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Neue Features für alte Notebooks

Tastatur (Quelle: freeimages.com, Autor:ilco)

Quelle: freeimages.com, ilco

Wenn ein Laptop nur bei bestimmten Aufgaben lahmt, lässt es sich oft nachrüsten. Wir zeigen, was alles machbar ist – und wie es klappt.

Zwei, drei Jahre können ausreichen, damit sich ein eigentlich noch gutes Notebook ganz schön alt anfühlt. Trotz Mehrkernprozessor bootet es langsam, kann Tempo und Reichweite eines neuen ac-WLAN-Routers nicht ausnutzen und die USB-2.0-Schnittstelle ist schon seit 14 Jahren ein nerviger Flaschenhals bei Dateiübertragungen. Da Notebooks im Gegensatz zu Desktop-PCs nicht zum Basteln gedacht sind, finden sich die meisten Nutzer mit den Unzulänglichkeiten ab, bis sie dann doch einen neuen Rechner kaufen. Dabei können Sie mit wenigen Handgriffen teils schon viel verbessern, wie wir Ihnen hier zeigen.

Eine Expresscard mit USB-3.0-Anschlüssen stecken Sie so einfach in Ihr Notebook wie eine SD-Karte. Ebenfalls recht einfach lässt sich eine lahme Magnetfestplatte gegen eine schnelle SATA-SSD austauschen. Das gilt auch für Arbeitsspeicher. Schon etwas komplizierter ist es, an den Mini-PCI-Express-Slot zu gelangen. Das ist nötig, um neben der Festplatte noch eine zusätzliche mSATA-SSD einzubauen oder um die vorhandene WLAN-Karte gegen ein besseres Modell zu tauschen. Der Mini-PCIe-Slot kann aber auch einen HD-Decoderchip von Broadcom aufnehmen. Dieser ermöglicht eine flüssige und akkuschonende HD-Wiedergabe – in der neuesten Version auch mit Flash-Videos. Alle bisher genannten Basteleien kann ein wenig geübter Schrauber mit einem Mini-Kreuzschlitzschraubendreher erledigen. Happig wird es bei dem Vorhaben, zusätzliche WLAN-Antennen im Notebook unterzubringen – denn dazu muss man improvisieren und in dem engen Gehäuse einen Platz für die nicht vorgesehenen Antennen suchen. Dabei gilt es, den filigranen Displayrahmen auseinanderzubauen – eine heikle Angelegenheit.

Notebook-Bastelei hat ihre Grenzen

Ganz so weit wie beim PC kann man die Notebook-Bastelei nicht treiben: So lassen sich Mainboard und Grafikkarte/-chip praktisch gar nicht austauschen. Den Prozessor können Sie, wenn überhaupt, nur durch ganz bestimmte Modelle ersetzen, die zum Mainboard und zum Kühlsystem des Notebooks kompatibel sein müssen. Und nicht zuletzt ist der Austausch nur etwas für erfahrene Bastler, da man meist das Mainboard demontieren muss.

Aufrüsten step by step

Von leicht bis knifflig: Je weiter Ihr Notebook geöffnet werden muss, um eine Komponente einzubauen, desto schwieriger wird es

1. USB-3.0-Steckkarte einsetzen

USB-3.0-Steckkarte einsetzen [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Die lahme USB-2.0-Schnittstelle nervt beim Übertragen großer Datenmengen. Kein Problem, wenn Ihr Notebook über einen Express-Card-Slot verfügt: Kaufen Sie eine USB-3.0-ExpressCard, die es von verschiedenen Anbietern ab 20 Euro gibt. Gängig sind 34-mm-Karten, die in 34- und 54-Millimeter-ExpressCard-Slots passen. Die Stromversorgung der USB-Buchsen erfolgt über das beiliegende Kabel von einem USB-Port des Notebooks. Installieren Sie dann die Treiber von der Hersteller-Webseite.

2. Arbeitsspeicher erweitern

Arbeitsspeicher erweitern [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Wenn Sie 4 GByte oder weniger Arbeitsspeicher haben, lohnt sich die Aufrüstung auf 8 GByte. Checken Sie mit edem Tool CPU-Z, welcher Speicher verbaut ist (Reiter "Memory") und ob noch Slots frei sind (Reiter "SPD"). Besorgen Sie dann so viele SODIMM-Module, dass Sie am Ende eine gerade Anzahl an Modulen mit gleicher Größe und Parametern haben, also etwa 2 x 4 GB DDR3-1333. Zum Ausbau öffnen Sie die Klappe über dem RAM, die meist ein entsprechendes Symbol kennzeichnet. Drücken Sie beide Befestigungsclips beiseite, bis der Riegel herausschnappt, und ziehen Sie ihn aus dem Slot. Das Einsetzen funktioniert genau umgekehrt.

3. SATA-SSD einbauen

SATA-SSD einbauen [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Bei allen Notebooks mit SATA-Festplatte ist der Einbau einer SSD die wirkungsvollste Tuningmaßnahme: Betriebssystem und Anwendungen starten viel schneller. Die Festplatte sitzt meist unter einer Klappe am Boden oder wie bei unserem Lenovo X201 an der Seite des Notebooks. Öffnen Sie Abdeckung und ziehen Sie die Platte von ihren SATA-Anschlüssen ab. Merken Sie sich, in welcher Position die Platte eingebaut war, und bauen Sie deren Halterung ab.

SATA-SSD einbauen [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Beim Kauf einer SSD lohnt es sich, für ein schnelles und großes Modell ein paar Euro mehr auszugeben, denn das Laufwerk können Sie in den nächsten Rechner mitnehmen. Bauen Sie die SSD so ein, wie auch die Festplatte saß. Für optimale Performance installieren Sie das Betriebssystem neu auf die SSD. Kaufen Sie am besten zusammen mit der SSD ein externes USB-Gehäuse für 2,5-Zoll-Laufwerke und bauen Sie die Festplatte darin ein, um dann die Nutzdaten auf die neue SSD zu überspielen.

4. mSATA-SSD einbauen

mSATA-SSD einbauen [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Viele Notebooks verfügen über zwei Mini-PCIe-Slots – einen für die WLAN-Karte und einen freien, der etwa für ein 3G/UMTS-Modem vorgesehen ist. Die Slots sitzen entweder unter der Bodenplatte oder unter der Tastatur/Handballenauflage, die man nach dem Lösen der entsprechend gekennzeichneten Schrauben auf der Rückseite zusammen mit der Tastatur abnehmen kann. Bei neueren Rechnern sind diese Slots auch kompatibel zu mSATASSDs, was Sie am einfachsten durch eine Internetsuche (Suchbegriff "[Notebookmodell] mSATA") ermitteln. Ist das der Fall, können Sie eine mSATA-SSD zusätzlich zur Festplatte einbauen. Stecken Sie diese in den Slot und sichern Sie sie mit einer Schraube. Auf die SSD installieren Sie das Betriebssystem und die Programme und auf der Festplatte ist Platz für Videos, Fotos und Musik. Die Leistungswerte von mSATA-SSDs sind mit den SATA-Versionen vergleichbar – zurzeit führen Samsungs 840-Evo-Modelle unsere Bestenliste an. Nach dem Einbau der SSD stellen Sie sie im BIOS als erstes Bootlaufwerk ein.

5. HD-Beschleuniger einsetzen

HD-Beschleuniger einsetzen [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Wenn Ihr Notebook HD-Videos ruckelnd abspielt – oder nur unter hoher CPU-Last mit heulendem Lüfter und kurzen Akkulaufzeiten, dann hilft ein HD-Beschleuniger weiter. Die einzige erhältliche Lösung ist der Broadcom Crystal HD, dessen neueste Version BCM-70015 auch Flash-HD-Videos beschleunigt. Er ist als mini-PCIe-Modul bei eBay oder Amazon für rund 30 Euro erhältlich. Bauen Sie das Modul wie eine mSATA-SSD in Ihr Notebook ein. Laden Sie von broadcom.com/support/crystal_hd den Treiber herunter und installieren Sie die 32- und dann die 64-Bit-Version. Der Windows Media Player nutzt die Beschleunigung meist automatisch. Im Media Player Classic Home Cinema erzwingen Sie die Benutzung: Klicken Sie auf "Ansicht | Optionen | Externe Filter | Hinzufügen ..." und wählen Sie "Broadcom Video Decoder". Klicken Sie diesen an und daneben auf "Bevorzugen". Damit Flash beschleunigt wird, mussten wir nach der Installation der Broadcom-Treiber Adobe Flash neu installieren. Ob der Chip aktiv ist, zeigt das Tool DTSinfo. exe ("C:\Programme\Broadcom\DTSinfo.exe").

6. WLAN-Karte tauschen

WLAN-Karte tauschen [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Wenn der WLAN-Empfang der Schwachpunkt Ihres Notebooks ist, bauen Sie eine bessere WLAN-Karte ein – die Intel AC 7260 für etwa 25 Euro ist derzeit die modernste und leistungsfähigste Karte, die es zu kaufen gibt. Merken Sie sich vor dem Ausbau der alten Karte (siehe Schritt 4), welche Antenne mit welchem Stecker verbunden ist. Setzen Sie die neue Karte ein und verbinden Sie die Antennen wieder genau so. Falls Ihr Notebook lediglich einen Antennenstecker (und damit nur eine Antenne) hat, können Sie mit dem nächsten Schritt Ihren Empfang verbessern.

7. WLAN-Antenne nachrüsten

WLAN-Antenne nachrüsten [Quelle: CHIP, Bildautor: Nikolaus Schäffler]

Es kann sein, dass Ihr Notebook über nur eine Antenne verfügt oder seine Antennen das 5-GHz-Band und damit den ac-Modus nicht unterstützen. Dann können unerschrockene Bastler WLAN-Antennen nachrüsten. Diese finden Sie über den Suchbegriff "WLAN Antenne Notebook" unter anderem auf eBay. Achten Sie darauf, dass sie das 2,4- und das 5-GHz-Band unterstützt. Optimalerweise platzieren Sie diese hinter dem Display im Deckel, sodass sie bei aufgeklapptem Notebook möglichst hoch sitzen. Um den Displayrahmen zu öffnen, muss man bei unserem Lenovo X201 drei Schrauben am unteren Rand lösen, dann den Rahmen ringsum von innen nach außen abklipsen und das Display vom Deckel abschrauben. Bei aufgeklapptem Notebook kann man dann das Display wie im Bild so weit vom Deckel abheben, dass man die Antennen ankleben kann, ohne die filigrane Displayverkabelung zu lösen. Die Antennen bringen Sie so an, dass eine senkrecht und eine waagerecht sitzt. Die neuen Antennenkabel führen Sie entlang der bisherigen Kabel aus dem Displaydeckel zur WLAN-Karte im Gehäuse, was oft etwas knifflig ist. Ob Sie Ihr Notebook nach diesem tiefen Eingriff oder nach einer der leichteren Maßnahmen wieder zusammenbauen: Mit mehr Leistung oder neuen Features bereitet es wieder so viel Freude wie ein neues.

Quelle: CHIP 07/2014

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