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Logistik auf Argentinisch

Quelle: freeimages.com, kantemir

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Nach dem Trainee-Programm von Roche in die Verantwortung für ein Distributionszentrum und dann ab nach Buenos Aires - so sieht der Weg von Alumna Beate Zöbeley aus. Im Interview verrät sie, warum Logistik in Argentinien eine Herausforderung ist und wieso sie in der Pharmabranche arbeiten wollte.

Warum haben Sie sich für Roche entschieden?

Ich wollte auf jeden Fall mit einem Trainee-Programm im Bereich Supply Chain einsteigen. Außerdem wollte ich in der Pharmabranche arbeiten, weil ich es großartig finde, mit meiner Arbeit letztlich Patienten zu helfen - und weil die Logistik im Healthcare-Markt sehr herausfordernd ist. Und nicht zuletzt sollte mein Arbeitgeber international sein. Ich kannte Roche schon durch einige Veranstaltungen. Als ich dann die offene Stelle bei Roche im "Management-Start-Up-Programm" Global Supply Chain und Purchasing gesehen habe, habe ich meine erste und einzige Bewerbung geschrieben - und wurde genommen.

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

Zu meiner Zeit fand zuerst ein Bewerbertag statt und dann ein Assessment-Center, mittlerweile gibt es anstelle des Bewerbertags Telefoninterviews. Ich fand es toll, dass beim Abendessen vor dem Assessment-Center so viele Hauptabteilungsleiter dabei waren. Dadurch konnte ich schon zu diesem Zeitpunkt einen Eindruck davon bekommen, ob auch das Unternehmen zu mir passt. Außerdem war der ganze Ablauf sehr transparent. Wenn man nach einiger Zeit im Job auf das Assessment-Center zurückblickt, stellt man fest, dass die Fallstudien wirklich Aufgaben widerspiegeln, mit denen man später im Job konfrontiert wird.

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job?

Eine positive Überraschung - beziehungsweise Bestätigung - war, dass ich keine Aufgaben "für die Schublade" machen musste, sondern gleich wichtige, anspruchsvolle Projekte übernehmen konnte. Teilweise war es sogar so, dass ich meine Projektergebnisse vor dem Management präsentiert habe und sie noch am gleichen Tag in die Umsetzung gingen. Seit einem Jahr arbeite ich nun in Buenos Aires, Argentinien. Dort gab es gleich eine lustige Überraschung für mich: Morgens macht man erst einmal die Runde im Büro und begrüßt alle mit einem Kuss auf die Wange. Sogar im Bewerbungsgespräch!

Welche Stärken - vielleicht auch Schwächen - haben Sie an sich entdeckt?

Eine meiner Stärken ist sicher meine Offenheit, das hilft mir vor allem auch in Lateinamerika. Außerdem kann ich gut kommunizieren, auf verschiedenen Ebenen, interdisziplinär, interkulturell. Das ist gerade hier in Argentinien wichtig, weil hier die Unterschiede zwischen offiziellem und inoffiziellem Herangehen an Themen größersind. Da überlege ich mir genau: Setze ich zu diesem Thema ein offizielles Meeting an oder trinke ich eher mit meinem Kollegen einen Kaffee, um etwas zu besprechen? Außerdem bin ich gut darin, in komplexen Systemen zu arbeiten, deren Strukturen zu analysieren und Prozesse zu verbessern.

Was meine Schwächen angeht: Da ich erst drei Monate vor Umzug angefangen habe, Spanisch zu lernen, ist meine Grammatik oft noch etwas kreativ - dennoch arbeite ich lokal fast ausschließlich auf Spanisch. Und natürlich lerne ich täglich dazu, zum Beispiel bei firmenpolitischen Themen. Gerade in einer Matrixstruktur sind oft viele verschiedene Blickwinkel der unterschiedlichen Stakeholder miteinzubeziehen.

Wie sind Ihr Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen?

Ich bin verantwortlich für die Logistik von Diagnostics für Roche Argentinien und habe zwei Teams, die an mich berichten. Zum einen unser Lager mit zehn Mitarbeitern und meinem Lagerleiter: Dort führen wir alle Prozesse durch von der Vereinnahmung der Ware, der Etikettierung, über die Lagerung bis zur Kommissionierung, Verpackung und Verladung. Unser Produktspektrum umfasst dabei Reagenzien beziehungsweise Teststreifen, Consumables sowie High-Tech-Diagnosegeräte und Ersatzteile, die jeweils unterschiedliches Handling beziehungsweise unterschiedliche Temperaturbedingungen benötigen. Mein anderes Team ist zuständig für Planung, Einkauf und Import der Produkte sowie für das Managament unserer Servicedienstleister. Auch das ist eine echte Herausforderung, insbesondere da die Importregelungen oft ganz andere als in Europa oder den USA sind. Die Teams arbeiten an zwei verschiedenen Standorten - deshalb versuche ich, mindestens dreimal die Woche vormittags im Lager zu sein. Die Zusammenarbeit ist sehr offen, persönlich und herzlich.

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Gerade schreiben wir unsere Transportleistungen neu aus. Das ist wichtig und herausfordernd, denn der Transport ist natürlich entscheidend für unseren Kundenservice. Ziel der Ausschreibung ist vor allem, den Service für den Kunden zu halten und zu verbessern, einschließlich der Erfüllung strenger Qualitäts- und Sicherheitsvoraussetzungen wie beispielsweise beim Transport von speziellen Produkten - und alles selbstverständlich mit kompetitiven Kostenstrukturen.

Welche Unterschiede sind Ihnen in Buenos Aires aufgefallen im Vergleich zur Arbeit in Deutschland?

Man merkt sofort, dass Argentinien ein lateinamerikanisches Land ist! Schon in der ersten Woche habe ich mich in der Ländergesellschaft "zu Hause" gefühlt, obwohl ich noch kaum jemanden kannte: die Atmosphäre ist wirklich großartig und richtig familiär. Die Personen stehen hier mehr im Mittelpunkt - und beim Mittagessen werden keine Meetings weitergeführt, sondern es wird über Wochenende, Freizeit - und manchmal auch über Politik gesprochen. Auch ein Klassiker ist natürlich die Wahrnehmung der Zeit. Die Meetings gehen hier nicht so pünktlich los, aber mittlerweile gehen meine Kollegen und ich damit sehr offen um. Ich frage dann einfach: "Wollt ihr einen deutschen Start oder einen argentinischen?" Vieles läuft etwas informeller ab, und die Ergebnisse stimmen. Die Herausforderungen sind hier in der Logistik ganz andere als in Deutschland, allein schon aufgrund der Größe des Landes, das fast acht Mal so groß wie Deutschland ist. Die Distanzen sind riesig, die Verhältnisse auf den Straßen recht unterschiedlich und der Großraum Buenos Aires ist einfach enorm - über ein Drittel aller Argentinier wohnt hier. Außerdem decken wir mit unserem Team ein großes Aufgabenspektrum ab. Und nicht zuletzt wurden letztes Jahr die Importregelungen in Argentinien geändert - allein schon unsere Prozesse daran anzupassen und für optimale Produktverfügbarkeit zu sorgen, ist eine Herausforderung.

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bisher bezeichnen?

In meiner letzten Position habe ich zwei Lager zusammengelegt. Ich habe den Umzug geplant und koordiniert, ein Prozess-Reengineering durchgeführt und ein automatische Ein- und Auslagersystem eingeführt und dann das neue Distributionszentrum von 13.500 qm verantwortet. Das war sicherlich ein persönlicher Meilenstein! Natürlich freue ich mich auch über den erfolgreichen Start hier in Argentinien. Am Anfang hatte meine Team hier in Buenos Aires wohl etwas Angst, dass jetzt so eine "zugeknöpfte" strenge Deutsche kommen würde. Nach einiger Zeit sagte dann meine Teamleiterin zu mir: "Du bist gar nicht so deutsch, du bist eher eine Latina." Spätestens da war ich angekommen.

Wie hat sich Ihr Privatleben verändert, und worin finden Sie den Ausgleich zum Job?

In Deutschland war ich im Freundeskreis der Kunsthalle aktiv, habe Gesangsunterricht genommen, mich mit Freunden getroffen und Sport gemacht. Hier habe ich unter der Woche aufgrund der langen Strecken etwas weniger zeitliche Möglichkeiten, aber ich mache immer noch Sport und genieße die Stadt, kulturell wie kulinarisch. Und ich habe gerade damit angefangen, Tangostunden zu nehmen.

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?

Mein Studium war eine gute Mischung: An der Uni Mannheim habe ich viel Theorie gelernt, im MBA-Programm in Toronto viele Fallstudien bearbeitet. Ich habe einige Praktika gemacht, davon zwei im Ausland, und war auch neben dem Studium engagiert, zum Beispiel im Uni-Orchester, im Freundeskreis der Kunsthalle Mannheim und in der Stiftung der deutschen Wirtschaft. Ich finde es wichtig, dass man neben dem Studium Interessen hat, sich engagiert und sich nicht nur inhaltlich, sondern auch persönlich weiterentwickelt.

Haben Sie so etwas wie ein Tagesmotto oder einen Tipp, den Sie den e-fellows mit auf den Weg geben möchten?

Mein Motto ist: "Most people are about as happy as they make up their minds to be." Ich bin Optimistin und versuche, an alles positiv heranzugehen. Das Leben macht viel mehr Spaß, wenn man seinen Aufgaben und Mitmenschen mit Begeisterung und positiver Energie begegnet.

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