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Tagebuch (Deutsche Bank): Innovationen auf der "Unconference" (3. Teil)

Freitag, den 20. Januar 2012
Tagebuch

Vorträge ganz ohne Folien und Powerpoint, bei denen das Publikum bestimmt, was es hören möchte. Nein, das ist nicht Uni 2.0, sondern die Unconference bei der Deutschen Bank. Die Veranstaltung ist Teil der zahlreichen Innovationen, die Eduard bei der Deutschen Bank begegnen – und auch er selbst plant eigene Neuerungen an seinem Arbeitsplatz.

Nach meiner ersten Rotation im Traineeprogramm von Group Technology & Operations (GTO) als "Application Owner" für eine laufende Anwendung der Deutschen Bank ging es für mich im September nach London. Hier startete offiziell das Traineeprogramm, bei dem ich meine Trainee-Kollegen aus aller Welt traf. In London, wie auch in meiner aktuellen zweiten Rotation als Mitarbeiter des Project Management Office (PMO) habe ich festgestellt, dass mir ein Wort immerzu über den Weg läuft. Es ist das Wort "Innovation", das in der IT-Abteilung der Deutschen Bank zurzeit in aller Munde ist.

Innovation Lecture Series – Vorstellung der brandneuen Innovationen

Tatsächlich werden viele neue und innovative Technologien, Ansätze und Prozesse ausprobiert und im Falle des Erfolgs ausgebaut. Diese Innovationen werden bei den "Innovation Lecture Series" vorgestellt.

Eduard bauere-fellows.net-Alumnus Eduard (25) hat in Paderborn Informatik studiert und ist anschließend bei der Deutschen Bank als Trainee in die Abteilung Group Technology & Operations (GTO) eingestiegen.

Diese Vorträge finden im sogenannten "db Lab" statt – einem Seminarraum, der einem "Innovationslabor" gleicht. Schon die Einrichtung ist einzigartig, mit beschreib- und beklebbaren Wänden, viel Hightech, um Ideen an die Wand zu projizieren und genügend Platz, um die Innovationen einem breiten Publikum vorzustellen.

Der Sturm der Gedanken
Die Themen der "Innovation Lecture Series" haben die Mitarbeiter in einer Befragung vorgeschlagen. Das führte zum Beispiel zu der Applikation "Mindstorm", die kürzlich bei einem Vortrag vorgestellt wurde. "Mindstorm" ist eine Plattform, auf der ein Projekt-Team oder eine Abteilung ein konkretes Problem schildert und jeder Mitarbeiter die Möglichkeit hat, Vorschläge zu der Lösung des Problems zu machen. Dabei gibt es – wie in einem Sturm von Gedanken – verschiedenste Ansätze, um das Problem zu lösen.

Unconference – die neue Art des Ideenaustauschs
Ein paar Tage nach diesem Vortrag wurde ein Workshop für die GTO-Trainees veranstaltet, der sich "Unconference" nannte und einen innovativen Ansatz für den Ideenaustausch darstellt. Der Workshop selbst war in die sogenannte "GradForum-Initiative" eingebettet. Das ist eine Initiative, die von GTO-Trainees organisiert wird und sich speziell an andere GTO-Trainees wendet. Beim GradForum stellt das Senior Management dem Unternehmensnachwuchs größere Projekte und Neuigkeiten vor.

Bei der "Unconference" handelte es sich nicht um gewöhnliche Vorträge per Powerpoint, bei denen die Senior Manager das Thema vorgaben. Stattdessen sprachen wir über das, was sich das Publikum (also wir Trainees) gewünscht hatte.

Die Unconference fing damit an, dass Wolfgang Gärtner (CIO GT Retail, Managing Director) zwar einen Vortrag vorbereitet hatte, jedoch direkt zu Anfang seine Redekarten ablegte und vom Publikum neue Karten verlangte mit Themen, über die er sprechen sollte.

Beamer und Folien sind tabu
Für die anschließenden Vorträge gab es die folgenden Vorgaben: Es wurde im Stehen in kleinen Kreisen referiert und zugehört. Beamer und Folien waren tabu, die Redner durften nur Redekarten benutzen. Es fanden immer drei unterschiedliche Vorträge gleichzeitig statt, zwischen denen man als Zuhörer beliebig wechseln konnte. Außerdem wurde der Vortrag der Senior Manager immer wieder durch Zwischenfragen und Denkanstöße aus dem Publikum gelenkt. Dadurch kam es auch durchaus vor, dass Manager über sich selbst, persönliche Erfahrungen und über Strategien in den kommenden Jahren gesprochen haben. Ein meiner Meinung nach ziemlich innovativer Ansatz, der deutlich mehr Spaß macht als die typischen Powerpoint-Vorträge.

Meine eigene Innovation

Neben derartigen Veranstaltungen zum Thema Innovation werde auch ich zu Innovationen und Verbesserung meiner eigenen Arbeit angehalten. Am Anfang meiner zweiten Rotation im Project Management Office (PMO) für das Programm "Tax Program 2011/2012" riet mir der Programmleiter Jörn Rudolph, alle meine Arbeitsprozesse zu überprüfen – Neuerungen und Verbesserungen seien immer willkommen. Das zeigte mir die offene Kultur in GTO, wo selbst von einem Trainee, der gerade erst in der Deutschen Bank angefangen hat, Neuerungen kommen können. In dem Sinne erarbeite ich zum Beispiel zurzeit einen neuen Ansatz, um die monatliche Budget-Vorhersage für die verschiedenen Projekte innerhalb des Programms zu erleichtern und zu vereinheitlichen.

Im ersten Teil seines Tagebuchs berichtete Eduard von seinen ersten beiden Projekte im Trainee-Programm. Im zweiten Teil klärt er über die "Mythen des Bankings" auf.

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Tagebuch (Deutsche Bank): Mythos und Realität in der Bank (Teil 2)

Donnerstag, den 8. Dezember 2011
Tagebuch

Banker sitzen in Wolkenkratzern, reden eine komische Sprache und sind ein wenig eingebildet – zumindest eines dieser drei Vorurteile hat sich für Alumnus Eduard bewahrheitet. In seinem zweiten Tagebuch-Eintrag räumt er mit den Mythen des Bankings auf – und verrät, ob er mit seinem Uni-Wissen gut für den Arbeitsalltag gerüstet war.

Ein paar Tage vor meinem Arbeitsbeginn bei der Deutschen Bank überlegte ich mir, was mich in den kommenden Tagen wohl erwartet und wie der Start bei der Bank sein wird. Rückblickend würde ich sagen, dass sich einige meiner Erwartungen erfüllt haben – bei manchen Vorurteilen war ich aber ganz schön auf dem falschen Dampfer.

Mythen und Realität in der Bank
Der erste "Bruch" zwischen Erwartung und Realität betraf die Wolkenkratzer der Banken. Nach meinem Bewerbungsgespräch im Messeturm in Frankfurt hatte ich angenommen, dass alle Banker in großen Wolkenkratzern arbeiten und immer eine schöne Aussicht genießen. Das hat sich für mich bis heute noch nicht so ganz erfüllt. Seit meinem Start bei der Deutschen Bank arbeite ich in einem kleineren fünf-stöckigen Gebäude – und habe leider nur andere größere Gebäude vor meinem Fenster.

Eduard bauere-fellows.net-Alumnus Eduard (25) hat in Paderborn Informatik studiert und ist anschließend bei der Deutschen Bank als Trainee eingestiegen.

Menschen
An meinem ersten Arbeitstag habe ich dann auch gemerkt, dass das Vorurteil, dass Bankangestellte immer eine Spur arrogant und eingebildet wirken, selten zutrifft – zumindest in der IT-Abteilung, in der ich eingestiegen bin. Das zeigt sich zum Beispiel schon daran, dass nicht jeder mit Anzug und Krawatte herumläuft. Viele Kollegen kommen ganz leger gekleidet zur Arbeit– und das nicht nur an "Casual Fridays". Meine Kollegen sind auch deutlich aufgeschlossener und zuvorkommender, als ich erwartet hatte. In meinem ersten Projekt, bei dem ich Application Owner für eine Applikation der Bank war, wurde ich direkt ins Projektteam aufgenommen und konnte bei Fragen eigentlich jeden zu jeder Zeit kontaktieren.

Sprachstil
Eine Veränderung für mich war der Sprachstil, den die meisten Mitarbeiter an den Tag legen. Neben vielen Anglizismen und Redewendungen hört man kaum einen Satz ohne Abkürzungen. Ein Satz von meinem Chef aus dem ersten Projekt ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Er sagte flott: "Du managest das RTB-Release von MoVe IT-ICM, front to end, also inklusive Verhandlungen mit dem Business und den Projekt-Membern der CTB-Seite, und bringst das Release in Produktion."

Dieser kurze Satz bedeutet Folgendes: Ich habe ein Run-the-Bank-(RTB-) Release verwaltet. Dabei handelt es sich um ein Release, bei dem Fehler und kleinere Verbesserungen an der Applikation durchgeführt werden. Da die Applikation für den Mobilen Vertrieb (MoVe IT) als "Incentive and Commision Management Lösung" (ICM) eingesetzt wird, wird die Applikation kurz MoVe IT-ICM genannt. Neben dem RTB-Betrieb gab es damals ein Projekt zum Ausbau der Funktionalität der Applikation – dies wird dann Change-the-Bank (CTB)-Projektgenannt. Deswegen musste ich meine Planungen und mein Vorgehen mit der CTB-Seite abstimmen. Außerdem musste ich über den Umfang des Projekts mit dem Business verhandeln – also mit der Fachseite, die die Applikation benutzt. Zu guter Letzt bedeutet bei der Deutschen Bank "etwas in Produktion bringen", dass wir die Applikation in die laufende Umgebung einfügen, die von der Fachseite genutzt wird.

Bis ich die geläufigen Begriffe und Abkürzungen erlernt hatte, verging durchaus der ein oder andere Monat. Und bis heute kommt es nicht selten vor, dass ich Begriffe höre, mit denen ich nichts anfangen kann. Um ehrlich zu sein, habe ich vom ersten Tag an eine Liste mit Abkürzungen und deren Bedeutung geführt. Leider kommt es auch vor, dass eine Abkürzung gleich mehrere Bedeutungen hat. Ein Beispiel ist das letzte Woche erwähnte "PMO" – was bei der Deutschen Bank neben "Project Management Office" auch für "Program Management Office", "Performance Management Online" oder "Performance Management Offline" stehen kann.

Wissen und Komplexität
Die vielen Abkürzungen sind auch ein Beispiel für die Komplexität im Arbeitsalltag, die ich so nicht wirklich erwartet hatte. Ausgestattet mit viel Uni-Wissen und einem guten Informatik-Abschluss dachte ich, dass ich für den Arbeitsalltag gewappnet wäre. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ich mein Wissen direkt einsetzen kann. Da wurde ich jedoch eines Besseren belehrt.

Neben unglaublich vielen Applikationen in der Bank und mir unbekannten Technologien (SAP, Mainframes, ETL, SAS, Oracle-Produkte) hatte ich deutlich Nachholbedarf in allen Themen rund um das Finanzwesen. Dabei habe ich festgestellt, dass man in einer so großen Bank wirklich niemals aufhört, dazuzulernen. Eine weitere Herausforderung ist übrigens, sich die vielen Namen der Personen in der Bank, mit denen man Kontakt hat, zu merken und im richtigen Moment parat zu haben.

Hektik, Vielfalt und Arbeitsalltag
Bei einem Bewerbungsgespräch bei einer anderen Bank sagte der Interviewer zu mir: "Herr Bauer, bei einer Bank gibt es nicht nur spannende und herausfordernde Aufgaben, es schleicht sich auch der Arbeitsalltag ein". Dem würde ich jetzt, nach knapp neun Monaten bei der Deutschen Bank, komplett widersprechen. Bis jetzt stellt sich bei mir noch kaum Langeweile und Alltag ein. Viel eher hat man bei der Arbeit eine gewisse Grundhektik, da mehr Aufgaben auf einen warten als Zeit zur Verfügung steht. Außerdem sind die Aufgaben jeden Tag anders.

Ein beispielhafter Tag in meinem ersten Projekt bestand aus mehreren Meetings und Telefonkonferenzen, in denen wir den Status des Projekts besprochen und den weiteren Vorgang geplant haben. Außerdem erstellte ich Präsentationen und Kalkulationen und berichtete meinem Chef täglich von meinem Fortschritt. Es kamen auch viele kurzfristige Aufgaben auf mich zu. Zwischendrin war ich mit unterschiedlichen Kollegen beim Mittagessen und Kaffeetrinken. Durch diese abwechslungsreichen Aktivitäten wird’s nie langweilig – genau das, was ich brauche.

Im ersten Teil seines Tagebuchs berichtete Eduard von seinen ersten beiden Projekte im Trainee-Programm.

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Tagebuch (Deutsche Bank): Einstieg im Trainee-Programm – mehr als kaltes Wasser (Teil 1)

Montag, den 28. November 2011
Tagebuch

Alumnus Eduard Bauer ist nach der Uni ganz strukturiert an seine Jobsuche herangegangen. So entdeckte er schnell das GTO-Trainee-Programm der Deutschen Bank. Als Früheinsteiger hatte er seine erste Rotations-Station schon hinter sich, bevor er die anderen Trainees in London kennenlernte.

Eduard bauere-fellows.net-Alumnus Eduard (25) hat in Paderborn Informatik studiert und ist anschließend bei der Deutschen Bank als Trainee eingestiegen.

Nach meinem Abi, das wie für einen Jungen typisch durch die Leistungskurse Mathe und Physik geprägt war, ging es für mich nach Paderborn zum Informatik-Studium. Diesen Plan hatte ich schon seit der 8. Klasse durch die ersten Kontakte mit der Programmiersprache Java in einer AG. Der Gedanke, bei einer Bank zu arbeiten war damals noch lange nicht gedacht. Im Studium hab ich mich dann vor allem für die Software-Entwicklung interessiert – und durch mein Nebenfach auch ein wenig über BWL erfahren.

Herausforderung im Entwicklungsprojekt
Im Studium wurde es immer dann herausfordernd, wenn mehrere Studenten an dem gleichen Entwicklungsprojekt gearbeitet haben. Schließlich ist es schwerer, aber auch unterhaltsamer, zusammen mit anderen ein Ziel zu formulieren und zu verfolgen, als alleine im stillen Kämmerlein für eine theoretische Informatikklausur zu lernen. Ich selbst habe während des Studiums an zwei großen Projekten teilgenommen: an einem mit einer Dauer von einem halben Jahr und sieben weiteren Studenten und an einem anderen mit einer Dauer von einem Jahr, an dem neben mir zwölf Mitstreiter arbeiteten.

Das Ergebnis war zum einen eine Modellierungsumgebung für den Automotive-Bereich und zum anderen ein Prototyp des künftigen Internets, das einen informationszentrischen Ansatz verfolgt (netinf.org). Mein Studium schloss ich dann mit einer Master-Arbeit bei der IBM Research Zurich ab.

Wohin nach dem Studium?
Nach dem Studium stellte sich für mich die Frage, wie es nun weitergeht. Bei IBM Research hatte ich festgestellt, dass eine Promotion für mich zu wenig Interaktion mit anderen zur Folge hätte. Daher entschied ich mich, die Uni zu verlassen und in die freie Marktwirtschaft zu wechseln. Ich habe vor allem nach Einstiegs- oder Trainee-Programmen gesucht, um das breite Uniwissen rund um Software-Entwicklung innerhalb eines Unternehmens zu vertiefen und strukturiert in die Arbeitswelt zu starten.

Blieb also noch die Frage, welcher Industriezweig und welches Unternehmen? Weil ich zuvor ein Praktikum bei einem Softwarehersteller für Finanzdienstleistungen gemacht hatte, richtete ich mein Augenmerk auf die Finanzindustrie. An diesem Punkt kam ich an der Deutschen Bank und ihrem Trainee-Programm nicht mehr vorbei.

Das GTO-Trainee-Programm
Geworben wurde bei der Deutschen Bank mit dem Group Technology & Operations (GTO) Trainee-Programm. GTO ist bei der Deutschen Bank eine Abteilung, die verschiedene Infrastrukturfunktionen in der Bank umfasst – unter anderem die IT. Das Programm sollte aus mehreren Rotationen bestehen, in denen man verschiedene Abteilungen und Aufgaben rund um die IT in der Bank kennenlernt. Außerdem wurde ein sechswöchiger Aufenthalt in London versprochen, bei dem wir in den Konzern eingeführt werden und die anderen Trainees kennenlernen.

Frühstart ins Trainee-Programm
Nach einer Bewerbung und zwei Auswahlrunden, bestehend aus drei Vorstellungsgesprächen, wurde mir ein Platz im GTO-Trainee-Programm angeboten. Die Chance ließ ich mir nicht entgehen. Nun war ich also an Bord der Deutschen Bank in der GTO-Abteilung, die neben mir weltweit 30.000 andere Mitarbeiter umfasst. Da das offizielle GTO-Trainee-Programm mit dem London-Aufenthalt im September startet, ich jedoch im April anfangen wollte, wurde ich zum Early Starter. Dadurch habe ich bereits vor dem offiziellen Start eine Rotation hinter mir.

Rotation – die Erste!
In der ersten Rotation wurde ich vom ersten Tag an in das Tagesgeschäft eingebunden und mit spannenden und verantwortungsvollen Aufgaben konfrontiert. Ein älterer Trainee sagte über meinen damaligen Chef: "Er schmeißt die Leute nicht in kaltes Wasser, sondern auf gefrorenes Eis." Doch diese Herausforderungen und die kleinen Erfolge waren mehr als befriedigend.

Ganz konkret war ich "Application Owner" und musste eine laufende Anwendung betreuen. Meine erste Aufgabe war, ein Release dieser Anwendung zu managen, inklusive Absprache des Scopes mit unseren internen Kunden, der Beauftragung der Analysten, Programmierer und Tester. Dieser Kickstart hat mich ein ganzes Stück weitergebracht. Und das Gute dabei war, dass man nie allein war, sondern sich immer in einem größeren Team befand.

Globale Einführung in London
Nach fünf Monaten in der ersten Rotation ging es Anfang September nach London zum eigentlichen Start des Trainee-Programms: Sechs Wochen bestehend aus Business Speaker Series, Class Room Training, Networking-Veranstaltungen und einer Menge abwechslungsreicher Wochenenden mit den anderen Trainees.

Eröffnet wurde das Programm im London Hilton on Park Lane mit einer Rede des Vorstandsmitglieds Dr. Hugo Bänziger (Chief Risk Officer). Ich hatte das Glück, an einem Tisch in der ersten Reihe zu sitzen und ihn hautnah zu erleben – eine erstaunliche Persönlichkeit! Neben Hugo Bänziger war auch Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti (Chief Operating Officer) ein absolutes Business Speaker Highlight in London. Als Verantwortlicher unter anderem für den GTO-Bereich war Hermann-Josef Lamberti sehr aufgeschlossen und ehrlich und motivierte uns, für die Deutsche Bank zu arbeiten.

Beim Class Room Training haben wir die Finanzprodukte der Deutschen Bank kennengelernt (für mich als Informatiker mit dem Nebenfach BWL übrigens sehr hilfreich). Außerdem ging es um Projekt-Management-Techniken und Soft Skills. Nebenbei haben wir uns in den Aufbau der Deutschen Bank hineingefuchst – eines der komplexeren Gebiete.

250 Trainees aus aller Welt
In den Pausen hatte ich dann Gelegenheit, die knapp über 250 anderen Trainees aus aller Welt kennenzulernen. Zwei zusätzliche Networking Events, veranstaltet von der Deutschen Bank, rundeten das Kennenlernen ab: Einmal waren wir in einer Bar mit einem professionellen Networking-Trainer, der auf unterhaltsame Art und Weise das Netzwerken erklärte. Das andere Mal ging es in die Namco Station in London – eine Halle bestückt mit Billard- und Airhockey-Tischen, Dart-Scheiben, Bowling-Bahnen und vielem mehr. Ein Highlight hier war der Autoscooter, bei dem man seine Kollegen auf eine etwas andere Art kennenlernte. An den Wochenenden unternahmen wir Ausflüge zusammen – ganz casual und ohne Anzug und Krawatte.

Die Unterkünfte ließen sich übrigens auch durchaus sehen – mitten in London an der London Bridge waren die meisten Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar.

Rotation – die Zweite!
Zurück aus London – ausgestattet mit theoretischem Wissen zur Bank und zur Projektabwicklung – habe ich vor drei Wochen meine neue Rotation in der Professional Service Unit begonnen. Dies ist eine Abteilung in GTO, die viele Projektleiter, funktionale Analysten und technischen Spezialisten umfasst und diesen die laufenden Projekten zuweist. Ich bin gleich am ersten Tag im Project Management Office (PMO) für das Projekt "Tax Program 2011/2012" eingesetzt worden.

Das PMO für ein Projekt ist ein Team, das den Projekt- oder Programmleiter unterstützt und entlastet. Für mich hieß dies in den ersten drei Wochen vor allem administrative Tätigkeiten ausführen (Statusreports erstellen, Projektplan aktualisieren, Budgetzahlen abgleichen, Zeitnachweise kontrollieren, und so weiter), aber auch die Jahresplanung 2012 aktiv zu begleiten.

Im Projekt selbst geht es um die Weiterentwicklung eines Systems zur Berechnung und Abführung der Kapitalertragsteuer, die in Deutschland 2009 eingeführt wurde. Hier hat sich der Gesetzgeber in puncto Steuern meiner Meinung nach wieder mal selbst übertroffen. Obwohl es im groben relativ einfach klingt, gibt es viele Details, Sonderregelungen und Ausnahmen, die das Thema und die Einarbeitung mehr als kompliziert machen.

Was folgt:
In den nächsten Wochen werde ich meine Eindrücke aus der ersten Rotation in der Bank näher beschreiben und dabei speziell auf meine Erwartungen an das Trainee-Programm und den Mythos Bank eingehen, wie sich die Realität darstellte und wo es Brüche zwischen Erwartung und Erfahrung gab. In einem weiteren Tagebuch-Beitrag beschreibe ich dann meine zweite Rotation ein wenig näher. Da zurzeit fast die ganze Bank über Innovationen spricht, werde ich auch ein wenig auf Innovation in der IT-Abteilung der Deutschen Bank eingehen.

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Tagebuch (Roche): Excel, Elche und Draisinen
(3. Teil)

Mittwoch, den 17. August 2011
Tagebuch

Eine eierlegende Wollmilchsau hat e-fellows.net Alumna Katharina in ihrem Projekt in Schweden erschaffen. Mit ihrem Tool zur besseren Verkaufssteuerung der Roche-Geräte sind sie und Roche so zufrieden, dass es wahrscheinlich in mehreren Ländern eingeführt wird. Nach einem Värmland-Abenteuer mit "Hausfloß" und Draisine nahm Katharina Abschied von Schweden.

Obwohl erst Mittsommer (die Sommersonnwende) Ende Juni den Anfang des Sommers markiert, bekamen wir bereits Anfang Juni einen ausführlichen Vorgeschmack auf den Sommer. Er hielt sich stolze zwei Wochen. So konnte ich mit meinem Freund das Himmelfahrtswochenende genießen und endlich einen Bootsausflug in die Schären machen.

Sandhamn
Sandhamn

Stockholm liegt am Rande eines großen Archipels mit unzähligen kleinen Inseln, die man Schären nennt. Wer in Stockholm mit dem Boot startet und wie wir bis Sandhamn in die äußeren Schären fährt, der bekommt einen sehr guten Eindruck von dieser idyllischen Inselwelt mit vielen kleinen roten Häuschen. Besonders gut hat uns gefallen, wie unterschiedlich die Schären sind. Sandhamn zum Beispiel ist gespickt mit Dünen und man spürt dort die raue Seite der Ostsee. Grinda hingegen ist eine sehr grüne Insel mit üppiger Vegetation und viel weniger kaltem Wind.

e-fellows.net-Alumna Katharina (26) studierte "International Business Studies" in Paderborn und Xalapa, Mexiko. Anschließend machte sie einen Master in "International Management" in Dublin und St. Gallen. Im Oktober 2009 ist sie ins Management-Start-Up-Programm bei Roche eingestiegen.

Einen Steinwurf vom schwedischen Königshaus entfernt
Am 6. Juni feierten die Schweden dann ihren Nationalfeiertag. Ganz Stockholm war voller blau-gelber Fähnchen und es gab kostenlose Veranstaltungen und Attraktionen. Wir hatten uns für einen Besuch des Palastes in Gamla Stan entschieden. Wir kamen gerade aus dem Palast, als uns die mit Band abgesperrte Gasse dahinter auffiel. Ich erinnerte mich daran, dass es eine Parade mit dem Königs- und Kronprinzenpaar geben sollte. Eigenartigerweise war die erste Reihe noch komplett frei und so positionierten wir uns einfach mal hinter dem Band und warteten.

Kronprinzenpaar
Das Kronprinzenpaar

Tatsächlich kamen eine Menge Reiter und die Garde und kurz darauf rollten zwei Kutschen mit den besagten Paaren ein paar Meter vor uns vorbei. Inzwischen war doch eine beachtliche Menschenmenge zusammengekommen, die dem Königshaus zujubelte. Und ich war wieder einmal fasziniert von der schwedischen Höflichkeit und Gelassenheit. Die ermöglicht es, dass die Menschenmenge kurz vorher zusammenkommt, ohne Gedränge jubelt und sich anschließend friedlich und in Windeseile wieder auflöst.

Werbung für das neue Tool und Integration zwei weiterer Geschäftsbereiche
Direkt nach dem langen Wochenende stand für mich eine wichtige Präsentation an. Der Leiter der EMEA-Subregion Nord/West war zu Besuch und sollte mehr über dieses Vorreiterprojekt erfahren, an dem ich arbeitete. Und so konnte ich mich darüber freuen, dass das von mir entwickelte Tool nicht nur in Schweden Anklang findet, sondern vielleicht bald auch in anderen Ländern eingeführt werden könnte.

Bisher hatten wir das Reporting Tool für den größten Geschäftsbereich entwickelt. Nun sollte das Tool wie geplant auch in zwei weiteren Geschäftsbereichen eingeführt werden. Für mich bedeutete das, dass ich mich zunächst wieder durch einen Haufen Daten wühlen und das Muster darin finden musste, nach dem ich dann die "Regeln" definierte, die das Tool zum Leben erwecken. Mit etwas Übung ging das immer schneller, doch da die Zeit trotzdem knapp wurde, bekam ich für die technische Verwirklichung des zweiten Reporting Tools Unterstützung von unserem globalen Controlling. Dieses Mal lief die Validierung des Reportings äußerst zügig ab, da wir im Vorfeld bereits viele Stolperstellen ausräumen konnten und mit einer besseren Datenbasis gestartet sind.

Blieb also der dritte Geschäftsbereich, in dem wir das Tool künftig einsetzen möchten. In den letzten Monaten konnte ich meine Excel-Kenntnisse deutlich erweitern, und so wagte ich zu guter Letzt den Versuch, das dritte Tool auch von der technischen Seite selbst zu entwickeln.

Heute kann ich nun voller Stolz sagen, dass es mir gelungen ist, in nur drei Monaten ein "Channel Fill Tool" für drei Geschäftsbereiche zu entwickeln, zu validieren und an die Finanzabteilung zu übergeben.
Wie bei einem Projektabschluss üblich, gab es eine formale Übergabe sowie eine offizielle Abschlusspräsentation vor dem Management.

Spazieren gehen für einen guten Zweck
Da die Schweden ihren kurzen Sommer über alles lieben, darf natürlich auch bei Roche ein Sommerfest nicht fehlen. Ab Mittsommer Ende Juni hält in Schweden teils gespenstische Stille in Firmen und Bürogebäuden Einzug. Und deshalb fand unser Sommerfest also schon Mitte Juni statt und startete mit dem "Children's Walk", einem längeren Spaziergang mit wohltätigem Zweck. An größeren Standorten spazieren die Roche-Mitarbeiter an diesem Tag um ihr Werksgelände. Da dies in Stockholm allzu schnell ginge, spazierten wir mit den Kollegen von Roche Pharma zum Restaurant, in dem das Sommerfest stattfinden sollte. Roche spendete für jeden Mitarbeiter, der den Spaziergang absolviert, Geld an Kindertagesstätten in Malawi, Afrika, und Kinderhilfswerken in den jeweiligen Ländern der beteiligten Roche-Standorte.

Mittsommer – mit "Maibaum" im Juni

Der schwedische
Der schwedische "Maibaum"

Mittsommer bedeutet für die Schweden, dass sie ein langes Wochenende in ihrem Sommerhaus verbringen und mit Freunden und Familie den längsten Tag des Jahres feiern. Da der natürlich nicht immer auf ein Wochenende fällt, feiert man einfach am Wochenende danach. Für all die Stockholmer ohne Sommerhaus und Touristen wie mich gibt es im Freilichtmuseum "Skansen" die Möglichkeit, alle Traditionen mitzuerleben und mit den Schweden zu feiern. Entgegen meiner Befürchtungen geht es dabei gar nicht touristisch zu, sondern der Großteil der Besucher sind tatsächlich Schweden.

Mit meinem gutgelaunten Besuch aus Deutschland verfolgte ich also, wie die Schweden ihren "Maibaum" aufstellten, der riesig war und nur mit langen Holzstäben und menschlicher Kraft errichtet wurde. Ein Jahr müssen die ausgesuchten Helfer dafür üben. Tatsächlich hatten wir zwischendurch Angst, dass der "Baum" bricht. Aber als er letztlich stand, hüpften wir mit allen anderen zu schwedischen Volksliedern um den Baum, imitierten mit Blick auf unsere schwedischen Vorbilder Frösche und Elefanten und hatten einen Riesenspaß.

Mit Kranz im Haar
Mit Kranz im Haar

Wie der geschmückte Maibaum, um den man tanzt, gehören auch selbstgeflochtene Kränze aus Birkenzweigen zu Mittsommer, die von Frauen und Kindern im Haar getragen werden. Da kam ich natürlich nicht umhin, mir auch einen zu binden und aufzusetzen.

Eine Regel für Mittsommer besagt, dass es regnet. Glücklicherweise machte Petrus dieses Jahr eine Ausnahme, und so konnten wir nach Trank und Tanz aufbrechen zum Grillen. Wie das Leben eben so spielt, wohnt eine britische Freundin meines Besuchs, die er aus Spanien kennt, zurzeit in Stockholm. So gab es ein großes Wiedersehensgrillen am Flussufer, das unser Mittsommerfest so richtig abrundete.

Licht zum Abschied
Licht zum Abschied

Abschied vom schönen Licht
Mit Mittsommer ging auch mein letztes Wochenende in Stockholm zu Ende. Spätestens auf dem Heimweg vom obligatorischen Abschiedsessen wurde mir bewusst, wie sehr mir diese Stadt und ihr schönes Licht fehlen wird. Und so packte ich die Koffer mit einem weinenden Auge, während das lachende an meine schöne Wohnung in Deutschland dachte, die ich nun endlich wieder gegen das Hotelzimmer eintauschen konnte.

Värmland-Abenteuer: Unterwegs mit "Hausfloß" und Kanu
Bevor es allerdings nach Hause ging, bekam ich ein letztes Mal Besuch – von meinem Vater, mit dem ich zu einem Värmland-Abenteuer aufbrach. Für eine Woche verabschiedeten wir uns zumindest teilweise von der Zivilisation und bewegten uns jeden Tag mit einem anderen Fortbewegungsmittel von Uddeholm 90 Kilometer flußabwärts bis Karlstad. Dabei schliefen wir jede Nacht an einem anderen Ort, vom Sternehotel bis zum Samizelt auf einer unbewohnten Insel im Fluss.

Der erste Tag startete mit einer Seeüberquerung auf einem "Hausfloß". Nach der Wanderung durch den Wald mithilfe eines GPS erreichten wir am Nachmittag unser zweites Quartier. Der Fluss an und auf dem wir uns bewegten, heißt "Klarälven" und fließt bei Karlstad in den Vänernsee. Es ist ein sehr breiter Fluss mit langsamer Strömung und ohne Bootsverkehr. In den zwei Tagen, die wir mit Floß und Kanu auf dem Fluss verbrachten, trafen wir keinen einzigen Menschen.

Mit dem Kanu in Värmland
Mit dem Kanu in Värmland

Entlang des Klarälven gibt es eine alte Bahnstrecke, die vor einigen Jahren zum Fahrradweg umgebaut wurde. Neben Floß und Kanu fuhren wir also einen Tag mit einer Draisine, die gar keine ist, weil ja keine Schienen mehr da sind, und die mein Vater "Muscle Quad" taufte. Muskeln brauchte man tatsächlich, da das Ding unglaublich schwer und ungelenk ist. Nach einem "Ruhetag", inmitten von Wiesen und schwedischer unberührter Natur, legten wir die letzten 50 Kilometer nach Karlstad auf der ehemaligen Bahnstrecke "Klarälvbanan" mit dem Fahrrad zurück. Wir waren ganz entzückt von diesem netten Städtchen, das von Wasserarmen durchzogen ist, und verbrachten unseren letzten Abend in Schweden mit Spazierengehen, Boot fahren und Sushi essen bei schönstem schwedischen Sonnenschein.

Über Anfangshürden zur eierlegenden Wollmichsau
Nach über drei Monaten ging es für mich dann wieder nach Hause. Es war eine unglaublich abwechslungsreiche Zeit, die nicht zuletzt durch die gefühlten drei Jahreszeiten länger wirkte als sie war. Angefangen mit winterlichen Ausläufern und etlichen Anfangshürden im Projekt bin ich über erste Erfolge und Frühlingsgefühle zu einem sehr guten Projektabschluss gelangt – und auch der Sommer kam. Dabei habe ich viel gelernt über die Daten und Systeme von Roche, über Excel, Elche, die schwedische Kultur – und die Kunst, eine eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen.

Im ersten Teil berichtet Katharina von ihrer Ankunft in Stockholm, im zweiten Teil vor der schwedischen Angst vor Konflikten.

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Tagebuch (Roche): Die schwedische Angst vor Konflikten (Teil 2)

Mittwoch, den 29. Juni 2011
Tagebuch

Was tun, wenn man die Erstellung eines Tools managen soll, die schwedischen Kollegen aber keine Zeit haben und Konflikten lieber aus dem Weg gehen? Katharina übt sich in Stockholm in schwedisch-deutscher Diplomatie und stellt dabei fest, dass Schweden sogar noch lieber planen als Deutsche.

Nach und nach lerne ich alle Facetten, Verbindungen und Auswirkungen meines Projekts kennen, und so macht die Arbeit daran immer noch mehr Spaß. Es ist gut, zu sehen, wie man mit seiner Arbeit echten Mehrwert schafft und auch für sich selbst viel mitnimmt! Ich entwickle ein Tool, das einen Überblick darüber gibt, welche Tests die Kunden mit den Geräten von Roche durchführen. Dieses "Channel Filling" oder "Channel Monitoring Tool" entpuppt sich als echtes Allround-Talent.

e-fellows.net-Alumna Katharina (26) studierte "International Business Studies" in Paderborn und Xalapa, Mexiko. Anschließend machte sie einen Master in "International Management" in Dublin und St. Gallen. Im Oktober 2009 ist sie ins Management-Start-Up-Programm bei Roche eingestiegen.

Konfliktscheue macht die Ressourcenplanung schwierig
Nachdem die Projektplanungsphase abgeschlossen war, musste ich zunächst einige Überzeugungsarbeit leisten, um mir die erforderlichen Ressourcen zur Durchführung zu sichern. Dabei habe ich schnell eine Besonderheit der schwedischen Kultur am eigenen Leib beziehungsweise am Projekt erfahren: "Der Schwede" trägt ungern Konflikte aus und bemüht sich so sehr um Konsens, dass verbindliche Zusagen oft schwer zu bekommen sind. Durch Beobachtung fand ich heraus, wie man trotzdem ans Ziel kommt. Jetzt wähle ich eine Herangehensweise, die gespickt ist mit Diplomatie und kleineren Anfragen, die wiederum zu häppchenweisen Zusagen führen.

Für mich etwas gewöhnungsbedürftig, heißt das also, dass man sich als Projektleiter zwar Deadlines gegenübersieht, die Zusagen von den beteiligten Kollegen jedoch erst nach und nach erwirken kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass Schweden nicht gerne planen – vielmehr ist es so, dass mein Projekt nun "ungeplant" für die Projektmitglieder dazwischenkommt und sie daher "spontan" keine Zusagen machen können. Und während ich nun in Deutschland ausdiskutieren würde, wer wie viel Zeit investieren kann oder muss, werden solche Konfliktsituationen hier vermieden und kaum toleriert.

Abendstimmung im Hagapark
Abendstimmung im Hagapark

Neue Führungserfahrung und Begeisterung für die eierlegende Wollmilchsau
Für mich ist es daher eine Führungsaufgabe der ganz besonderen Art. Während ich selbst verbindliche Ziele habe, muss ich die nötige Unterstützung ständig neu verhandeln und das Team geschickt ohne Konfliktgespräche dem Zeitplan gemäß steuern. Und dadurch lerne ich jeden Tag eine Menge!

So war ich stolz, dass ich bei der Zwischenpräsentation nach sechs Wochen das "Pilot-Tool" für den ersten Geschäftsbereich präsentieren konnte. Es hat mich richtig motiviert, zu sehen, wie begeistert alle von diesem Tool sind! Ich bekam sehr positive Rückmeldungen nicht nur vom Außendienst und den Regionalleitern, sondern auch von Management und Finance. Es ist außergewöhnlich, dass man mit einem Tool so viele unterschiedliche Bedürfnisse abdecken kann.

Drottninggatan mit Blick bis Gamla Stan [Quelle: Roche]
Drottninggatan mit Blick bis Gamla Stan

Und dann durfte ich Detektivin sein
Nachdem der Pilotreport für den größten Geschäftsbereich nun vorlag, begann echte Detektivarbeit. Denn ein Tool, das Daten aus den Systemen nutzt, bildet nie zu 100 Prozent die Realität ab. Da jedoch monatlich automatisierte Updates vorgenommen werden sollen, ist es notwendig, hier einen guten Kompromiss zu finden.

Zunächst einmal mussten wir uns also ein genaueres Bild verschaffen, wie gut sich unser Report mit der Wirklichkeit deckt. Dafür ist die Mitarbeit der Regionalleiter essentiell. Und so habe ich viel Zeit am Telefon verbracht, Fehler und Verbesserungsvorschläge gesammelt und anschließend tief in den Daten gegraben, um zu verstehen, woher die Fehler kommen. Erfreulicherweise waren die "Regeln", nach denen das Tool arbeitet, bereits so gut, dass wir uns entschieden haben, sie unverändert beizubehalten. Da die vorhandenen Fehler einfach zu beheben waren, konnte ich mich zügig dem nächsten Geschäftsbereich zuwenden.

So sehen schwedische Kunden aus
Neben meiner eigentlichen Projektarbeit hatte ich die Möglichkeit, Kollegen bei einigen Kundenbesuchen zu begleiten. Diese habe ich natürlich begeistert genutzt. Im Großen und Ganzen entspricht das schwedische Gesundheitssystem und Marktumfeld zwar dem deutschen, aber durch mein erstes Projekt im Außendienst in Deutschland konnte ich doch einige Unterschiede entdecken und hinterfragen. Außerdem habe ich mich sehr darüber gefreut, einen mir noch völlig unbekannten Bereich im Labor kennenzulernen: die Gewebediagnostik.

Und was machen Stadt und Frühling?
Ich habe mich verliebt. Und wie dieses Gefühl es so an sich hat, beschränkt sich die Sicht auf all das Positive – Frühlingsgefühle eben. Ich liebe diese Stadt, die viel mehr aus Grün und Blau als aus Grau zu bestehen scheint. Und so genieße ich jedes Wochenende hier in vollen Zügen, die meisten davon mit Freunden und meinem Freund, die es alle zu einem Besuch hierher zieht. Und wenn ich doch mal alleine bin, genieße ich sonnige Stunden an meinem Lieblingsplatz auf einem Steg mitten in der Stadt, mit einem Buch und Blick auf Promenade, Wasser, Ausflugsboote, Touristen und Stockholmer.

Elch im
Elch im "Skansen"

Freiluft für Museumsmuffel
So viel Natur es in Stockholm auch gibt, und auch wenn man Hasen und Rehen in der Stadt beobachten kann – um Rentiere und Elche zu sehen, muss man dann doch in den Zoo. Nur dass selbst der Zoo hier naturnaher wirkt und eigentlich auch gar keiner ist. Vielmehr befindet er sich auf einer Insel mitten in der Stadt und ist Teil eines Freilichtmuseums namens "Skansen". Dort finden sich neben Tieren originale Bauernhäuser aus ganz Schweden, die hier hergebracht und den schwedischen Regionen entsprechend von Süd nach Nord wieder aufgebaut wurden. In einem alten Handwerkerviertel kann man außerdem Glasbläsern, Buchbindern, Töpfern und Bäckern bei ihrer Arbeit zusehen – und die entstandenen Werke gleich kaufen. So macht Museum Spaß!

Schloss Drottningholm
Schloss Drottningholm

Södermalm, Gamla Stan, Norrmalm und Östermalm: Stockholm hat viele Gesichter
Neben meiner Begeisterung für Wasser und Natur in der Stadt genieße ich es immer wieder, meine Besucher mit den unterschiedlichen Vierteln und ihrer Atmosphäre zu verblüffen. Tatsächlich ist Stockholm so klein, dass man mit guten Schuhen an einem Tag die unterschiedlichsten Eindrücke sammeln kann. Und natürlich kommen wir unterwegs vorbei an all den Lieblingsplätzen, Lieblingseisdielen, Lieblingscafés, Lieblingsläden, Lieblingssaftbars und Lieblingsrestaurants, die ich gesammelt habe. Und somit ist für mich die wichtigste Sehenswürdigkeit in Stockholm das Gefühl, das jeder Stadtteil vermittelt.
Wen das nicht begeistert, den erfreue ich mit Korintkakor (eher wegen des Namens als wegen des Geschmacks, denn das sind natürlich Rosinenkekse), Kanelbullar (Zimtschnecken mit viel Kardamom), Blaubeerkuchen und der schwedischen Variante des Karottenkuchens. Wer keine Zuckerschnute ist, der genießt zum Beispiel Räucherlachs, den es hier in viel mehr Varianten gibt, als ich es für möglich gehalten hätte.

Sowohl Arbeit als auch Freizeit haben sich inzwischen also richtig gut eingependelt, und so fliegt die Zeit noch mehr, als sie es sonst schon tut. Da muss ich an "Ferien auf Saltkrokan" von Astrid Lindgren denken, wo der Vater an Mittsommer wehmütig sagt: "Bald ist sie vorbei, die schöne Zeit!"

Im ersten Teil berichtet Katharina von ihrer Ankunft in Stockholm.

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Tagebuch (Roche): Ein Frühlingsprojekt in Stockholm (1. Teil)

Freitag, den 20. Mai 2011
Tagebuch

Für Roche in Stockholm soll Katharina ein Tool entwickeln, das einen Überblick darüber gibt, welche Tests die Kunden mit den Geräten von Roche durchführen, damit man die Verkaufsaktivitäten besser steuern kann. Dicke Fellstiefel und reichlich Auslandserfahrung – Katharina fühlte sich gut gerüstet für Schweden. Allerdings hatte sie nicht mit den schwedischen Hürden im Alltag gerechnet – und nicht mit dem plötzlichen Stockholmer Frühling.

Nach meinem Außendienstprojekt in Berlin und zwei Projekten in verschiedenen Geschäftsbereichen am Standort Mannheim war es Anfang April an der Zeit, einen kleineren Roche-Standort im Ausland kennenzulernen. Und neben der Arbeit geht es natürlich um Land, Leute, Sprache und Kultur.

Stadt am WasserWillkommen in Stockholm!
Nachdem ich in meinem Studium reichlich Auslandserfahrung gesammelt habe, erscheint so ein Aufenthalt in Schweden vergleichsweise "einfach". Und doch musste ich überraschenderweise schon am ersten Morgen eine Hürde meistern: den Weg zur Arbeit. Natürlich befinde ich mich nicht in einem Entwicklungsland und im Gegensatz zu Nicaragua oder Mexiko hat Schweden deutlich sichtbare Bushaltestellen. Aber ich musste ja erst mal herausfinden, welche die richtige ist – und woher man eine Fahrkarte bekommt.

e-fellows.net-Alumna Katharina (26) studierte "International Business Studies" in Paderborn und Xalapa, Mexiko. Anschließend machte sie einen Master in "International Management" in Dublin und St. Gallen. Im Oktober 2009 ist sie ins Management-Start-Up-Programm bei Roche eingestiegen.

Glücklicherweise habe ich vorher im Hotel nachgefragt, ob man im Bus Fahrscheine kaufen kann – aber nein, leider nicht. Mir wurde allerdings versichert, dass ein Automat an der Bushaltestelle sei, sonst solle ich einfach im Supermarkt nachfragen. Das musste ich dann auch, da es den Automaten nicht gab. Im Supermarkt wurde mir dann empfohlen, mein Busticket per SMS zu kaufen (ach so, kein schwedisches Handy) oder eben zur U-Bahn zu laufen, dort gäbe es einen Schalter.

90 Tage Busfahren – oder 30?
Also bin ich zur U-Bahn gestapft mit der festen Absicht, mir gleich ein Drei-Monatsticket zu kaufen, damit ich das nicht jeden Morgen machen muss. ;) Am Schalter dort sagte man mir, dass sie keine Bustickets verkaufen, aber ich könnte mal im Kiosk nachfragen. Im Kiosk gab es dann die 90-Tage-Tickets leider nicht, also hab ich mich mit 30 Tagen zufriedengegeben, immerhin. Dann also zurück zur Bushaltestelle und ab zu Roche. Dorthin zu finden war dann vergleichsweise einfach. ;)

Frühlingswiesen in StockholmIm Willkommensmeeting haben wir dann gleich Termine für Zwischen- und Abschluss- präsentationen vereinbart, noch bevor ich richtig begriffen hatte, was ich eigentlich erarbeite. Und so kam ich ziemlich schnell zu der Überzeugung, dass Planung hier als mindestens ebenso wichtig eingestuft wird wie in Deutschland. Andererseits – auch wenn die Termine vereinbart sind, scheint der tatsächliche Inhalt sehr flexibel zu sein und an die jeweilige Situation angepasst zu werden. Auf den zweiten Blick ist "der Schwede" also spontaner als es zunächst scheint.

Mein Projekt: Die Entwicklung eines Channel Monitoring Tools
In den ersten drei Wochen habe ich viel Zeit investiert, um meinen Auftrag genau zu klären, sodass ich inzwischen eine klare Vorstellung davon habe, worum es sich bei meinem Projekt handelt. Roche Diagnostics verkauft medizinische Analysegeräte in allen Größen, überwiegend für die Analyse von Blut, aber zum Beispiel auch für die Zellanalyse. Je nachdem, welche medizinischen Fragestellungen der Kunde beantworten möchte und wie viele Tests er pro Tag durchführen muss, wird das passende Gerät in der passenden Größe ausgewählt.

Neben dem Gerät kauft der Kunde in der Regel Reagenzien und Verbrauchsmaterialien von Roche, also Produkte, die er braucht, um die Tests durchzuführen. Und da auf vielen Geräten sehr viele verschiedene Tests durchgeführt werden können, bietet es sich an, den Kunden auf weitere Möglichkeiten aufmerksam zu machen, wie er die vorhandenen Geräte nutzen kann. Und zwar insbesondere dann, wenn die Geräte noch Kapazität frei haben, das bedeutet Kanäle für weitere Tests.

Dafür ist es hilfreich, wenn Verkäufer, Marketing und Produktmanagement eine genaue Übersicht darüber haben, welche Tests der Kunde bereits mit unseren Produkten durchführt, wo wir neue Tests hinzugewinnen und wo wir möglicherweise einen Kunden verlieren. In Schweden gibt es bisher kein Tool, das einen solchen Überblick ermöglicht und damit Marketing und Verkauf unterstützt, den richtigen Fokus für die Verkaufsaktivitäten zu legen.

Ein Monitoring Tool für das gesamte Portfolio und verschiedene Zielgruppen
Mein Auftrag ist es nun, genau so ein Tool zu konzipieren, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der schwedischen Organisation. Die Herausforderung dabei ist, dass ich drei verschiedene Geschäftsbereiche abbilden soll, die jeweils ein unterschiedliches Portfolio und teils verschiedene Zielgruppen haben. Daher habe ich zunächst einmal mit allen beteiligten Geschäftsbereichen über ihre Anforderungen und Bedürfnisse gesprochen.

Um das Rad nicht unnötig neu zu erfinden, habe ich außerdem mit einigen anderen Länder-Organisationen von Roche Kontakt aufgenommen, um mir einen Überblick über deren Lösungen und Tools zu verschaffen. Gemeinsam mit einer Kollegin aus dem Controlling werde ich dann das Tool entwickeln, testen, verfeinern und implementieren.

See im Haga-ParkStockholmer Frühling – ich habe die richtige Jahreszeit erwischt!
Ich nutze vor allem die Wochenenden, um Stockholm kennenzulernen. Zunächst einmal muss ich sagen, dass mich das Wetter, das mich hier im April erwartet hat, sehr positiv überrascht hat. Völlig fehl am Platz waren definitiv die dicken Fellstiefel, die ich eingepackt hatte, nachdem ich mehrfach von meiner Schwedisch-Lehrerin gewarnt worden war, dass es im April durchaus noch schneien könne! Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass mein Körper nach frühsommerlichen Temperaturen Ende März in Deutschland derartige Kälteschocks ohne Fellstiefel verkraften könnte! Glücklicherweise kam jedoch alles anders. Als ich ankam, waren zwar tatsächlich noch Schnee-Rollsplit-Reste am Straßenrand zu sehen und der Fluss hinter dem Roche-Gebäude war noch komplett mit Eis bedeckt – aber wir hatten um die 8° C und mir wurde ständig versichert, dass ich den Frühling mitgebracht hätte.

Stockholmer CaféNach dem ersten Wochenende, an dem ich trotz Mantel ganz schön im Seewind gebibbert habe, ist es auch für meine Begriffe frühlingshaft geworden. Tatsächlich gab es nun jeden Tag Sonnenschein und T-Shirt-Wetter zu Ostern. Das bedeutet selbstverständlich, dass ich, wenn es windstill ist, im T-Shirt rumlaufe, während die Schwedinnen Hotpants tragen – ohne Strumpfhose. Aber das kenne ich ja von den Iren. ;)

Der lange Winter hat alle ganz heiß auf Sonne gemacht und das merkt man an jeder Straßenecke. Überall sitzt man in Cafés und genießt die Sonne mit wunderschönem Blick auf die Promenade, Wasser, Inseln und sprießende Bäume.

Das Stockholmer Stadtbild ist stark von Wasser geprägt, und die Stadt gibt der Natur erstaunlich viel Raum. Stockholm hat den (wohl weltweit einzigen) Nationalpark innerhalb einer Stadt! Der zieht sich wie eine riesige grüne Lunge durch Schwedens Hauptstadt und besteht aus verschiedenen Parks, kleinen Wäldern und Seen.

SödermalmNatürlich gibt es auch "typisch Städtisches" wie Hochhäuser oder Einkaufsstraßen. Und doch wirkt an vielen Stellen alles ein wenig verträumter, weil Stockholm die Strenge einer Stadt genommen wird durch verzierte, gut erhaltene alte Gebäude, Wasser und Pflanzen.

Mein erstes Zwischenfazit: Ich bin gut angekommen in dieser schönen Stadt und freue mich sehr auf weitere Erkundungstouren in und um Stockholm!

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Tagebuch (Roche): Eine Postdoc zwischen Labor und Projektmanagement

Donnerstag, den 12. Mai 2011
Tagebuch

Wer sagt, dass Naturwissenschaftler nur im Labor arbeiten? Für Alumna Franziska ist gerade die Mischung aus Laborarbeit und Projektmanagement das Spannende an ihrer Postdoc-Stelle in der Gerinnungsdiagnostik von Roche.

Zugegebenermaßen befinde ich mich auch nach 100 Tagen noch mitten in der Einarbeitungsphase. Am Anfang absolvierte ich verschiedene Schulungen, um den Umgang mit unseren Messgeräten und speziellen Auswertungssoftwares zu lernen. Besonders gut gefällt mir, dass ich seit dem ersten Tag in die laufenden Projekte eingebunden bin. Ich hatte von Beginn an kleinere Projektaufgaben, bei denen ich mich ganz automatisch fachlich einarbeite und auch gleichzeitig erste Projektergebnisse beisteuern kann.

Meine Aufgaben sind sehr vielfältig: Für einen Test erarbeite ich im Labor Applikationen, bei denen ich ein Reagenz auf bestimmte Kriterien an Messgeräten austeste. Wenn ich nicht im Labor beschäftigt bin, warten mindestens genauso viele Aufgaben am Schreibtisch auf mich: Hier werte ich Messdaten aus, verfasse Berichte, bearbeite Produktdokumente, erstelle Präsentationen und Entscheidungsvorlagen oder halte unseren Projektfortschritt fest.

e-fellows.net-Alumna Franziska (29) studierte Molekulare Biotechnologie an der TU München. Anschließend promovierte sie am Helmholtz Zentrum München. Seit einigen Monaten arbeitet sie nun als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik bei Roche.

Außerdem stehe ich im Kontakt zu den verschiedenen Projekt-Schnittstellen. Weil wir in unserem Forschungs- und Entwicklungsteam (R&D) sehr eng zusammenarbeiten, stimmen wir uns genau ab. Dafür gibt es fast täglich Besprechungen innerhalb unserer Gruppe, sei es mit meinen Kolleginnen im Labor oder mit meinem Abteilungsleiter. Ab und zu geht es außerdem zu Projektsitzungen oder Fortbildungen, entweder hier auf dem Werkgelände oder auch an anderen Roche-Standorten. Durch diese Mischung aus Laborarbeit und Projektmanagement empfinde ich meinen Arbeitsalltag als sehr abwechslungsreich.

Der Umgang miteinander
Die gesamte Abteilung hat mich zu meinem Start sehr offen und herzlich aufgenommen. Nicht nur meine Zimmergenossin, sondern auch die anderen Kollegen in der Abteilung haben mir von Anfang an bereitwillig ihre Hilfe angeboten, wenn ich einmal Fragen haben oder alleine nicht weiterkommen sollte. Dafür bin ich sehr dankbar und auch schon in einigen Fällen darauf zurückgekommen.

Auch mein Abteilungsleiter Dr. Michael-Town hat mich von Anfang an in sein Netzwerk integriert, zum Beispiel wenn es um den Kontakt zu Fachexperten geht. Insgesamt schätze ich diesen offenen, integrativen und hilfsbereiten Umgang sehr, weil er die Arbeit – nicht nur für Einsteiger sondern für jeden Einzelnen – so viel angenehmer und produktiver macht.

Der persönliche Kontakt
Jeden Mittag geht es gemeinsam mit meiner Arbeitsgruppe zumeist mit dem Fahrrad über das Werkgelände zur Kantine. Die Essenskosten subventioniert Roche, was für uns Mitarbeiter – insbesondere für Auszubildende und Praktikanten – eine tolle Sache ist. Jeden Freitag steht der Postdoc-Stammtisch auf dem Programm. Dabei treffen sich die Teilnehmer des Management-Start-Up(MSU)-Programms und wir Postdocs vom Werk Penzberg zum gemeinsamen Mittagessen. Viele darunter sind mit den Jahren bereits Gruppenleiter geworden, aber kommen immer noch gerne zu den Treffen. Auch ich freue mich jede Woche darauf, denn wir tauschen viele Erfahrungen aus und knüpfen professionelle, aber auch persönliche Kontakte.

Gleich nach den ersten Wochen, es war kurz vor Weihnachten, haben mein ehemaliger Mentor und ich telefoniert, um zu besprechen, wie es mir bei meinem Start als Postdoc ergangen ist. Dabei fragte mich Robert Bühn neugierig: "Wie kommt es Ihnen denn nun vor, Frau Hampel? Von der Uni in die Industrie – fühlt es sich für Sie nicht ein bisschen wie ein Kulturschock an?" Aber genau das hatte ich nicht empfunden. Ich berichtete ihm, wie viel Spaß mir mein neuer Job macht, und dass meine Arbeit sowie mein Umfeld so sind, wie ich es erwartet hatte nach den Eindrücken aus dem Mentorenprogramm.

Mein Fazit
Das Mentorenprogramm von Roche hat mir bei meiner beruflichen Orientierung sehr geholfen. Deshalb kann ich interessierten e-fellows nur empfehlen, Veranstaltungen von Roche und e-fellows.net zu besuchen, dabei neugierig zu sein und möglichst viel mitzunehmen.

Gerade die Workshops bieten eine gute Möglichkeit, mit Vertretern aus dem Management in Kontakt zu kommen – und diese bieten im Anschluss an solche Events dann gerne ein Mentoring an. In meinen Augen war dies eine geniale Vorbereitung auf den Berufseinstieg und – wie sich nun am Ende herausstellte – bereits ein Teil des Wegs in meine jetzige Position bei Roche Diagnostics.

Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtet Franziska, wie sie ins Mentorenprogramm von Roche aufgenommen wurde, im zweiten Teil erklärt sie, was in der Gerinnungsdiagnostik passiert.

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Tagebuch (Allianz): Als IT-Trainee eigene Ideen einbringen

Mittwoch, den 11. Mai 2011
Tagebuch

Eins war Felix für seinen Berufseinstieg besonders wichtig – er wollte in einem Unternehmen arbeiten, in dem er seine Ideen auch umsetzen kann. Als IT-Trainee bei der Allianz macht er nun den Realitätscheck – und beschäftigt sich bei seinem ersten Projekt gleich mit einem wichtigen System.

Wenn mich jemand vor meinem Start als IT-Trainee bei der Allianz fragte, wie ich mir meinem künftigen Arbeitgeber vorstelle, antwortete ich: "Ich möchte in einem dynamischen, kreativen Umfeld arbeiten, in das ich meine Ideen einbringen kann und in dem sie angenommen werden."

Ein paar erstaunte Blicke rief diese Antwort in Kombination mit meinem Job-Einstieg schon hervor, assoziieren die meisten doch mit der Allianz eher ein traditionelles, stabiles Unternehmen als ein kreatives, dynamisches. Seit Oktober 2010 bin ich IT-Trainee bei der Allianz und kann jeden Tag überprüfen, inwieweit sich meine Erwartungen erfüllt haben.

Felix ist IT-Trainee bei der Allianz [Bildquelle: Allianz]Felix (22) studierte Wirtschaftsinformatik im Dualen Studium an der HWR Berlin. Nach seinem Bachelor-Abschluss begann er im Oktober 2010 als IT-Trainee bei der Allianz.

Die Allianz-Geschichte im Schnelldurchlauf
Schon die Begrüßung von uns Trainees war ein erfrischender Einstieg in das Unternehmen. Wir Trainees – drei neue und zwei schon etwas dienstältere – trafen uns mit den Gestaltern des IT-Trainee-Programms im Firmenhistorischen Archiv der Allianz.

Vor dem eigentlichen fachlichen Einstieg hatten wir die Chance, Geschichte (lang, beeindruckend) und Aufstellung (vielfältig und international) der Allianz und ihrer IT im Speziellen kennenzulernen: von den ersten Einsätzen von mechanischen Rechenmaschinen über Lochkartenverarbeiter bis hin zu einer professionell aufgestellten IT mit eigenen Rechenzentren und strategischer Softwareentwicklung. Also unserem späteren Tätigkeitsfeld.

Das alles ist mittlerweile ein halbes Jahr her. Hört sich kurz an, fühlt sich aber so an, als sei ich schon viel länger dabei. Und das ist durchaus positiv gemeint: Ich habe schon so viele Themen, Abteilungen und vor allem Menschen in dieser Zeit kennengelernt.

Das IT-Trainee-Programm verspricht in seinen anderthalb Jahren drei- bis sechsmonatige Stationen in verschiedenen Bereichen – es ist sogar ein Auslandseinsatz möglich. So lernen wir Trainees das Unternehmen kennen, können uns einen Überblick verschaffen und entscheiden, wo wir anschließend in eine Fach- oder Führungslaufbahn starten möchten.

Das erste Projekt
An was habe ich also gearbeitet? Mein erstes Projekt war die Test-Automation des "Allianz Business Systems" (ABS). ABS ist eine strategische Plattform für den Innendienst, mit dem die Allianz alle Kundendaten verwaltet. Stellt euch zum Beispiel vor, ihr schließt eine Versicherung bei der Allianz ab, habt einen Schadensfall, zu dem ihr eine Auszahlung wollt, oder zieht um und möchtet eure neue Adresse mitteilen. Das alles wird über ABS abgebildet. Es ist also für die Allianz ein sehr wichtiges System.

Wie kann man also sicherstellen, dass keine Probleme auftreten, wenn ein Sachbearbeiter ABS benutzt? Vor allem dadurch, dass die Software getestet wird, bevor sie in den Einsatz geht.

Wie kann man Software-Tests automatisieren?
In dem Team, das ich unterstützen sollte, sah die Situation wie folgt aus: Es gab bereits Testfälle, mit denen die eigenen Entwicklungen getestet werden konnten. Allerdings musste das Team sie von Hand starten, was zusätzliche Arbeit bedeutete und immer wieder Konfigurationsaufwand für die Entwickler.

Das Ziel meines dreimonatigen Projekts war also, organisatorisch und technisch zu ermöglichen, dass die Testfälle automatisch ausgeführt werden. Darüber hinaus gab es kaum Vorgaben, und ich hatte die Chance, mein ganzes Projektmanagementwissen aus dem Wirtschaftsinformatikstudium in der Praxis zu erproben.

Der erste Schritt war, mir ein Bild über die bestehenden Lösungen zu machen: Wie kann das Testsystem angesprochen werden? Wie kann man ein Reporting über die Ergebnisse aufbauen? Und gibt es schon ähnliche Lösungen? Ich entwickelte einen Mechanismus, der den gesamten Testprozess zeitgesteuert und ohne Handarbeit automatisch ausführt. Er installiert die zu testende Software, lädt die Testfälle, führt sie aus und schreibt die Testergebnisse in unser Wiki. Von dort kann jeder Entwickler prüfen, ob in seinem Bereich Fehler aufgetreten sind, und sie dann korrigieren.

Neben der Arbeit am Technischen kam auch viel Organisatorisches dazu. Besonders mit den Entwicklern, die die Testfälle erstellen, stimmte ich mich ab, um sicherzugehen, dass ihre Tests richtig ausgeführt werden und sie mit den Ergebnissen etwas anfangen können.

Einige Kollegen in Indien und Österreich hatten schon etwas Ähnliches entwickelt, mit ihnen konnte ich unsere Lösungen vergleichen und meine zusätzlichen Ideen einbringen – und nebenbei ganz andere Arbeitsweisen und Mentalitäten kennenlernen. Und schließlich lasen einige Kollegen anderer Bereiche meine Dokumentation, riefen mich an, und ich konnte ihnen meine Ansätze näherbringen. Schließlich wurde meine Lösung zur offiziellen Lösung erklärt, in einem Nachfolgeprojekt bereitet das Team jetzt die Weiterverbreitung an alle interessierten Entwicklungsteams vor.

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Erwartungen ans Trainee-Programm erfüllt?
Haben sich also meine Erwartungen erfüllt, arbeite ich in einem dynamischen, kreativen Umfeld, das meine Ideen annimmt?

Ja. Ich war beeindruckt, wie schnell meine Lösungen angenommen wurden und wie viel Verantwortung ich für einen wichtigen Bereich übernehmen durfte – gerade im Vergleich mit Erfahrungen, die ich bei anderen Arbeitgebern gesammelt hatte. Besonders durch die Abstimmung mit verschiedensten Teams konnte ich viele spannende Kollegen kennenlernen und ein gutes Netzwerk aufbauen. Ich arbeite in einem kreativen, dynamischen Unternehmen, das bereit ist, mir in spannenden Bereichen viel Verantwortung zu übergeben. Besonders im Zeitmanagement und beim zielgruppengerechten Aufbereiten meiner Arbeitsergebnisse habe ich viel dazugelernt – erfahrene Kollegen haben mich dabei in Seminaren und bei der täglichen Arbeit unterstützt.

Wie ging es nach den ersten drei Monaten weiter? Was bedeutet es, Prozesse zu optimieren und Assistent einer Managerin direkt unter dem Vorstand zu sein? Das erfahrt ihr in meinem nächsten Tagebuch-Eintrag.

IT-Trainee bei der Allianz werden
Aktuell sucht die Allianz wieder Bewerber fürs IT-Trainee-Programm.

Tagebuch (Roche): Teamwork für den marktreifen Test

Freitag, den 6. Mai 2011
Tagebuch

Interdisziplinäre Teamarbeit: An der Entwicklung eines Blutgerinnungstests arbeiten bei Roche viele Abteilungen. Bis der Test auf dem Markt ist, kann es mehrere Jahre dauern. Aber wozu untersucht man die Blutgerinnung eigentlich?

Am 1. Dezember 2010 startete ich als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik bei Roche Professional Diagnostics. Der erste Tag beginnt bei allen neuen Mitarbeitern am Standort Penzberg mit einer Einführungsveranstaltung der Personalabteilung. Wir bekamen das Unternehmen präsentiert, und Bernhard Schneller, HR Business Partner Roche Diagnostics Operations Penzberg, klärte uns über unternehmensinterne Prozesse auf.

e-fellows.net-Alumna Franziska (29) studierte Molekulare Biotechnologie an der TU München. Anschließend promovierte sie am Helmholtz Zentrum München. Seit einigen Monaten arbeitet sie nun als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik bei Roche.

Dabei bekamen wir Einsteiger auch sofort wichtige Intranet-Links und Telefonnummern an die Hand, die mir seitdem in vielen Situationen weiterhelfen, sei es zur Nutzung der werkseigenen Bibliothek, des Fortbildungsprogramms oder der IT-Hilfe bei Computerproblemen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem wir persönlich vom Kantinen-Betriebsleiter begrüßt wurden, ging es zum Start in die Fachabteilung. Obwohl ich durch mein Studium und die Promotion grundlegendes Wissen zur Blutgerinnung mitbrachte, stand zunächst einmal die fachliche Einarbeitung in die Gerinnungsdiagnostik auf dem Programm.

Blutgerinnungsdiagnostik – was bedeutet das überhaupt?
Bei der "Blutgerinnung" lagern sich bestimmte Blutzellen, unsere Blutplättchen, aneinander, um einen sogenannten Thrombus zu bilden, der zum Beispiel eine Wunde nach einer Verletzung schließen und damit eine weitere Blutung verhindern soll. Dafür müssen zunächst eine Reihe von Bluteiweißstoffen, sogenannte Gerinnungsfaktoren, in einer bestimmten Reihenfolge aktiviert werden, um am Ende die Vernetzung der Blutplättchen untereinander möglich zu machen. Nach der Wundheilung vermitteln andere Bluteiweißstoffe auf reguliertem Wege die Auflösung dieses Zellklumpens.

Ist bei einem Menschen die Funktionstüchtigkeit eines Gerinnungsfaktors vermindert oder vermehrt, kann es bei diesem Patienten zu einer verstärkten Blutung oder Blutgerinnung kommen. Deshalb spielt der Gerinnungsstatus eines Patienten bei einer Vielzahl von klinischen Situationen eine wichtige Rolle. Man untersucht die Blutgerinnung zum Beispiel zur Vorbereitung auf eine Operation, zur Kontrolle von Thrombose-Prophylaxe bei längerer Bettlägrigkeit oder genetischer Veranlagung und regelmäßig bei sogenannten "künstlichen Bluter-Patienten".

Zu diesem Zweck wird dem Patienten Blut abgenommen und die Blutgerinnung durch die Zugabe bestimmter Eiweißstoffe künstlich in Gang gesetzt, während kontinuierlich in einem sogenanntem Photometer ein Lichtstrahl durch die Blutprobe geschickt wird. Je nachdem, wie schnell sich ein "Gerinnsel" bildet, kommt es zu einer Trübung der Probe, welche anhand des abnehmenden Durchlichts gemessen wird. Um den Gerinnungsstatus eines Patienten genau zu untersuchen, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Tests, mit denen die Funktionstüchtigkeit der verschiedenen Gerinnungsfaktoren einzeln überprüft werden kann.

Wie laufen solche Entwicklungsprojekte eigentlich ab?
Einen solchen Test zu entwickeln, zu evaluieren und am Ende beim Kunden zum Einsatz zu bringen, bedeutet für uns ein mehrjähriges Projekt, für das Vertreter verschiedener Abteilungen als ein interdisziplinäres Projektteam zusammenarbeiten. Da die Einheit "Marketing & Vertrieb" direkten Kontakt zu unseren Kunden hat, können diese Kollegen am besten einschätzen, was ein Test von Roche in der klinischen Praxis leisten muss. Die Marketingabteilung formuliert also zunächst Produktanforderungen.

Gelingt es uns als Forschungs- und Entwicklungsabteilung (R&D), die Machbarkeit dieser Anforderungen mit Entwicklungs- und Evaluierungsarbeit zu zeigen, werden daraufhin verbindliche Produktspezifikationen definiert. Dazu zählen zum Beispiel Kriterien, wie genau ein Test messen muss, oder wie lang die Reagenzien eines Tests haltbar sein müssen. R&D erhebt die Prüfdaten dazu in enger Abstimmung mit der Qualitätskontrollabteilung. Auch für die Dokumentation ist oberste Sorgfalt geboten, um nachzuweisen, dass für die Entwicklung eines klinischen Tests auch nach definierten Qualitätsstandards gearbeitet wurde.

Damit der Test zum klinischen Einsatz kommen kann, steht danach die Zusammenarbeit mit der klinischen Prüfabteilung und der Zulassungsabteilung auf dem Programm. Und ist dies geschafft, ist zur Einführung des Tests beim Kunden wiederum die Marketingabteilung gefragt, wobei wir als R&D-Abteilung auch nach der Einführung für die Produktpflege des entwickelten Tests verantwortlich bleiben.

Im ersten Teil ihres Tagebuchs berichtet Franziska, wie sie in das Mentorenprogramm von Roche aufgenommen wurde.

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Tagebuch (Roche): Wie der Mentor bei der Berufswahl hilft

Mittwoch, den 27. April 2011
Tagebuch

Wie findet man eigentlich heraus, in welchem Beruf man später arbeiten möchte? Franziska lernte dank Roche-Mentor Robert Bühn die Unternehmenskultur und verschiedene Abteilungen von Roche kennen. Und fand so einen Job, der prima zu ihr passt – eine Postdoc-Stelle in der Gerinnungsdiagnostik.

Als ich mich 2006 kurz vor meinem Master-Abschluss in Molekularer Biotechnologie noch nicht zu einer Promotion entschlossen hatte, beschäftigte ich mich zum ersten Mal mit dem Thema Berufseinstieg. Dabei haben sich für mich viele Unklarheiten aufgetan: Welcher Job wird mir nach dem Studium eigentlich Spaß machen? Es gibt als Naturwissenschaftlerin ja so viele Möglichkeiten. Welche konkrete Tätigkeit wird mich in der Industrie erwarten? Und vor allem: Für welches Unternehmen möchte ich arbeiten und wie finde ich das heraus?

e-fellows.net-Alumna Franziska (29) studierte Molekulare Biotechnologie an der TU München. Anschließend promovierte sie am Helmholtz Zentrum München. Seit einigen Monaten arbeitet sie nun als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik bei Roche.

Als ich mich letztlich für die Promotion entschied, begann ich trotzdem, mich mit all diesen Fragen zu beschäftigen, um am Ende der Doktorarbeit gezielt in das Berufsleben starten zu können. Das Mentorenprogramm von Roche hat mir entscheidend geholfen, mich beruflich zu orientieren und am Ende in meiner Wunschposition bei einem Top-Arbeitgeber einzusteigen.

Mein Einstieg über das Mentoren-Programm von Roche
Aus der heutigen Perspektive betrachtet, hat mein Weg zu Roche Diagnostics bereits eineinhalb Jahre vor meinem eigentlichen Einstieg als Postdoc begonnen, nämlich mit meiner Aufnahme in das Roche-Mentorenprogramm.

Beim Workshop "BWL für Naturwissenschaftler", zu dem Roche Diagnostics im Februar 2009 rund 20 e-fellows nach Mannheim einlud, lernte ich einige Mentees kennen. Deren interessante Erfahrungsberichte haben mich damals sofort begeistert, sodass ich mich gleich nach dem Workshop an meine Mentee-Bewerbung machte. Besonders attraktiv erschien mir die Möglichkeit, durch das Mentorenprogramm das Unternehmen Roche Diagnostics besser kennenzulernen. Zudem wollte ich herausfinden, in welchem Arbeitsbereich ich mir nach meiner Promotion einen Einstieg vorstellen könnte.

Meine Mentee-Bewerbung richtete ich an Robert Bühn, den Leiter Marketing Services Vertrieb Deutschland. Ein paar Tage nachdem ich die Bewerbung an e-fellows.net gesendet hatte, kontaktierte mich seine Sekretärin, um einen Termin für ein Telefoninterview in der darauffolgenden Woche zu vereinbaren. Das Interview machte seinem Namen alle Ehre, denn knapp eine Stunde lang führte Robert Bühn mit mir ein Vorstellungsgespräch am Telefon. Auch wenn mich einige Fragen beinahe ins Schwitzen gebracht haben, war dies für uns beide eine prima Gelegenheit, uns kennenzulernen und einzuschätzen, ob wir als Mentor-Mentee-Team zusammen arbeiten möchten. Ich hatte gleich ein sehr gutes Gefühl und freute mich deshalb umso mehr über die positive Rückmeldung, dass ich in das Mentoren-Programm aufgenommen wurde.

Der Einstieg hätte kaum besser passen können, denn gut sechs Wochen später fand in Mannheim das Mentoren-Mentee-Treffen mit rund 100 Teilnehmern statt und bereitete mir gleich einen tollen Auftakt: Beim Kick-Off-Workshop traf ich meinen Mentor Robert Bühn zum ersten Mal und während der zweitägigen Veranstaltung hatten wir die Gelegenheit, uns persönlich besser kennenzulernen. Außerdem knüpfte ich Kontakte zu anderen Mentees, mit denen ich mich auch heute noch austausche, und lernte dort auch Beate Brandl, Human Ressource Expert, kennen, die sich mir sogleich als Kontaktperson für das Biotechnologie-Zentrum Penzberg anbot.

Im Gespräch mit meinem Mentor vereinbarten wir im Anschluss an den Workshop Ziele, die wir uns für unsere Zusammenarbeit als Mentor und Mentee bis zum Ende meiner Promotion setzen wollten: Ich wollte zum Beispiel die Unternehmenskultur von Roche erleben und außerdem in verschiedenen Abteilungen hospitieren. Robert Bühn war seinerseits als Betriebswirtschaftler sehr neugierig darauf, meine molekularbiologische Laborarbeit bei einer Hospitation an meiner Promotionsstelle kennenzulernen.

Meine berufliche Orientierung durch Hospitationen und "Shadowings"
Im Laufe eines Jahres hospitierte ich in verschiedenen Abteilungen, zum Beispiel in Marketing & Vertrieb, Clinical Trials sowie in Forschung und Entwicklung (R&D). Beim "Shadowing" war ich mehrere Tage der "Schatten" einer Führungskraft und begleitete diese durch ihren Alltag, zum Beispiel bei Besprechungen oder persönlichen Gesprächen mit ihren Kollegen oder Mitarbeitern.

Dabei erlebte ich die Roche-Unternehmenskultur hautnah: Besonders positiv nahm ich den offenen und respektvollen Umgang miteinander wahr. Außerdem erkannte ich, welche breiten Gestaltungsmöglichkeiten und langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten das Unternehmen seinen Mitarbeitern bietet. Beim "Shadowing" hatte ich jedes Mal die Möglichkeit, durch Beobachten und im Gespräch herauszufinden, welche Aufgaben und Tätigkeiten einen Naturwissenschaftler in einer solchen Position erwarten würden.

Dabei hat sich schnell abgezeichnet, dass ich mir einen Einstieg am besten in der Forschung und Entwicklung (R&D) vorstellen kann. Besonders spannend finde ich die vielfältigen Aufgaben, welche die Projektarbeit zum Beispiel zur Entwicklung eines Tests für den klinischen Einsatz mit sich bringt: Denn während man mit einem Fuß für die Testentwicklung im Labor steht, arbeitet man gleichzeitig an einer der Schnittstellen zu den Projektpartnern, wie dem Marketing, der Qualitätskontrolle, der Patentabteilung, der klinischen Prüfabteilung und der Zulassung. Zum erfolgreichen Projektmanagement ist hier neben guter fachlicher Arbeit viel Organisationstalent und Gefühl für die richtige Kommunikation gefragt. Und als ich vergangenen Frühling nach einem spannenden "Shadowing" eben in der Testentwicklung bei Roche Professional Diagnostics am Abend das Werkgelände in Penzberg verließ, war für mich klar: Das möchte ich machen!

Meine Bewerbung als Postdoc
Aufgrund meiner Erfahrungen aus dem Mentoren-Programm war Roche Diagnostics für mich meine erste Wahl für den Berufseinstieg. Deshalb hatte ich mich schon während der Promotion im Online-Bewerbungsportal von Roche, dem "Roche-Talent-Pool", registriert und mein Profil angelegt. Das kann dann von Vertretern der Personalabteilung, aber auch des Fachbereichs eingesehen werden.

Parallel dazu begann ich, auf der Roche-Website nach einer passenden Stellenausschreibung Ausschau zu halten. Und siehe da, knapp zwei Monate nach Abgabe meiner Doktorarbeit stieß ich auf die Ausschreibung, auf die ich gewartet hatte, nämlich die meiner späteren Position als Postdoc in der Gerinnungsdiagnostik. Ich machte mich gleich an das Bewerbungsschreiben und sendete es über den Talent-Pool an Roche. Gleichzeitig informierte ich meinen Mentor über meine Bewerbung.

Die Einladung zum Bewerbertag erhielt ich knapp drei Wochen später und freute mich schon einmal sehr, denn damit war der erste Schritt geschafft. Natürlich war ich nervös, als ich mich ein paar Wochen darauf zum Bewerbertag nach Penzberg aufmachte. Nacheinander hielt jeder von uns sieben Bewerbern einen wissenschaftlichen Vortrag über sein Promotionsthema. Anschließend wurden die Fragen der Zuhörer diskutiert. Sein Promotionsthema anderen nahe zu bringen und bei Fragen Rede und Antwort zu stehen, hatte ja jeder von uns schon während der Doktorarbeit gelernt – ein guter Einstieg also in den Bewerbertag.

Danach führten wir Einzelgespräche mit Vertretern aus der Personal- und der Fachabteilung. Die Atmosphäre war die ganze Zeit über sehr angenehm. Mit einem sehr guten Bauchgefühl verließ ich am frühen Nachmittag das Werkgelände. Aber ich musste gespannt über das Wochenende warten, bis nach einer zweiten Gesprächsrunde in der darauffolgenden Woche endlich die ersehnte Zusage kam. Und das nur ein paar Tage vor meinem Rigorosum. Einen schöneren Abschluss der Promotion hätte es für mich kaum geben können!

Im zweiten Teil ihres Tagebuchs wird Franziska von ihren ersten 100 Tagen bei Roche berichten und erklären, worum es bei der Blutgerinnungsdiagnostik geht.

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