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Droht auch Ingenieuren ein Schweinezyklus?

Stifte, Lineal und ein Plan [Quelle: freeimages.com, lusi]

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Erst war von einer "Ingenieurslücke" die Rede, dann begannen immer mehr junge Menschen ein Ingenieursstudium. Droht jetzt der Schweinezyklus und haben wir bald zu viele Absolventen dieser Fachrichtung?

Es ist noch gar nicht so lange her, da machte das Wort von der "Ingenieurlücke" die Runde. Jahrelang berechneten Arbeitgeber und Berufsverbände die volkswirtschaftlichen Einbußen, die durch den drohenden Engpass an Technikspezialisten in Deutschland entstünden, und warben unter Schulabgängern für ein Ingenieursstudium. Dieses war nämlich ausgerechnet im Maschinenhaus Deutschland aus der Mode gekommen, während Marketing oder Jura dem Zeitgeist entsprachen. Die Werbekampagne zeigte Erfolg, die Zahl der Studienanfänger stieg deutlich.

Aus Sicht von Ökonomen waren damit eigentlich alle Zutaten für einen "Schweinezyklus" am Arbeitsmarkt gegeben: Eine hohe Nachfrage und gute Verdienstaussichten locken viele junge Menschen innerhalb kurzer Zeit in dieselben Studiengänge, was wiederum zeitversetzt zu einem Überangebot am Arbeitsmarkt führen kann und das Berufsbild dann wieder entsprechend unattraktiv erscheinen lässt. Die "Lehrerschwemme" des 20. Jahrhunderts lässt grüßen.

Arbeitsmarkt weiter aufnahmefähig für Jungingenieure

Doch bei den Ingenieuren kam es – bislang zumindest – anders. Denn der deutsche Arbeitsmarkt, der sich seit Jahren in einer besonders stabilen Verfassung präsentiert, zeigt sich weiterhin äußerst aufnahmefähig für Jungingenieure und bietet damit der steigenden Zahl an Berufseinsteigern gute Perspektiven. "Ingenieure fanden auch 2016 einen ausgesprochen guten Arbeitsmarkt vor", bilanziert die Bundesagentur für Arbeit in einer gerade erschienenen Sonderauswertung für diese Berufsgruppe.

Demnach überstieg die Zahl der offenen Stellen die des Vorjahres, auch wenn die Höchststände aus den Jahren 2011 bis 2013 nicht erreicht wurden. Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten weiter geklettert, während Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren keine Rolle spielt. Mit einer Arbeitslosenquote von weniger als 3 Prozent herrscht in dieser Berufsgruppe Vollbeschäftigung. Laut Arbeitsagentur hatten Arbeitgeber vor allem im Süden und Westen Deutschlands Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen in einigen Fachrichtungen mit den gesuchten Ingenieuren zu besetzen. Allerdings habe die Häufigkeit dieser Besetzungsprobleme zuletzt abgenommen. Die Arbeitsmarktbeobachter führen dies darauf zurück, dass steigende Absolventenzahlen in den gefragten Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau die befürchteten Fachkräfteengpässe verhindert hätten.

Insgesamt verfügen aktuellen Zahlen zufolge rund 1,03 Millionen Erwerbstätige über einen Studienabschluss als Ingenieur. Das bedeutet einen Zuwachs von 191.000 oder rund einem Fünftel innerhalb von knapp zehn Jahren. Allerdings übt nicht jeder diesen Beruf auch aus. Viele Ingenieure rücken zum Beispiel in Managementfunktionen auf. Hochrechnungen zufolge ist rund eine Dreiviertelmillion Ingenieure etwa in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik oder der Forschung und Entwicklung tätig. Der Großteil davon ist laut Arbeitsagentur angestellt tätig, nur 6 Prozent der Ingenieure arbeiten selbständig.

Hohe Vakanzzeiten

Um den Bedarf an Fachkräften auszudrücken, ermitteln die Arbeitsvermittler die jeweiligen Vakanzzeiten; diese beschreiben, wie lange Unternehmen brauchen, um einen freien Arbeitsplatz adäquat zu besetzen. Im Durchschnitt für alle Berufe betrug die Vakanzzeit im vergangenen Jahr 97 Tage. Der Mittelwert für Ingenieure lag zwar mit 119 Tagen deutlich drüber. "Im Vergleich zu den Vorjahren spricht aber vieles dafür, dass die Suche nach Fachkräften 2016 schneller zum Erfolg führte", heißt es in der Untersuchung. Dauerte es 2013 noch 131 Tage, bis die offene Stelle eines Spezialisten für Mechatronik, Energie oder Elektro besetzt war, waren es zuletzt nur noch 117 Tage. Die Suchdauer im Bereich Forschung und Entwicklung sank sogar von 152 auf 119 Tage.

"Anzeichen für einen generellen Ingenieurmangel gibt es also derzeit nicht", schreiben die Fachleute. Allerdings bestünden Anzeichen für Mängel in einzelnen Fachrichtungen. So lägen etwa die Vakanzzeiten für Spezialisten in der Metalltechnik (131) und der Schweißbautechnik (141) deutlich über dem Durchschnitt. Zudem kommen auf 100 gemeldete Stellen rechnerisch weniger als 200 arbeitslose Ingenieure, eigentlich gilt ein Verhältnis von 1:3 als optimal. Zur Furcht vor einem Schweinezyklus gibt es also keinen Anlass.

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