Archiv der Kategorie 'Tagebuch'

Tagebuch (Hengeler Mueller): Zwischen Aktennotiz und Unternehmenskauf (3. Teil)

Mittwoch, den 15. Mai 2013
Tagebuch

Die Gesichter werden vertrauter, das Verirren in den Büros seltener – mittlerweile hat sich Frühjahrspraktikantin Elisabeth schon gut bei Hengeler Mueller eingelebt. Zusammen mit einem jungen Anwalt berät sie einen Mandanten – und erlebt dabei vom Mandantenanruf bis zur Übergabe des Ergebnisses jeden Arbeitsschritt mit.

In der dritten Praktikumswoche bei Hengeler Mueller ist ein bisschen Alltag und damit auch Ruhe eingekehrt in mein Praktikantenleben. Auf der Suche nach der Kaffeemaschine oder nach einzelnen Anwaltsbüros verlaufe ich mich immer seltener, auf dem Flur erkenne ich schon viele Gesichter und ich betrete die schicken Büroräume am Morgen immer selbstverständlicher. Nur mein Namensgedächtnis scheint von meinem fortschreitenden Einleben bei Hengeler Mueller leider noch nichts mitbekommen zu haben – bis jetzt habe ich das aber mit einem umso freundlicheren "Guten Morgen" und einem netten Lächeln (hoffentlich) gut überspielen können.

Elisabeth [Quelle: Hengeler Mueller]Elisabeth (24) hat von 2008 bis 2011 ihren Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim absolviert. Seit 2011 studiert sie Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Momentan macht sie ein Frühjahrspraktikum bei Hengeler Mueller.

Am Dienstagmorgen fand das dritte Corporate Breakfast statt, dieses Mal zum Thema "Öffentliches Recht". Der Vortrag war besonders durch die vielen Praxisbeispiele aus vergangenen und aktuellen Mandaten sehr interessant. Abgesehen von einem weiteren Corporate Breakfast am Freitag zum Thema M&A habe ich diese Woche vor allem die Aufgaben der Tutoren erledigt und zusammen mit meinem Team an der Fallstudie zum Unternehmenskauf gearbeitet.

Ein neues und lehrreiches Mandat
Eine der größeren Aufgaben bekam ich von einem recht jungen Anwalt, der selbst erst vor kurzem das 2. Staatsexamen absolviert hat. Für ihn war das Mandat genau so neu wie für mich und es war sehr lehrreich zu beobachten, wie strukturiert er sich in die neue Thematik einarbeitete. Es ging um eine kurze Notiz für einen Mandanten, der uns eine juristische Frage zu einem älteren Vertrag gestellt hatte. Ich sollte einen Teilaspekt dieser Notiz recherchieren und verfassen. Diese Aufgabe war spannend, weil ich vom ersten Mandantenanruf bis zur Übergabe des Ergebnisses jeden Schritt mitverfolgen konnte.

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Hilfe vom Anwalt
Ansonsten bearbeitete ich noch kleinere Rechercheaufgaben und beschäftigte mich, soweit es die Zeit zuließ, mit meinen Kollegen mit der Fallstudie zum Unternehmenskauf. Gemeinsam sollten wir einen Unternehmenskaufvertrag überarbeiten und mit käuferfreundlichen Anmerkungen versehen. Da der betreuende Anwalt uns netterweise schon auf die zentralen Probleme des Kaufvertrages hingewiesen hatte, war die Aufgabe mit Hilfe eines Handbuchs für Vertragsklauseln gut zu bewältigen.

Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtete Elisabeth von dem Start ihres Frühjahrspraktikums, im zweiten Teil von einer Verhandlung, die großes Medieninteresse weckt.

Tagebuch (Hengeler Mueller): Wow, unser Mandant ist im Fernsehen! (2. Teil)

Donnerstag, den 25. April 2013
Tagebuch

Beinahe wäre Elisabeth ins Fernsehen gekommen – denn sie darf an einer Gerichtsverhandlung mit einem prominenten Mandaten teilnehmen. In ihrer zweiten Woche im Frühjahrspraktikum bei Hengeler Mueller ist sie außerdem bei einer Due-Diligence-Verhandlung dabei und kocht zusammen mit ihren Kollegen ein Vier-Gänge-Menü.

Schon ist die zweite Woche meines Praktikums bei Hengeler Mueller vorbei. Im Gegensatz zur ersten Woche ging es dieses Mal vor allen Dingen inhaltlich richtig zur Sache: Telefonkonferenzen, "echte" Konferenzen, ein medienwirksamer Gerichtstermin – aber auch das Rahmenprogramm hatte wieder einiges zu bieten.

Elisabeth [Quelle: Hengeler Mueller]Elisabeth (24) hat von 2008 bis 2011 ihren Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim absolviert. Seit 2011 studiert sie Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Momentan macht sie ein Frühjahrspraktikum bei Hengeler Mueller.

Am Montagmorgen ging es spannend los. Ich durfte an einem richtig großen Meeting mit einem Mandanten und seinen Due-Diligence-Beratern teilnehmen. Die verschiedenen von den Beratern verfassten Berichte wurden zunächst in der großen Runde und dann in Kleingruppen diskutiert und ergänzt.

Aufeinander trafen Investmentbanker, Wirtschaftsprüfer, Versicherungsvertreter, technische Berater, Vertreter des Mandanten selbst und natürlich die Anwälte. Für mich war es sehr spannend, einen Eindruck vom Ablauf eines solchen komplexen Meetings zu bekommen, weil wir in der Woche zuvor bei unserer M&A-Fallstudie einiges über die theoretischen Grundlagen eines Due-Diligence-Verfahrens gelernt hatten.

Corporate Breakfast und Gerichtsverhandlung
Am Dienstagmorgen fand wieder ein Corporate Breakfast statt, dieses Mal zum Thema Kartellrecht. Da ich während des Praktikums diesem Bereich zugeordnet bin, war der Vortrag besonders lehrreich. Anschließend nahm ich an einer Telefonkonferenz teil, in der das Meeting vom Vortag nachbereitet wurde. Den Rest des Tages bereitete ich mich auf die Gerichtsverhandlung vor, zu der ich am nächsten Tag mitfahren sollte.

Am Mittwoch war ich dann den ganzen Tag bei der Gerichtsverhandlung am Oberlandesgericht Düsseldorf. Da das Thema der Verhandlung großes Medieninteresse geweckt hat, fand ich mich auf den Zuschauerplätzen inmitten einer Gruppe von Journalisten wieder, die genauso fleißig mitschrieben wie ich. Denn ich war mit der Aufgabe betraut worden, ein Verhandlungsprotokoll zu erstellen, und versuchte, kein Wort zu verpassen – es könnte ja wichtig sein.

Kaffeepausen mit dem Mandanten
Fast noch interessanter als die Gerichtsverhandlung selbst waren für mich die Kaffeepausen und das Mittagessen mit dem Mandanten und den beiden Anwälten von Hengeler Mueller. Die Gespräche über die Eindrücke von dem Verfahren und die geplante Strategie ermöglichte mir, die Perspektive des Mandanten besser zu verstehen.

Auftritt in den Abendnachrichten verpasst
Als wir nachmittags aus der Verhandlung kamen, wartete schon das Fernsehen und bat den Mandanten um ein Interview. Es war schon etwas Besonderes, abends in den Nachrichten einen Bericht über das Urteil mit einer Stellungnahme des Mandanten zu sehen, mit dem ich wenige Stunden vorher noch zu Mittag gegessen hatte. Inzwischen habe ich dem ZDF auch verziehen, dass sie mich aus dem Bild geschnitten haben.

Der Donnerstag war wieder gut gefüllt mit dem Praktikanten-Rahmenprogramm. Morgens fand die nächste Sitzung zur Fallstudie "Unternehmenskauf" statt, in der wir unsere Ergebnisse der vergangenen Woche diskutierten und Grundzüge über Unternehmenskaufverträge lernten.

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Ein juristisches Vier-Gänge-Menü
Nachmittags versuchte ich verzweifelt, aus meinen viel zu ausführlichen Mitschriften vom Vortag (war ja klar!) ein Verhandlungsprotokoll zu erstellen. Allerdings blieb mir dazu nicht allzu viel Zeit, denn abends um 18 Uhr ging es schon wieder zum nächsten Event – "Kochen mit Leidenschaft".

Hinter diesem vielversprechenden Namen verbarg sich ein sehr netter Abend, an dem eine bunte Gruppe aus ungefähr fünfunddreißig Anwälten, Referendaren, Praktikanten und Personalreferentinnen unter der Anleitung von Profiköchen zusammen ein köstliches Vier-Gänge-Menü auf den Tisch zauberten. Noch toller als das Kochen war natürlich das Verspeisen unserer Kreationen, die wirklich extrem gut gelungen waren – wobei das wohl weniger unserem Geschick als der Geduld der Köche zu verdanken ist.

Der Freitag war dann ein bisschen ruhiger. Wir Praktikanten arbeiteten alle fleißig an den Aufgaben unserer Tutoren und versüßten uns den Tag unter anderem mit einer Kaffeepause in der ersten Frühlingssonne auf der Dachterrasse der Kanzlei.

Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtete Elisabeth von dem Start ihres Frühjahrspraktikums.

Tagebuch (Bosch): Als Detektivin in Tokio (1. Teil)

Dienstag, den 23. April 2013
Tagebuch

Der Kauf eines U-Bahntickets und Geldabheben werden zum Abenteuer – denn Katharina ist in Japan. Nachdem sie schon das Personalmarketing von Bosch in einem Praktikum kennengelernt hatte, wollte sie gerne noch mehr vom Unternehmen erkunden. Im Tokioter Büro von Bosch ist sie nun mit Detektiv-Arbeit beschäftigt.

Nach einem ersten Praktikum im Personalmarketing bei Bosch in Stuttgart entschied ich mich dafür, noch eine andere Abteilung des Unternehmens kennenzulernen. Außerdem wollte ich das nächste Praktikum gerne mit einem Auslandsaufenthalt verbinden. Nach einiger Recherche fiel meine Wahl auf Japan. Dort bekam ich auch schnell eine Zusage für ein Praktikum im Export-Team des Geschäftsbereiches "Automotive Aftermarket" in Tokio.

Blick auf Tokio [Quelle: Bosch]
Blick auf Tokio

Lost in Translation
An meinen ersten beiden Tagen in Tokio wurde ich von Eindrücken praktisch überflutet. Ich hatte schon zuvor im Ausland gelebt, aber die Sprachbarriere macht es am Anfang etwas schwierig, sich in Japan zurecht zu finden. Da werden der Kauf eines Monatstickets oder Geld abheben zur Herausforderung.

Katharina macht in Japan ein Praktikum bei Bosche-fellows.net-Stipendiatin Katharina (22) studiert International Business in Berlin. Seit Januar 2013 macht sie ein Praktikum bei Bosch in Japan.

Bosch bleibt Bosch
In der Arbeit dagegen fiel es mir ganz leicht, mich zu orientieren. Denn im Tokioter Büro von Bosch sprechen viele der Mitarbeiter sehr gut Englisch. Wir produzieren zum Beispiel Injektoren für Dieselmotoren, die wir in der ganzen Welt verkaufen. Es handelt sich dabei um Produkte, die nur in Japan produziert werden. Da ich bisher wenig in Kontakt mit technischen Details gekommen bin, gibt es wahnsinnig viel dazu zu lernen. Bei meinem Einführungsseminar hat mein Betreuer beispielsweise verschiedene Injektoren als Anschauungsmaterial mitgebracht. Einige waren in China als Fälschungen aufgetaucht und er hat mit gezeigt, woran man ein gefälschtes Produkt erkennen kann.

Bestellungen aus aller Welt
Ich arbeite in einem relativ kleinen Team, das vor allem Sales-, Logistik- und Marketingaufgaben hat. Wir sind zwei Praktikantinnen und drei feste Mitarbeiter. In der Logistik geht es darum, Bestellungen anderer Regionalorganisationen von Bosch aus aller Welt zu prüfen. Wir kontrollieren zum Beispiel, ob es Bestand im Lager gibt oder ob die Lieferzeit ausreichend bemessen wurde. Dabei handelt es sich um Routineaufgaben, die jeden Tag erledigt werden müssen.

Außerdem unterstützen wir die Regionalorganisationen beim Marketing für die Produkte. Zum Beispiel liefern wir Kommunikationsmaterial wie Kataloge und Flyer. Oder mein Betreuer fliegt in die entsprechenden Länder und bietet Trainings für den Vertrieb der Produkte an.

Preisänderungen für mehrere tausend Teile
Im Sales wird gerade eine neue Preisstrategie eingeführt. Das hört sich vielleicht einfach an, wenn es aber darum geht, für Regionalorganisationen die Preise für mehrere tausend Teile zu ändern, ist Genauigkeit gefragt. Die Regionalorganisationen tragen die Produkte, die sie in ihrem Land verkaufen können, in ein Formular ein. Wenn das Produkt schon vorher verkauft wurde, muss berechnet werden, ob der geforderte Preis angemessen angesetzt wurde, sodass auch für uns als erster Verkäufer ein Profit übrig bleibt.

Wenn das Produkt neu auf den Markt gekommen ist, müssen noch weitere Faktoren wie die Verfügbarkeit in dem Land geprüft werden. Anschließend schlagen wir dann einen Preis vor. Wenn sich beide Seiten einig sind, wird der Preis in das System hochgeladen und das Produkt kann bestellt werden. Während der Einführung der neuen Preise stehe ich als Verantwortliche für sieben Länder in ständigem Kontakt mit den Regionalorganisationen.

Buddha in Kamakura [Quelle: Bosch]
Buddha in Kamakura

Manchmal ist es Detektiv-Arbeit
Bei einigen Produkten, deren Preise wir ändern müssen, fehlt die Produkt- oder die Herstellernummer. Dann mache ich mich auf die Suche, um die fehlenden Daten zu finden. Es macht mich zufrieden, wenn am Ende des Tages alles passt und keine Fehler mehr auftauchen.

Obwohl natürlich Konzentration gefragt ist, haben wir im Team immer viel Spaß. Es ist völlig normal, dass man nach der Arbeit mit Vorgesetzten und Kollegen etwas Trinken geht. Aber manche Kollegen sind auch weniger locker, wollen keine definitiven Antworten geben und alles ist ihnen ein bisschen zu "muso kachi", also etwas zu kompliziert. Das kann durchaus etwas frustierend sein.

Australische Rettung
Auch im alltäglichen Leben frustriert mich die Uneindeutigkeit manchmal. Als ich am zweiten Tag mein Monatsticket kaufen wollte, habe ich das zum ersten Mal erlebt. Auf die höfliche Frage "Do you speak English?" antwortete mein japanischer Gesprächspartner vorsichtshalber mit "eher nicht", da er fürchtete, bloßgestellt zu werden.

Ich versuchte mit Händen und Füßen zu erklären, was ich wollte, und wurde von einem Schalter zum nächsten geschickt. Als ich am Ende den Tränen nahe wieder an derselben Stelle stand, nahm sich eine nette Australierin meiner an und kaufte das Ticket mit mir. Sie hat mir von ihren ersten Tagen in Japan erzählt. Am Ende war ich doch etwas ermutigt und überzeugt davon, dass ich mich irgendwann in diesem Land zurechtfinden werde.

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Unter der Woche habe ich leider wenig Freizeit, da der Tag relativ spät beginnt und dafür auch sehr spät endet. Am Wochenende entdecke ich Stadt und Umgebung. Meine schönsten Erlebnisse waren ein Besuch in einem heißen Mineralbad, Onsen genannt, und ein Ausflug zur Insel Enoshima, von wo aus man an klaren Tagen den heiligen Berg Fuji sehen kann.

Berg Fuji im Sonnenuntergang [Quelle: Bosch]
Berg Fuji im Sonnenuntergang

Trotz der Strapazen der ersten Wochen fühle ich mich hier mittlerweile richtig wohl und wurde schon öfter überrascht von der Freundlichkeit der Menschen, der ungewohnten Umgebung und der Schönheit des Landes.

Tagebuch (Allianz): Ein IT-Projekt am anderen Ende der Welt (2. Teil)

Freitag, den 12. April 2013
Tagebuch

32 Grad Celsius, extreme Luftfeuchtigkeit – nein, IT-Trainee Jan ist nicht in Urlaub, sondern übernimmt ein neues Projekt in Singapur. Er erweitert die IT-Systeme für eine Kooperation mit einem Partnerunternehmen. In seiner Freizeit erkundet er die Food Courts der Stadt und übt sich im Waveboarding.

Angefangen hatte alles mit dem Ziel, als IT-Trainee Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Bei einem Mittagessen mit dem CIO (Chief Information Officer) der Allianz Deutschland AG sprachen ihn meine Trainee-Kollegen und ich darauf an und schon nach zwei Wochen standen die Zielländer fest. Nun hieß es, die Aufgabenfelder und Zeiträume für die Auslandseinsätze zu vereinbaren und zu definieren.

Jan von der Allianz [Quelle: Allianz]Jan (27) stieg im April 2012 ins IT-Trainee-Programm der Allianz ein. In seinem e-fellows.net-Tagebuch berichtet er über seinen Jobstart und sein Projekt in Singapur.

Mein Ziel war Singapur und meine Kontakte waren der CIO und COO (Chief Operating Officer) der Region Asien. Zusammen fanden wir schnell ein Projekt für mich: Für eine Kooperation mit einem Partnerunternehmen mussten die IT-Systeme integriert und erweitert werden. Die Aufgabe war dringend und beinhaltete zudem die Koordination der 16 Allianz Landesgesellschaften in der Region. Ich freute mich auf eine fordernde und spannende Zeit!

Eine lange Reise und erste Eindrücke

Ende September, drei Monate nach dem ersten Gespräch, ging es endlich los. Ab zum Flughafen und rein in die Maschine, vorbereitet auf mehr als 24 Stunden Reisezeit und voller Vorfreude auf einen mir völlig unbekannten Teil der (Allianz-)Welt.

Der erste Zwischenstopp war Dubai, wo mich die Hitze fast umhaute, da ich von der Klimaanlage im Flieger noch halb tiefgefroren war. In Singapur angekommen lief alles wie geschmiert – die Einreise war kein Problem und auch das Taxi stand am Flughafen für mich bereit. Bei den 50 Metern zum Auto fühlte ich zum ersten Mal die extreme Luftfeuchtigkeit, die bis zu 90 Prozent betrug, kombiniert mit ungefähr 32 Grad Celsius. Das Taxi brachte mich nach Geylang, nordöstlich des Stadtkerns gelegen, wo ein schön eingerichtetes Appartement auf mich wartete. Ich war sehr froh, nicht zwei Monate lang in einem Hotelzimmer wohnen zu müssen.

Mein Appartment [Quelle: Allianz]
Mein Appartment

Die ersten Arbeitstage waren geprägt von Gesprächen, in denen ich die Kollegen kennenlernte, von Behördengängen für meine Arbeitserlaubnis und der Einarbeitung in die lokalen Prozesse. Meine Kollegen halfen mir wo es ging. Super war zudem, dass ich sehr schnell Anschluss fand, sodass sich mein Netzwerk bald weit über die Grenzen der IT-Abteilung hinweg ausbreitete.

Das Leben am anderen Ende der Welt

Vom ersten Tag an erkundete ich mit meinen Kollegen in der Mittagspause die Food Courts in der Umgebung des Büros, denn eine eigene Kantine gibt es in Singapur üblicherweise nicht. Die Food Courts beziehungsweise Hawker Center – letztere sind weniger schick und häufig in den Wohngegenden zu finden – sind eine Ansammlung von kleinen Garküchen. Sie bieten Gerichte aus verschiedensten Regionen, zum Beispiel Chinesisch, Indisch, Indonesisch, Japanisch, Koreanisch oder Thailändisch und haben einen gemeinsamen großen Essbereich.

Frühstück auf singapurisch [Quelle: Allianz]
Frühstück auf singapurisch

Völlig überrascht war ich von der Sicherheit in Singapur. Mit dem Smartphone einen der begehrten Mittagstische zu reservieren, indem man dieses auf einem freien Tisch hinterließ, war offenbar wenig bedenklich und Gang und Gäbe.

Gut gestärkt für einen langen Nachmittag ging es dann wieder zurück ins Büro. Die Arbeitszeiten sind deutlich länger als in Deutschland. Das Gebäude, in dem auch die Allianz ihre Büros hat, füllt sich selten vor neun Uhr morgens, aber dafür gehen die Mitarbeiter üblicherweise auch nicht vor 20 Uhr wieder heim. Trotz langer Arbeitstage sind die Kollegen alle hochmotiviert und unternehmen regelmäßig etwas nach der Arbeit, wie zum Beispiel gemeinsames Joggen entlang der Promenade Richtung Clarke Quay.

Die Arbeitskultur und ein anderes Verständnis

Ein Besprechungsraum im Singapurer Büro [Quelle: Allianz]
Ein Besprechungsraum im Singapurer Büro

In Singapur herrschen nicht nur andere Klimaverhältnisse, die Tage sind länger und das Essen vielseitiger als in Deutschland, sondern das gesamte Arbeitsumfeld folgt anderen Regeln. Es stehen beispielsweise deutlich weniger Urlaubstage im Jahr zur Verfügung und die Anzahl der bezahlten Krankheitstage ist begrenzt. Diese Tage werden gedanklich seitens der Mitarbeiter zu einem Teil dem Urlaub hinzugerechnet. Nun könnte man denken: Ah, die machen einfach blau! Aber nein, ganz im Gegenteil: Das Verständnis der Mitarbeiter ist, dass man bei Krankheit Urlaub nimmt – man arbeitet ja eben auch nicht.

Blick über Singapur [Quelle: Allianz]

Auch das Verhalten im Arbeitsalltag ist in vielerlei Hinsicht verschieden. Das zeigt sich unter anderem daran, dass nicht alles ausgesprochen wird, was gedacht wird. Unterschiede rühren vor allem aber aus der Tatsache, dass Kollegen mit vielen unterschiedlichen Kulturen in einem Team zusammen arbeiten – in meinem Team: Araber, Chinesen, Inder, Malaien und mit mir auch ein Deutscher. Beeindruckend war für mich dabei das Bewusstsein für Unterschiede, das hohe Maß an Kooperation sowie Teamgeist und wie diese gelebt werden.

Aufgabenvielfalt und Ausflüge

Mir machte viel Spaß, dass ich über meine breit gestreuten Kontakte nicht nur für die IT-Abteilung Aufgaben erfüllt habe, sondern auch für die Bereiche Communications, Finance/Audit und Human Resources. Parallel half ich den Kollegen in München in der Testphase für ein neues Business-Intelligence-Projekt. Die Verbindung zur Heimat bestand also auch fachlich weiterhin, was ich zusammen mit dem bunten Mix aus Aufgaben sehr schätzte.

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Privat habe ich viel mit den Kollegen unternommen, denn wir hatten jede Woche gemeinsame Pläne. Singapur hat aber so viele interessante Ecken und Orte, dass ich es nicht einmal geschafft habe, allen Empfehlungen, die ich bereits von den Kollegen in Deutschland bekommen hatte, zu folgen. Ein Schmankerl aus Sentosa Island: Waveboarding kann ich vom Spaßfaktor her auf jeden Fall empfehlen, aber es ist auch durchaus gefährlich.

Inzwischen ist mein Auslandsaufenthalt vorbei und meine nächste Station als IT-Trainee begann in München-Schwabing im Büro des CIO der Allianz-Gruppe.

Im ersten Teil seines Tagebuchs berichtete Jan vom Start seines Trainee-Programms.

Tagebuch (Hengeler Mueller): 120 Hände schütteln und Einblick in ein Mandat bekommen (1. Teil)

Mittwoch, den 27. März 2013
Tagebuch

In ihrer ersten Woche im Frühjahrspraktikum bei Hengeler Mueller schüttelte Elisabeth 120 Hände. Denn in der Kanzlei ist es Brauch, dass sich die Praktikanten bei allen Mitarbeitern persönlich vorstellen. Eine Fallstudie und ein Englischkurs standen ebenfalls auf dem Programm.

Es ist Freitagabend und ich blicke zurück auf eine ereignisreiche erste Praktikumswoche bei Hengeler Mueller, die wie im Fluge vergangen ist.

Montagmorgen um 9.55 Uhr stieg ich ein bisschen aufgeregt aus dem Aufzug und betrat den schicken Empfangsbereich von Hengeler Mueller in Düsseldorf. Dort wartete auch schon die erste Überraschung: ein sehr sympathischer, bunter Haufen an Frühjahrspraktikanten, die keineswegs die Großkanzlei-Praktikanten-Klischees erfüllten, die ich ein bisschen erwartet hatte.

Dieser erste Eindruck hat sich in den nächsten Tagen nur bestätigt: schon nach einer Woche sind wir zu einer netten Gruppe zusammengewachsen. Wir treffen uns abends zum Fußballgucken, Kino oder Sport und haben mittags unseren Stammplatz an der Kaffee-Maschine in der 6. Etage (die beste im Haus) gefunden.

Elisabeth [Quelle: Hengeler Mueller]Elisabeth (24) hat von 2008 bis 2011 ihren Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim absolviert. Seit 2011 studiert sie Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Momentan macht sie ein Frühjahrspraktikum bei Hengeler Mueller.

Der Montag selbst war von Anfang bis Ende komplett durchgeplant mit Terminen, was uns gut auf Trab gehalten hat. Es ging los mit einer Präsentation über die Kanzlei und einer Führung durch das Büro. Anschließend lernten wir unsere Betreuer kennen (jeder ist zwei Anwälten und einem Partner zugeordnet) und gingen gemeinsam mit ihnen zum Mittagessen. Danach ging es weiter mit einer Führung durch die Bibliothek und später beendeten wir den Tag mit einem Willkommensdrink und Häppchen an der kanzleieigenen (!) Bar. Dort konnten wir die  Gespräche mit den Betreuern fortführen und andere Anwälte der Kanzlei kennenlernen.

Kein Vorwissen? Kein Problem
Auch die nächsten Tage ging es vielseitig weiter. Dienstag hatten wir ein wenig mehr Zeit und konnten die ersten Aufgaben von unseren Tutoren entgegennehmen. Ich bin dem Gebiet Kartellrecht zugeordnet und meine Betreuerin nahm sich viel Zeit, mir ihr aktuelles Mandat zu erklären und beantwortete jede meiner Fragen mit einer Engelsgeduld. Entgegen meiner ersten Befürchtungen ist es nicht weiter schlimm, dass ich kaum Vorkenntnisse im Kartellrecht habe – das wird von den Betreuern nicht vorausgesetzt und alles, was man wissen muss, erklären sie geduldig.

Mittwoch hatten wir dann das erste von drei Treffen zu einer Fallstudie, die wir praktikumsbegleitend lösen. Dahinter steht der Gedanke, dass die wenigen Praktikumswochen zu kurz sind, um einen M&A-Deal vollständig mitzubekommen. Aus diesem Grund "spielen" wir Praktikanten zusammen mit einem Anwalt einen M&A-Deal anhand eines fiktiven Falles von vorne bis hinten gemeinsam durch.

Von der Fallstudie direkt in den Englischkurs
Am Dienstag ging es erst mal los mit juristischen und wirtschaftlichen Grundlagen des Unternehmenskaufs. Ich habe in diesen vier Stunden unheimlich viel gelernt und konnte mein Wissen auch sofort bei der nächsten Aufgabe meines Tutors anwenden. Bis zur nächsten Woche sollen wir die Fallstudie lesen und ein paar Fragen beantworten. Das ist auf jeden Fall ein guter Lückenfüller, wenn man mal gerade keine Aufgabe hat, und wird bestimmt inhaltlich spannend.

Nach der Fallstudie ging es sofort weiter zum Englischkurs, zu dem sich die meisten Praktikanten angemeldet hatten. Bei Brötchen und Getränken haben wir uns eine Stunde lang auf Englisch unterhalten und wurden behutsam an die Kunst des "Legal English" herangeführt.

Altbier und Killepitsch
Der Donnerstag begann dann mit einem "Corporate Breakfast", bei dem ein Partner der Kanzlei einen Vortrag über das Gesellschaftsrecht hielt. Die Hintergründe zum Gesellschaftsrecht waren sehr aufschlussreich und werden bestimmt noch von großer Hilfe sein. Abends ging es dann weiter mit einer Stadtführung durch Düsseldorf. Highlight war natürlich der Killepitsch (Düsseldorfer Schnaps), den es auf der Hälfte der Strecke gab.

Danach kehrten wir gemeinsam in ein gemütliches Brauhaus ein. Dort probierten einige von uns zum ersten Mal ein "Altbier" – nicht unbedingt mein Höhepunkt der Woche :) . Der Abend war sehr nett, weil er die Gelegenheit gab, sich in lockerer Atmosphäre mit den Anwälten, Referendaren, Personalreferentinnen und anderen Praktikanten auszutauschen.

120 geschüttelte Hände
Am Freitag starteten wir dann unsere Vorstellungsrunde. Bei Hengeler Mueller ist es Brauch, dass sich alle neuen Mitarbeiter (auch Praktikanten) im ganzen Haus – bei jedem (!) – persönlich vorstellen. Als wir mit unserer Kleingruppe loszogen, war ich ein wenig skeptisch angesichts dieser Tradition. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass alle Partner und Mitarbeiter wirklich ein Interesse daran haben würden, uns kennenzulernen, wo wir doch nur für vier bis sechs Wochen hier sind.

Aber da hatte ich mich wirklich getäuscht. Jeder nahm sich kurz Zeit für uns, wollte wissen, wo wir studieren, wie es uns gefällt und wie wir auf Hengeler Mueller gekommen sind. Im Nachhinein haben sich die 120 geschüttelten Hände und die gleiche Anzahl an Smalltalks gelohnt, denn es ist schön, durch die Kanzlei zu gehen und alle Gesichter zu kennen.

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Insgesamt blicke ich auf eine spannende Woche voller neuer Eindrücke und netter Begegnungen zurück. Wenn das so weitergeht, werden die nächsten Praktikumswochen wie im Fluge vergehen. Auch wenn ich mich auf ein ruhiges Wochenende freue, bin ich schon jetzt gespannt, was die nächste Woche bei Hengeler Mueller mit sich bringt.

Mehr Infos zum Frühjahrspraktikum bei Hengeler

Tagebuch (Allianz): Als IT-Trainee von Anfang an Verantwortung übernehmen – 1. Teil

Donnerstag, den 29. November 2012
Tagebuch

Einfach mal einen Vertriebler mimen, der die Aufgaben nicht übernehmen möchte, die ihm die IT-Abteilung aufhalst. Dieses Rollenspiel half IT-Trainee Jan von der Allianz, die Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilung besser zu verstehen. Und fachlich kümmert er sich direkt nach dem Start ins Trainee-Programm gleich um die Planung eines Business-Intelligence-Projekts für die nächsten fünf Jahre.

Ein (IT-)Trainee-Programm sollte aus meiner Sicht flexibel gestaltet sein und folgende Anforderungen erfüllen: interessante Inhalte, wichtige Aufgaben, ein motiviertes Team in einem internationalen Umfeld, hohe Ansprüche an den Trainee und Kontakt zu inspirierenden Führungskräften. Außerdem sollte man als junger und neuer Mitarbeiter ernst genommen werden. Das hört sich vielleicht nach vielen Wünschen für ein solches Programm an – nun, die Allianz hat es geschafft, sie zu erfüllen.

Jan von der Allianz [Quelle: Allianz]Jan (27) stieg im April 2012 ins IT-Trainee-Programm der Allianz ein. In seinem e-fellows.net-Tagebuch berichtet er über seinen Jobstart und sein Projekt in Singapur.

Die ersten Einblicke in die Abläufe des Unternehmens bekam ich beim Assessment Center, dem letzten Bewerbungsschritt, ungefähr anderthalb Monate vor dem Jobstart. Die Kandidaten stellten sich zu Beginn des Tages in einem Halbkreis auf und der Kreis wurde mit Allianz-Mitarbeitern aufgefüllt. Die Vorstellungsrunde zeigte, dass es sich dabei keineswegs nur um Kollegen aus der Personalabteilung handelte, sondern zum größten Teil um Führungskräfte der höheren Ebenen. Das Verhältnis von etwa viermal so vielen Allianzern wie Kandidaten machte mir sofort klar: Die Allianz nimmt uns sehr ernst!

Gleich nach dem Start ins Projekt
Das Programm sieht vor, dass jeder Trainee in Abständen von drei oder sechs Monaten die Station wechselt. So lernt jeder verschiedene Aufgabenfelder und Bereiche kennen. Allerdings können nicht alle Aufgaben in einem halben Jahr abgeschlossen werden, deshalb übernahm ich bereits in den ersten zwei Wochen die Aufgaben eines IT-Trainee-Kollegen und war damit schon voll im Projekt verankert.

Die Aufgabe bestand darin, eine neue Dienstleistung in der Business Intelligence – also dort, wo alle Unternehmensdaten zusammenfließen und ausgewertet werden – in einer Service Description zu beschreiben und den Prozess bis hin zum Go Live zu begleiten. Man kann sich leicht vorstellen, dass es sich bei der Allianz allein durch den Umfang der Daten nicht um ein kleines Projekt handelt.

Natürlich werden die neuen Prozesse in der IT nicht nur den Kollegen lokal im eigenen Land zur Verfügung gestellt, sondern auch den internationalen Allianz-Einheiten angeboten. Dadurch wurde meine Aufgabe noch spannender. Ich nahm Kontakt auf zu den internen Produktgebern (unter anderem für die Bestellung von Hardware) und Kunden und glich die Vorstellungen der verschiedenen Parteien miteinander ab. Beide Seiten mussten bedient werden und ich merkte schnell, was Kundenservice auch innerhalb des Unternehmens bedeutet.

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Mit meinem neuen Wissen über die Inhalte und Spezifikationen des Projekts kam auch schon die nächste Aufgabe auf mich zu. Jede Dienstleistung hat ihren Preis, aber diesen muss man erst bestimmen. Business Intelligence ist kein Standardprodukt, bei dem die Kunden immer das gleiche bestellen, sondern eine hoch komplexe Landschaft aus Hardware und Software. Gemeinsam mit den Kollegen analysierte ich die Anforderungen, die technischen Möglichkeiten, die unterschiedlichen Ausbaustufen und mögliche Wachstumsszenarien. Es ging also um viel mehr als nur um die Bestimmung der Kosten, wir planten die Zukunft des Projekts für die nächsten fünf Jahre.

Für mich war beeindruckend, wie schnell mir bei diesem Projekt mein Abteilungsleiter, der gleichzeitig auch mein Mentor ist, Vertrauen entgegenbrachte und Verantwortung übertrug. Ich war zuständig für Prozesse, in die ich mich gerade erst eingearbeitet hatte, und erwartete, dass ich die Ergebnisse selbstständig, schnell und präzise liefere. Das waren ein aufregendes Umfeld und ein toller Start.

Nur ein Projekt? Nein, das kann nicht sein…
Sollte ich nur ein Projekt übernehmen? Selbstverständlich nicht! Ich hatte sozusagen "nebenbei" noch diverse weitere Projekte, die mich zusätzlich gefordert haben. Ein weiteres Beispiel:

Für die Kostenzuordnung von Zeitaufwänden für die Produkte der Allianz sollte eine Software entwickelt werden, die diese Aufgabe innerhalb der bestehenden IT-Struktur ermöglichte. Hier habe ich den gesamten Ablauf eines Entwicklungsprojekts begleitet, von meiner Idee für die Umsetzung über die Erstellung des Konzepts, die Organisation der Entwicklung und Implementierung bis hin zur Sicherstellung des Betriebs. Besonders aufregend waren die Verhandlungen mit anderen IT-Projektleitern, welches Projekt wann umgesetzt werden soll, denn jedes Projekt ist wichtig und man muss sich seine Argumente gut überlegen, um zu überzeugen.

Und was gehört noch dazu?
Ergänzt wurde mein erstes halbes Jahr bei der Allianz unter anderem durch Schulungen zum Beispiel über Verhandlungsführung. Das gab mir nicht nur die Möglichkeit, neue Ideen für meinen Arbeitsalltag mitzunehmen, sondern es war auch eine super Gelegenheit, mein Netzwerk in der Allianz zu erweitern. Die Schulungen für die Trainees sind nicht auf IT-Themen begrenzt, sondern gezielt auf Soft Skills ausgerichtet.

Ich erinnere mich dabei immer wieder gern an das Rollenspiel, in dem ich einen Vertreter im Außendienst der Allianz gespielt habe, der von seinem IT-Berater eine Aufgabe bekommt und diese einfach nicht erledigen will. Gerade solche Rollenspiele haben mir und auch den Kollegen geholfen, die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Innen- und Außendienst besser zu verstehen. Und ganz nebenbei haben wir viel gelacht und hatten jede Menge Spaß in einem vollständig durchmischten Team aus Jung und Alt, IT, Vertrieb, Audit und vielen weiteren Bereichen.

Nun, es ließe sich noch viel mehr berichten und weitere spannende Geschichten warten. Der zweite Tagebuch-Eintrag kommt nach meiner nächsten Station, in der ich ganz neue und auch alte Aufgaben habe. Jedoch dieses Mal in Singapur!

Tagebuch (Bosch): Umdenken für die "Schlanke Produktion" – 3. Teil

Donnerstag, den 18. Oktober 2012
Tagebuch

In den letzten Wochen hat Christoff sein Konzept zur "Schlanken Produktion" erarbeitet – jetzt muss es "nur noch" umgesetzt werden. Und dafür fährt er auch schon mal um Mitternacht ins Bosch-Werk.

Mittlerweile bin ich seit knapp vier Monaten in Anderson, South Carolina. Nachdem mein Konzept einer verbrauchsgesteuerten Fertigung angenommen wurde, habe ich die letzten Wochen intensiv an der Umsetzung gearbeitet. Florian, ein amerikanischer Praktikant, unterstützt mich dabei.

Auf Papier wirkte alles recht kompakt. In der Realität steckt weitaus mehr Arbeit dahinter. Das merkt auch Eljay – der Werkstattmeister der Produktion. Gemeinsam arbeiten wir an Standards, die wir entlang der Wertschöpfungskette vorgeben müssen. Immer wieder diskutieren und beraten wir. Das ist wichtig – immerhin ist es sein Fertigungsbereich. Um ihn selbst für das Projekt zu motivieren, binde ich ihn in alle Entscheidungen ein und bespreche alles genau mit ihm.

Christoff, Junior Managers Program BoschChristoff (30) studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Darmstadt. Seit November 2010 arbeitet er bei Bosch im "Junior Managers Program" mit Schwerpunkt Fertigung. Zur Zeit ist er für ein Projekt in South Carolina in den USA und berichtet darüber in seinem e-fellows.net-Tagebuch.

Präsentieren um 5.30 Uhr morgens
Den Mitarbeitern in der Produktion ist aufgefallen, dass ich jeden Tag zwischen den Maschinen herumlaufe, Schilder anbringe und Fragen stelle. Sie sind neugierig und noch nicht über die Veränderung informiert. Das ändert sich heute. Ich betrete das Werk und schaue auf die Uhr: Es ist 5.30 Uhr morgens.

Schlanke Produktion bei Bosch [Quelle: Bosch]

Als ich den Meeting-Raum betrete, blicke ich in die 40 Gesichter der Nachtschicht-Kollegen. Bevor die Schicht für sie endet, informiere ich sie über mein Vorhaben. Mit anschaulichen Darstellungen und Kennzahlenvergleichen möchte ich auch sie von dem Prinzip einer verbrauchsgesteuerten Fertigung überzeugen. Dafür habe ich 15 Minuten Zeit. Meinen ersten Kaffee trinke ich heute um 6 Uhr. Das Büro ist noch leer. Die zweite und dritte Vorstellung für die Früh- und die Spätschicht folgen heute Mittag.

Gemeinsam verändern
Die Mitarbeiter der Produktion schienen mir recht interessiert. Das ist gut. Denn der Erfolg des Projekts hängt davon ab, ob sie bereit sind, die Veränderung mitzumachen. Standards definieren, Arbeitsvorgänge beschreiben, Schilder aufhängen, Magnettafeln aufstellen – das ist meine Aufgabe. Die Aufgabe der Mannschaft ist es, das System zu bedienen und den Standard zu befolgen – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Um das zu erreichen, suche ich immer öfter das Gespräch mit einzelnen Kollegen.

Wochenend-Planung einmal anders
Nachdem die Umsetzung in dieser Woche abgeschlossen ist, muss ich alle Mitarbeiter noch einmal trainieren. Übrig geblieben ist die Wochenendschicht. Ich habe beschlossen, die Kollegen jeweils am Ende ihrer Schicht zu besuchen. Das ist um 1 Uhr nachts. Wochenend-Planung also einmal anders.

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In der Bosch-Gruppe Fragen stellen oder Alumni mit Erfahrung bei Bosch kontaktieren.

Kurz nach Mitternacht verlasse ich also am Samstag den Geburtstag eines Kollegen. Ich fahre ins Werk. Die Kollegen vor Ort wurden bereits benachrichtigt und erwarten mich schon. Gemeinsam mit der Gruppe begehe ich den Weg eines zu produzierenden Teils.

Ich erläutere die Standards und erkläre, wie meine Kollegen die Magnettafel benutzen können, um die Belegung der Maschinen zu bestimmen. Kathleen und Eric stellen viele Fragen – sie möchten das System verstehen, um auch bei Abweichungen zu wissen, was zu tun ist. Außerdem nutzen sie die Gelegenheit, um auch allgemeine Verbesserungsvorschläge anzubringen – schließlich halten sich die Besuche der Planungsmannschaft zu den Arbeitszeiten der Wochenendschicht in Grenzen.

Wöchentliches Update – ein letztes Mal
An einem Freitag Ende April betrete ich ein letztes Mal das Werksgelände. Es ist mein letzter Arbeitstag, die Umsetzung einer verbrauchsgesteuerten Fertigung ist abgeschlossen. Das Projekt habe ich zu Teilen an Eljay und einen Kollegen aus der Planung übergeben.

Magnettafel [Quelle: Bosch]

Ein letztes Mal starte ich das Online-Tool, das mir die Durchlaufzeit der Produktionschargen in dieser Woche ausgibt. Die Zeiten übertrage ich in ein Chart. Eine Linie aufgetragen auf einer Zeitachse zeigt, wie sich die Durchlaufzeit des Produkts in den letzten zwei Monaten kontinuierlich reduziert hat. Die Überschrift der Folie lautet "Weekly update". Wie in den letzten Wochen hänge ich sie in der Fertigung auf und verschicke sie an das Team und die Abteilungsleiter.

Für die "Schlanke Produktion" muss die Mannschaft umdenken
Bei meinem Aufenthalt in Anderson war es das Ziel, die Produktion von Sensorelementen zu optimieren – das ist mir gelungen. Im Rückblick hat mich das Projekt nicht nur technisch herausgefordert. Recht früh habe ich erkannt, dass auch die Mannschaft umdenken muss, wenn wir eine "Schlanke Produktion" implementieren möchten.

In meiner Rolle konnte ich erleben, wie unterschiedlich die Arbeitskultur ist und auf welche Weise Veränderung zwischenmenschlich tatsächlich abläuft. Ich finde das eine tolle Erfahrung. Morgen früh werde ich meine Koffer ins Auto laden und nach Atlanta fahren. Um 11 Uhr geht mein Flug nach Frankfurt. Nächste Woche sitze ich in Stuttgart. Innerhalb des zentralen Qualitätsmanagements arbeite ich mit einem Team an einem neuen Konzept zur strukturierten Problemlösung – meine letzte Station im Junior Managers Program.

Im ersten Teil des Tagebuchs berichtete Christoff, wie er in South Carolina ankam und sich einlebte.

Im zweiten Teil konstruiert er ein "Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure.

Tagebuch (Roche): Osmanische Spontanität und weiße Überraschung – 3. Teil

Freitag, den 28. September 2012
Tagebuch

In Präsentationen alles so detailliert wie möglich darstellen und am besten schon erste Arbeitsproben mitbringen – so hat man in der Türkei Erfolg, lernt Aline. Und nicht von straffen Deadlines stressen lassen…

7. Februar 2012

Mit der Zeit lerne ich auch alle Varianten der osmanischen Spontanität kennen. Es stellt sich heraus, dass einmal Gesagtes nicht so verbindlich gemeint ist, wie ich es mit deutscher Mentalität aufgenommen habe. Das merke ich, wenn ich einen Kollegen darum bitte, mir etwas zur Verfügung zu stellen, und ich es mehrere Tage später immer noch nicht bekommen habe. In meinem gewohnten Arbeitsumfeld kann ich mich darauf verlassen, dass Zusagen meist zeitnah eingehalten werden. Hier ist es üblich, sein Anliegen mehrfach kund zu tun – erst dann wird es erfüllt.

Deadline? Die muss man nicht so ernst nehmen!
Diese lockere Herangehensweise gilt, wie ich jetzt weiß, auch für den Projektumfang, den wir zu Beginn festgelegt hatten. Der Zeitplan erschien mir recht straff. Von meinen Kollegen war es eher als "was man schafft, ist gut – was nicht, ist auch nicht schlimm" gemeint.

Ich verstehe jetzt auch, warum vieles erst kurz vor oder auch nach der Deadline bearbeitet wird. Denn man muss permanent damit rechnen, dass sich etwas kurzfristig ändert oder sogar ganz gestrichen wird. Oft hatte ich meine Arbeit bereits erledigt und ärgerte mich dann darüber, wenn sich in letzter Minute etwas änderte und ich quasi umsonst gearbeitet hatte.

Alina war für Roche in der Türkeie-fellows.net-Alumna Aline (30) ist Trainee im Management-Start-Up-Programm von Roche. Sie arbeitete für drei Monate in der Marketing- und Sales-Einheit der Türkei in Istanbul und berichtet von ihren Erfahrungen. Bevor sie 2010 zu Roche kam, studierte und promovierte sie in Chemie an der TU München und in Montréal, Kanada.

So beispielsweise bei einer Präsentation, bei der ich die Kooperationsprojekte vor der gesamten türkischen Organisation von Roche Pharma und Roche Diagnostics vorstellte. An einem Freitagnachmittag teilte mir ein Kollege mit, dass ich die Möglichkeit bekomme, die Arbeit unseres Teams am Donnerstag darauf vorzustellen. Deadline für die Präsentation: Montag! Also strengte ich mich an und lieferte meine Präsentation pünktlich ab. Ich war die einzige…

Abendstimmung am Bosporus [Quelle: Roche]
Im Harem: Der Topkapı-Palast war jahrhundertelang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane

Meine Kollegen bastelten auch nach Montag weiter an ihren Präsentationen herum, einige begannen sogar erst am Dienstagnachmittag. Sie wussten auch warum! Dienstagabend kamen die ersten Aktualisierungen – Mittwochvormittag die nächsten und am Mittwochabend erfuhr ich, dass meine Folien jetzt noch auf Türkisch übersetzt werden müssten. Die Präsentation beschäftigte mich demnach deutlich länger als meine Kollegen, die ihre letzten Versionen sogar teilweise erst fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung auf den Präsentationsrechner luden.

Erfolgreiche Kooperationsprojekte zur Personalisierten Medizin
Das Projekt, in dem ich die Roche-Strategie für personalisierte Medizin in Marketing und Vertrieb umgesetzt habe, war ein voller Erfolg: So werden wir die Produkteinführung eines diagnostischen Tests für die Her2-Diagnostik von Brustkrebspatienten in einer gemeinsamen Kampagne von Diagnostics und Pharma starten. Als Gesundheitsunternehmen treten wir gemeinsam auf und informieren behandelnde Ärzte und Labormediziner über die Möglichkeiten von abgestimmter Diagnose und Therapie.

Auch für die Behandlung des malignen Melanoms, einer aggressiven Form von Hautkrebs, bietet Roche ein Medikament für eine bestimmte Untergruppe der betroffenen Patienten an. Zunächst ist der diagnostische Test in der Türkei auf dem Markt – das Therapeutikum wird hier nach seiner Zulassung folgen. Diese und andere Projekte konnten wir in den vergangenen drei Monaten konzipieren und soweit vorbereiten, dass sie im Laufe des Jahres starten können.

Nach der Arbeit das Vergnügen
Ich hatte auch die Gelegenheit, am traditionellen jährlichen Bowling-Turnier teilzunehmen. Die gesamte Firma verbringt hier einen gemeinsamen Abend mit Bier und Hotdogs auf der Bowling-Bahn. Die Atmosphäre ist sehr familiär. Es war schön, meine Kollegen von einer anderen, privaten, Seite kennenzulernen.

Interkulturelle Unterschiede bis zum Schluss
Für meine Abschlusspräsentation, an der auch der türkische Geschäftsführer von Roche teilnahmn, holte ich mir Tipps von meinen Kollegen. Mir wurde geraten, sehr viele Details zu präsentieren, um zu zeigen, was ich alles erarbeitet hatte. Wieder ein interkultureller Unterschied in der Berufswelt, denn in Deutschland würde ich die Präsentation so ergebnisorientiert wie möglich gestalten.

In der Türkei musste ich die Sache anders angehen. Das hat wieder etwas mit Spontanität und Verbindlichkeit zu tun. Präsentiert man Inhalte nur sehr abstrakt, könnten diese auch nur als erste Ideen verstanden werden, deren Umsetzung noch völlig ungewiss ist. Um zu zeigen, dass es sich nicht nur um "heiße Luft" handelt, sondern alles schon auf den Weg gebracht ist, zeige ich zum Beispiel die Materialien, die ich bereits erstellt habe.

Für meine Präsentation habe ich alle Ratschläge beherzigt und die Projektergebnisse für mein Gefühl sehr detailliert vorgestellt. Das Feedback des Geschäftsführers war allerdings, dass ich noch mehr von meiner Arbeit hätte zeigen können.

Alle sind mehr als zufrieden mit dem, was wir in der kurzen Zeit geschafft haben. Ich bin stolz, dass es mir gelungen ist, mich auf einige kulturelle Unterschiede einzustellen und sie in der Zusammenarbeit umzusetzen. Dennoch merke ich, dass man mehr als drei Monate investieren muss, um die türkische Arbeitswelt vollkommen kennen und verstehen zulernen.

Weiße Überraschung zum Abschied
Worauf in Deutschland alle warten, das haben wir hier in Massen: Schnee! Istanbul ist weiß. Noch eine Überraschung, die mir meine neue Wahlheimat bereitet. Pünktlich zu meiner Abreise schneit es noch einmal heftig. Die sowieso schon desolaten Verkehrsverhältnisse werden noch schlimmer: Der Verkehr bricht völlig zusammen. Auch wenn es immer mal wieder schneit, ist man in der türkischen Hauptstadt nicht optimal auf die weiße Pracht eingestellt.

Abendstimmung am Bosporus [Quelle: Roche]
Abschiedsstimmung am Bosporus: Die großen Moscheen werden nachts wunderschön angestrahlt

Für mich heißt es Abschied nehmen von all den vertrauten Plätzen und liebgewonnenen Freunden und Kollegen. Sie bereiten mir ein traditionelles türkisches Fischessen mit allem was dazu gehört: Meze, Rakı und vielen anderen Köstlichkeiten.

Ich blicke zurück auf eine spannende, herausfordernde und eindrucksvolle Zeit. Ich nehme viele bunte Eindrücke aus Istanbul mit. Ich durfte freundliche, offene Menschen kennenlernen, die mir ihre vielschichtige Kultur und Arbeitswelt näher gebracht haben. Gemeinsam konnten wir Projekte zur Personalisierten Medizin erfolgreich etablieren. Mein Abenteuer war so abwechslungsreich und farbenfroh, dass ich die viel zitierte Melancholie der Wintermonate in Istanbul nicht gespürt habe.

Im ersten Teil berichtete Aline vom Projektstart und von ihrer Eingewöhnungszeit in der Türkei.

Im zweiten Teil ihres Tagebuchs erzählte sie von türkischen Weihnachtsbäumen und ungewohnter Hierarchie.

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Tagebuch (Bosch): "Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure (2. Teil)

Donnerstag, den 2. August 2012
Tagebuch

Was tun, wenn man die Kollegen nicht von der eigenen Idee überzeugen kann? Christoff führte seine Pläne praktisch vor – indem er für sein Team eine Art "Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure baute.

Die letzten zwei Monate habe ich damit verbracht, Prozessdaten zu beschaffen und zu analysieren. Ich habe ein Tool erstellt, das die Zykluszeiten und Nutzungsgrade der Prozesse und Maschinen darstellt. Auf dieser Basis errechne ich die Durchlaufzeiten verschiedener Produkttypen. Ich lese Unterlagen zu Grundlagen der Verbrauchsteuerung und telefoniere mit Experten in Deutschland.

Schließlich erstelle ich ein Konzept für die Verbrauchssteuerung. Was das heißt? Material wird nur dann produziert, wenn es gebraucht wird. Wenn im Folgeprozess Bedarf entsteht, wandert eine Karte zum Vorgängerprozess. Das ist das Signal für die Produktion. Was ist der Vorteil? Die Durchlaufzeit eines Teils ist berechenbar, die Bestände werden reduziert und die Teile sind immer da, wenn sie gebraucht werden.

Christoff, Junior Managers Program BoschChristoff (30) studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Darmstadt. Seit November 2010 arbeitet er bei Bosch im "Junior Managers Program" mit Schwerpunkt Fertigung. Zur Zeit ist er für ein Projekt in South Carolina in den USA und berichtet darüber in seinem e-fellows.net-Tagebuch.

Gesichter voller Fragezeichen
Schließlich ist es soweit, ich stelle meine Arbeit vor. Ich habe alle eingeladen: Charlie, den Abteilungsleiter, die Fertigungsplaner meiner Abteilung, Jason, den Werkstattmeister und drei Kollegen aus der Werkstatt. Ich möchte ihnen mein Konzept präsentieren und zeigen, wie wir es umsetzen. Ich präsentiere zehn Folien in einer halben Stunde. Was ich anschließend sehe, ist nicht sehr ermunternd – Fragezeichen in den Gesichtern, Skepsis, Kopfschütteln.

"Do you have any questions?" wäre an dieser Stelle eine überflüssige Frage. Wir beginnen zu diskutieren, ich erkläre, wir diskutieren, ich versuche zu erklären, sie zweifeln… ich gebe auf. Es hat nicht funktioniert – ich habe meine Kollegen nicht überzeugt. Ich beende das Meeting und verspreche, das Ganze zu überarbeiten.

Ich sitze im Auto. Fahre nach Hause. Und ich bin enttäuscht. Was mache ich jetzt? Das Konzept überarbeiten? Nein, ich bin mir sicher, dass es gut ist. Nur verstanden haben sie es nicht.

"Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure
Eines ist mir klar geworden: Folien zu zeigen – das hilft nicht. Ich muss das Ganze interaktiv gestalten. Meine Kollegen müssen sehen können, was eine Verbrauchssteuerung wirklich bedeutet. Also, von vorn. Soll ich ein Spiel bauen? "Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure? Warum nicht.

Christoff im Junior Managers Program bei Bosch [Quelle: Bosch]

Ich zeichne die Fertigung grafisch auf Papier, drucke Material in Form von Papier, gestalte kleine Karten als Signal für Materialbedarf sowie Standards der einzelnen Prozessschritte – die Spielregeln sozusagen. Außerdem kaufe ich Lego-Männchen – die Fertigungsmitarbeiter. Abends spiele ich das Ganze zu Hause durch. Ich überlege, welche kritischen Situationen auftreten können – ein Maschinenstillstand, fehlendes Material vom Zulieferer und so weiter. Ich prüfe immer wieder, ob die Standards ausreichen, damit das System trotzdem stabil läuft.

Spielen statt präsentieren
Ich lade wieder alle ein. Als Meeting-Betreff schreibe ich "Loop Game Invitation". Es ist Freitagnachmittag. Auf dem Tisch liegt ein riesiges Papier mit einem Abbild der Fertigung. Darauf habe ich alle Karten und Papiere zur Erklärung der Spielregeln gelegt.

Bevor ich das Spiel starte, nehme ich ein Flipchart, und wir halten gemeinsam alle Risiken und Kritik aus der letzten Sitzung fest. Anschließend gebe ich den Anwesenden eine Rolle im Spiel – mein Chef muss Logistiker spielen, andere sind Maschinenbediener und Zulieferer. Ich erkläre die Regeln und wir starten.

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Nickende Köpfe und zufriedene Gesichter
Situation für Situation spielen wir durch… 15 Minuten…. 30 Minuten…. 45 Minuten. Ist die Situation noch so kritisch, ist der Maschinenstillstand noch so lang – meine Kollegen erleben, wie das System trotzdem funktioniert. Und ich erlebe nickende Köpfe, zufriedene Gesichter und Zustimmung. Ganz ohne Diskussion haken wir abschließend die Punkte am Flipchart ab. "Ok Christoff, we’ll do it!" Das ist der Satz, mit dem ich das Meeting beende.

Ich sitze im Auto. Fahre nach Hause. Und ich bin zufrieden. Was mache ich jetzt? Meine Sachen packen. Morgen fahre ich nach Chicago. Urlaub? Abenteuer? Ich weiß es noch nicht. 1.200 Kilometer an eineinhalb Tagen. Ich bin gespannt, ob ich das schaffe.

Wie ich mit Schildern und Klebeband die Fertigung gestalte und morgens um 1 Uhr die Mitarbeiter der Nachtschicht trainiere – davon erzähle ich beim nächsten Mal.

Im ersten Teil des Tagebuchs berichtete Christoff, wie er in South Carolina ankam und sich einlebte.

Tagebuch (Roche): Türkische Weihnachtsbäume und ungewohnte Hierarchie – 2. Teil

Freitag, den 22. Juni 2012
Tagebuch

Ihr Aufenthalt in Istanbul hält für Aline einige Überraschungen bereit: In der Türkei gibt es tatsächlich Weihnachtsbäume. Auch ihre Kollegen unterstützen Alines Projekt aktiv, doch es gilt das Motto: "Es wird gemacht, was der Chef sagt!"

21. Dezember 2011

In meinem Projekt bin ich mittlerweile sehr gut angekommen. Ich setze die Roche-Strategie für personalisierte Medizin in Marketing und Vertrieb um. Mit allen beteiligten Kollegen von Diagnostics und Pharma bin ich schnell in Kontakt gekommen. Ich bin positiv überrascht, wie unkompliziert und offen alle auf mich zugehen. Die Mentalität, andere und nicht sich selbst in den Vordergrund zu stellen, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Kooperationsprojekte. Das, was wir als Gastfreundlichkeit der Türken kennen, spielt auch in der Geschäftswelt eine Rolle. Man bemüht sich sehr, Kollegen und Partner zu unterstützen, und stellt schon mal die Ziele und Bedürfnisse der anderen über seine eigenen. Für mein Projekt, bei dem ich eine Kooperation etablieren soll, sind das ideale Voraussetzungen.

Wir kommen schnell voran und einigen uns auf Vorgehensweisen. Die türkischen Kollegen vertrauen darauf, dass eine Kooperation in der Geschäftswelt langfristig angelegt ist. Deshalb ist es nicht so wichtig, wer zu Beginn den größeren Nutzen daraus ziehen kann. In Deutschland müsste ich mir viel mehr Gedanken machen, welchen Nutzen ein Projekt für beide Partner hat.

Alina war für Roche in der Türkeie-fellows.net-Alumna Aline (30) ist Trainee im Management-Start-Up-Programm von Roche. Sie arbeitete für drei Monate in der Marketing- und Sales-Einheit der Türkei in Istanbul. Bevor sie 2010 zu Roche kam, studierte und promovierte sie in Chemie an der TU München und in Montréal, Kanada.

Auf der Überholspur über den Bosperus

Istanbuler Straßenverkehr: Breite Straße und gelbe Taxis dominieren das Stadtbild [Quelle: Roche]

Ganz anders erlebe ich das im Straßenverkehr. Hier sind alle äußerst ungeduldig und gönnen dem Nebenmann keinen Zentimeter Vorsprung. Bei acht Millionen Autos in einer Stadt gehören verstopfte Straßen zum Alltag. Viele meiner Kollegen wohnen auf der anatolischen Seite Istanbuls. Sie pendeln mit vielen anderen täglich über eine der beiden Bosporusbrücken in das Geschäftsviertel im europäischen Teil der Stadt. Der Alltag wird auf die Verkehrssituation ausgerichtet. Der Arbeitstag beginnt für die meisten sehr früh, damit sie am späten Nachmittag noch vor der Rushhour nach Hause kommen.

Auch für mich ist die Fortbewegung in dieser riesigen Stadt eine echte Herausforderung. Zwar bin ich froh, dass ich kein Auto habe, doch das macht es nicht einfacher, von A nach B zu kommen. Das U-Bahn System ist einfach zu rudimentär. Es gibt viele Linien, die allerdings nur wenige Stationen haben. Um an sein Ziel zu kommen, muss man also mehrmals umsteigen. Inzwischen kenne ich mich ganz gut aus in der "Unterwelt" Istanbuls.

Um auf die andere Seite des Bosporus zu kommen benutzt man Fähren, die für den Istanbuler so gewöhnlich wie Busse sind. Busse im eigentlichen Sinne gibt es auch. Nach einem Erlebnis letzte Woche habe ich nun auch Erfahrung mit diesem Transportmittel. Wieder wurde mir die Sprachbarriere zum Verhängnis. Auf dem Heimweg von einem Ausflug auf der anatolischen Seite rief ich mir nach dem Aussteigen aus der Fähre ein Taxi. Das hielt an, ich stieg ein und sagte dem Fahrer auf Türkisch, wo ich hin wollte. Er schien mit meiner Angabe ein Problem zu haben, zumindest erzählte er mir für mich unverständliche Dinge.

Ich wiederholte mein Ziel einfach mehrmals, was ihn anscheinend umso mehr aufregte. Er begann zu toben. Als er eine typische Handbewegung machte, die mir meine Kollegen als "ich bin fertig mit dir" erklärt hatten, stieg ich lieber wieder aus dem Taxi aus. Vollkommen verdutzt stand ich mitten auf der Straße. Ein Bus hielt direkt vor mir an und der Fahrer bedeutete mir, ich solle einsteigen. Obwohl ich keine Ahnung hatte, ob der Bus überhaupt in meine Richtung fährt, stieg ich ein und nannte dem Fahrer mein Ziel. Ich drückte ihm Geld in die Hand. Die Fahrt sollte 1,30 Türkische Lira kosten, was mir signalisierte, dass sie nicht lange dauern würde und damit mit meinem Ziel übereinstimmen konnte.

Fischmarkt: Fangfrischer Fisch - erkennbar an den dunkelroten herausgeklappten Kiemen [Quelle: Roche]

An einer Ampel hielt der Bus, und der Fahrer gab mir einen Schubs zum Aussteigen. Ein anderer Fahrgast zog mich zurück in den Bus. Es begann eine wilde Diskussion, ob ich nun schon aussteigen oder noch weiterfahren sollte. Ich sah dem Treiben zu, verstand vom Gesprochenen aber gar nichts. Der Busfahrer schien mir am besten Bescheid zu wissen. Er erklärte mir mit Händen und Füßen, wie ich zu meinem Ziel kommen würde. Ich vertraute ihm, stieg aus und befolgte seine Anweisungen, die mich sicher nach Hause führten. Ich war erstaunt, wie viel ich von den Geschehnissen mitbekommen hatte, obwohl ich immer noch aufgeschmissen bin, wenn Türkisch gesprochen wird.

Struktur dank hierarchischem Führungsmodell
In Meetings innerhalb der Firma geht es mir ähnlich. Wenn meine Kollegen nicht unbedingt Englisch sprechen müssen, tun sie es auch nicht. Es kommt immer wieder vor, dass zunächst 30 Minuten meine Themen auf Englisch besprochen werden, und der Rest der Besprechung dann auf Türkisch weitergeht. Ich finde das befremdlich und lerne, wie wichtig es ist, die Sprache der Menschen zu sprechen, um hier leben zu können.

Ich versuche permanent, die Balance zu halten zwischen Anpassen und Einfordern. Das gilt auch für meine Arbeitsweise. Ich erlebe das Führungsmodell hierarchischer als ich es aus Deutschland kenne. Es gilt das Motto "Es wird gemacht, was der Chef sagt", und so empfinde ich die Zusammenarbeit hier weniger diskussionsfreudig. Entscheidungen werden seltener hinterfragt, und ich habe den Eindruck, man widerspricht dem Chef nicht, sondern setzt seine Anweisungen um. Aus Deutschland kenne ich es eher, dass der Mitarbeiter der Experte ist. Für einen deutschen Chef ist die Meinung seines Mitarbeiters wertvoll und er fordert diese aktiv ein. Das erlebe ich hier nicht. Mein Projekt als Projektleiterin zu führen, ohne Führungskraft in der Hierarchie zu sein, ist zudem eine besondere Herausforderung. Ich stelle viele Fragen, mit der Absicht, alle Beteiligten einzubeziehen und die beste Lösung im Team zu erarbeiten. Viel Geduld ist der Schlüssel, denn ich muss mir das Vertrauen der Kollegen Stück für Stück erarbeiten.

Viel mehr als nur Döner

Türkische Spezialitäten: Meze werden zu jedem Essen als Vorspeise gereicht [Quelle: Roche]

Mit ein paar Kollegen habe ich mich in der kurzen Zeit bereits sehr gut angefreundet. Wir unternehmen viel gemeinsam, auch nach der Arbeit. So bekomme ich Istanbul von Einheimischen gezeigt, sie führen mich unter anderem an die türkische Küche heran. Türkische Gerichte sind unglaublich vielfältig und viel mehr als nur Döner. Zu jedem Essen gehören zunächst viele kalte und warme Vorspeisen, die ähnlich wie spanische Tapas auf kleinen Tellern und Schüsseln für den gesamten Tisch serviert werden. Dazu trinkt man Rakı mit Wasser und Eis. Die Speisen kommen nach und nach, so dass man bereits Stunden damit verbringt, die Vorspeise zu essen. Wenn die Hauptspeise kommt, sind alle schon richtig voll. Dennoch wird dann Fleisch oder Fisch gegessen. Abschließend kommen Früchte und verschiedene türkische Nachspeisen auf den Tisch.

Weihnachtszeit unter Muslimen

Weihnachtsstimmung: Im Kaufhaus wartet ein Weihnachtsmann auf Kinder [Quelle: Roche]

Auch wenn ich mich mittlerweile als Istanbulerin fühle, hält diese Stadt immer wieder Überraschungen parat. Ich hatte mich bereits damit abgefunden, dass Weihnachtsstimmung dieses Jahr für mich ausfällt. Weit gefehlt! In den letzten Wochen hat sich Istanbul in ein Winter-Wonder-Christmas-Land verwandelt. Die Straßen sind geschmückt mit Lichterketten, in den Einkaufszentren hängen überdimensionale Christbaumkugeln funkelnd und blinkend von der Decke. Die Schaufenster sind mit Schnee-Imitat dekoriert und überall kann man kleine Weihnachtsmänner und Baumschmuck kaufen. Türkische Familien stellen tatsächlich geschmückte Weihnachtsbäume im Wohnzimmer auf. Damit hätte ich nicht gerechnet. Einmal mehr hat sich mein Bild der türkischen Lebensart geändert. Frohe Weihnachten und Mutlu Yillar!