bei BMW zum Beispiel landen jeden Monat einige Tausend Bewerbungen von Akademikern.

Was viele Bewerber übersehen: Die Karrieremöglichkeiten sind in kleineren Firmen häufig besser als in großen Konzernen. "In den großen Unternehmen konkurrieren intern Hunderte junger Ingenieure um die Aufstiegsprogramme, da kann nicht jeder erfolgreich sein", sagt Funk. In mittelständischen Unternehmen sei der Andrang der Bewerber kleiner, und es sei für Berufsanfänger meist leichter, sich mit guten Leistungen in der Chefetage einen Namen zu machen.

Was muss man für einen guten Start mitbringen?

Neben passenden fachlichen Schwerpunkten zählt praktische Erfahrung. Praktika seien unabdingbar, aber sie müssten nicht unbedingt während der Semesterferien stattfinden, sagt Christiane Gödde, die bei Microsoft für das Hochschulrecruiting zuständig ist. "Wenn Studenten im Bachelorstudium nicht die Möglichkeit haben, um sich nebenbei um Praktika zu kümmern, können sie den Gap zwischen Bachelor und Master für eine längere Praxisphase nutzen", so Gödde.

Die Arbeitgeber erwarten von Ingenieuren und Informatikern auch gute Englischkenntnisse und wirtschaftliches Verständnis. "Wir verlangen von unseren Ingenieuren und Informatikern, dass sie bei jeder technischen Lösung das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Auge behalten", sagt Christian Flöter, Leiter der Abteilung People Resourcing bei Airbus in Deutschland. Besonders gute Chancen hätten Bewerber, wenn sie als Werkstudenten positiv aufgefallen seien oder neben dem Studium gezeigt haben, dass sie unternehmerisch handeln können – zum Beispiel durch die Teilnahme an einem studentischen Ingenieurwettbewerb oder als Mitarbeiter oder Gründer eines Startups. "Die Gründung eines Start-ups ist ein Highlight im Lebenslauf", sagt Flöter.

Insbesondere bei den Informatikern stößt die Option, sich selbstständig zu machen, auf großes Interesse. Bei einer Umfrage der Hochschule Ludwigshafen gaben knapp die Hälfte der befragten IT-Studenten an, dass sie sich eine Laufbahn als Freelancer oder als Start-up-Unternehmer vorstellen könnten. Ein wichtiger Grund dafür: der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung.

Für eine erfolgreiche Laufbahn als IT-Freelancer seien "Spezialwissen und Berufserfahrung die Basis", sagt Matthias Hamann, Professor für Personalmanagement an der Hochschule Ludwigshafen und wissenschaftlicher Leiter der Studie. Er vergleicht die freiberuflichen Informatiker mit Fachärzten: "Informatik ist heute mindestens so komplex wie die moderne Medizin, deshalb braucht man für IT-Projekte oft Experten mit hohem Spezialisierungsgrad".

Auf die Abneigung der Absolventen gegen starre Strukturen reagieren manche Unternehmen, indem sie versuchen, IT-Fachkräften viel Freiheit zu bieten. "Wir handeln in vielen Bereichen wie ein Start-up", sagt Christiane Gödde von Microsoft. Deshalb wurde zum Beispiel die Anwesenheitspflicht abgeschafft – jeder Mitarbeiter entscheidet selbst, ob er im Büro, im Home Office, im Café oder am Strand arbeitet. Flachen Hierarchien und zeitlicher Flexibilität steht bei solchen Modellen der Erfolgsdruck gegenüber, weil die Projektteams schnell zu Ergebnissen kommen sollen.

Was ist typisch für den Arbeitsalltag?

Im Berufsalltag sind Ingenieure und Informatiker nicht nur unter ihresgleichen, sondern arbeiten oft mit Kollegen oder Kunden zusammen, die kein technisches Fachwissen mitbringen. Sie müssen deshalb in der Lage sein, sich in andere hineinzuversetzen. Im Berufsalltag muss man auch damit klarkommen, dass die Entwicklungsarbeit zwischen zahlreichen Meetings, Abstimmungen und Rückfragen Platz finden muss. Ingenieure sind oft unterwegs zu Kunden, Produktionsanlagen oder Kollegen an anderen Standorten – auch im Ausland. "Eine Ingenieurlaufbahn ohne Auslandsaufenthalte funktioniert in der Regel nur in sehr kleinen Firmen oder im öffentlichen Dienst", sagt Lars Funk vom VDI. Auch bei Mittelständlern werden viele Produkte im Ausland vertrieben und teils auch produziert.

Bei Konzernlaufbahnen sind längere Auslandseinsätze oft ein Karrierebaustein: "Wenn jemand zum Beispiel ein Ingenieurprofil hat, das perfekt für eine Vakanz im Ausland geeignet ist, schlagen wir vor, dass er die Position wechselt", sagt Christian Flöter von Airbus. Niemand werde zwangsverschickt, "aber als internationaler Konzern fördern und empfehlen wir internationale Mobilität ganz bewusst – wer das Unternehmen von verschiedenen Perspektiven kennt, wird bessere Entscheidungen treffen und eher Karriere machen können."

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