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Plaudern mit dem Deutschland-Chef

Überraschung, McKinsey, Beratung, Unternehmensberatung, Alumni von e-fellows.net, Alumni-Porträt[Bildquelle: sxc.hu, Autor: iprole]

Überraschung, McKinsey, Beratung, Unternehmensberatung, Alumni von e-fellows.net, Alumni-Porträt[Bildquelle: sxc.hu, Autor: iprole]

Warum haben Sie sich für McKinsey entschieden?
Ich habe mich schon früh für die strategische Management-Beratung interessiert. Daher habe ich kurz nach meinem Vordiplom Praktika in einer kleinen Boutique-Beratung für Gesundheitswesen gemacht und bei McKinsey. In beiden Fällen haben mir die Art der Fragen sehr gut gefallen, der hohe Anspruch an Problemlösungsdenken und die Arbeit in Teams. Allerdings ist mir ebenso bewusst geworden, dass mir McKinsey nicht nur ein deutlich breiteres Themenspektrum bieten kann, sondern auch tolle Entwicklungsperspektiven – so wie das Fellow-Programm, in dessen Rahmen ich nun promoviere.

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?
Ehrlich gesagt anders, als ich es erwartet hatte – unkonventioneller und persönlicher. Zur Zeit meiner Bewerbung für ein Praktikum bei McKinsey war ich noch im Ausland. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich ein paar Tage nach Einsendung meiner Bewerbung einen Anruf von McKinsey erhalten würde und nur eine Woche darauf zum Bewerbertag nach München fliegen würde – das ging alles wahnsinnig schnell.
 
Ich nutzte die Tage vor dem Abflug, um mich ein wenig auf die Interviews vorzubereiten. Die Nervosität, die ich im Flieger noch mit mir trug, war jedoch nach dem ersten Interview verflogen. Ich traf auf sehr nette Gesprächspartner und spannende Fallbeispiele, die den Tag im Nu vergehen ließen. Noch am gleichen Abend bekam ich die Nachricht, dass mich McKinsey gern als Praktikantin - also als Fellow Intern - bei einem Projekt kennenlernen würde. Nach dem Praktikum hatte ich ein weiteres Gespräch mit einem Partner, der mir im Anschluss den Festeinstieg anbot. Den Starttermin durfte ich mir dann aussuchen.

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job?
Schon die erste Woche hielt einige Überraschungen für mich bereit. An meinem ersten Tag bei McKinsey saßen alle "Neulinge" bei einer Einführungsveranstaltung in einem Konferenzraum. Plötzlich öffnete sich die Tür und unser damaliger Deutschlandchef, Jürgen Kluge, stand im Zimmer. Er nahm sich eine halbe Stunde Zeit und berichtete ganz anschaulich aus seinen ersten Tagen bei McKinsey – eine tolle Geste. Am nächsten Tag erfuhr ich, was mein erstes Projekt werden sollte: eine Vertriebsstrategie in der Telekommunikation. Allerdings arbeitete das Team von England aus, so dass ich noch am selben Abend im Flieger saß und meine neuen Kollegen bei einem Dinner mitten im Londoner Viertel Soho kennenlernte. So folgten viele überraschende Momente über die weiteren Wochen und Monate – das gilt bis heute.

Als Frau in die Unternehmensberatung - muss man da besonders viel Durchsetzungsvermögen beweisen?
Diese Frage hat man mir in den letzten Jahren oft gestellt. Natürlich braucht man in der Unternehmensberatung eine gesunde Portion Durchsetzungsvermögen - allerdings in meinen Augen nicht wirklich mehr als männliche Kollegen. Sicherlich ist das Umfeld, in dem wir arbeiten, nach wie vor stark von Männern dominiert. Sowohl auf Seiten der Berater als auch bei den Klienten, die in der Regel höhere Managementpositionen innehaben. Und es kann auch vorkommen, dass man eben dieses Umfeld in einem ersten Meeting davon überzeugen muss, dass man etwas "auf dem Kasten" hat. Das geht jedoch männlichen Kollegen genau so, besonders in den ersten Monaten im Job.
 
Als Frau hat man manchmal sogar kleine Vorteile: So konnte sich einer unserer Klienten, Vertriebsleiter eines großen europäischen Logistikdienstleisters, nach unserem Projekt-Kick-Off von allen Beratern nur meinen Namen merken und hat sich daher immer an mich gewandt – ich war die einzige Frau im Team.

Welche Stärken - vielleicht auch Schwächen, die es zu überwinden galt - haben Sie an sich entdeckt?
Ich habe mich im Laufe der ersten Jahre im Job durch viel Feedback von Teammitgliedern weiterentwickeln können. Als Stärke habe ich meine Fähigkeit entdeckt, mit Menschen "schnell warm zu werden" und dadurch zu Kollegen und Klienten gute Beziehungen aufzubauen. Darauf setze ich nach wie vor sehr. Gerade im Berateralltag, mit ständig wechselnden Projekten und Ansprechpartnern, hat sich dies als hilfreich erwiesen. Die größte Hürde hingegen hat sich mir anfangs in größeren Meetings gestellt: "Speak up" – "Trau Dich, Deine Meinung zu vertreten" war das Feedback der Kollegen. Obwohl ich fast immer eine Meinung hatte, fiel mir das am Anfang sehr schwer. Ich musste erst lernen, dass die Art von Fragen, die in einem Beratungsprojekt auftreten, nur zu lösen sind, wenn alle im Team aktiv die Antworten erarbeiten.

Wie sehen Ihr Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen aus?
Ein McKinsey-Team arbeitet in der Regel direkt vor Ort beim Klienten – zumindest von Montag bis Donnerstag. Mein klassischer Arbeitstag besteht meist aus mehreren Kliententerminen und gemeinsamen Diskussionen im Team. Dazwischen reiht sich konzeptionelle und analytische Arbeit ein, für die ich mir oft ein bisschen Zeit allein nehme, um in Ruhe nachdenken zu können. Den Freitag verbringen wir im McKinsey-Büro, um Kollegen zu treffen und Administratives zu erledigen. Hin und wieder arbeite ich freitags auch zu Hause – mit Laptop, E-Mail und Telefon bin ich ja bestens angebunden.
 
Durch wechselnde Projekte ändert sich der Kollegenkreis regelmäßig, zumindest wenn man gern verschiedene Industrien oder Funktionen kennenlernen möchte. Was jedoch immer sehr ähnlich ist, ist die Art der Zusammenarbeit. McKinsey baut auf einem einheitlichen Wertegerüst auf, zudem durchlaufen alle Berater die gleichen Trainings. Dadurch kann man ein internationales Team aus Beratern zusammenwürfeln und davon ausgehen, dass die Teamarbeit nach kurzer Zeit prima funktioniert. Das fasziniert mich bis heute sehr.

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bisher bezeichnen?
Erfolg ist für mich, wenn ich sehe, dass unsere Projekte den Klienten begeistern und ihm bei der Bewältigung schwieriger Situationen helfen – dann hat sich die Arbeit gelohnt. Mein schönster Erfolg war die Neudefinition eines Bankfilialnetzes, die wir bis ins kleinste Detail mitgestalten konnten und von deren Umsetzung ich noch heute regelmäßig in der Zeitung lese. Auch mit unseren Ansprechpartnern beim Klienten bin ich noch regelmäßig in Kontakt und höre, dass unser Konzept gut funktioniert. Das freut mich jedes Mal wieder und bestätigt mich in meiner Berufswahl.

Ist Ihnen auch einmal ein Fauxpas unterlaufen? Welche Erkenntnis zogen Sie daraus?
Oh ja, natürlich, das passiert. In der ersten großen Vorstandspräsentation, bei der wir unsere Zwischenergebnisse präsentierten und für die ich einige Analysen vorbereitet hatte, war ein ordentlicher Zahlendreher drin. Das kann in einer Diskussion um die Zukunft von Geschäftsfeldern kritisch sein. Glücklicherweise ist der Fehler sofort aufgefallen und hat zu keinen Missverständnissen geführt. Ich wäre aber am liebsten im Boden versunken und prüfe seitdem alle Dokumente lieber noch einmal ganz genau.

Wie hat sich Ihr Privatleben verändert und worin finden Sie den Ausgleich zum Job?
Mein Privatleben hat sich mit dem Jobeinstieg natürlich geändert. Auf der einen Seite sind Kollegen hinzugekommen, die Freunde geworden sind. Andererseits ist meine Freizeit knapper als noch zu Studientagen. Ich besinne mich deutlich mehr auf die Dinge, die mir wichtig sind, verbringe die Wochenenden mit meiner Familie und Freunden und gehe meinen sportlichen Hobbys nach. Meine größte Leidenschaft sind große Reisen, und ich nutze jeden Urlaub, um ein weiteres Stückchen dieser Erde zu entdecken.

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?
Grundsätzlich würde ich meinen Weg nicht anders gestalten – mein Studium hat großen Spaß gemacht und hat mich gut auf den Job vorbereitet. Allerdings würde ich heute mit einer anderen Einstellung an das Studium herantreten. Ich habe viele Zusammenhänge erst später hinterfragt, die ich zu Studienzeiten als gegeben hingenommen habe. Es ging oft nur darum, was "klausurrelevant" ist, alles andere wurde ausgeblendet. Heute gebe ich an der Uni Köln selbst Vorlesungen und lege meinen Studenten nahe, dass es um das Verständnis der Dinge geht, nicht um die Fülle des Stoffs. Ich weiß, dass an deutschen Unis leider oft genau gegenteiliges Verhalten gefördert wird und das ist schade. Ein Studium ist schließlich kein Selbstzweck.

Haben Sie so etwas wie ein Tagesmotto oder einen Tipp, den Sie den e-fellows mit auf den Weg geben möchten?
Auch wenn das Sprichwort fast schon abgedroschen daherkommt: Man sollte sich regelmäßig daran erinnern, dass "der Weg das Ziel ist". Ich neige dazu, mir immer wieder neue Ziele zu stecken. Kaum dass eines erreicht ist, steuere ich auf das nächste zu und habe das übernächste schon ins Auge gefasst. Manchmal vergesse ich dabei, mich an der Ist-Situation zu erfreuen und stolz auf das zu blicken, was ich bereits erreicht habe. Natürlich sollte eine gesunde Portion Ehrgeiz immer dabei sein, aber viel mehr Spaß macht es, wenn man jeden Tag "auf dem Weg" genießen kann.

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