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Im ewigen Eis

EIn Eisberg in der Antarktis [Quelle: freeimages.com, Autor: lyeager]

Quelle: freeimages.com, lyeager

Was hat Sie ausgerechnet in die Antarktis getrieben?

Eine Arbeitsstelle anzunehmen, die sich in der Antarktis befindet, ist natürlich eine besondere Herausforderung. Dieser Herausforderung wollte ich mich stellen. Nur wenige Menschen haben die Chance, diesen Kontinent betreten zu können. Außerdem reizte mich die Möglichkeit, eine bestimmte Zeit fernab der Zivilisation zu leben.

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

Ich habe die Stellenausschreibung im Internet gesehen und war sofort von der Möglichkeit begeistert, in der Antarktis zu arbeiten. Nach der Bewerbung folgte ein Einstellungsgespräch, das sich nicht sonderlich von anderen Vorstellungsgesprächen unterschieden hat. Nach dem Gespräch wurde ich als potenzieller Kandidat für die Stelle ausgewählt. Da die Mitarbeiter die Station während der Überwinterung mehrere Monate lang nicht verlassen können, muss man körperliche Gesundheit und Fitness mitbringen. Deshalb musste ich diverse medizinische Tests durchführen lassen. Die endgültige Zusage erfolgte nach einem neun Tage dauernden Bergkurs und Überlebenstraining in den Alpen.

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job, mit der Sie vorher nicht gerechnet haben?

Ich hätte mit einer viel längeren Zeit gerechnet, die man benötigt, um sich an die neue Lebensumgebung zu gewöhnen. Die Anpassung an die neue Umgebung verlief aber erstaunlich schnell. Innerhalb von wenigen Tagen gehört der Aufenthalt in der Antarktis zum normalen Leben. Hier zu arbeiten, empfinde ich nicht mehr als außergewöhnlich.

Welche Stärken - vielleicht sogar auch Schwächen, die es zu überwinden galt - haben Sie an sich entdeckt?

Mir ist es schon immer leicht gefallen, mich in sehr kurzer Zeit in neue Themengebiete einzuarbeiten. Ich werde hier oft mit technischen Problemen konfrontiert, mit denen ich noch nichts zu tun hatte. Es ist dann ein sehr großer Vorteil, wenn eine schnelle Einarbeitung in die Materie möglich ist.

Meine daraus resultierende Schwäche ist, dass ich mich bei Problemen ab und zu frage, ob ich mir die Materie selber aneigne oder lieber einen Kollegen frage. Das Wissen von einem kompetenten Kollegen kann einige Zeit bei der Problemlösung sparen. Selbst erarbeitetes Wissen kann wiederum ein Vorteil bei ähnlichen Problemstellungen bringen, da man die Thematik oft tiefgreifender verstanden hat.

Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen vorstellen?

Das Technikteam besteht aus einem Maschinenbauingenieur, dem Elektroingenieur und dem Elektronikingenieur. Der Tag fängt mit einer kurzen Besprechung an, in der die Aufgaben des Tages diskutiert werden. Da mein Aufgabengebiet sehr umfangreich ist, gibt es im dem Sinne keinen richtigen Arbeitsalltag. Ich bin verantwortlich für die Satellitenkommunikation, den Flugfunk, das Computernetzwerk und Intranet-Applikationen. Außerdem bin ich Ansprechpartner für alle auftretenden Elektronikprobleme. Für die Wissenschaft betreue ich noch die PALAOA-Station. Die PALAOA-Station befindet sich in der Nähe der Meereiskante, 14 Kilometer von der Neumayer-Station entfernt. Sie nimmt mit Hydrophonen die Laute der Tierwelt unter dem Eis auf.

Durch die Vielseitigkeit ist mein Arbeitsalltag nicht langfristig planbar und bietet immer wieder neue Überraschungen. Es kann vorkommen, dass es eine Störung der Satellitenstandleitung gibt. Über diese Leitung übertragen wir Daten, telefonieren und haben Zugang zum Internet. Störungen dieser Art haben höchste Priorität und ich muss sie sofort beheben. An anderen Tagen werden Personen mit dem Hubschrauber oder Flugzeug befördert, dann bin ich für den Flugfunk und die Flugüberwachung zuständig. Wieder an anderen Tagen müssen Wartungsarbeiten an der PALAOA-Station durchgeführt werden, dann fahre ich 14 Kilometer mit dem Skidoo durch die Antarktis und erledige dort meine Arbeit. Es gibt auch normale Routinearbeiten, wie die Abrechnung der Telefongespräche.

Was war ihr bisher größter Fauxpas?

Einen richtigen Fehltritt habe ich mir hier noch nicht geleistet. Ich hoffe natürlich auch, dass es so bleibt. Grundsätzlich können immer Fehler passieren, gerade wenn man neue Wege geht. Solange man aus diesen Fehlern lernt, sind sie verzeihbar.

Wie hat sich Ihr Privatleben verändert und worin finden Sie den Ausgleich zum Job?

Das Privatleben ändert sich mit dem Betreten der Antarktis schlagartig. Alle Freunde und Bekannte sind für die nächsten 15 Monate nur noch per Telefon und E-Mail zu erreichen. Während der Überwinterung leben nur acht weitere Personen in der Station. Das kann bei Konflikten ein Problem sein, da man sich nur schwer aus dem Weg gehen kann. Deshalb ist es besonders wichtig, Problemlösungen zu finden, mit denen die ganze Gruppe leben kann. Als Ausgleich zum Job treibe ich viel Sport. Man kann draußen laufen oder den Fitnessraum benutzen. Für die Überwinterung habe ich mir einige Projekte vorgenommen, für die ich sonst keine Zeit hätte. Rund um die Station gibt es einige Sehenswürdigkeiten, die immer wieder einen Ausflug wert sind.

Haben Sie ein Projekt, einen Wunsch oder eine berufliche Idee für die Zukunft?

Nach der Arbeit in der Antarktis würde ich mich gerne für einige Zeit im wärmeren Regionen aufhalten und meinem Hobby, dem Windsurfen, nachgehen. Danach strebe ich eine Stelle in der technischen Projektleitung an. Mich interessiert hier speziell die Softwareentwicklung. In diesem Bereich habe ich vor meiner jetzigen Einstellung schon Erfahrung gesammelt.

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?

Ich bin mit dem Verlauf meines Studiums ganz zufrieden. Sicherlich gibt es die ein oder andere Sache, auf die ich mehr achten würde. Man sollte Interesse haben, das erlernte Wissen aus dem Studium schon während des Studiums anzuwenden. In Bewerbungsgesprächen wurde es oft sehr positiv aufgenommen, dass ich schon seit dem ersten Semester bei Firmen und Instituten gearbeitet habe. Die erwähnte Mitentwicklung an einem fliegenden Serviceroboter oder die Entwicklung eines Bordcomputers für eine Experimentalrakete, erweckte in Bewerbungsgesprächen oft mehr Interesse als die konkreten Inhalte einzelner Studienfächer.

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