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Die Macht der Wolke

grüne Zahlen [Quelle: Fotolia.com, Autor: Andrew Ostrovsky]

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Die Vernetzung von Maschinen und Unternehmen ermöglicht viele neue Geschäftsmodelle. Die technische Grundlage liefern Cloud-Plattformen.

Vom Bauernhof bis zum Maschinenbau, von der Hauselektronik bis zum Auto: In kaum einer Branche wird dieser Tage nicht über die digitale Vernetzung diskutiert. Unternehmen versprechen sich neue Geschäftsmodelle - ermöglicht durch die Analyse von Daten. Wo heute eine Heizung verkauft wird, könnte es in Zukunft die Garantie auf ein warmes Haus sein. Wann Wartungen nötig sind und wie die Anlagen geregelt werden, bestimmen Algorithmen.

Von einer ganzen "Smart Service Welt" spricht schon ein gleichnamiger Arbeitskreis, dem 140 Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen angehören. Kennzeichnend für solche intelligente Dienstleistungen, so heißt es in einem Projektbericht der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), seien nutzerzentrierte Dienste, die an vernetzte Gegenstände und Maschinen anknüpfen.

Für die technische Infrastruktur prädestiniert ist die Cloud: Rechenleistung und Speicherplatz können flexibel genutzt werden - das ermöglicht den Anbietern ein Herantasten an die neuen Dienstleistungen. "Was Fabriken in der produktzentrierten Welt sind, das sind Cloud-Zentren in der Smart-Service-Welt", schreibt Acatech.

Erste Dienstleistungen, die nach dem Prinzip funktionieren, haben es schon zur Marktreife geschafft. Ein Beispiel ist die vorausschauende Wartung, die einige Maschinenbauer anbieten. Auch die Automobilindustrie experimentiert mit neuen Diensten. So betreibt Daimler mit Moovel eine Plattform, die für einen Smartphone-Routenplaner Carsharingdienste, den Taxivermittler MyTaxi und den öffentlichen Nahverkehr verknüpft.

Neue Einsatzszenarien sollen nun in einem 50 Millionen schweren Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums erprobt werden. Unterstützt werden 16 Einzelprojekte - beteiligt sind potenzielle Anbieter, Softwarefirmen und Forschungseinrichtungen. Die Bandbreite der Projekte, die im Frühjahr starten, ist groß: So steuert der Technologiekonzern Bosch beispielsweise eine Initiative für eine cloudbasierte Zustandserfassung von Straßen. Das Systemhaus Logic Way beschäftigt sich mit "Smart Farming". Und der Sportartikelhersteller Adidas will mit einer "Servicefactory" neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Eine zentrale Idee, die viele der Vorhaben verbindet: Die Vernetzung der Maschinen erlaubt firmenübergreifende Kooperationen, die wiederum den Weg für weitere intelligente Dienste ebnen. "Es entsteht eine neue Plattformökonomie", sagt Walter Mattauch vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das das Förderprogramm koordiniert. "Mittelständler müssen sich rechtzeitig überlegen, wie sie auf diese Entwicklung reagieren - oder sie mitgestalten." Zu den technischen Herausforderungen zählt es, eine Basis für den Austausch digitaler Informationen zu schaffen. In zahlreichen der jetzt gestarteten Projekte geht es deswegen zunächst darum, eine gemeinsame Sprache für die Daten festzulegen. "Man muss die Interoperabilität der IT-Systeme sicherstellen", sagt Mattauch.

Schon innerhalb der eigenen Firmengrenzen ist das mitunter eine Mammutaufgabe. "Noch sind häufig einzelne Inseln in Unternehmen digitalisiert. Der Schwung kommt erst rein, wenn das durchgängig gelingt", sagt Mike Freitag vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart.

In einem EU-Projekt war der Wissenschaftler am Aufbau einer Cloud-Plattform beteiligt, in der alle Schritte von der Entwicklung über die Produktion bis hin zu Dienstleistungen nach dem Verkauf abgebildet wurden. Plattformen wie diese erleichtern aber nicht nur den Datenaustausch innerhalb eines Unternehmens, sagt Freitag: "Im Idealfall ist das auch für Kunden und Zulieferer offen."

Die Anbindung Externer allerdings wirft eine Reihe neuer Fragen auf: Welche Partner dürfen welche Daten wie verwenden? Wo werden diese gespeichert? Wer profitiert von den Erkenntnissen, die durch die Analyse von Daten aus verschiedenen Quellen entstehen?

Gerade deutsche Unternehmen tun sich bisher schwer damit, sensible Informationen abseits des eigenen Rechenzentrums oder der exklusiven "Private Cloud" zu speichern. "Im Moment sind viele noch unsicher, welche Plattform am besten und am unabhängigsten sein kann", berichtet Freitag.

Zu bedenken ist außerdem: Mehr Austausch bringt nicht automatisch ein besseres Betriebsergebnis. "Wenn der Datenstrom unaufhörlich steigt, verursacht das auch deutlich höhere Kosten", sagt Freitag. So wächst der Speicherbedarf, und die benötigte Bandbreite kann ebenfalls teuer werden. Ein permanenter Abgleich von Daten auf lokalen Rechnern und Cloud-Servern einer externen Plattform scheint deswegen wenig sinnvoll.

Auch in den aktuellen Forschungsvorhaben spielen Grundsatzfragen wie diese eine Rolle. Durchsetzen werden sich die Ideen, die sowohl allen beteiligten Unternehmen als auch den Endnutzern schmecken. Von dem Potenzial sind Vordenker wie Fraunhofer-Forscher Freitag überzeugt: "Wenn Industrie 4.0 der Kuchen von morgen ist, dann sind die Smart Services die Sahne obendrauf."

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