"Ich poste alles anonym, denn ich möchte, dass man so wenig wie möglich über mich im Internet findet." "Ich achte darauf, nirgendwo eine öffentliche Spur von mir zu hinterlassen." Zitate, wie wir sie immer wieder lesen, auch in der Community. Als ob das Internet hauptsächlich Karrieren fressen würde. Dabei beflügelt es sie geradezu.
In den letzten Jahren haben sich "Personensuchmaschinen" wie yasni oder 123people etabliert, und "googelnde Personaler" sind angeblich der Normalfall geworden (zum Beispiel laut dieser Microsoft-Studie).
![Ab in den Eimer [Bildquelle: sxc.hu, Autor: nkzs] Wer traut sich raus aus dem Web-Schneckenhaus? [Bildquelle: sxc.hu, Autor: harubert]](http://www.e-fellows.net/community-blog/wp-content/uploads/2010/03/1005074_snail_house_21.jpg) |
| Wer traut sich raus aus dem Web-Schneckenhaus? [Bildquelle: sxc.hu, Autor: harubert] |
Die beiden Phänomene führen dazu, dass viele Leute Angst davor haben, auch nur irgendwelche Spuren im Internet zu hinterlassen. Schlagworte wie der "gläserne Bewerber" bringen diese Angst zum Ausdruck. Bücher mit reißerischen Titeln wie "Karrierefalle Internet" verkaufen sich in so einer Zeit gut. Nicht nur der Autor des Buchs, der renommierte "PR-Blogger" Klaus Eck, sondern ganze Unternehmen verdienen ihr Geld mittlerweile mit "Reputations-Management" im Internet.
Kein Plädoyer für den Exhibitionismus
Um das gleich klarzustellen: Sicher kann man nicht naiv einfach alles von sich im Internet veröffentlichen und dann drauf hoffen, dass es schon niemand findet. Nach dem zu urteilen, was man so findet, wenn man sich durch die größeren Social Networks klickt, scheint es weiterhin auf jeden Fall notwendig, die Leute darüber aufzuklären, was sie da der ganzen Welt preisgeben.
Fan von "Fuck"? Muss nicht sein.
Wenn ich in Facebook bin, muss ich nicht unbedingt Fan von "F U C K THIS, F U C K THAT, F U C K OFF, F U C K YOU" werden. Wenn ich einmal meinen Namen google, erblicke ich nämlich sofort, dass potenziell alle Google-Sucher in meinem öffentlichen Facebook-Profil sehen, von wem ich alles Fan bin. Ich muss auch nicht in meinem Status posten, dass ich meinen Job hasse, wenn mein Chef mein "Freund" ist. Ich muss mir auch kein Profilfoto mit tiefem Ausschnitt ins StudiVZ stellen.
Das Schneckenhaus ist keine sinnvolle Alternative
Doch wie so oft ist die beste Methode hier nicht, sich aus Panik im virtuellen Schneckenhaus zu verkriechen, sondern die goldene Mitte aus Datenkontrolle und Öffentlichkeit zu finden. Oft ist es sogar besser, gezielt Informationen von sich zu verbreiten, als das dem Zufall zu überlassen. Dafür braucht man ein wenig gesunden Menschenverstand, aber keinen "Reputationsmanager".
Mit Internet-Profil bessere Chancen als Bewerber
Wie die oben zitierte Studie von Microsoft zeigt, schauen 59 Prozent der Personaler im Internet nach Informationen zum Bewerber. Das heißt meiner Erfahrung nach: Sie googeln mal kurz oder schauen schnell auf das Profil in den größeren Netzwerken; sie betreiben aber keine Tiefen-Recherche. Die Studie sagt aber auch: Noch mehr Personaler, 71 Prozent nämlich, sind der Meinung, dass "ein positives Online-Profil die Chancen einer Bewerbung stark oder zu einem gewissen Grad erhöht."
Das Internet als authentische Ergänzung der Bewerbung
Ich sehe das genauso: Das Internet ist eine Riesenchance für den Bewerber. Lebensläufe und Anschreiben lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad optimieren. Dann sieht praktisch jeder Lebenslauf gleich aus. Lauter geschönte, standardisierte Angaben. Das ist praktisch zum Vergleichen, aber: Man kann doch so viel und muss das jetzt auf diese zwei Seiten quetschen. Wie bereichernd ist es da für den Personaler und den Bewerber, wenn das Internet das Profil des Bewerbers bestätigt und ergänzt?
Beispiel: der "öffentliche" und der "anonyme" Bewerber
Ein Beispiel: Unternehmen X sucht jemanden mit Fachkenntnis F. Bewerber B bewirbt sich. Unternehmen X googelt und sucht ihn in sozialen Netzwerken, zum Beispiel in der e-fellows.net community (wenn es ein e-fellows.net-Partnerunternehmen ist). Dabei findet die Firma folgende Informationen:
- Bewerber hat in einem Blog etwas über Thema F geschrieben.
- Bewerber ist Mitglied meiner Unternehmensgruppe in der Community und hat dort schon mal interessierte Fragen gestellt.
- Bewerber hat auf Fragen anderer zu Thema F mit kompetenten Antworten überzeugt.
- Bewerber hat ein Community-/Xing-Profil, das zeigt, dass er Mitglied in fachrelevanten Gruppen oder Organisationen ist und viele Leute kennt, die ebenfalls vom Fach sind.
- Bewerber hat ein Twitter-Profil und folgt damit vielen fachrelevanten Twitterern oder tweetet sogar selbst hin und wieder was.
- Artikel über das soziale Engagement oder Projekte des Bewerbers, die zeigen, dass er wirklich so engagiert und vielseitig ist, wie sein Lebenslauf behauptet.
Jetzt hat sich bei dem Arbeitgeber auch Gegenbewerber G beworben. Der ist genauso gut, aber im Internet ist über ihn praktisch nichts zu finden, weil er immer anonym postet oder Social Networks gar ganz fernbleibt. Sofern das Unternehmen nicht die Datenschutzbehörde ist, dürfte der Gegenbewerber deutlich geringere Chancen auf eine Einladung haben.
Zeigt euch – nur nicht zu privat!
Das sind alles Gründe für mich, warum es als Bewerber fast immer besser ist, wenn im Internet viel von einem zu finden ist. Das schließt natürlich Privates aus. Es geht die Öffentlichkeit zum Beispiel nichts an, wenn man sich schlecht fühlt, wenn es mit dem Partner nicht so gut läuft, oder wenn man sich am Samstagabend zu stark die Kante gegeben hat. Markiert einen zum Beispiel jemand auf so einem Facebook-Foto, solltet ihr die Markierung einfach wieder entfernen.
Im Wald fällt ein Baum nicht mehr auf
Es hat aber noch einen weiteren Vorteil, wenn es viel im Internet von euch gibt: Dann fällt der eine kleine Fauxpas nicht auf, der euch irgendwann vielleicht mal passiert ist oder den jemand über euch gepostet hat.
Ab ins Internet!
Gerade für die e-fellows, die deutlich mehr drauf haben als der Durchschnittsstudent, sollte die Botschaft klar sein: Ab ins Internet, denn damit könnt ihr euch erst recht von anderen Bewerbern abheben.
Das Online-Profil wird noch wichtiger werden
Klar, das muss jeder für sich selbst entscheiden – und sicher ist das zurzeit auch noch von der Branche abhängig, in der man sich bewirbt. Das wird sich mit der Zeit allerdings ändern. Schließlich verkehrt sogar unser Steuerberater seit diesem Jahr mit uns per E-Mail
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Umfrage in der Community (nur für e-fellows) zum Thema: Hat man schlechte Karten bei der Bewerbung, wenn der Personaler bei Google & Co. nichts über einen findet?