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Abendessen auf dem Hometrainer

Alumnus Ingo Reinhard beim Ironman Quelle: e-fellows.net 174x100

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Wie sind Sie auf die Idee gekommen, am Ironman teilzunehmen?
 Ich bin während meiner Schulzeit intensiv Mittelstrecke gelaufen und hatte mir damals schon grob das Ziel gesetzt, einmal einen Ironman zu absolvieren. Nach längerer Pause habe ich dann während der Promotionszeit angefangen, mit einem Kollegen morgens vor der Uni joggen zu gehen. Nach ein paar Zehn-Kilometerläufen und Halbmarathons haben wir uns dann einfach angemeldet. Man muss sich aufgrund der großen Nachfrage etwa ein Jahr im Voraus anmelden, um noch einen Startplatz zu bekommen. Das Gute daran ist, dass zu diesem Zeitpunkt noch alles sehr weit weg ist und man sich der Konsequenzen der Anmeldung nicht richtig bewusst ist.
 

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, und 42,195 Kilometer Laufen - auf den härtesten Triathlon der Welt bereitet man sich nicht nebenbei vor. Wie haben Sie Sport, Studium und Freizeit unter einen Hut gebracht?
 Ich habe in den letzten Monaten vor dem Wettkampf etwa 20 Stunden pro Woche trainiert: Zehn Stunden in der Woche und zehn Stunden am Wochenende. Vor der Arbeit bin ich in der Regel 17 Kilometer gelaufen und habe das Abendessen auf dem Hometrainer eingenommen. Zu meinem Glück spielt das Schwimmen beim Ironman nicht so eine große Rolle, da es nur etwa ein Zehntel der Gesamtzeit ausmacht. Daher reichte es aus, sich einmal die Woche im Schwimmbad sehen zu lassen. Am Wochenende standen dann die langen Radtouren auf dem Programm. Man braucht natürlich eine verständnisvolle Partnerin, wenn man samstags um neun Uhr aus dem Haus geht und um 16 Uhr platt und mit Sonnenstich wieder auf der Matte steht. Insgesamt bleibt aber rund um die Vorbereitung noch genug Zeit für Arbeit und Freizeit, wenn man sich an feste Trainingszeiten hält.
 

Was war Ihr größter Rückschlag während der Vorbereitung?
 Zwei Wochen vor dem Wettkampf spürte ich nach dem letzten langen Trainingswochenende plötzlich ein Stechen in der linken Wade und konnte nicht mehr auftreten. Ich habe mir dann drei Tage vor dem Wettkampf eine Spritze in die Wade setzen lassen, damit ich an den Start gehen konnte. Abgesehen von der zweiten Hälfte des Marathons hat das gut funktioniert. Den Rest konnte ich dann nur noch gehen – so war ich eine Stunde länger unterwegs als geplant. Mein ehemaliger Trainer meinte vorher, dass ich mich entscheiden müsse, ob ich lieber an dem Wettkampf teilnehmen oder gesund alt werden möchte. Klar, dass ich dann gestartet bin!
 

Wie haben Sie sich motiviert, wenn Sie keine Lust zum Trainieren hatten?
 Ich denke, dass für einen Ironman zwei Zutaten wichtig sind: Zum einen muss der Körper eine kontinuierliche Steigerung des Trainingspensums über einen längeren Zeitraum mitmachen. Zum anderen braucht man einen verrückten Trainingspartner. Wenn man weiß, dass der andere morgens im Wald auf einen wartet, stellt sich die Motivationsfrage nicht. So entwickelt hier der Gruppenzwang seine positive Wirkung. Wer morgens beim Laufen schwächelt, muss den Spott dann den ganzen Tag lang ertragen.
 

Was für ein Gefühl ist es, schließlich im Ziel anzukommen?
 Ich war vor allem ziemlich platt, als der "längste Tag des Jahres" vorbei war. Das Schöne im Ziel ist aber, dass man sich auch über Kleinigkeiten freuen kann, zum Beispiel sich einfach mal hinzusetzen. Als ich dann wieder bei Kräften war, habe ich Freunden und Familie von meinen Heldentaten erzählt, die im Laufe der Geschichte natürlich immer spektakulärer wurden.
 

Beim Triathlon gibt es keine Teamkollegen, die einspringen können, wenn man nicht mehr kann. Ist ein Triathlet immer auch ein Einzelkämpfer?
 Auch, aber nicht nur. Die Vorbereitung hätte ich beispielsweise alleine gar nicht geschafft. Im Wettkampf ist man dann natürlich selbst dafür verantwortlich, sich ins Ziel zu bringen. So ähnlich ist das bei der Promotion ja auch.
 

Haben Sie aus dem Wettkampf etwas mitgenommen, das Sie auch bei Ihrer Unikarriere und im Berufsleben voranbringen kann?
 Im Sport und in der Wissenschaft stößt man oft an seine Grenzen. Im Sport lernt man, in schwierigen Situationen den Gedanken an das Aufgeben zu überwinden. Abgesehen von der offensichtlichen Parallele, dass in beiden Fällen Grundeinstellungen wie Disziplin und Hartnäckigkeit notwendige Erfolgsbedingungen sind, hat diese Frage interessanterweise auch direkt mit meinem aktuellen Forschungsprojekt in Oxford zu tun. Hier untersuche ich, wie der Wettbewerb zwischen Unternehmen funktioniert. Das heißt etwa, wie ausgeprägt die Nachhaltigkeit einmal erzielter Wettbewerbsvorteile in einzelnen Branchen ist. Dabei zeigt sich, dass der Wettbewerb zwischen Unternehmen im Grunde der gleichen Logik folgt wie der Wettbewerb im Sport. So gesehen, passt diese Frage fast genau zu meinem aktuellen Forschungsthema, und ich hoffe, bald eine gute Antwort darauf geben zu können.
 

Wieso haben Sie sich für Ihren jetzigen Job in einer universitären Laufbahn entschieden?
 Während meiner Promotionszeit habe ich Kontakt zu einem der führenden Wissenschaftler im strategischen Management aufgenommen. Nach einem zweimonatigen Forschungsaufenthalt in Oxford Anfang 2007 hat er mir dann angeboten, nach der Promotion als Post-Doc zurückzukehren. Meiner Ansicht nach steckt die aktuelle Strategieforschung in einer Sackgasse und hier habe ich die Möglichkeit, an einem Gegenentwurf mitzuwirken. Ich denke, dass ich etwas Wichtiges zum strategischen Management zu sagen habe, und das stößt hier auf offene Ohren.

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