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Vom Junior Managers Program ins Werk nach China

Quelle: freeimages.com, sakue

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Matthias Blohm ist seit anderthalb Jahren kaufmännischer Leiter in einem Werk von Bosch Power Tools in China. Im Interview verrät er, wieso er seinen Kollegen beibringt, im Meeting über Fehler zu reden. Und wieso die chinesischen Kollegen nachsichtig sind, wenn man mal in ein kulturelles Fettnäpfchen tappt.

Warum haben Sie sich für Ihr Unternehmen entschieden?

Auf einer Kontaktmesse bin ich auf Bosch aufmerksam geworden und habe daraufhin meine Diplomarbeit im Unternehmen geschrieben. Währenddessen habe ich gemerkt, dass mir die Unternehmenskultur bei Bosch gefällt. Ich habe immer schnell Antworten auf meine Fragen bekommen, die Mitarbeiter waren sehr hilfreich und haben mir gezeigt, wie verschiedene Dinge funktionieren. Dieser faire Umgang miteinander zeichnet Bosch aus. Außerdem waren mir die Entwicklungsmöglichkeiten wichtig, und diese sind bei Bosch sehr gut. Ich habe in der Automobil-Elektronik angefangen, später zur Industrietechnik gewechselt. Und mit meiner Arbeit in China lerne ich nun noch eine andere Kultur und neue Produkte kennen.

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

Während meiner Diplomarbeit bei Bosch bin ich auf das Junior Managers Program aufmerksam geworden. Über e-fellows.net hatte ich einen Mentor bei Bosch. Nach Gesprächen mit der Personalabteilung habe ich mich für das Traineeprogramm beworben. Ich hatte ein Bewerbungsgespräch mit einem Werkleiter, der Personalabteilung und meinem Mentor. Danach ging alles sehr schnell und direkt nach der Diplomarbeit habe ich als Trainee angefangen.

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job?

Ein Ereignis zu Beginn, als ich in Ungarn in der Fertigung eingesetzt war: Dort lief gerade eine neue Fertigungslinie an, die unser Kunde, ein Automobilhersteller, noch auditieren musste. Plötzlich wurde der Fertigungsleiter krank - und so musste ich selbstständig den Kundenbesuch für die Auditierung vorbereiten. Dass ich so früh Verantwortung übernehmen konnte, hat mich beeindruckt und natürlich motiviert.

Welche Stärken - vielleicht auch Schwächen, die es zu überwinden galt - haben Sie an sich entdeckt?

Wenn man direkt von der Uni kommt, ist es ungewohnt, dass in Unternehmen verschiedene Interessen von unterschiedlichen Abteilungen berücksichtig werden müssen. Ich habe entdeckt, dass es eine Stärke von mir ist, diese Interessen herauszufinden und dann gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Auf der anderen Seite fällt es am Anfang schwer, die richtigen Fragen zu stellen. Dabei musste ich lernen, auch scheinbar einfache Fragen zu stellen. Viele Abläufe sind im Unternehmen selbstverständlich. Als neuer Mitarbeiter muss man sie trotzdem genau hinterfragen, um sie wirklich zu verstehen.

Wie sehen Ihr Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen aus?

Ich bin seit anderthalb Jahren Controlling- und Logistik-Leiter eines Werks von Bosch Power Tools in Dongguan in China. Wir stellen Lasernivellierungsgeräte her, die von professionellen Anwendern und von Heimwerkern genutzt werden.

Morgens habe ich Meetings mit der Fertigung und der Logistik, in denen wir die Kennzahlen des vorherigen Tages besprechen: Wie viele Paletten wurden ausgeliefert, wie viele Arbeitsstunden waren dafür nötig, gab es Probleme? Dann treffe ich mich mit den Gruppenleitern, um den Status unserer Projekte zu besprechen. Wir haben zum Beispiel vor kurzem unseren Versandprozess geändert. Wir besprechen also, wie die Umstellung läuft, welche Probleme es gibt und wo Unterstützung notwendig ist. Nachmittags und abends bleibt dann Zeit für Mitarbeiter-Gespräche, Telefonkonferenzen mit unserem Management in Europa und USA oder auch administrative Aufgaben wie Rechnungsprüfung oder Zahlungsfreigaben.

Wie haben Sie sich in China eingewöhnt?

Ich bin momentan der einzige Ausländer in meinem Team. Meine Freundin und ich lernen Chinesisch und verbringen auch privat Zeit mit meinen Kollegen. Viele Kollegen im Süden von China kommen nicht aus der Region. Der Zusammenhalt ist sehr eng und wir erfahren viel über die chinesische Kultur. Auch für die Arbeit ist es wichtig, dass ich eine Vertrauensbasis mit den Kollegen habe, damit ich meine Mitarbeiter führen und entwickeln kann.

Bevor ich nach China gekommen bin, habe ich ein interkulturelles Training gemacht und Sprachunterricht genommen. Aber wenn man offen für die neue Kultur ist und guten Willen zeigt, dann ist es gar nicht so schlimm, wenn man einmal in ein Fettnäpfchen tritt. Man erntet viel Sympathie, wenn man sich bemüht, ein wenig Chinesisch zu sprechen - das ist wichtiger, als jede kulturelle Regel zu kennen.

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bisher bezeichnen?

Mein größter beruflicher Erfolg ist meine aktuelle Tätigkeit. Die Aufgabe ist mit einer hohen Verantwortung verbunden, und es motiviert sehr, Dinge bewegen zu können.

Ist Ihnen auch einmal ein Fauxpas unterlaufen? Welche Erkenntnis zogen Sie daraus?

Mir fällt da ein Erlebnis nach dem Trainee-Programm ein. Damals war ich Teamleiter in der Logistik und für die Bestände zuständig. Durch einen Dispositionsfehler hatten wir plötzlich Steuergeräte, die umprogrammiert werden mussten. Das war zusätzlicher Aufwand für die Fertigung. Wir haben gemeinsam nach Lösungen gesucht, wie wir den Fehler beheben und in Zukunft vermeiden können. 

Auch ich ermutige meine Kollegen zu einer offenen Fehlerkultur. Ich möchte ihnen die Angst - oder speziell in China die Scham - nehmen, über Fehler zu sprechen, indem wir nicht nach dem Schuldigen fragen, sondern danach, wie man es das nächste Mal besser machen kann. Wenn die Kollegen merken, dass wir aus Fehlern lernen und dass man gemeinsam nach Lösungen sucht, dann legen sich die Befürchtungen schnell.

Wie hat sich Ihr Privatleben verändert, und worin finden Sie den Ausgleich zum Job?

Während des Studiums fällt es leichter, sich die Zeit für Vorlesungen, Lernen und Freizeit einzuteilen. Das ist im Berufsleben anders und man muss flexibel für kurzfristige neue Aufgaben sein. Aufgrund der Zeitverschiebung habe ich abends häufig Telefonkonferenzen und oft treffen wir uns auch nach der Arbeit mit den Kollegen - Berufsleben und Privates durchmischt sich. Dafür braucht es ein gutes Zeitmanagement. Mir ist es wichtig, meine Familie einzubeziehen. Ich mache in meiner Freizeit Ausdauersport, das hilft mir, meinen Kopf freizubekommen. Ein Ausgleich ist für mich auch das "kulturelle Lernen": Chinesisch lernen, reisen und das Land entdecken.

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?

Im Studium ist man oft darauf konzentriert, sich auf Prüfungen vorzubereiten. Sehr wichtig ist aber auch, so früh wie möglich Praxiserfahrung zu sammeln. Es ist kein Problem, wenn das Studium wegen eines Praktikums länger dauert. Und man kann dabei auch in Jobs reinschnuppern, die man vielleicht gar nicht für den Berufseinstieg in Erwägung zieht. Ich selbst war zum Beispiel Praktikant in der Industrie- und Handelskammer in Paraguay. Das war eine wichtige Zeit für mich und meine erste Auslandserfahrung. Praktika in unterschiedlichen Bereichen und Unternehmen sind eine gute Möglichkeit, die eigenen Stärken und Schwächen herauszufinden. Das hilft dann auch bei der späteren Berufsentscheidung.

Haben Sie so etwas wie ein Tagesmotto oder einen Tipp, den Sie den e-fellows mit auf den Weg geben möchten?

Planen - aber flexibel. Setzen Sie sich Ziele - mittelfristig für Ihre berufliche Entwicklung, aber auch kurzfristig. Überprüfen Sie diese Ziele regelmäßig und seien Sie bereit, sich auf Veränderungen einzulassen.

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