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Mit starkem Kaffee in die Vorlesung

Prof. Dr. Nils Schulenburg ist Professor für BWL - mit 32.[Bildquelle: sxc.hu, Autor: lusi]

Prof. Dr. Nils Schulenburg ist Professor für BWL - mit 32.[Bildquelle: sxc.hu, Autor: lusi]

Warum haben Sie sich für die wissenschaftliche Laufbahn entschieden?
 Ich habe als Professor eine 50-Prozent-Stelle. Das ist zwar mein Hauptberuf, aber ich habe nebenbei die Möglichkeit, als Berater zu arbeiten. Diese Mischung aus Theorie und Praxis schätze ich besonders. Denn die Theorie darf nicht losgelöst von den realen Herausforderungen betrachtet werden. Und die Praxis ist ohne Theorien oft sehr orientierungslos. Vom Austausch profitieren also sowohl Theorie als auch Praxis, in meinem Fall Studierende und Beratungskunden.
 

Wo unterscheiden sich freie Wirtschaft und Wissenschaft am meisten?
 Es ist schon ein Unterschied, ob ich Themen vor Studierenden oder vor Unternehmensvertretern präsentiere und diskutiere. Studenten sind oft viel kritischer und verzeihen auch kleine Ungenauigkeiten nicht. Da muss ich als Dozent schon sehr genau darauf achten, was ich wie erkläre.
 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
 Da die Fachhochschule für Oekonomie und Management eine Hochschule für Berufstätige ist, finden die Vorlesungen abends und am Wochenende statt. So kann ich mich tagsüber auf die Vorlesungsvorbereitung oder auf Beratungsprojekte konzentrieren. Um 17.30 Uhr gibt es dann einen starken Kaffee und danach geht es los zur Hochschule, wo die Veranstaltungen um 18 Uhr beginnen. So um 21.30 Uhr bin ich dann wieder zu Hause und auch einigermaßen kaputt.
 

Festanstellung, Selbständigkeit, Wissenschaft - Sie haben schon viel ausprobiert. Brauchen Sie viel Abwechslung?
 Definitiv brauche ich auf der einen Seite Abwechslung. Auf der anderen Seite bin ich – was meine eigenen Kompetenzen angeht – eher breit orientiert. Ich werde wahrscheinlich nie der Experte für ein extrem kleines Themengebiet werden, sondern ich möchte eher breit aufgestellt sein. Um das zu erreichen, muss man einfach einen Einblick in verschiedene Themen bekommen und verschiedene Dinge machen.
 

Professor mit 32 - wie haben Sie das geschafft?
 Ich dürfte tatsächlich einer der jüngsten BWL-Professoren an einer Fachhochschule sein. Das liegt vor allem daran, dass ich schon früh relevante Berufserfahrung sammeln konnte, was eine Voraussetzung für die Tätigkeit als FH-Professor ist.
 

Sie sind nicht viel älter als Ihre Studenten - hat das schon zu Missverständnissen geführt?
 Zu Missverständnissen mit Studierenden ist es noch nicht gekommen. Aber bei einem 32-jährigen Professor sind die Studenten schon manchmal skeptisch, ob ich denn einen ausreichenden Wissensstand habe. Bislang konnte ich hier, glaube ich, ganz gut überzeugen, auch wenn ich natürlich noch keine 20 Jahre Berufserfahrung habe. Aber an der Hochschule geht es in erster Linie um die Vermittlung von theoretischem Wissen. Und das geht natürlich auch mit Anfang 30.
 

Gab es etwas, das Sie als Student ganz anders eingeschätzt hatten an der Tätigkeit als Dozent?
 Als Student habe ich mich oft gefragt: "Kann der da vorne das nicht einfacher erklären? Muss der so viele Fremdworte benutzen?" Nun stehe ich vorne und benutze viele – vermeintliche – Fremdworte. Denn es sind Fachbegriffe, die mir in Fleisch und Blut übergegangen sind. Das ist wie mit einer Fremdsprache: Wenn man die erstmal beherrscht, ist sie überhaupt nicht mehr kompliziert. Hier muss ich immer darauf hoffen, dass die Studierenden sagen: "Stopp, bitte erklären!"
 

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bisher bezeichnen?
 Die Berufung zum Professor mit 32 Jahren ist da schon ganz weit vorne. Aber auch, dass ich es mit meinem Beratungsansatz in die Selbständigkeit geschafft habe und dort viele spannende Projekte begleiten darf, ist für mich ein Erfolg.
 

Was kommt nach der Professorenstelle?
 Die Arbeit als Professor gefällt mir sehr gut, daher möchte ich sie auf unbestimmte Zeit weiter machen. Ich habe ja auch gerade erst angefangen. Da ich ja durch die halbe Stelle noch etwas Zeit habe, muss ich meine Wunschprojekte nicht auf die Zeit nach der Professorentätigkeit verschieben, sondern kann sie parallel durchführen. Für das nächste Jahr habe ich ein Buch zum Thema "Methoden der Betriebswirtschaftslehre" geplant und möchte mein Seminarkonzept nach vorne bringen.
 

Haben Sie so etwas wie ein Tagesmotto oder einen Tipp, den Sie den e-fellows mit auf den Weg geben möchten?
 Lieber ein Projekt weniger, lieber einen Tag länger planen, lieber eine Stunde länger arbeiten als etwas Mittelmäßiges produzieren. Denn Mittelmäßigkeit gibt es genug. Und hohe Qualität macht auch einfach mehr Spaß.

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