Archiv der Kategorie 'Tagebuch'

Tagebuch (Allianz): Als IT-Trainee eigene Ideen einbringen

Mittwoch, den 11. Mai 2011
Tagebuch

Eins war Felix für seinen Berufseinstieg besonders wichtig – er wollte in einem Unternehmen arbeiten, in dem er seine Ideen auch umsetzen kann. Als IT-Trainee bei der Allianz macht er nun den Realitätscheck – und beschäftigt sich bei seinem ersten Projekt gleich mit einem wichtigen System.

Wenn mich jemand vor meinem Start als IT-Trainee bei der Allianz fragte, wie ich mir meinem künftigen Arbeitgeber vorstelle, antwortete ich: "Ich möchte in einem dynamischen, kreativen Umfeld arbeiten, in das ich meine Ideen einbringen kann und in dem sie angenommen werden."

Ein paar erstaunte Blicke rief diese Antwort in Kombination mit meinem Job-Einstieg schon hervor, assoziieren die meisten doch mit der Allianz eher ein traditionelles, stabiles Unternehmen als ein kreatives, dynamisches. Seit Oktober 2010 bin ich IT-Trainee bei der Allianz und kann jeden Tag überprüfen, inwieweit sich meine Erwartungen erfüllt haben.

Felix ist IT-Trainee bei der Allianz [Bildquelle: Allianz]Felix (22) studierte Wirtschaftsinformatik im Dualen Studium an der HWR Berlin. Nach seinem Bachelor-Abschluss begann er im Oktober 2010 als IT-Trainee bei der Allianz.

Die Allianz-Geschichte im Schnelldurchlauf
Schon die Begrüßung von uns Trainees war ein erfrischender Einstieg in das Unternehmen. Wir Trainees – drei neue und zwei schon etwas dienstältere – trafen uns mit den Gestaltern des IT-Trainee-Programms im Firmenhistorischen Archiv der Allianz.

Vor dem eigentlichen fachlichen Einstieg hatten wir die Chance, Geschichte (lang, beeindruckend) und Aufstellung (vielfältig und international) der Allianz und ihrer IT im Speziellen kennenzulernen: von den ersten Einsätzen von mechanischen Rechenmaschinen über Lochkartenverarbeiter bis hin zu einer professionell aufgestellten IT mit eigenen Rechenzentren und strategischer Softwareentwicklung. Also unserem späteren Tätigkeitsfeld.

Das alles ist mittlerweile ein halbes Jahr her. Hört sich kurz an, fühlt sich aber so an, als sei ich schon viel länger dabei. Und das ist durchaus positiv gemeint: Ich habe schon so viele Themen, Abteilungen und vor allem Menschen in dieser Zeit kennengelernt.

Das IT-Trainee-Programm verspricht in seinen anderthalb Jahren drei- bis sechsmonatige Stationen in verschiedenen Bereichen – es ist sogar ein Auslandseinsatz möglich. So lernen wir Trainees das Unternehmen kennen, können uns einen Überblick verschaffen und entscheiden, wo wir anschließend in eine Fach- oder Führungslaufbahn starten möchten.

Das erste Projekt
An was habe ich also gearbeitet? Mein erstes Projekt war die Test-Automation des "Allianz Business Systems" (ABS). ABS ist eine strategische Plattform für den Innendienst, mit dem die Allianz alle Kundendaten verwaltet. Stellt euch zum Beispiel vor, ihr schließt eine Versicherung bei der Allianz ab, habt einen Schadensfall, zu dem ihr eine Auszahlung wollt, oder zieht um und möchtet eure neue Adresse mitteilen. Das alles wird über ABS abgebildet. Es ist also für die Allianz ein sehr wichtiges System.

Wie kann man also sicherstellen, dass keine Probleme auftreten, wenn ein Sachbearbeiter ABS benutzt? Vor allem dadurch, dass die Software getestet wird, bevor sie in den Einsatz geht.

Wie kann man Software-Tests automatisieren?
In dem Team, das ich unterstützen sollte, sah die Situation wie folgt aus: Es gab bereits Testfälle, mit denen die eigenen Entwicklungen getestet werden konnten. Allerdings musste das Team sie von Hand starten, was zusätzliche Arbeit bedeutete und immer wieder Konfigurationsaufwand für die Entwickler.

Das Ziel meines dreimonatigen Projekts war also, organisatorisch und technisch zu ermöglichen, dass die Testfälle automatisch ausgeführt werden. Darüber hinaus gab es kaum Vorgaben, und ich hatte die Chance, mein ganzes Projektmanagementwissen aus dem Wirtschaftsinformatikstudium in der Praxis zu erproben.

Der erste Schritt war, mir ein Bild über die bestehenden Lösungen zu machen: Wie kann das Testsystem angesprochen werden? Wie kann man ein Reporting über die Ergebnisse aufbauen? Und gibt es schon ähnliche Lösungen? Ich entwickelte einen Mechanismus, der den gesamten Testprozess zeitgesteuert und ohne Handarbeit automatisch ausführt. Er installiert die zu testende Software, lädt die Testfälle, führt sie aus und schreibt die Testergebnisse in unser Wiki. Von dort kann jeder Entwickler prüfen, ob in seinem Bereich Fehler aufgetreten sind, und sie dann korrigieren.

Neben der Arbeit am Technischen kam auch viel Organisatorisches dazu. Besonders mit den Entwicklern, die die Testfälle erstellen, stimmte ich mich ab, um sicherzugehen, dass ihre Tests richtig ausgeführt werden und sie mit den Ergebnissen etwas anfangen können.

Einige Kollegen in Indien und Österreich hatten schon etwas Ähnliches entwickelt, mit ihnen konnte ich unsere Lösungen vergleichen und meine zusätzlichen Ideen einbringen – und nebenbei ganz andere Arbeitsweisen und Mentalitäten kennenlernen. Und schließlich lasen einige Kollegen anderer Bereiche meine Dokumentation, riefen mich an, und ich konnte ihnen meine Ansätze näherbringen. Schließlich wurde meine Lösung zur offiziellen Lösung erklärt, in einem Nachfolgeprojekt bereitet das Team jetzt die Weiterverbreitung an alle interessierten Entwicklungsteams vor.

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Erwartungen ans Trainee-Programm erfüllt?
Haben sich also meine Erwartungen erfüllt, arbeite ich in einem dynamischen, kreativen Umfeld, das meine Ideen annimmt?

Ja. Ich war beeindruckt, wie schnell meine Lösungen angenommen wurden und wie viel Verantwortung ich für einen wichtigen Bereich übernehmen durfte – gerade im Vergleich mit Erfahrungen, die ich bei anderen Arbeitgebern gesammelt hatte. Besonders durch die Abstimmung mit verschiedensten Teams konnte ich viele spannende Kollegen kennenlernen und ein gutes Netzwerk aufbauen. Ich arbeite in einem kreativen, dynamischen Unternehmen, das bereit ist, mir in spannenden Bereichen viel Verantwortung zu übergeben. Besonders im Zeitmanagement und beim zielgruppengerechten Aufbereiten meiner Arbeitsergebnisse habe ich viel dazugelernt – erfahrene Kollegen haben mich dabei in Seminaren und bei der täglichen Arbeit unterstützt.

Wie ging es nach den ersten drei Monaten weiter? Was bedeutet es, Prozesse zu optimieren und Assistent einer Managerin direkt unter dem Vorstand zu sein? Das erfahrt ihr in meinem nächsten Tagebuch-Eintrag.

IT-Trainee bei der Allianz werden
Aktuell sucht die Allianz wieder Bewerber fürs IT-Trainee-Programm.

Tagebuch (Roche): Teamwork für den marktreifen Test

Freitag, den 6. Mai 2011
Tagebuch

Interdisziplinäre Teamarbeit: An der Entwicklung eines Blutgerinnungstests arbeiten bei Roche viele Abteilungen. Bis der Test auf dem Markt ist, kann es mehrere Jahre dauern. Aber wozu untersucht man die Blutgerinnung eigentlich?

Am 1. Dezember 2010 startete ich als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik bei Roche Professional Diagnostics. Der erste Tag beginnt bei allen neuen Mitarbeitern am Standort Penzberg mit einer Einführungsveranstaltung der Personalabteilung. Wir bekamen das Unternehmen präsentiert, und Bernhard Schneller, HR Business Partner Roche Diagnostics Operations Penzberg, klärte uns über unternehmensinterne Prozesse auf.

e-fellows.net-Alumna Franziska (29) studierte Molekulare Biotechnologie an der TU München. Anschließend promovierte sie am Helmholtz Zentrum München. Seit einigen Monaten arbeitet sie nun als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik bei Roche.

Dabei bekamen wir Einsteiger auch sofort wichtige Intranet-Links und Telefonnummern an die Hand, die mir seitdem in vielen Situationen weiterhelfen, sei es zur Nutzung der werkseigenen Bibliothek, des Fortbildungsprogramms oder der IT-Hilfe bei Computerproblemen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem wir persönlich vom Kantinen-Betriebsleiter begrüßt wurden, ging es zum Start in die Fachabteilung. Obwohl ich durch mein Studium und die Promotion grundlegendes Wissen zur Blutgerinnung mitbrachte, stand zunächst einmal die fachliche Einarbeitung in die Gerinnungsdiagnostik auf dem Programm.

Blutgerinnungsdiagnostik – was bedeutet das überhaupt?
Bei der "Blutgerinnung" lagern sich bestimmte Blutzellen, unsere Blutplättchen, aneinander, um einen sogenannten Thrombus zu bilden, der zum Beispiel eine Wunde nach einer Verletzung schließen und damit eine weitere Blutung verhindern soll. Dafür müssen zunächst eine Reihe von Bluteiweißstoffen, sogenannte Gerinnungsfaktoren, in einer bestimmten Reihenfolge aktiviert werden, um am Ende die Vernetzung der Blutplättchen untereinander möglich zu machen. Nach der Wundheilung vermitteln andere Bluteiweißstoffe auf reguliertem Wege die Auflösung dieses Zellklumpens.

Ist bei einem Menschen die Funktionstüchtigkeit eines Gerinnungsfaktors vermindert oder vermehrt, kann es bei diesem Patienten zu einer verstärkten Blutung oder Blutgerinnung kommen. Deshalb spielt der Gerinnungsstatus eines Patienten bei einer Vielzahl von klinischen Situationen eine wichtige Rolle. Man untersucht die Blutgerinnung zum Beispiel zur Vorbereitung auf eine Operation, zur Kontrolle von Thrombose-Prophylaxe bei längerer Bettlägrigkeit oder genetischer Veranlagung und regelmäßig bei sogenannten "künstlichen Bluter-Patienten".

Zu diesem Zweck wird dem Patienten Blut abgenommen und die Blutgerinnung durch die Zugabe bestimmter Eiweißstoffe künstlich in Gang gesetzt, während kontinuierlich in einem sogenanntem Photometer ein Lichtstrahl durch die Blutprobe geschickt wird. Je nachdem, wie schnell sich ein "Gerinnsel" bildet, kommt es zu einer Trübung der Probe, welche anhand des abnehmenden Durchlichts gemessen wird. Um den Gerinnungsstatus eines Patienten genau zu untersuchen, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Tests, mit denen die Funktionstüchtigkeit der verschiedenen Gerinnungsfaktoren einzeln überprüft werden kann.

Wie laufen solche Entwicklungsprojekte eigentlich ab?
Einen solchen Test zu entwickeln, zu evaluieren und am Ende beim Kunden zum Einsatz zu bringen, bedeutet für uns ein mehrjähriges Projekt, für das Vertreter verschiedener Abteilungen als ein interdisziplinäres Projektteam zusammenarbeiten. Da die Einheit "Marketing & Vertrieb" direkten Kontakt zu unseren Kunden hat, können diese Kollegen am besten einschätzen, was ein Test von Roche in der klinischen Praxis leisten muss. Die Marketingabteilung formuliert also zunächst Produktanforderungen.

Gelingt es uns als Forschungs- und Entwicklungsabteilung (R&D), die Machbarkeit dieser Anforderungen mit Entwicklungs- und Evaluierungsarbeit zu zeigen, werden daraufhin verbindliche Produktspezifikationen definiert. Dazu zählen zum Beispiel Kriterien, wie genau ein Test messen muss, oder wie lang die Reagenzien eines Tests haltbar sein müssen. R&D erhebt die Prüfdaten dazu in enger Abstimmung mit der Qualitätskontrollabteilung. Auch für die Dokumentation ist oberste Sorgfalt geboten, um nachzuweisen, dass für die Entwicklung eines klinischen Tests auch nach definierten Qualitätsstandards gearbeitet wurde.

Damit der Test zum klinischen Einsatz kommen kann, steht danach die Zusammenarbeit mit der klinischen Prüfabteilung und der Zulassungsabteilung auf dem Programm. Und ist dies geschafft, ist zur Einführung des Tests beim Kunden wiederum die Marketingabteilung gefragt, wobei wir als R&D-Abteilung auch nach der Einführung für die Produktpflege des entwickelten Tests verantwortlich bleiben.

Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtet Franziska, wie sie in das Mentorenprogramm von Roche aufgenommen wurde.

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Tagebuch (Roche): Wie der Mentor bei der Berufswahl hilft

Mittwoch, den 27. April 2011
Tagebuch

Wie findet man eigentlich heraus, in welchem Beruf man später arbeiten möchte? Franziska lernte dank Roche-Mentor Robert Bühn die Unternehmenskultur und verschiedene Abteilungen von Roche kennen. Und fand so einen Job, der prima zu ihr passt – eine Postdoc-Stelle in der Gerinnungsdiagnostik.

Als ich mich 2006 kurz vor meinem Master-Abschluss in Molekularer Biotechnologie noch nicht zu einer Promotion entschlossen hatte, beschäftigte ich mich zum ersten Mal mit dem Thema Berufseinstieg. Dabei haben sich für mich viele Unklarheiten aufgetan: Welcher Job wird mir nach dem Studium eigentlich Spaß machen? Es gibt als Naturwissenschaftlerin ja so viele Möglichkeiten. Welche konkrete Tätigkeit wird mich in der Industrie erwarten? Und vor allem: Für welches Unternehmen möchte ich arbeiten und wie finde ich das heraus?

e-fellows.net-Alumna Franziska (29) studierte Molekulare Biotechnologie an der TU München. Anschließend promovierte sie am Helmholtz Zentrum München. Seit einigen Monaten arbeitet sie nun als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik bei Roche.

Als ich mich letztlich für die Promotion entschied, begann ich trotzdem, mich mit all diesen Fragen zu beschäftigen, um am Ende der Doktorarbeit gezielt in das Berufsleben starten zu können. Das Mentorenprogramm von Roche hat mir entscheidend geholfen, mich beruflich zu orientieren und am Ende in meiner Wunschposition bei einem Top-Arbeitgeber einzusteigen.

Mein Einstieg über das Mentoren-Programm von Roche
Aus der heutigen Perspektive betrachtet, hat mein Weg zu Roche Diagnostics bereits eineinhalb Jahre vor meinem eigentlichen Einstieg als Postdoc begonnen, nämlich mit meiner Aufnahme in das Roche-Mentorenprogramm.

Beim Workshop "BWL für Naturwissenschaftler", zu dem Roche Diagnostics im Februar 2009 rund 20 e-fellows nach Mannheim einlud, lernte ich einige Mentees kennen. Deren interessante Erfahrungsberichte haben mich damals sofort begeistert, sodass ich mich gleich nach dem Workshop an meine Mentee-Bewerbung machte. Besonders attraktiv erschien mir die Möglichkeit, durch das Mentorenprogramm das Unternehmen Roche Diagnostics besser kennenzulernen. Zudem wollte ich herausfinden, in welchem Arbeitsbereich ich mir nach meiner Promotion einen Einstieg vorstellen könnte.

Meine Mentee-Bewerbung richtete ich an Robert Bühn, den Leiter Marketing Services Vertrieb Deutschland. Ein paar Tage nachdem ich die Bewerbung an e-fellows.net gesendet hatte, kontaktierte mich seine Sekretärin, um einen Termin für ein Telefoninterview in der darauffolgenden Woche zu vereinbaren. Das Interview machte seinem Namen alle Ehre, denn knapp eine Stunde lang führte Robert Bühn mit mir ein Vorstellungsgespräch am Telefon. Auch wenn mich einige Fragen beinahe ins Schwitzen gebracht haben, war dies für uns beide eine prima Gelegenheit, uns kennenzulernen und einzuschätzen, ob wir als Mentor-Mentee-Team zusammen arbeiten möchten. Ich hatte gleich ein sehr gutes Gefühl und freute mich deshalb umso mehr über die positive Rückmeldung, dass ich in das Mentoren-Programm aufgenommen wurde.

Der Einstieg hätte kaum besser passen können, denn gut sechs Wochen später fand in Mannheim das Mentoren-Mentee-Treffen mit rund 100 Teilnehmern statt und bereitete mir gleich einen tollen Auftakt: Beim Kick-Off-Workshop traf ich meinen Mentor Robert Bühn zum ersten Mal und während der zweitägigen Veranstaltung hatten wir die Gelegenheit, uns persönlich besser kennenzulernen. Außerdem knüpfte ich Kontakte zu anderen Mentees, mit denen ich mich auch heute noch austausche, und lernte dort auch Beate Brandl, Human Ressource Expert, kennen, die sich mir sogleich als Kontaktperson für das Biotechnologie-Zentrum Penzberg anbot.

Im Gespräch mit meinem Mentor vereinbarten wir im Anschluss an den Workshop Ziele, die wir uns für unsere Zusammenarbeit als Mentor und Mentee bis zum Ende meiner Promotion setzen wollten: Ich wollte zum Beispiel die Unternehmenskultur von Roche erleben und außerdem in verschiedenen Abteilungen hospitieren. Robert Bühn war seinerseits als Betriebswirtschaftler sehr neugierig darauf, meine molekularbiologische Laborarbeit bei einer Hospitation an meiner Promotionsstelle kennenzulernen.

Meine berufliche Orientierung durch Hospitationen und "Shadowings"
Im Laufe eines Jahres hospitierte ich in verschiedenen Abteilungen, zum Beispiel in Marketing & Vertrieb, Clinical Trials sowie in Forschung und Entwicklung (R&D). Beim "Shadowing" war ich mehrere Tage der "Schatten" einer Führungskraft und begleitete diese durch ihren Alltag, zum Beispiel bei Besprechungen oder persönlichen Gesprächen mit ihren Kollegen oder Mitarbeitern.

Dabei erlebte ich die Roche-Unternehmenskultur hautnah: Besonders positiv nahm ich den offenen und respektvollen Umgang miteinander wahr. Außerdem erkannte ich, welche breiten Gestaltungsmöglichkeiten und langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten das Unternehmen seinen Mitarbeitern bietet. Beim "Shadowing" hatte ich jedes Mal die Möglichkeit, durch Beobachten und im Gespräch herauszufinden, welche Aufgaben und Tätigkeiten einen Naturwissenschaftler in einer solchen Position erwarten würden.

Dabei hat sich schnell abgezeichnet, dass ich mir einen Einstieg am besten in der Forschung und Entwicklung (R&D) vorstellen kann. Besonders spannend finde ich die vielfältigen Aufgaben, welche die Projektarbeit zum Beispiel zur Entwicklung eines Tests für den klinischen Einsatz mit sich bringt: Denn während man mit einem Fuß für die Testentwicklung im Labor steht, arbeitet man gleichzeitig an einer der Schnittstellen zu den Projektpartnern, wie dem Marketing, der Qualitätskontrolle, der Patentabteilung, der klinischen Prüfabteilung und der Zulassung. Zum erfolgreichen Projektmanagement ist hier neben guter fachlicher Arbeit viel Organisationstalent und Gefühl für die richtige Kommunikation gefragt. Und als ich vergangenen Frühling nach einem spannenden "Shadowing" eben in der Testentwicklung bei Roche Professional Diagnostics am Abend das Werkgelände in Penzberg verließ, war für mich klar: Das möchte ich machen!

Meine Bewerbung als Postdoc
Aufgrund meiner Erfahrungen aus dem Mentoren-Programm war Roche Diagnostics für mich meine erste Wahl für den Berufseinstieg. Deshalb hatte ich mich schon während der Promotion im Online-Bewerbungsportal von Roche, dem "Roche-Talent-Pool", registriert und mein Profil angelegt. Das kann dann von Vertretern der Personalabteilung, aber auch des Fachbereichs eingesehen werden.

Parallel dazu begann ich, auf der Roche-Website nach einer passenden Stellenausschreibung Ausschau zu halten. Und siehe da, knapp zwei Monate nach Abgabe meiner Doktorarbeit stieß ich auf die Ausschreibung, auf die ich gewartet hatte, nämlich die meiner späteren Position als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik. Ich machte mich gleich an das Bewerbungsschreiben und sendete es über den Talent-Pool an Roche. Gleichzeitig informierte ich meinen Mentor über meine Bewerbung.

Die Einladung zum Bewerbertag erhielt ich knapp drei Wochen später und freute mich schon einmal sehr, denn damit war der erste Schritt geschafft. Natürlich war ich nervös, als ich mich ein paar Wochen darauf zum Bewerbertag nach Penzberg aufmachte. Nacheinander hielt jeder von uns sieben Bewerbern einen wissenschaftlichen Vortrag über sein Promotionsthema. Anschließend wurden die Fragen der Zuhörer diskutiert. Sein Promotionsthema anderen nahe zu bringen und bei Fragen Rede und Antwort zu stehen, hatte ja jeder von uns schon während der Doktorarbeit gelernt – ein guter Einstieg also in den Bewerbertag.

Danach führten wir Einzelgespräche mit Vertretern aus der Personal- und der Fachabteilung. Die Atmosphäre war die ganze Zeit über sehr angenehm. Mit einem sehr guten Bauchgefühl verließ ich am frühen Nachmittag das Werkgelände. Aber ich musste gespannt über das Wochenende warten, bis nach einer zweiten Gesprächsrunde in der darauffolgenden Woche endlich die ersehnte Zusage kam. Und das nur ein paar Tage vor meinem Rigorosum. Einen schöneren Abschluss der Promotion hätte es für mich kaum geben können!

Im zweiten Teil ihres Tagebuchs wird Franziska von ihren ersten 100 Tagen bei Roche berichten und erklären, worum es bei der Blutgerinnungsdiagnostik geht.

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Tagebuch (Roche): Farbige Wasserschlacht

Freitag, den 15. April 2011
Tagebuch

Melanies Projekt in Indien ist fast vorüber, sie präsentiert ihre Analyse einer Umfrage zur Mitarbeiter-Zufriedenheit und schlägt Maßnahmen vor. Und ist wieder einmal von der indischen Spontaneität überrascht: Die ersten Initiativen zur Umsetzung finden quasi direkt nach ihrer Präsentation statt. Und zum Abschluss bekommt Melanie noch etwas Farbe ab – allerdings nicht beim Sonnenbaden.

Meine drei Monate in Mumbai gehen zu Ende, wo ist nur die Zeit geblieben? Und wenn ich mich auch an manche Dinge wahrscheinlich nie gewöhnen würde – den Lärm, den Dreck, die Überbevölkerung – so wird mir doch auch vieles fehlen: die Farben, die freundlichen, neugierigen Menschen, das Essen.

e-fellow-Melanie-Roche-IndienMelanie (28) studierte Medien- und Kommunikationsmanagement in Stuttgart. Anschließend machte sie einen Master in Diplomacy & International Relations und einen MBA in den USA. Vor anderthalb Jahren stieg sie ins Management-Start-Up-Programm von Roche ein und arbeitet zurzeit in Mumbai, Indien.

Überzeugungsarbeit leisten bei der Abschlusspräsentation
Mein Projekt in Indien ist so gut wie beendet: Ich habe eine Umfrage zur Mitarbeiter-Zufriedenheit analysiert und ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Zwar werden meine Ergebnisse positiv aufgenommen, aber ich merke wieder einmal, dass meine Herangehensweise anders ist als die der hiesigen Kollegen, und mein Blickwinkel ebenfalls. Weil mir dadurch Dinge aufgefallen sind, die sonst nicht so sehr im Fokus stehen, muss ich bei den Abschlusspräsentationen doch manchmal Überzeugungsarbeit leisten. Ich erkläre deutlich mehr Methodik und Hintergründe der Befragung, als ich das in Deutschland tun würde.

Aber sobald ich meine Kollegen überzeugt habe, setzen sie meine Ergebnisse in die Tat um – und zwar quasi sofort. Wochenlange Vorlaufzeiten, wie man das von deutschen Organisationen so kennt, gibt es hier nicht. Ich bremse sogar vorsichtig, weil ich glaube, dass ein bisschen "deutsche" Vorbereitung eben doch durchaus die Fehler vermeiden kann, die bei Schnellschuss-Aktionen gerne auftreten. Ich werde gespannt verfolgen, was nach Projekt-Ende mit dem Stein passiert, den ich ins Rollen gebracht habe.

Obsthändler in Mumbai (Bildquelle: e-fellows.net)Amerikanische Country-Musik und Backstreet Boys statt Lady Gaga
Je besser ich die Menschen hier kennenlerne, desto mehr Unterschiede fallen mir auf. Beispielsweise der Humor: Er ist sehr direkt und kann fast schon naiv anmuten. In Kombination mit der Tatsache, dass unverheiratete Paare hier Seltenheitswert haben, führt dieser Humor zu interessanten Situationen. Zum Beispiel zieht ein Chef seinen Angestellten auf mit den Worten "Raj hat eine Freeeeuuuundin, Freeeeuuuundin, Freeeeeuuundin!", weil dieser abends noch eine Verabredung hat und nicht sofort versichert hat, dass es sich um einen männlichen Bekannten handelt.

Tempel in Mumbai (Bildquelle: e-fellows.net)Der westliche Einfluss ist besonders in den Städten deutlich spürbar, zum Beispiel mögen die Inder neben den landeseigenen Produktionen auch westliche Musik und Filme. Besonders beliebt ist das, was ich als Heile-Welt-Komödien und Romantikschnulzen bezeichnen würde. Neues braucht sehr lange, bis es angenommen wird, während Klassiker sehr beliebt sind – oder zumindest Produktionen, die mindestens zehn Jahre alt sind. Im Fernsehen läuft immer irgendwo eine amerikanische Romantik-Komödie, am liebsten mit Jennifer Aniston. Und auch "Titanic", die "Rocky"-Reihe, "Pretty Woman", "Men in Black", oder "Friends" findet man immer auf irgendeinem Kanal. Lady Gaga ist fast unbekannt, während amerikanische Country-Musik, aber auch Eric Clapton und die Rolling Stones als westlich und cool verstanden werden. Und ich habe schon sehr, sehr lange nicht mehr "Mambo No. 5" und die Backstreet Boys so oft gehört.

Im Gegenzug macht es mir auch durchaus Spaß, Bollywood-Filme und indische Soap Operas auf Hindi zu gucken – sozusagen als Comedy. Man muss die Sprache nicht sprechen, um die Handlung zu verstehen. Denn die Schauspieler versuchen nicht nur, sich bei Schmuck und Makeup gegenzeitig zu überbieten, sondern auch in Theatralik – das wirkt wie eine völlig überdrehte, quietschbunt-glitzernd-überladene Karikatur des wirklichen indischen Familienlebens.

Blumengirlanden (Bildquelle: e-fellows.net)Fest der Farben – und Wasserbomben
Und noch etwas Quietschbuntes und sehr Indisches darf ich miterleben: Im März findet "Holi" statt, das Fest der Farben. Man kann sich das als riesige Schlacht mit knallbuntem Farbpulver und Wasser vorstellen. Gefeiert wird überall, auch auf den Straßen. Und da Inder nicht gerade kontaktscheu sind, haben sie keine Skrupel, auch Fremde miteinzubeziehen – sprich: sie mit Wasserbomben und Farbe zu bewerfen. Schon Tage vorher muss man sich vor plötzlichen Wasserspritzern in Acht nehmen, und der Wachmann bei meinem Geldautomaten steht ungerührt und ernsthaft Wache, obwohl sein Gesicht von einem leuchtend lilafarbenen Handabdruck geziert ist – da hat sich wohl jemand einen Spaß erlaubt.

Ich bin am Holi-Festtag bei einer Kollegin eingeladen und fahre schon im Morgengrauen hin, um vor solchen Attacken sicher zu sein. Im Innenbereich des Wohnkomplexes tummeln sich schon früh die Kinder, die sich mit wichtiger Miene mit ihren Wasserpistolen inklusive auf den Rücken geschnallter Tanks auf die große Schlacht vorbereiten. Nach und nach kommen die Erwachsenen hinzu, manche schon mit leichten Farbspuren im Gesicht.

Blumen (Bildquelle: e-fellows.net)Man wünscht sich "Happy Holi!", nimmt eine Handvoll grün, lila, gelb, blau, rot, neonorange … was gerade zur Hand ist, und verteilt es großzügig auf seinem Gegenüber. Was zurückhaltend anfängt, mündet schnell in eine ausgelassene Feier. Bei dröhnender Musik tanzen Erwachsene und Kinder kunterbunt verschmiert und klatschnass und haben einen Riesenspaß. Ich versuche mir vorzustellen, wie so etwas denn in Deutschland aussehen würde: Unmöglich – ich glaube, das geht nur bei den Indern!

Die Welt steht still: Es ist Cricket-Weltmeisterschaft
Kurz vor meiner Abreise passierte noch etwas, das ich für komplett unmöglich gehalten hatte. Knapp sechs Stunden mitten am Tag lang sind die Straßen …na ja, leer wäre übertrieben. Aber ruhiger, als das mitten in der Nacht der Fall ist: kein Hupen, kaum Verkehr. Was los ist? Es ist Cricket-Weltmeisterschaft in Indien, das Endspiel findet in Mumbai statt, und das indische Team ist im Finale! Ein Krimi, weil es wirklich knapp wird. Allerdings ist ein Sechs-Stunden-Krimi, so lange dauert das Match nämlich – wirklich, wirklich lang… Aber es lohnt sich, Indien holt den Titel, das zweite Mal überhaupt, und die Stadt (und vermutlich das ganze Land) feiert bis in die frühen Morgenstunden. Glückwunsch!

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Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtet Melanie von ihrer Ankunft in Mumbai. Im zweiten Teil geht es um die Unterschiede von deutscher und indischer Arbeitsweise. Im dritten Teil ist Melanie auf Interviewreise durch Indien.

Tagebuch (Roche): Mit Hinglish auf Interviewreise durch Indien

Dienstag, den 22. März 2011
Tagebuch

Inzwischen hat sich Melanie schon ziemlich gut in Mumbai eingewöhnt. Bei Geschäftsreisen lernt sie noch weitere Teile von Indien kennen – und stellt fest, dass es im Norden eher hektisch zugeht, im Süden dagegen recht entspannt. Sprachbarrieren gibt es allerdings nach wie vor – Melanies US-amerikanisches Englisch verträgt sich nicht so gut mit dem ortstypischen Hinglish.

Ein weiterer internationaler Trainee aus Singapur ist im Roche-Büro angekommen – damit bin ich nicht mehr die einzige nicht-indische Person! Und wenn ich mir überlege, dass ich ihm schon manches erklären und ihm helfen kann, habe ich ja anscheinend doch einiges gelernt, seit ich angekommen bin.

Straßenbild Mumbai (Bildquelle: e-fellows.net)Mumbai wird langsam überschaubarer
Mumbai ist in wenigen Wochen vom chaotischen, unverständlichen und völlig überwältigenden Ameisenhaufen zu einem offensichtlich hoffnungslos überbevölkerten, aber irgendwie trotzdem funktionierenden und für meine Zwecke halbwegs handhabbaren System geworden.

Anfangs bin ich fast orientierungslos, aber mit der festen Absicht, diese Stadt zu verstehen, durch Irgendwo-in-Mumbai gewandert. Nach Hause bin ich nur deshalb wieder gekommen, weil ich den Rikscha-Fahrern die Visitenkarte meines Hotels gezeigt habe. Ich war verwundert oder irritiert über fast alles, was ich sah.

Jetzt ist das doch deutlich anders und ich finde mich recht souverän in der Stadt zurecht – oder kann es zumindest gut verbergen, wenn das nicht der Fall sein sollte. Ich kenne nicht nur die für mich wichtigsten Wege durch Mumbai und kann sie im Zweifelsfall auch zeigen, sondern ich erkenne viele indische Eigenheiten wieder – und weiß manchmal sogar, was sie bedeuten!

e-fellow-Melanie-Roche-IndienMelanie (28) studierte Medien- und Kommunikationsmanagement in Stuttgart. Anschließend machte sie einen Master in Diplomacy & International Relations und einen MBA in den USA. Vor anderthalb Jahren stieg sie ins Management-Start-Up-Programm von Roche ein und arbeitet zurzeit in Mumbai, Indien.

Mit "Hinglish" durch den Alltag
Die Sprache ist allerdings nach wie vor eine Barriere. Vereinfacht gesagt: Je niedriger das Bildungslevel, desto weniger spricht man (verständliches) Englisch. Mein Hindi ist in der kurzen Zeit mit meinem Bedarf leider nicht mitgewachsen. Und ohne Hindi werden eben schon einfachste Dinge wie nach dem Weg fragen, ein Paket verschicken oder Essen bestellen plötzlich ziemlich anspruchsvoll und die Kommunikation geht über das einfachste Level nicht hinaus.

Aber selbst, wenn jemand Englisch spricht, ist es manchmal wirklich schwierig, sich zu verständigen. Das liegt an dem massiven Akzent und dem aus dem Hindi entnommenen Maschinengewehrtempo ("Hinglish"). Wegen meines eigenen amerikanischen Akzents verstehen mich wiederum die Inder auch nicht immer leicht, dabei bemühe ich mich schon, gewisse "Hinglish"-Ausdrucksweisen zu verwenden.

Termine in Chennai, Bangalore – und fast auch in Delhi
Bei der Arbeit habe ich inzwischen die Gelegenheit, sogar mit sehr vielen Menschen zu sprechen: Für mein Projekt führe ich eine Interview-Reihe mit Mitarbeitern in den verschiedenen Regionen des Landes durch und bin dadurch recht viel unterwegs. Ich treffe Roche-Mitarbeiter im Süden, also in Bangalore und Chennai, und spreche per Videokonferenz mit den Kollegen aus der nördlichen Region, in Delhi.

Reisen in Indien hat durchaus seine Tücken. Kleinere Flughäfen haben nicht immer eine Anzeigentafel und arbeiten mit Durchsagen – natürlich nicht auf Englisch. Und der Versuch, nach Delhi zu fliegen, war wenig erfolgreich: Wegen Nebel hatte der Flug insgesamt acht Stunden Verspätung. Und um den Rückflug (der nur drei Stunden verspätet war) in Delhi umzubuchen, musste ich fünf verschiedene, großzügig über den Flughafen verteilte Schalter finden und mit völlig widersprüchlichen Aussagen der Airline-Mitarbeiter klarkommen.

Mann in Indien (Bildquelle: e-fellows.net)Hektischer Norden, zufriedener Süden
Aber durch die Geschäftsreisen bekomme ich auch einen Eindruck von anderen Regionen des Landes, die sich durchaus deutlich voneinander unterscheiden. Während man im Westen und Norden hektischer ist, mir erstaunlich direkt antwortet und bei Bedarf auch kritische Punkte anspricht, sind die Kollegen im Süden deutlich entspannter und wirken zufriedener. Sie würden aber niemals, und wenn, dann nur ganz vorsichtig durch die Blume und um drei Ecken herum zugeben, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Dementsprechend muss ich meine Vorgehensweise beim Interview anpassen und kann ausprobieren, was am besten funktioniert – sehr interessant!

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Klar können fünf Menschen mit einem Motorrad unterwegs sein
Wer mit deutschen Augen die indische Arbeitssicherheit betrachtet, kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Zum Beispiel werden die Lampen an der ungefähr in sechs Meter Höhe liegenden Decke des Großraumbüros geputzt, indem man zwischen Schreibtische, Stühle und Trennwände einen Tisch zwängt. Darauf stellt man einen kleineren Tisch, darauf eine Trittleiter, und zwei Leute halten das Ganze fest. Dann klettert jemand das Gebilde hoch, steht frei und ohne Absicherung oben drauf und putzt die Lampe. Und das wird dann noch ungefähr 20 Mal wiederholt, schließlich gibt es ja viele Lampen. Auf meine besorgten Nachfragen hin versteht niemand so genau, wo eigentlich mein Problem ist?

Aber Regeln gibt es ohnehin grundsätzlich, um sie zu brechen: Helmpflicht für Motorradfahrer besteht, aber es hält sich kein Mensch daran. Genauso wenig wie an die Verkehrsregel, dass nur zwei Personen auf einem Motorrad mitfahren dürfen. Ich habe schon fünfköpfige Familien auf einem einzigen Motorrad sitzen sehen – teils in flatternden, farbenfrohen und glitzernden Saris, aber alle ohne Helm. Oder: In Maharashtra, dem Bundesland, in dem Mumbai liegt, darf man zwar Alkohol trinken, während es in manchen anderen Gebieten verboten ist. Dafür braucht man aber theoretisch eine offizielle Erlaubnis. Die gibt es entweder für einen Tag, ein Jahr oder lebenslang. Nur fragt auch da niemand danach, die Regelung wird laut den Erzählungen der Inder eher genutzt, um für die Polizisten einen Nebenverdienst zu schaffen – im Gegenzug dafür, dass sie ein Auge zudrücken.


Was ich außerdem gelernt habe:

Saris im Laden (Bildquelle: e-fellows.net)

  • Wer eine Adresse sucht, bekommt möglicherweise einen Straßennamen mit Grundstücks- nummer von Google Maps. Das hilft nur leider nicht weiter, weil es keine Straßenschilder gibt und die Grundstücke zwar in der Tat nummeriert sind. Aber erstens steht das nirgendwo an den Gebäuden und zweitens gibt es zwar Nummern, aber das heißt noch lange nicht, dass die auch in geordneter Reihenfolge auftreten. Adressen werden mit Orientierungshilfen illustriert, man sagt "neben, gegenüber von, nahe bei…" irgendetwas Wiedererkennbarem. Eine normale Adresse wird also zum Beispiel vervollständigt mit "behind Intensity Gym opposite KFC".

  • Stufen einer Treppe müssen keineswegs alle dieselbe Höhe haben – das wäre doch langweilig, und so bleibt man außerdem viel aufmerksamer beim Treppensteigen!

  • Bücher in Buchläden sind nur grob nach Kategorie geordnet…wenn es ein besserer Laden ist. Sonst besteht ein Buchladen einfach aus einem Raum voller Regale bunt vollgestopft mit Büchern. Das "Nadel-im-Heuhaufen"-Prinzip.

  • Amazon gibt es nicht in Indien, und ich beginne zu verstehen, warum. Bei den hiesigen Online-Buchhändlern ist es erstaunlich normal, dass man dort Ware bestellt, die explizit als "lieferbar innerhalb von drei Tagen" angegeben ist. Zwei Wochen später bekommt man dann eine E-Mail, dass das Buch noch nicht aufgetrieben werden konnte, aber weiterhin gesucht wird. Und eine Woche später kommt dann die Nachricht: Sorry, wir kriegen’s nicht hin.

Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtet Melanie von ihrer Ankunft in Mumbai. Im zweiten Teil geht es um die Unterschiede von deutscher und indischer Arbeitsweise.

Tagebuch (Roche): Frieren bei 30 Grad und indisches Multitasking

Freitag, den 4. März 2011
Tagebuch

Europäer sind komische Wesen: Sie trinken in Flaschen abgefülltes Trinkwasser, planen Besprechungen im Voraus und haben keine Ahnung von indischem Multitasking. Melanie erlebt bei ihrem Auslandsprojekt für Roche in Mumbai, wie unterschiedlich die Arbeitsweise in Deutschland und in Indien ist – und ebenso das Temperaturempfinden.

"So schützen Sie sich vor Erkältungen!" – "Wettervorhersagen sprechen von anhaltender Kälte bis nächste Woche!" – "Große Auswahl an Wollpullovern und warmer Unterwäsche!": Amüsiert lese ich in den ersten Wochen meines Aufenthalts in Mumbai in der Zeitung, dass anscheinend gerade ein recht kalter Winter herrscht, überall niesen und husten die Leute. Klar, wenn man die "frischen" 15 Grad nachts und 30 Grad tagsüber nicht gewöhnt ist …

Wenn ich erzähle, dass in Deutschland Schnee liegt, bekomme ich nur unsicheres Nicken als Antwort. Für die Leute hier ist das schwer vorstellbar; echten Schnee gesehen oder Temperaturen unter dem Gefrierpunkt erlebt haben die wenigsten. Ich dagegen habe mich längst an das milde Klima gewöhnt und kann ein erstes Fazit von Mumbai ziehen: Es ist unglaublich laut, dreckig, voll, bunt, vielfältig, chaotisch … und funktioniert trotzdem irgendwie. Noch habe ich allerdings keine Ahnung, wie.

Die eigenartigen Verhaltensweisen des Europäers
Ich betrachte das Durcheinander staunend, manchmal auch irritiert, und bin noch viel zu oft darauf angewiesen, dass man mich als Ausländerin erkennt und mir Sachen erklärt, einfach einen Bogen um mich macht, wenn ich irgendwo im Weg stehe oder es mir verzeiht, wenn ich Dinge tue, die aus indischer Sicht zweifellos seltsam sind.

Wassertank in Mumbai auf der StraßeZum Beispiel: Desinfektionsmittel für meine Hände verwenden. Auf in Flaschen abgefülltes Trinkwasser bestehen. Ungefähr doppelt so schnell gehen wie alle anderen vor sich hin schlurfenden Leute. Meine Ruhe vor übereifrigen Verkäufern haben wollen, wenn ich Waren in einem Laden anschaue. Mich als einzige Frau durch das Gewühl am Ticketschalter nach vorne kämpfen – der Überraschungseffekt scheint hier zu helfen.

Und auch bei der Arbeit wirkt mein Verhalten offensichtlich manchmal befremdlich: Ich plane Besprechungen im Voraus und bereite sie vor. Ich arbeite eigenständig, ohne ständig Rücksprache mit dem Kollegen zu halten – außer es ist nötig. Ich unterbreche eine Unterhaltung nicht sofort, wenn mich jemand anruft.

e-fellow-Melanie-Roche-IndienMelanie (28) studierte Medien- und Kommunikationsmanagement in Stuttgart. Anschließend machte sie einen Master in Diplomacy & International Relations und einen MBA in den USA. Vor anderthalb Jahren stieg sie ins Management-Start-Up-Programm von Roche ein und arbeitet zurzeit in Mumbai, Indien.

Indisches Multitasking im Büro
Die Arbeitsweise ist hier quasi das Gegenteil von linear … Multitasking in Reinform! Da werden locker fünf, sechs Themen innerhalb von fünf Minuten angefasst, dann kommt ein Schwätzchen mit einem Kollegen dazwischen, das Handy klingelt – und der Anruf hat immer Priorität! Während man schnell am Computer die Fotos vom Baby der Kollegin anschaut, kommen drei E-Mails rein und wollen Aufmerksamkeit, wegen zweien werden direkt wieder Telefongespräche geführt, die wiederum an eine andere Aufgabe erinnern. Aber dann kommt der Kollege vorbei und will jetzt sein Thema besprechen, was man natürlich macht, auch wenn man alle paar Minuten wieder vom Handy unterbrochen wird …

So wursteln sich die indischen Kollegen im lärmenden Großraumbüro durch den Tag. Und kriegen, das ist der Clou, ihre Aufgaben durchaus erledigt. Ab und zu fällt mal was unter den Tisch, aber wenn keiner danach fragt, war's ja bestimmt auch nicht wichtig. Stimmt hier auch meistens. Das bedeutet aber, dass man, wenn man etwas erledigt haben möchte, besser regelmäßig nachfragt, sonst rutscht die Aufgabe im To-Do-Stapel der Prioritäten immer weiter nach unten und wird nie fertig. Ich stelle fest, dass ich zwar meistens deutlich besser vorbereitet bin als meine Kollegen, dafür komme ich mir aber auch fast schon unflexibel vor.

Hindu-Gottheiten, Süßigkeiten und die Hürden des Alltags
An den Wochenenden erkunde ich die Stadt und habe ein paar Must Sees in Mumbai gefunden: Gateway of India, Marine Drive und Juhu Beach. Ein Kollege hat mich auf einen Ausflug zu den Elephanta Caves mitgenommen. Auf einer Insel vor Mumbai gibt es in den Fels gemeißelte Höhlen mit großen, in den Stein gehauenen Skulpturen von Hindu-Gottheiten. Oben auf dem Hügel stehen noch zwei alte britische Kanonen aus Kolonialzeiten. Paviane springen herum, und es ist so schön ruhig dort im Vergleich zum ständigen Gehupe und Getöse in der Stadt …

Es gibt natürlich enorm viele Souvenirverkäufer, die hoffnungslos überteuerte Ware anbieten. Wir haben mal ausprobiert, welchen Preis sie meinem Kollegen (Inder, fragt auf Hindi) und mir (Ausländerin, fragt auf Englisch) für das selbe Produkt nennen. Das waren mal schnell 75 Prozent mehr. Aber auch der reguläre Eintrittspreis für die Höhlen war laut Schild 100 Rupien für Inder und 250 Rupien für Ausländer. Unglaublich!

Mich haben dort auch immer wieder indische Besucher fotografiert – manchmal heimlich, manchmal auch ganz ungeniert, und mein Kollege wurde mehrfach gefragt, ob man mit seiner Begleitung Fotos machen dürfe? Es war ihm sichtlich unangenehm, mir das zu erklären: Man kann anhand des Fotos mit einer Europäerin anscheinend tolle Geschichten für die Kumpels zu Hause erfinden…

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Auch sonst lerne ich gefühlt bei jedem Schritt etwas Neues. Zum Beispiel:

  • Wie erwartet ist das Essen in Indien lecker und fast immer scharf. Die Basis vieler Süßigkeiten sind geklärte Butter und Zucker, dementsprechend lecker und gehaltvoll sind sie auch. Und die kleinen Päckchen aus grünen Blättern heißen Paan, sind essbar und mit leckeren, süßen Sachen gefüllt.

  • Straßenverkäufer in Mumbai

  • Wenn man etwas am Straßenrand kauft, handelt man den Verkäufer auf bis zu 30 Prozent vom Anfangspreis runter (auch wenn die Händler sich mit Sicherheit an mir immer noch eine goldene Nase verdienen).

  • Ausgefeilte Tricks von Bettlern kann ich allmählich durchschauen – die Armut ist schon extrem hier und die Not macht offensichtlich kreativ. An der Straßenecke vom Büro bettelt zum Beispiel eine Frau, die laut meinen Kollegen seit ungefähr drei Jahren immer gleich "schwanger" ist.

  • Ich fahre mit der Rikscha und werde nicht mehr beim Preis übers Ohr gehauen – die Taxometer sind mechanisch und können nicht auf den aktuellen Stand gebracht werden, deshalb gibt es eine Art Übersetzungstabelle zum richtigen Preis. Zwei Rupien auf dem Taxometer entsprechen also 24 Rupien in echt. Der Trick ist, diese Tabelle zu kennen, sonst sagen die Fahrer einem, was ihnen grade passt. Oder sie manipulieren die Taxometer, weil ein Ausländer ja bestimmt nicht weiß, wie viel die Strecke kosten sollte.

  • Ich habe Zugfahren ausprobiert: Das kann erstaunlich schwierig sein, auch wenn man's nicht glauben würde. Das fängt schon an beim Kaufen desTickets (Wo? Welches? Nein, ich spreche kein Hindi!). Und geht weiter mit dem Finden des Gleises (nummeriert, aber wer kann denn ahnen, dass Bahnsteig 6 ein Sub-Bahnsteig von Gleis 11 ist und nur über eine Brücke zugänglich – nicht ausgeschildert, natürlich) und dem Identifizieren des richtigen Zugs und so weiter. Mit westlichem Sicherheitsdenken im Kopf beobachte ich schockiert, dass Inder auch durchaus auf einen schon anfahrenden Zug aufspringen. Das geht, weil es ja keine Türen gibt – oder Fensterscheiben. Dafür aber Gitter vor den Fenstern, damit da niemand ein- und aussteigt. Warum irgendjemand auf die Idee kommen sollte? Zur Rush Hour wäre das mit Sicherheit eine Option, schließlich sind die Züge dann so überfüllt, dass sogar Leute auf dem Dach mitfahren.

  • "Ja" heißt hier nicht Nicken, sondern Kopfwackeln. Sieht lustig aus, und kann ich noch nicht. Das Nicken kommt viel zu automatisch!

Und die einfachsten Dinge können eine Herausforderung darstellen: Wo kaufe ich sowas Simples wie … Shampoo? So etwas wie einen Supermarkt, Drogerie, Tante-Emma-Laden wird es doch geben? Nach einigem Suchen habe ich tatsächlich einen halbwegs westlichen Supermarkt gefunden, aber dieses Konzept kommt hier grade erst auf, erklärt man mir. Aber es gibt Märkte! Da kann man auch Shampoo kaufen – für den Preis, den man eben aushandelt.

Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtet Melanie von ihrer Ankunft in Mumbai und von indischer Tarnkleidung.

Tagebuch (Teach First Deutschland): Hühnerherzen für künftige Neurochirurgen – Christinas letztes Halbjahr an der Hauptschule

Montag, den 21. Februar 2011
Tagebuch

Für Christina ist das letzte halbe Jahr als Lehrkraft angebrochen. Aus der Ruhe bringen lässt sie sich inzwischen kaum mehr, weder von der "Null-Bock"-Haltung mancher Schüler, noch von schwangeren Neuntklässlerinnen. Stattdessen plant sie ein Basketball-Turnier und seziert mit ihren Siebtklässlern im Forscherclub Hühnerherzen.

Montag, 7. Februar 2011
7.30 Uhr: Der Wecker klingelt und signalisiert mir unüberhörbar, dass die Ferien nun definitiv vorbei sind. Ferien? Ja, genau, in Berlin gibt es tatsächlich Anfang Februar eine Woche Winterferien, um sich auf diversen Skipisten auszutoben. Ich habe mich in diesem Jahr allerdings für die weniger gefährliche Variante entschieden und eine erholsame Zeit in Berlin verbracht. Nach einem starken Kaffee starte ich jetzt voller Energie in die neue Woche!

Ein Blick auf den Kalender verrät mir, dass ich nun tatsächlich in das letzte Halbjahr meines Einsatzes für Teach First Deutschland starte. Wie bitte? In das letzte Halbjahr? Wo ist denn bloß die Zeit geblieben? In Gedanken versunken steige ich in die Bahn und schaue aus dem Fenster. An mir rasen nicht nur Berlin-Pankow, sondern auch die letzten eineinhalb Jahre meines Schuleinsatzes vorbei.

Christina Tagebuch Teach Firste-fellows.net-Alumna Christina (27) hat ihr Masterstudium in Molekularer Medizin an der Humboldt-Universität in Berlin beendet. Doch bevor sie den Laborkittel anzieht, setzt sie sich mit aller Energie für etwas anderes ein: Als Fellow von Teach First Deutschland unterstützt sie Schülerinnen und Schüler an Schulen in sozialen Brennpunkten.

Wir sind in ein neues Schulgebäude umgezogen, ein logistisches Meisterwerk! Außerdem ist die Schule nun mittlerweile von einer integrierten Hauptschule zu einer integrierten Sekundarschule geworden. Die neuen 7. Klassen werden als Ganztagesschule geführt und laufen neben den 8., 9. und 10. Klassen der Hauptschule.

Zwei Schultypen unter einem Dach, so richtig vorstellen konnte sich diese Umsetzung im letzten Jahr niemand. Aber: Es funktioniert und mittlerweile läuft der Schulalltag routiniert ab. Nun leite ich in Kooperation mit einem Schülerlabor den Max-Forscherclub für Siebtklässler und unterrichte neben allen 9. Klassen auch die 10. Klassen in Biologie.

An der Schule angekommen kopiere ich noch schnell die vorbereiteten Arbeitsblätter und starte dann in die dritte Stunde: Biologie in der 10.3. Adrenalinschübe und damit verbundene Aufregung vor den Stunden sind mittlerweile Geschichte. Ich fühle mich sicher, habe in allen Klassen Regeln und Rituale eingeführt und freue mich auf die Stunden. Ein Zeichen für die fortschreitende Metamorphose zur Lehrerin?!

Nach einer kurzen Wiederholung lasse ich die Schüler einen Test zum Thema Vererbung schreiben. Es freut mich sehr zu sehen, dass alle scheinbar ganz gut damit zurechtkommen. In den nächsten zwei Stunden unterrichte ich die anderen beiden 10. Klassen. So stehe ich am Ende der fünften Stunde mit einem Haufen noch unkorrigierter Bio-Tests in dem kleinen Bio-Vorbereitungsraum.

Was ist Teach First?
Teach First Deutschland schafft bessere Bildungschancen für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Die gemeinnützige Initiative fördert Schüler mit schlechten Startbedingungen, indem sie Absolventen aller Fachrichtungen mit sehr guten Noten vor dem Jobeinstieg zwei Jahre als zusätzliche Lehrkräfte (Fellows) an Hauptschulen schickt. Mehr zum Programm erfährst du in der Teach First Deutschland-Gruppe.

In den 10. Klassen wird nun immer deutlicher, dass einige wenige hochmotiviert sind, einen bestmöglichen Abschluss zu bekommen, um ihren gewünschten Ausbildungsplatz antreten zu können oder an einem Oberstufenzentrum ihren Mittleren Schulabschluss (MSA) oder sogar das Fachabitur nachzuholen.

Die meisten haben allerdings noch keinen Ausbildungsplatz oder auch nur eine Ahnung, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll. Sie bewegen sich zwischen Angst und Gleichgültigkeit im Hinblick auf ihre Zukunft. Äußern tut sich das dann in absoluter "Null-Bock-Haltung" im Unterricht. Auch Tests werden da einfach nicht ausgefüllt. "Eine 6 mehr oder weniger ist ja auch egal!" Egal? Nein, ist es nicht! Ich beschließe, einige dieser Schüler vor der nächsten Stunde in einem persönlichen Gespräch zu motivieren.

Nach einer kurzen Pause treffe ich mich mit einer Schülerin der 10. Klasse, die ich einmal die Woche coache. Sie will den MSA machen und ich bereite sie gezielt auf die Prüfung vor. Anschließend heißt es schnell in die Bahn und ab nach Hause, denn dort wartet auch schon Lea*, die von mir in Englisch, Physik und bei Bewerbungen unterstützt wird. Als ich sie vor der Tür treffe und sie mir auf die Frage, wie es ihr geht nur ein "Scheiße!" entgegenschmettert, ist mir klar, dass es heute mal wieder um viel mehr als nur um Bildung gehen wird …

Dienstag, 8. Februar 2011
Bio und Sport! Der Dienstag ist ein sehr kurzer Tag. Um 8.45 Uhr stehe ich vor der Klasse 9.3 und schreibe das heutige Thema an die Tafel: Der Menstruationszyklus. Die Reaktionen reichen von "Ieeehh!" über "Warum müssen wir so'n Scheiß denn wissen?" bis hin zu aufmerksamem Schweigen.

Nachdem ich im letzten Jahr diverse disziplinarische Methoden versucht habe, habe ich nun folgendes System in allen meinen Klassen eingeführt: Zu Beginn der Stunden hänge ich einen Pappstreifen mit allen Namen der Klasse an die Tafel. Im Verlauf der Stunde schreibe ich hinter die Namen entweder Plus- oder Minuszeichen für gute Mitarbeit oder Störungen.

So bekommen die Schüler immer unmittelbares Feedback, werden zeitnah positiv bestärkt und sehen auch sofort, wenn sie gestört haben. Im letzten Fall erspare ich mir alle Diskussionen und Bestrafungen während des Unterrichts. Die Schüler wissen, dass sie sich nur zwei Minuszeichen erlauben dürfen und beim dritten Minus einen Elternanruf und die Stundennote 6 bekommen. Dieses System ist für alle Schüler transparent und es entwickelt sich teilweise sogar ein richtiger Wettkampf, wer am Ende der Stunde die meisten Pluszeichen bekommen hat.

So verläuft auch diese Stunde ohne besondere Vorkommnisse. Gerade beim Thema Sexualkunde ist es mir wichtig, dass die Stunden in einer angenehmen Atmosphäre ablaufen, damit die Schüler sich trauen, alle Fragen zu stellen und bereit sind zu lernen. Eine der Schülerinnen ist bereits Mutter, eine zweite erwartet im Sommer Zwillinge. Es ist echt erstaunlich, wie wenig die Schüler über Zusammenhänge zwischen Menstruation und Schwangerschaft wissen, aber ich freue mich über jede Frage! Mit einem guten Gefühl gehe ich in die Sporthalle und spiele Badminton mit den Schülern. Ein guter Tag!

Mittwoch, 9. Februar 2011

Mittwochs unterstütze ich in den ersten zwei Stunden den Förderkurs Englisch für acht Schüler aus den 10. Klassen, die den MSA machen wollen. Meine Rolle dabei ist die Förderung des Hörverstehens. Ich schreibe jede Woche einen Text, den ich vorlese und zu dem die Schüler Aufgaben im Stil der Prüfungsaufgaben bearbeiten müssen. Anschließend betreue ich die Siebener im Mittagsband.

Das Mittagsband umfasst an Ganztagesschulen die Zeit zwischen den schulischen Angeboten des Vormittages und denen des Nachmittags. Es soll eine Erholungspause sein, während der die Schüler essen, aus verschiedenen betreuten Angeboten wie Spielen, Sport oder AGs wählen oder sich selbst beschäftigen können. Ich spiele das Kartenspiel "Tabu" mit den Kids. Sie sind voll dabei und haben jede Menge Spaß.

In dieser Zeit merke ich immer wieder, wie gut es den Schülern tut, wenn man sich Zeit für sie nimmt, sich für sie und ihre Erlebnisse, Sorgen und Probleme interessiert und ihnen respektvoll gegenüber tritt. Zum Schluss geht es auch heute wieder in die Sporthalle, in der knapp 20 Siebener zur Basketball-AG kommen. Einige sind mittlerweile richtig gut geworden, aber auch schwächere Schüler trauen sich immer mehr. Ich plane momentan mit einem Teach First-Fellow aus Hamburg ein kleines Basketball-Turnier. Die Schüler können es kaum erwarten – und ich auch nicht!

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Donnerstag, 10. Februar 2011
Vormittags unterrichte ich Sport in der 8. und Bio in der 9. Klasse. Nach der Mittagspause mache ich mich zusammen mit sieben Schülern des Max-Forscherclubs auf den Weg ins "Gläserne Labor", ein Schülerlabor nicht weit von der Schule, zu dem ich eine Kooperation aufbauen konnte. Schon den ganzen Tag über habe ich mich auf diesen Moment gefreut.

Einmal die Woche verbringt unsere Gruppe zwei Stunden im "Gläsernen Labor". Auch zwei Schüler des benachbarten Gymnasiums gehören zum Forscherclub. Heute wollen wir mit einem neuen Thema beginnen: dem Herzen! Wie ist es aufgebaut? Was ist die Funktion der einzelnen Bestandteile? Dazu werden wir Hühnerherzen sezieren. Ich bin gespannt, wie die Schüler mit dieser Aufgabe umgehen.

Nachdem alle ihre Forscherkittel angezogen haben, geht es auch schon los. "Wir sezieren heute ein Hühnerherz!", verkünde ich. "Wie cool!", "Voll geil!", "Das wollte ich schon immer mal machen, denn das muss ich als Tierarzt ja schließlich auch können!" Als Tierarzt? Wow, ich bin sehr beeindruckt, denn ich habe nicht damit gerechnet, dass ein Siebtklässler bereits so konkrete Pläne hat. "Ja, da musst du das auf jeden Fall können! Für mich als Neurochirurg wird das nicht so wichtig sein!" Jetzt bin ich total baff. Als Neurochirurg? Das ist ja der Hammer! Hier macht sich der neue Schultyp dann doch bemerkbar. Auf der Sekundarschule sind im Gegensatz zur Hauptschule auch stärkere Schüler mit Potenzial zum Abitur.

Die Kids legen sofort los und arbeiten mit akribischer Sorgfalt an ihren Präparaten. "Wie cool!", höre ich immer wieder aus verschiedenen Ecken. Sie überschlagen sich fast, mir ihre Präparationsschritte zu zeigen und sind sichtlich stolz auf ihre "Operationen". Das anspruchsvolle Arbeitsblatt füllt sich fast wie von selber aus. Es ist klasse zu sehen, dass das Konzept "Learning by doing" voll aufgeht!

Freitag, 11. Februar 2011
Noch einmal Bio in der 9. Klasse. Auch hier läuft alles nach Plan. Die Woche endet mit der Basketball-AG für alle Klassen, in der wir mittlerweile richtig spielen. Ein Schüler, der gerade alle anderen Stunden schwänzt, taucht auf und ich bin froh ihn zu sehen. Ich gebe ihm während des Spielens so viel positives Feedback wie ich nur kann und merke, wie er richtig aufblüht und sein Selbstbewusstsein wächst. Eine gute Ausgangslage für ein Gespräch, denke ich.

Nach einiger Zeit schaffe ich es, ihn dazu zu bewegen, ab Montag wieder am Unterricht teilzunehmen. Ich verspreche ihm darüber hinaus, ein Lob für herausragendes Engagement in der Basketball-AG zu schreiben, das er seinem Klassenlehrer und den Betreuern in seiner Wohneinrichtung zeigen kann. Er strahlt! Ich hoffe, er schafft es, diese positive Energie übers Wochenende aufrecht zu erhalten und sie am Montag als Motivation zu nutzen, um zur Schule zu gehen.

Samstag, 12. Februar 2011
Die Woche ist noch nicht vorbei, denn heute haben alle Berliner und Hamburger Teach First Deutschland (TFD) Fellows einen Fortbildungstag zum Thema "Kommunikation und Verhandlungsführung in Organisationen". Nachdem die Fortbildungstage im ersten Einsatzjahr vorwiegend pädagogisch und didaktisch ausgerichtet waren, liegt der Fokus nun auf der Zeit nach TFD und unserer beruflichen Zukunft. Gerade beim Perspektivendinner am Abend lassen sich spannende und vielversprechende Kontakte zur Ashoka Jugendinitiative und BMW Stiftung knüpfen.

*Die Namen aller Schüler wurden geändert

Tagebuch (Roche): Aus dem Wintermantel in die indische Tarnkleidung – Melanie auf Projekt in Mumbai

Montag, den 14. Februar 2011
Tagebuch

Vorbereitung auf das nächste Projekt: Indische Kleidung als Tarnung kaufen und lernen, wie man Mittagessen auch ohne Hindi-Kenntnisse bestellt. Denn Melanie ist gerade in ihr Auslandsprojekt in Indien gestartet. Für das Management-Start-Up-Programm von Roche ist sie in Mumbai im Einsatz und analysiert die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung – was auch dazu führt, dass sie sich mit indischen Heiratsanzeigen beschäftigt.

Seit Sommer 2009 bin ich bei Roche Diagnostics in Mannheim Trainee im Management-Start-Up-Programm (MSU). Das ist ein Führungskräftenachwuchsprogramm, das den Teilnehmern zwei Jahre lang die Möglichkeit gibt, durch Projekte Erfahrungen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen zu sammeln. Ich selbst bin MSU-Trainee im Projektmanagement und habe in den vergangenen anderthalb Jahren im Bereich Personal gearbeitet und im Site Development ein Konzept für einen Site-Business-Plan entwickelt.

e-fellow-Melanie-Roche-IndienMelanie (28) studierte Medien- und Kommunikationsmanagement in Stuttgart. Anschließend machte sie einen Master in Diplomacy & International Relations und einen MBA in den USA. Vor anderthalb Jahren ist sie ins Management-Start-Up-Programm von Roche eingestiegen und arbeitet zurzeit in Mumbai, Indien.

Ein wichtiger Teil des MSU-Programms bei Roche ist ein Auslandsprojekt, um internationale Arbeitserfahrung zu sammeln und die kulturellen Unterschiede innerhalb der Roche-Gruppe kennen zu lernen. Schließlich beinhaltet die Arbeit bei einem so großen globalen Konzern wie Roche immer mehr auch Arbeit über Ländergrenzen hinweg – da ist diese Art von Erfahrung unbezahlbar. Deshalb geht jeder der MSU-Trainees für bis zu drei Monate zu einer Roche-Niederlassung ins Ausland und lernt die Arbeitsweise der Leute dort kennen, während er oder sie ein Projekt durchführt.

"Warum nach Indien, da kennst du dich doch gar nicht aus?" – "Eben!"
Die Möglichkeit, eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten, bietet natürlich viel tiefere Einblicke in das "richtige" Leben vor Ort, als ein Urlaub das jemals könnte. Deshalb wollte ich unbedingt in ein Land, das ich noch nicht kannte, um diese Chance auch voll zu nutzen. "USA? Danke, aber das kenne ich doch schon… gibt es nicht vielleicht etwas in Asien für mich?" Als dann das Angebot kam, knapp drei Monate nach Mumbai, Indien, zu gehen, sagte ich sofort zu.

Erste Eindrücke: Nicht jedes Klischee ist falsch
Mit dickem Wintermantel geht es im Januar in Frankfurt zum Flughafen. Dass der die nächsten drei Monate unbenutzt im Schrank hängen wird, ist klar! Bei meiner Ankunft mitten in der Nacht in Mumbai schlägt mir gleich die die feuchtwarme Luft der tropischen Nacht entgegen – zusammen mit einer Vielzahl der nicht nur angenehmen Gerüche, für die Mumbai geradezu berüchtigt ist.

Und schon am Gepäckband bekomme ich den ersten Vorgeschmack davon, dass Indien durchaus manchen (nicht allen!) Klischees entsprechen könnte. Trauben von Menschen um das Gepäckförderband, dicht an dicht, alle auch gleich direkt mit Gepäckwagen, den man dann später aber wegen des Gedränges da sowieso nicht rausbugsieren kann. Wer nach vorne will, muss sich durchschubsen. Aber Eile wäre ohnehin umsonst – die Koffer kommen in homöopathischen Dosen, der Strom fällt aus, das Gepäckband steht. Der Haufen Koffer, die plötzlich alle auf einmal auf dem Band liegen, verkeilt sich, das Gepäckband steht wieder. Und was krabbelt denn da? Ach, eigentlich will ich das gar nicht so genau wissen…

Marktstände (Bildquelle: e-fellows.net)

Ein indisches Outfit zur Tarnung
Die ersten zwei Tage kann ich mit Entdeckungstour verbringen, da ich direkt vor einem Wochenende angekommen bin. Mein erster Einkauf: Ein indisches Outfit. Erstens, weil es bei den Temperaturen viel angenehmer ist als westliche Kleidung, und auch, weil ich damit nicht ganz so viel angestarrt werde wie sonst. Hier gibt es zwar vergleichsweise viele Weiße, aber die fallen neben den vielen Millionen Indern wohl nicht besonders ins Gewicht, weshalb ich mit meiner hellen Haut und der westlichen Kleidung wie eine Jahrmarktsattraktion Blicke auf mich ziehe. Und während die Männer hier meist westlich gekleidet sind, sind die Frauen äußerst farbenfroh und glitzerig in traditioneller Kleidung unterwegs. In meinen neuen Salwar Kameez gewandet falle ich schon ein bisschen weniger auf!

Ihr erwartet hoffentlich nicht, dass ich mir 50 Namen auf einmal merken kann?!
Erster Arbeitstag: Zum Glück kann ich zu Fuß ins Büro gehen, das ist in Mumbai echter Luxus! Wobei auch der Fußweg seine Tücken hat, schließlich muss man sich durchschlängeln durch das Gewühl von Autos, LKWs, Bussen, Rikschas, Motorrädern, Fußgängern, Fahrrädern, Ochsenkarren, Straßenhunden, Ziegen, Hühnern und vereinzelt wirklich auch Kühen, die sich alle in ohrenbetäubendem Lärm kreuz und quer ihren Weg durch die Schlaglöcher bahnen.

Stand für frischgepressten Zuckerrohrsaft (Bildquelle: e-fellows.net)

Die Kollegen empfangen mich sehr nett, sind ausgesprochen hilfsbereit und nehmen sich viel Zeit, alles zu erklären, bei Bedarf auch mehrfach: Sowohl das Business hier als auch Indien und seine Kultur im Allgemeinen. Und das ist auch nötig, sogar beim Mittagessen-Bestellen brauche ich Hilfe. Was isst man in welcher Kombination? Und wie sage ich das dem Mann am Telefon, der kein Englisch spricht, dafür aber seine Antworten auf Hindi immer wieder wiederholt, wohl in der Hoffnung, dass ich ihn dann verstehe?

Sehr fürsorglich sind die Kollegen auch: Ich habe schon am Wochenende ein Handy gebracht bekommen und werde darauf immer mal wieder angerufen – wohl um zu prüfen, ob ich noch lebe? Das mag daran liegen, dass die Kollegen (etwas erschrocken) gehört haben, dass ich am Wochenende in Mumbai auf eigene Faust losgezogen war. Gleich am ersten Tag werden mir ungefähr 50 Leute vorgestellt. Die Gesichter merken ist kein Problem, aber die Namen… Das ist aber auch nicht ganz so einfach bei Namen wie Kinshuk, Vishnu, Sheweta.

Boomender Gesundheitsmarkt & "War for Talent" in Indien
Allmählich wird auch meine Vorstellung von dem HR-Projekt klarer, für das ich hergekommen bin. Ich soll die Ergebnisse einer Umfrage zur Zufriedenheit der Mitarbeiter in einem Roche-Geschäftsbereich untersuchen und korrigierende Maßnahmen für die Themen erarbeiten, in denen ich Verbesserungsbedarf sehe. Das verspricht spannend zu werden, verbinden sich doch in Indien unerhört hohe Zahlen in zweierlei Hinsicht: Der Gesundheitsmarkt wächst in dem boomenden Schwellenland rasant, aber auch der "War for Talent" um qualifizierte Beliebtes Wochenendvergnügen: Cricket im Park (Bildquelle: e-fellows.net) Arbeitskräfte tobt. Das große Angebot an verfügbaren Jobs und der Fokus der Angestellten auf individuelle Karriereentwicklung zeigt sich in eher geringer Loyalität zum Unternehmen. Deshalb ist die Fluktuation im Vergleich zu deutschen Verhältnissen enorm.

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Auch auffällig: Alle sind sehr jung. Die meisten sind zwischen 25 und 35, Kollegen über 50 gibt es kaum. Das hat wohl, erklärt man mir, damit zu tun, dass unser Standort in Indien erst ungefähr sechs Jahre lang besteht. Außerdem liegt das Durchschnittsalter der indischen Bevölkerung bei gerade mal 25 Jahren. Und drei der sechs Leute in meiner Abteilung hier heiraten dieses Jahr – alle drei Ehen sind von der Familie arrangiert, was hier nach wie vor völlig normal ist. Wer sich lustige, original indische, durch die Familien aufgegebene und nach Religion, Bildungs- oder Familienstand sortierte Heiratsannoncen angucken will: www.shadi.com oder www.communitymatrimony.com oder oder oder….

Im zweiten Teil ihres Tagebuch berichtet Melanie von den Unterschieden zwischen deutscher und indischer Arbeitsweise. Im dritten Teil geht es um ihre Interview-Reise durch Indien.

Tagebuch (Accenture): Paris – Mailand – Madrid – Das SAP-Training sitzt

Mittwoch, den 26. Januar 2011
Tagebuch

Dinner auf der Seine, Tapas in Madrid – was nach Urlaub klingt, ist die Arbeitswoche von Cherine bei Accenture. Na ja, zumindest ein Teil davon. Denn der eigentliche Grund für Cherines Europa-Tour sind die SAP-Trainings, die sie an verschiedenen Standorten gibt. Bei denen muss sie schon mal die Skepsis der Teilnehmer überwinden.

In den vergangenen zwei Monaten habe ich in meinem neuen Job bei Accenture weiterhin viel erlebt. Wie bereits angekündigt, fand das "Talent & Organization Performance (T&OP) Community Meeting" statt. Gemeinsam mit einer Kollegin organisierte ich dabei ein Get Together für alle T&OP-Analysts. Analyst ist das Einstiegslevel für Hochschulabsolventen im Management Consulting bei Accenture, danach folgen Consultant, Manager, Senior Manager und Senior Executive. Das Get Together war eine tolle Gelegenheit, die anderen Analysts kennenzulernen, sich über unsere erste Zeit bei Accenture auszutauschen und Erfahrungen zu teilen.

Im Anschluss fuhren wir gemeinsam zur Location für die Abendveranstaltung. Dort hatten wir die Gelegenheit, uns in ungezwungener Atmosphäre bei einem leckeren Buffet und Drinks mit weiteren T&OP-Kollegen zu unterhalten oder zuvor begonnene Gespräche untereinander fortzuführen. Alles in allem war es ein toller Abend, an dem ich nicht nur nette neue Kollegen kennenlernte, sondern auch alte Bekannte wieder traf, wie beispielsweise die Kollegin, die mich während meines ersten Praktikums bei Accenture betreute. Der zweite Tag des Community-Meetings begann morgens um 8.30 Uhr mit einem Business Update, gefolgt von weiteren spannenden internen Themen sowie einem interessanten Gastredner.

e-fellow CherineCherine (24) hat International Management an der ESB Business School Reutlingen studiert. Zwei Praktika bei Accenture führten sie schließlich ins Management Consulting des Unternehmens. In ihrem Tagebuch berichtet sie von ihrem Start ins Berufsleben.

Dinner auf der Seine
In der Woche nach dem Community-Meeting war ich zum zweiten Mal für mein Projekt in Paris. Dieses Mal gemeinsam mit vier weiteren Trainern, da innerhalb einer Woche insgesamt knapp 70 Teilnehmer geschult werden sollten. Mein persönliches Highlight war eine abendliche Dinner-Bootsfahrt auf der Seine, an der die gesamte Trainingsgruppe teilnahm. Auch in der kommenden Woche in Mailand hatten meine Kollegin und ich trotz des kurzen Aufenthalts von nur zwei Tagen die Gelegenheit, am Abend die Piazza del Duomo und das Castello Sforzesco zu besichtigen. Anschließend gingen wir Abendessen mit einigen Schulungsteilnehmern, die für uns die Bestellung übernahmen. Sie wollten garantieren, dass wir typisch italienische Spezialitäten probierten.

Erst Skepsis, dann positives Feedback
Danach habe ich wieder in Düsseldorf gearbeitet, wo ich mich hauptsächlich mit der Koordination von Trainings beschäftigte. Im Dezember habe ich dann erstmals ein Training in Deutschland gehalten. Trotz intensiver Vorbereitung war es für mich zu Beginn der Schulung noch ungewohnt, die Inhalte erstmals auf Deutsch und nicht wie zuvor auf Englisch zu vermitteln. Bereits nach dem ersten Trainingstag war die anfängliche Unsicherheit jedoch vergessen, und nach einer erfolgreichen Trainingswoche freute ich mich sehr über das durchweg positive Feedback der Teilnehmer, die dem neuen SAP-Tool anfangs noch sehr skeptisch gegenüber standen. Diese anfängliche Skepsis kannte ich schon von meinen vorherigen Trainings – mittlerweile kann ich damit immer besser umgehen. Letztendlich erstellten auch alle Teilnehmer in Düsseldorf nach der Schulung und der zweitätigen Support-Phase korrekte Sales Budgets im neuen Tool. Nicht nur für mich als Trainerin, sondern vor allem für die Teilnehmer selbst war das ein tolles Erfolgserlebnis.

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Abflug: Winterchaos – Ankunft: Madrid
Mein letztes Training gab ich schließlich in der Woche vor Weihnachten in Madrid. Fast hätte das Winterchaos am Flughafen Frankfurt meinen Einsatz verhindert, da am Tag meiner Abreise alle Flüge nach Madrid gestrichen wurden. Glücklicherweise waren die Annullierungen früh bekannt, so dass ich umbuchen und ab München fliegen konnte. Auch in Madrid verlief das Training reibungslos und die Teilnehmer waren nach den beiden ersten theoretischen Trainingstagen sehr gut in der Lage, mit dem neuen Tool zu arbeiten. Ein Abend in einem traditionellen Tapas-Restaurant mit anschließender Flamenco-Darbietung diente am dritten Tag als Ausgleich und als Gelegenheit für einen persönlichen Austausch mit den Teilnehmern. Der vierte und letzte Trainingstag war gleichzeitig auch mein letzter Arbeitstag für das Projekt unseres Düsseldorfer Kunden, da mein Einsatz mit dem Training in Madrid endete.

Mein nächster Projekteinsatz führt mich nach Erlangen. Dort werde ich ein Projekt bei der Trainingsentwicklung unterstützen. Ich bin sehr gespannt, welche neuen Aufgaben und Herausforderungen mich dort erwarten und freue mich auf die neuen Erfahrungen.

Im zweiten Tagebuch-Eintrag berichtete Cherine von ihrer Fahrt auf dem Motorrad-Taxi durch Paris.

Tagebuch (Freshfields): Kartellrecht und Kölsch in Brüssel

Dienstag, den 18. Januar 2011
Tagebuch

Juristen kommen ja nicht ganz so leicht ins Ausland. Aber im Referendariat funktioniert das: Merit zum Beispiel arbeitet als Referendarin im Brüsseler Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer mit. Dort geht es vor allem um Kartell- und Wettbewerbsrecht – denn Institutionen wie die Europäische Kommission oder das Europäische Parlament sind nahe. Trotzdem kommt die Heimat nicht zu kurz: Gefeiert wird in der Kanzlei mit Original Kölsch.

Seit gut einem Monat arbeite ich als Referendarin auf Wahlstation im Brüsseler Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer LLP. Den größten Teil der Brüsseler Praxis macht die sogenannte ACT-Praxisgruppe (Antitrust, Competition und Trade) aus. Grund dafür ist die geographische Nähe zu den maßgeblichen europäischen Institutionen, insbesondere der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament. Dabei agieren die Anwälte des Brüsseler Büros in wettbewerbs- und kartellrechtlichen Fällen jeweils als Koordinator für alle multinationalen Fragen, die im Zusammenhang mit Unternehmensfusionen oder anderen Vereinbarungen auftreten.

Merit ist Referendarin bei Freshfields [Bildquelle: e-fellows.net]Merit (28) studierte in Hamburg Jura. Seit Dezember 2010 ist sie Referendarin bei Freshfields Bruckhaus Deringer in Brüssel. Nachdem sie in der Wettbewerbsdirektion der EU-Kommission gearbeitet hatte, wollte sie unbedingt auch die andere Seite kennenlernen.

Internationales Arbeitsklima in Brüssel
Meine Entscheidung für Brüssel und für Freshfields habe ich ganz bewusst getroffen. Zunächst zu Brüssel – entweder man liebt die Stadt oder man hasst sie. Das wurde mir zumindest vor meiner Ankunft prophezeit. Lieben tut man Brüssel für das köstliche Essen, die internationale Atmosphäre, das internationale Arbeitsklima und die Herausforderungen, die damit verbunden sind. Hassen kann man Brüssel für die chaotischen Straßenverkehrsverhältnisse, die ungeräumten Gehwege im Winter und die hohe Kriminalitätsrate. Insgesamt überwiegen jedoch mit Abstand die positiven Seiten der Stadt. Brüssel ist in Europa neben London und Paris eine der wenigen Städte mit internationalem Arbeitsumfeld, in der man auch als deutscher Jurist mit offenen Armen aufgenommen wird. Aufgrund der ansässigen europäischen Institutionen ist zudem für die nötige Verbindung zu Politik und Gesellschaft gesorgt, deren Einfluss man auch als Jurist nie unterschätzen darf.

Auf der anderen Seite des Tisches
Nun zu Freshfields – eine der führenden Kanzleien im Wettbewerbs- und Kartellrecht in Europa. Nachdem ich meine Verwaltungsstation bei der Wettbewerbsdirektion der EU-Kommission absolviert hatte, wollte ich unbedingt auch auf der anderen Seite des Tisches Erfahrung sammeln. Vom Brüsseler Freshfields-Büro hatte ich im Vorfeld viel Positives gehört und mich deshalb dort für die Wahlstation beworben. Besonders gereizt haben mich das internationale Team und die Zusammenarbeit mit jungen Anwälten aus ganz Europa.

Dürfen Wettbewerber Informationen austauschen?
Neben kleineren Recherchearbeiten habe ich mich in den ersten Wochen hauptsächlich mit Fragen zur Zulässigkeit von Informationsaustauschen zwischen Wettbewerbern befasst. Dabei wurde mir ein kleiner Sachverhalt geschildert, den ich dann in Form eines Vermerks unter wettbewerbsrechtlichen Aspekten begutachten sollte. Dafür bekam ich ausreichend Zeit und konnte mich mit Kollegen und anderen Referendaren austauschen. Zudem ist man bei allen Aufgaben, die man erledigen muss, aufgrund der gut ausgestatteten, hauseigenen Bibliothek bestens gerüstet. Arbeitssprache ist sowohl Englisch als auch Deutsch.

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Hollywood-Weihnachtsfeier mit Kölsch
Gut eine Woche nach meinem Start stand die jährliche Weihnachtsfeier des Brüsseler Freshfields-Büros an. Die Kollegen haben mich freundlich aufgenommen und das ganze Büro hat ausgelassen gefeiert. Thema der Weihnachtsfeier war "Hollywood" und der Abend war professionell organisiert. Doch bei einer Weihnachtsfeier blieb es nicht. Kurz darauf folgte dann eine weitere weihnachtliche Zusammenkunft, bei der traditionell in einem der Stockwerke des Büros mit Kölsch Bier und Kartoffelsalat – eigens aus Köln angeliefert – gefeiert wird. So konnte ich mich wunderbar bei einem Glas Kölsch mit den vielen neuen Kollegen bekannt machen.

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