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Am bunten Schreibtisch

Alumnus Dr. Dirk Reidenbach (33) arbeitet bei Hengeler Mueller am bunten Schreibtisch [Bildquelle: sxc.hu, Autor: woodsy]

Alumnus Dr. Dirk Reidenbach (33) arbeitet bei Hengeler Mueller am bunten Schreibtisch [Bildquelle: sxc.hu, Autor: woodsy]

Warum haben Sie sich für Hengeler Mueller entschieden?
 Ich wusste schon länger, dass mich die Arbeit in einer Wirtschaftskanzlei reizt. Während Ausbildung und Promotion konnte ich Einblick in zwei internationale Kanzleien gewinnen. Als dann die Wahl des künftigen Arbeitgebers anstand, sahen aber auf den ersten Blick viele Kanzleien sehr ähnlich aus, was die Wahl nicht einfach machte. Wie vermutlich bei vielen Berufsanfängern war die Entscheidung letztlich zu einem großen Teil eine "Bauchentscheidung".
 

Spielten auch andere Kriterien eine Rolle?
 Es gab auch einige objektive Gründe, warum ich mich für Hengeler Mueller entschieden habe. Einmal das zahlenmäßig niedrige Verhältnis von Associates zu Partnern und die wirklich flachen Strukturen. Auch als Berufsanfänger ist man von Beginn an unmittelbar in die Mandatsarbeit eingebunden, hat laufenden Mandantenkontakt und arbeitet eng mit den Partnern zusammen.
 
 Zum anderen überzeugte mich das für Hengeler Mueller typische "Rotationsprinzip". Als Associate arbeitet man regelmäßig für zwei Partner gleichzeitig und wechselt nach einer gewissen Zeit zumindest teilweise den Tätigkeitsbereich. Dadurch erhält man Einblick in verschiedene Rechtsgebiete und lernt einige Partner mit unterschiedlichen Arbeitsweisen kennen. Auch wenn Spezialisierung wichtig ist, wusste ich als Berufsanfänger noch gar nicht genau, welches Rechtsgebiet mich in der Praxis wirklich interessieren würde. Die Rotation halte ich daher für einen guten Weg, das eigene Spezialgebiet zu finden, und die Arbeitsweise, die einem liegt.

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?
 Ich habe mich initiativ für eine Referendarstation und gewissermaßen gleichzeitig auf die Stelle als Rechtsanwalt beworben. Das Bewerbungsverfahren läuft bei Hengeler Mueller immer ähnlich ab. Überzeugt die "Papierform", lädt die Kanzlei den Bewerber an zwei Standorte ein - bei mir waren das Frankfurt am Main und Düsseldorf. Dort führt man Gespräche mit Partnern und geht mit Associates zum Mittagessen. Hat der Bewerber das erfolgreich gemeistert, erhält er einen erfreulichen Brief. Das Bewerbungsverfahren kann aber auch formloser ablaufen, wenn man beispielsweise zuvor eine Referendarstation bei Hengeler Mueller verbracht hat.
 

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job?
 Da ich Hengeler Mueller bereits als Referendar in der Wahlstation kennengelernt hatte, gab es keine wirklichen Überraschungen. Auch als Referendar war ich schon recht eng in die Arbeit eingebunden. Deutlicher Unterschied war nach dem Berufseinstieg allerdings, dass fast vom ersten Tag an meine Verantwortung sprunghaft anstieg. Eine Schonfrist gab es nicht - ich hatte sofort Mandantenkontakt. In Telefonaten konnte man sich beispielsweise plötzlich nicht mehr hinter anderen "verstecken".
 

Welche Stärken - vielleicht auch Schwächen, die es zu überwinden galt - haben Sie an sich entdeckt?
 Als Student und Referendar muss man "nur" eine gute Klausur schreiben und den Korrektor überzeugen. Als Rechtsanwalt genügt es dagegen nicht, wenn man viel Wissen angesammelt hat und es hoffentlich auch noch anwenden kann. Man muss sein Können vor allem für den Mandanten nutzbar einsetzen.
 
 Als Rechtsanwalt betreibe ich die Juristerei nicht zum Selbstzweck, sondern bin Dienstleister und muss mich auf den jeweiligen Mandanten einstellen. Ich habe Mandanten aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen, unterschiedlichen Ländern und von teils ganz anderer Mentalität. Man muss bereit sein, sich auf jeden einzelnen Mandanten individuell einzulassen. Man muss für ihn in der gegebenen Zeit und auf die geforderte Art und Weise eine Lösung finden. Und man muss auch beurteilen können, wann es geboten ist, nicht "zu sehr" Jurist zu sein. Ob das (Nicht-)Erfüllen dieser Anforderungen noch zu meinen Schwächen oder schon zu meinen Stärken zählt, müssen andere beurteilen.
 

Wie sehen Ihr Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen aus?
 Mein Schreibtisch ist gegenwärtig sehr bunt. Ich schreibe Verkaufsprospekte, entwerfe Verträge und sonstige Dokumente. Außerdem verfasse ich Schriftsätze für gerichtliche Verfahren, begutachte juristische Fragen und berate Mandanten in persönlichen Gesprächen, Telefonaten und per E-Mail. Die Zusammenarbeit mit den Partnern ist intensiv und häufig. Wegen der wirklich flachen Strukturen bei Hengeler Mueller berichte ich regelmäßig nicht nur an einen Associate, der "more senior" ist, sondern direkt an den Partner oder Mandanten. Die Zusammenarbeit mit anderen Associates ist ebenfalls hervorragend. Ganz ehrlich kann ich sagen, dass ich bei Hengeler Mueller noch nie "Ellenbogen" von Kollegen gespürt habe.
 

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bisher bezeichnen?
 Einzelne Mandate oder Mandanten kann ich natürlich nicht nennen. Bei großen Mandaten bin ich Teil eines Teams, bei anderen stemme ich manche Aufgaben fast alleine. Beides ist reizvoll. Und ein für den Mandanten erfolgreicher Abschluss ist auch ein persönlicher Erfolg.
 

Ist Ihnen schon einmal ein Fauxpas passiert? Welche Erkenntnis zogen Sie daraus?
 Zum Glück nicht. Es gab aber sicher schon Situationen, in denen mir etwas "heiß" wurde, weil ich - unberechtigterweise - befürchtete, einen Bock geschossen zu haben. Dieses Gefühl lernt früher oder später jeder kennen. Als Vorsorge gegen einen Fauxpas gilt eine - in der Theorie - klare Regel: Niemand ist allwissend oder unfehlbar. Natürlich möchte jeder einen kompetenten Eindruck machen. Aber wenn man eine Frage nicht beantworten kann, reißt einem auch niemand den Kopf ab. Lieber noch einmal nachdenken oder jemanden fragen. Falls doch etwas schief gegangen sein sollte, muss man dafür geradestehen. Unter den Teppich kehren kommt nicht in Frage.
 

Wie hat sich Ihr Privatleben verändert und worin finden Sie den Ausgleich zum Job?
 Dass die Arbeitszeiten in einer großen Kanzlei lang sind, dürfte niemanden überraschen. Unter der Woche ist daher der Raum für Freizeit begrenzt – aber das betrifft auch andere Berufsgruppen und sehr viele Selbständige. Abgesehen von den langen Arbeitszeiten hat sich mein Privatleben durch den Berufseinstieg aber nicht maßgebend verändert. Ausgleich finde ich regelmäßig beim Sport.
 

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?
 Vermutlich nicht. Das richtige Konzept für das Studium gibt es meiner Meinung nach auch gar nicht. Der eine geht in jede Vorlesung und liest die dicksten Lehrbücher, der andere begnügt sich mit Skripten. Der eine beschreibt unzählige Karteikarten, der andere keine einzige. Jeder muss letztlich für sich herausfinden, welcher Weg am besten passt. Auch die von mir gewählte Reihenfolge meiner Ausbildung würde ich wiederholen: nach dem ersten Staatsexamen ins Ausland zum LL.M., dann Dissertation und erst zum Schluss das Referendariat. Ich hatte zunächst Sorge, dass ich bei Antritt des Referendariats zu weit weg sein würde von dem, was ich während des Studiums gelernt habe. Das war aber nicht so.
 

Haben Sie so etwas wie ein Tagesmotto oder einen Tipp, den Sie den e-fellows mit auf den Weg geben möchten?
 Mit einem Tagesmotto kann ich nicht dienen. Ob meine Erfahrungen bereits ausreichen, um wertvolle Tipps zu geben, weiß ich auch nicht. Ich kann daher nur jedem empfehlen, beruflich das zu machen, worauf sie oder er Lust hat.

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