Archiv der Kategorie 'Karriere'

Nationales Stipendienprogramm: Engagement wichtig / Weitere Büchergelderhöhung geplant

Dienstag, den 31. August 2010
Lukas

Wie läuft das mit dem neuen nationalen Stipendienprogramm? Was ist der Unterschied zu den klassischen Begabtenförderungswerken? Und wird das Büchergeld dort wirklich bei 150 Euro eingefroren, wenn man als "nationaler" Stipendiat 300 Euro bekommen soll? e-fellow Franz-Martin hat ans Bildungsministerium geschrieben – und nun eine Antwort mit einigen spannenden Neuigkeiten erhalten.

Besonders interessant:

  • Auch bei der Auswahl der Bewerber für das das nationale Stipendienprogramm wird gesellschaftliches Engagement berücksichtigt – die Anforderungen an die Bewerber unterscheiden sich also nicht wesentlich.

Das ist eine beachtliche Neuerung: Bisher war man davon ausgegangen, dass nur nach Noten (beste 10%) ausgewählt werden würde. Damit sinkt der Unterschied in den Auswahlkriterien weiter, das Stipendium bei den Begabtenförderungswerken (also Studienstiftung & Co.) verliert relativ an Wert.

  • Der Erhöhung des Büchergelds für Stipendiaten der Begabtenförderungswerke ab dem Sommersemester auf 150 Euro (wir berichteten) könnte eine weitere Erhöhung auf 300 Euro folgen. Zumindest sei das noch das Ziel für die derzeitige Legislaturperiode.

Alles andere erschiene mir doch sehr merkwürdig. Zwar springt bei einem Begabtenförderungswerk für BAföG-würdige Studenten rein finanziell gesehen immer noch deutlich mehr raus. Aber bekanntlich sind erheblich mehr als die Hälfte der Stipendiaten dort nicht BAföG-berechtigt und erhalten nur das Büchergeld. Mit 150 Euro stehen die nun erst mal schlechter da als die Stipendiaten des nationalen Stipendienprogramms mit ihren 300 Euro. Das Prestige und die höheren Anforderungen der Begabtenförderungswerke sollten sich aber auch im Finanziellen widerspiegeln.

Ob es gerecht ist, Studenten, die das Geld nicht brauchen, einfach pauschal 300 Euro zu schenken, ist freilich eine andere Frage.

Hier der komplette Brief, den Franz-Martin zuerst als Frage in der e-fellows.net community veröffentlicht hat (Hervorhebung durch mich, danke an Franz-Martin für die Zustimmung zur Veröffentlichung!):

"Sehr geehrter Herr Toaspern,

haben Sie vielen Dank für Ihre Mail vom 11.08. In ihrem Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien sich für diese Legislaturperiode eine Erhöhung des Büchergeldes der Begabtenförderungswerke auf 300 Euro zum Ziel gesetzt, wobei der Koalitionsvertrag offen lässt, ob dieses Ziel in einem oder in mehreren Schritten erreicht werden soll. Wie Sie dem von Ihnen zitierten Interview mit Frau Bundesministerin Professor Dr. Annette Schavan entnehmen konnten, strebt das BMBF zur Zeit eine Erhöhung des Büchergeldes auf 150 Euro zum kommenden Sommersemester an.

Unabhängig von der vereinbarten Büchergelderhöhung möchte ich Sie auf die Vorteile einer Förderung durch die Begabtenförderungswerke hinweisen:

Die Förderung der Begabtenförderungswerke

  • macht Angebote der ideellen Förderung, Beratung und Vernetzung
  • gewährt eine großzügige Auslandsförderung
  • wird unabhängig von zusätzlichen Voraussetzungen bis zum Abschluss des Studiums innerhalb der Höchstförderdauer gewährt
  • erlaubt unbeschränkt einen Wechsel der Hochschule im In- und Ausland
  • erlaubt unter bestimmten Umständen einen Fachrichtungswechsel
  • bietet die Möglichkeit einer Weiterförderung nach dem Bachelorabschluss bis zum Ende des Masterstudiums
  • enthält bei Erhalt eines Lebenshaltungsstipendiums keinen Darlehensanteil
  • eröffnet Chancen auf eine spätere Berücksichtigung in der Promotionsförderung Ihres Begabtenförderungswerks.

Diese Vorzüge sollten Sie bei einem Vergleich der Leistungen der Begabtenförderungswerke mit den Möglichkeiten des nationalen Stipendienprogramms nicht aus dem Blick verlieren – unabhängig von der konkreten Höhe des Büchergeldes. Auch bei der Auswahl der Bewerber für das nationale Stipendienprogramm wird übrigens gesellschaftliches Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, berücksichtigt – die Anforderungen an die Bewerber unterscheiden sich also nicht wesentlich.

Informationen zum nationalen Stipendienprogramm finden Sie auf der BMBF-Internetseite http://www.bmbf.de/de/14295.php."

Fragen und Antworten zum nationalen Stipendienprogramm und zur Büchergelderhöhung:

Bewerbung: Wohin mit der Quelle?

Freitag, den 25. Juni 2010
Lukas

Wenn ich schreibe, dass ich die Stelle über die Firmenwebsite gefunden habe, zeige ich dann besonderes Interesse am Unternehmen? Und genügt bei einer E-Mail-Bewerbung die Quelle in der Betreffzeile? Ein paar Tipps zur Quelle – quasi von der Quelle: dem Personaler-Alltag.

Ein guter Bewerber versteht es, sich in den Personaler hineinzuversetzen und macht ihm die Arbeit so leicht wie möglich. Das fängt an mit einem PDF-Anhang statt vielen einzelnen Word-Dateien – und hört noch lange nicht auf mit einer Signatur in der E-Mail für eine schnelle Rückrufmöglichkeit. Ja, ich kann dem Personaler sogar helfen, sein Budget besser einzuteilen.

Aus welcher Quelle sprudeln die besten Bewerber? [Bildquelle: sxc.hu, Autor: goos]
Aus welcher Quelle sprudeln die besten Bewerber? [Bildquelle: sxc.hu, Autor: goos]

Personaler schreiben ihre Stellen an vielen Orten aus. Ständig fragen sie sich: Wo investiere ich mein knappes Budget am besten? Daher tust du ihnen einen großen Gefallen, wenn du ihnen die Quelle nennst, über die du auf die Stelle aufmerksam geworden bist.

E-Mail-Bewerbung: redundant ist richtig
Aber wo kommt sie hin, diese Quelle? Bei der E-Mail-Bewerbung:

  • in den Betreff der E-Mail (zum Beispiel "Bewerbung auf Ihre Stellenausschreibung bei e-fellows.net für einen Community-Manager")
  • im Anschreiben des separaten PDF-Dokuments noch einmal als Betreff zwei Zeilen oberhalb der Anrede (wie in einer klassischen Papier-Bewerbung). Zum Beispiel: "Ihre Stellenausschreibung auf e-fellows.net / Bewerbung als Community-Manager".

Warum diese Dopplung? Nun, die E-Mail erhält oft eine Person, die dann nur die Bewerbung selbst, also den PDF-Anhang ausdruckt und an (weitere) Entscheidungsträger durchreicht. Beide sollen in der Lage sein, die Bewerbung bequem einer Quelle zuzuordnen.

Bewerbung über externe Jobbörsen
Die Quelle sparen kann man sich hingegen bei Bewerbungen über nicht unternehmenseigene Jobbörsen wie die von e-fellows.net oder monster. Denn hier leitet die Jobbörse die Bewerbung in der Regel mit Quellenvermerk an den Arbeitgeber weiter. Es schadet aber nicht, die Quelle zur Sicherheit zumindest im Anschreiben noch einmal zu nennen (Beispiele siehe unten).

Unternehmenseigene Jobbörsen
Anders verhält es sich mit unternehmenseigenen Jobbörsen, zum Beispiel dem Karriereportal von Roche. Vor allem große Unternehmen akzeptieren vermehrt nur noch Bewerbungen über ihr hauseigenes Portal, obwohl sie ihre Stellen an vielen Orten ausschreiben. In diesem Fall verweisen sie auf den anderen Jobbörsen für die Bewerbung auf ihr Portal. Fragt das Unternehmen die Quelle bei der Bewerbung dann nicht über ein Formularfeld ab, solltest du dem Personaler den Gefallen tun und die Quelle zumindest im Anschreiben nennen (Beispiele siehe unten). Aber Achtung: Die Quelle ist in diesem Fall nicht das Karriereportal des Unternehmens.

Anbiedern bei der Quelle bringt nichts
Eine Personalerin erzählte mir neulich, dass seit Jahren ein unrealistisch hoher Anteil der Bewerber angebe, die Stelle über das unternehmenseigene Karriereportal gefunden zu haben. Wahrscheinlich will der Bewerber damit besonderes Interesse am Arbeitgeber demonstrieren, da er sich ja auf dessen Website über die Jobangebote informiert und nicht irgendwo zufällig drauf gestoßen ist. Man tut dem Personaler also mit der Angabe der Firmenwebsite als Quelle keinen Gefallen und verschafft sich darüber auch keine Vorteile. Gerade wenn man zum Beispiel über e-fellows.net von der Stelle erfahren hat, also einem Portal, das für eine sehr gute Zielgruppe steht, sollte man die wirkliche Quelle angeben.

Quelle im ersten Satz des Anschreibens
Gibt es aus irgendeinem Grund keine Möglichkeit, die Quelle im Betreff zu nennen, kann man sie auch im ersten oder zweiten Satz des Anschreibens einflechten. Das ist auch der Fall, wenn man über eine persönliche Empfehlung auf die Stelle aufmerksam wurde.

Beispiele:

"mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenausschreibung bei e-fellows.net gelesen und möchte mich hiermit als Experte für Wurstsalatvertrieb bewerben."

"über xy habe ich Ihre Stellenausschreibung für einen Design Consultant gefunden. Auf diese Stelle bewerbe ich mich hiermit, da …."

"Ihr Kollege Martin Maier, ein früherer Kommilitone, hat mich auf Ihre Ausschreibung für die Stelle als Patentanwalt aufmerksam gemacht. Auf diese Stelle bewerbe ich mich hiermit, da …

"hiermit möchte ich mich für ein Praktikum im Online-Marketing bewerben. Ich bin durch e-fellows.net auf Ihr Stellenangebot aufmerksam geworden."

"in Ihrer Anzeige vom …. suchen Sie eine/n …"

So nicht! Die größten Patzer aus 10 Jahren Bewerber-Erfahrung

Montag, den 19. April 2010
Sabine

Wir von e-fellows.net bearbeiten jährlich zig Bewerbungen für Events, Jobs und Praktika und leiten diese weiter. Oft jedoch nicht direkt: Gerne schicke ich die Unterlagen noch mal an den Bewerber zurück mit der Bitte, sie zu überarbeiten. Weil es einfach unglaublich ist, was bei uns teilweise landet, obwohl wir auf unsere Website Bewerbungstipps in Hülle und Fülle anbieten. Hier die Highlights – und wie man's besser macht.

  • Dateianhänge: Wenn nicht explizit anders gefordert, gilt: Bewerbungsunterlagen in EINER Datei – und die im Idealfall im PDF-Format. Die Dateigröße sollte 5 MB nicht übersteigen. Unsere Rekorde: 18 Anhänge in unterschiedlichen Dateiformaten, teilweise gezippt. Oder: 73 MB verteilt in elf Anhängen (allein das Abizeugnis verbrauchte schon 16 MB).
  • Dateinamen: So nicht: "L E B E N S L A U F Für Franca"? Wer ist Franca? Wir waren es jedenfalls nicht und der Bewerber hieß auch nicht Franca. Besser: "Bewerbung_Unternehmen_Vorname_Nachname.pdf".
  • E-Mail-Absender-Adresse: Aus Datenschutzgründen kann ich hier keine Beispiele aufführen – leider. Denn die sind teilweise zum Schreien. Schlimmer wäre wohl nur geile_maus69@hotmail.com. Tipp: Um seriös rüberzukommen, legt euch gescheite E-Mail-Adressen für eure Bewerbungen zu, zum Beispiel: vorname.nachname@woihrhaltseid.de.
  • Kontaktdaten: Auch wenn man es nicht glauben mag – nicht jede Bewerbung enthält vollständige Kontaktdaten des Kandidaten. Zum einen sollte schon in der E-Mail eine Signatur enthalten sein. Zum anderen gehören vollständige Kontaktdaten in die Unterlagen. Peinliches Anekdötchen: Weil wir einmal weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse hatten und keinen Brief schreiben wollten, blieb uns nur die Suche übers Web. Fündig wurden wir auf StudiVZ. Auf dem Profil grinste uns das entgegen:

  • Schreibfehler: "Da ich mit dem Gedanken spiele, nach meinem Studium im Bereich Journalismus zu arbeiten, bietet mir Ihr Praktikum die möglichkeit, erste Ehrfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen." Klar, eine fehlerfreie Bewerbung ist schwer. Aber gerade wenn man sich in einer Redaktion bewirbt, sollte man fehlerfrei schreiben können und stilistische Grundregeln beachten. Wenn ich dann noch lese, dass der Bewerber im Deutsch-LK 15 Punkte hatte, zweifle ich doch sehr.
  • Länge des Anschreibens: Unser Kürze-Rekord: drei Zeilen. Unser Länge-Rekord: knapp drei Seiten. Tipp: Mit einer Seite, inklusive Kopfzeile, Betreff, Ort und Datum, liegt ihr richtig.
  • Länge der Bewerbung: Der Rekord liegt bei 36 Seiten inklusive Inhaltsverzeichnis – das brauchte ich dafür auch. Allein Anschreiben und CV umfassten acht Seiten. Die Grundregel lautet: eine Seite Anschreiben, max. zwei Seiten Lebenslauf und dann die relevanten Zeugnisse. Wer jede Bescheinigung für jeden Kurs, jede Veranstaltung und jede zweistündige Nebentätigkeit beilegt, zeigt, dass er nicht priorisieren kann.
  • Schlampigkeit und Einheitsbrei: Bewerbungsunterlagen sollen vollständig, ordentlich, fehlerfrei und individuell sein. Ich sehe einer Bewerbung an, ob sie an ein Unternehmen angepasst wurde, oder ob es sich um ein Massenschreiben handelt, das an zig Arbeitgeber geschickt wird. Besonders dann, wenn Bewerber sich nicht mal die Mühe machen, Firma, Adresse und Ansprechpartner korrekt auszutauschen. P.S.: Lukas Oldenburg freut sich nicht über solche Anreden: "Sehr geehrter Herr Lukas".
  • Bewerbungsfoto: Auch hier wünschte ich, Bilder posten zu dürfen. Das hätte großen Unterhaltungswert. Meine No-go-favorites: Bewerber zwischen drei riesigen Teddybären und Urlaubsfoto mit verschwitztem Wandersmann. Tipp: Ihr müsst keine High-end-Fotosession für Hunderte von Euro durchposen, aber ein seriöses, professionelles Bild in angemessener Kleidung und ordentlichem Erscheinungsbild sollte es schon sein.
  • Soziales Engagement: "Zur Zeit beteilige ich mich noch an einem Wettbewerb der Universität Siegen. […]Ein sogenanntes Brückenbau-Wettbewerb. […] Eine Brücke zu bauen, nur mit Papier und Pappe inklusive Klebstoff, und einem Maximalgewicht von 240Gramm." Ja, auf so was hat die Gesellschaft gewartet. Und die Unternehmen auch. Dicke Pluspunkte sammelt ihr auch, wenn ihr alle Recruiting-Workshops unter diesem Punkt aufzählt, die ihr jemals mitgemacht habt (Achtung, das war ironisch.). Soziales Engagement zeichnet sich dadurch aus, dass man etwas für andere tut, und zwar dauerhaft und von Herzen. "Engagement" sollte also schon erkennbar sein.
  • Adjektiv-Terror: Natürlich müsst ihr euch mit eurer Bewerbung verkaufen, aber bitte nicht durch eine endlose Aneinanderreihung von positiven Adjektiven à la: "Ich bin mit Leib und Seele dabei, mit meiner ganzen Persönlichkeit, bin konzentriert, fokussiert, arbeite präzise und bin pro-aktiv. Ich arbeite gerne selbstständig und unter Eigenverantwortung, damit ich aus meinem ganzen kognitiven, affektiven und kreativen Potenzial schöpfen und pro-aktiv innovative Ideen generieren kann." Tipp: Schreibt zu den positiven Eigenschaften eine Begründung: Bei welchem Projekt habt ihr zum Beispiel Kreativität und Eigenverantwortung unter Beweis gestellt?

Puh, das ist eine ganz schön lange Liste. Ich hoffe, es fühlt sich keiner auf den Schlips getreten. Aber ich möchte schließlich auch einen pädagogischen Auftrag zu eurem Besten erfüllen – denn eure Bewerbungen sollen euch ja zum Traumjob bringen. Daher noch ein letzter Kritikpunkt und Ratschlag:

  • Faulheit: Wenn wir schon netterweise zurückschreiben und euch bitten, die Unterlagen noch mal zu überarbeiten, weil ihr damit keine Chance beim Unternehmen haben werdet, dann bitte NICHT eine Reaktion wie diese: "ich habe noch nie ein Motivationsschreiben geschrieben und habe dafür auch keine Zeit. Bitte leitet das so weiter".

In diesem Sinne: Alles Gute für eure Bewerbungen! Und im Zweifelsfall gilt: Nachfragen, zum Beispiel in der e-fellows.net community.

Hilfe, das Internet hat meine Karriere gefressen!

Mittwoch, den 24. März 2010
Lukas

"Ich poste alles anonym, denn ich möchte, dass man so wenig wie möglich über mich im Internet findet." "Ich achte darauf, nirgendwo eine öffentliche Spur von mir zu hinterlassen." Zitate, wie wir sie immer wieder lesen, auch in der Community. Als ob das Internet hauptsächlich Karrieren fressen würde. Dabei beflügelt es sie geradezu.

In den letzten Jahren haben sich "Personensuchmaschinen" wie yasni oder 123people etabliert, und "googelnde Personaler" sind angeblich der Normalfall geworden (zum Beispiel laut dieser Microsoft-Studie).

Wer traut sich raus aus dem Web-Schneckenhaus? [Bildquelle: sxc.hu, Autor: harubert]
Wer traut sich raus aus dem Web-Schneckenhaus? [Bildquelle: sxc.hu, Autor: harubert]

Die beiden Phänomene führen dazu, dass viele Leute Angst davor haben, auch nur irgendwelche Spuren im Internet zu hinterlassen. Schlagworte wie der "gläserne Bewerber" bringen diese Angst zum Ausdruck. Bücher mit reißerischen Titeln wie "Karrierefalle Internet" verkaufen sich in so einer Zeit gut. Nicht nur der Autor des Buchs, der renommierte "PR-Blogger" Klaus Eck, sondern ganze Unternehmen verdienen ihr Geld mittlerweile mit "Reputations-Management" im Internet.

Kein Plädoyer für den Exhibitionismus
Um das gleich klarzustellen: Sicher kann man nicht naiv einfach alles von sich im Internet veröffentlichen und dann drauf hoffen, dass es schon niemand findet. Nach dem zu urteilen, was man so findet, wenn man sich durch die größeren Social Networks klickt, scheint es weiterhin auf jeden Fall notwendig, die Leute darüber aufzuklären, was sie da der ganzen Welt preisgeben.

Fan von "Fuck"? Muss nicht sein.
Wenn ich in Facebook bin, muss ich nicht unbedingt Fan von "F U C K THIS, F U C K THAT, F U C K OFF, F U C K YOU" werden. Wenn ich einmal meinen Namen google, erblicke ich nämlich sofort, dass potenziell alle Google-Sucher in meinem öffentlichen Facebook-Profil sehen, von wem ich alles Fan bin. Ich muss auch nicht in meinem Status posten, dass ich meinen Job hasse, wenn mein Chef mein "Freund" ist. Ich muss mir auch kein Profilfoto mit tiefem Ausschnitt ins StudiVZ stellen.

Das Schneckenhaus ist keine sinnvolle Alternative
Doch wie so oft ist die beste Methode hier nicht, sich aus Panik im virtuellen Schneckenhaus zu verkriechen, sondern die goldene Mitte aus Datenkontrolle und Öffentlichkeit zu finden. Oft ist es sogar besser, gezielt Informationen von sich zu verbreiten, als das dem Zufall zu überlassen. Dafür braucht man ein wenig gesunden Menschenverstand, aber keinen "Reputationsmanager".

Mit Internet-Profil bessere Chancen als Bewerber
Wie die oben zitierte Studie von Microsoft zeigt, schauen 59 Prozent der Personaler im Internet nach Informationen zum Bewerber. Das heißt meiner Erfahrung nach: Sie googeln mal kurz oder schauen schnell auf das Profil in den größeren Netzwerken; sie betreiben aber keine Tiefen-Recherche. Die Studie sagt aber auch: Noch mehr Personaler, 71 Prozent nämlich, sind der Meinung, dass "ein positives Online-Profil die Chancen einer Bewerbung stark oder zu einem gewissen Grad erhöht."

Das Internet als authentische Ergänzung der Bewerbung
Ich sehe das genauso: Das Internet ist eine Riesenchance für den Bewerber. Lebensläufe und Anschreiben lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad optimieren. Dann sieht praktisch jeder Lebenslauf gleich aus. Lauter geschönte, standardisierte Angaben. Das ist praktisch zum Vergleichen, aber: Man kann doch so viel und muss das jetzt auf diese zwei Seiten quetschen. Wie bereichernd ist es da für den Personaler und den Bewerber, wenn das Internet das Profil des Bewerbers bestätigt und ergänzt?

Beispiel: der "öffentliche" und der "anonyme" Bewerber
Ein Beispiel: Unternehmen X sucht jemanden mit Fachkenntnis F. Bewerber B bewirbt sich. Unternehmen X googelt und sucht ihn in sozialen Netzwerken, zum Beispiel in der e-fellows.net community (wenn es ein e-fellows.net-Partnerunternehmen ist). Dabei findet die Firma folgende Informationen:

  • Bewerber hat in einem Blog etwas über Thema F geschrieben.
  • Bewerber ist Mitglied meiner Unternehmensgruppe in der Community und hat dort schon mal interessierte Fragen gestellt.
  • Bewerber hat auf Fragen anderer zu Thema F mit kompetenten Antworten überzeugt.
  • Bewerber hat ein Community-/Xing-Profil, das zeigt, dass er Mitglied in fachrelevanten Gruppen oder Organisationen ist und viele Leute kennt, die ebenfalls vom Fach sind.
  • Bewerber hat ein Twitter-Profil und folgt damit vielen fachrelevanten Twitterern oder tweetet sogar selbst hin und wieder was.
  • Artikel über das soziale Engagement oder Projekte des Bewerbers, die zeigen, dass er wirklich so engagiert und vielseitig ist, wie sein Lebenslauf behauptet.

Jetzt hat sich bei dem Arbeitgeber auch Gegenbewerber G beworben. Der ist genauso gut, aber im Internet ist über ihn praktisch nichts zu finden, weil er immer anonym postet oder Social Networks gar ganz fernbleibt. Sofern das Unternehmen nicht die Datenschutzbehörde ist, dürfte der Gegenbewerber deutlich geringere Chancen auf eine Einladung haben.

Zeigt euch – nur nicht zu privat!
Das sind alles Gründe für mich, warum es als Bewerber fast immer besser ist, wenn im Internet viel von einem zu finden ist. Das schließt natürlich Privates aus. Es geht die Öffentlichkeit zum Beispiel nichts an, wenn man sich schlecht fühlt, wenn es mit dem Partner nicht so gut läuft, oder wenn man sich am Samstagabend zu stark die Kante gegeben hat. Markiert einen zum Beispiel jemand auf so einem Facebook-Foto, solltet ihr die Markierung einfach wieder entfernen.

Im Wald fällt ein Baum nicht mehr auf
Es hat aber noch einen weiteren Vorteil, wenn es viel im Internet von euch gibt: Dann fällt der eine kleine Fauxpas nicht auf, der euch irgendwann vielleicht mal passiert ist oder den jemand über euch gepostet hat.

Ab ins Internet!
Gerade für die e-fellows, die deutlich mehr drauf haben als der Durchschnittsstudent, sollte die Botschaft klar sein: Ab ins Internet, denn damit könnt ihr euch erst recht von anderen Bewerbern abheben.

Das Online-Profil wird noch wichtiger werden
Klar, das muss jeder für sich selbst entscheiden – und sicher ist das zurzeit auch noch von der Branche abhängig, in der man sich bewirbt. Das wird sich mit der Zeit allerdings ändern. Schließlich verkehrt sogar unser Steuerberater seit diesem Jahr mit uns per E-Mail ;) !


Umfrage in der Community (nur für e-fellows) zum Thema: Hat man schlechte Karten bei der Bewerbung, wenn der Personaler bei Google & Co. nichts über einen findet?

Bitte lächeln – auch beim Vorstellungsgespräch am Telefon

Freitag, den 19. März 2010
Carolin

Mensa, das Übliche – fragwürdiges Essen, heiße Diskussionen über Professor Schmidt, der Seminararbeiten unmöglich benotet. Plötzlich läutet dein Handy: "Hier ist Unternehmen XY, Sie hatten sich bei uns für ein Praktikum beworben. Hätten Sie jetzt gerade Zeit für ein kurzes Telefon-Interview?" Aargh – was jetzt? Mitten in der Mensa ein Bewerbungsgespräch führen? Absagen und möglicherweise ein cooles Praktikum riskieren?

Arbeitgeber mögen Telefoninterviews – dabei sparen sie Zeit und bekommen trotzdem einen guten ersten Eindruck vom Bewerber. Noch interessanter ist es, wenn du bei der neuen Stelle viel telefonieren und vielleicht Vertrieb machen sollst – beim Telefoninterview können die Personaler deine Fähigkeiten gleich "on air" testen.
Tipps fürs Telefon-Interview
Vorstellungsgespräch am eigenen Schreibtisch
Aber auch für dich hat das Vorteile: Du kannst das Gespräch in gewohnter Umgebung führen (zum Beispiel bei dir daheim) – das entspannt. Der Nachteil ist, dass du dein Gegenüber nicht siehst und damit auch nicht seine Reaktionen auf deine Antworten. Umso wichtiger ist es, sich gut vorzubereiten. Mit ein paar Tipps klappt's noch besser:

  • Es ist ok, keine Zeit zu haben, wenn du überraschend angerufen wirst. Besser, du schlägst einen neuen Termin vor. Sonst riskierst du ein chaotisches, unvorbereitetes Gespräch.
  • Überlege dir vorher, welche Fragen dich erwarten könnten und bereite dich auf das Gespräch vor. Übertreib's dabei aber nicht: Vorformulierte Antworten vorlesen kommt sicher nicht gut an.
  • Suche dir zum Telefonieren einen ruhigen Ort, wo niemand plötzlich dazwischenfunkt.
  • Der Anschluss und das Telefon sollten einwandfrei funktionieren.
  • Lege dir deine eigenen Bewerbungsunterlagen zurecht – der Personaler wird im Gespräch darauf bezugnehmen.
  • Lächle beim Sprechen. Auch wenn es komisch klingt – das wirkt wirklich sympathischer, selbst wenn dich dein Gegenüber nicht sieht.
  • Sprich langsam, laut und deutlich.
  • Versuche, dir den Ansprechpartner am anderen Ende der Leitung vorzustellen - das macht es leichter, mit ihm zu reden und auf ihn einzugehen.
  • Frage ruhig nach, wenn du eine Frage nicht genau verstanden hast oder dir unsicher bist – am Telefon entstehen leicht Unklarheiten, weil alle visuellen Eindrücke wegfallen.
  • Mach dir während des Bewerbungsgesprächs Notizen, um Rückfragen stellen zu können und um die wichtigen Infos festzuhalten.
  • Ideal ist es, wenn du beim Gespräch vor einem Computer sitzt und die Firmenwebsite aufgerufen hast. So kannst du außerdem notfalls Unbekanntes im Internet recherchieren . Das ist allerdings nicht ganz einfach, immerhin musst du "nebenher" auch das Gespräch normal weiterführen.
  • Kläre am Ende des Gesprächs die nächsten Schritte: Wann melden sich die Personaler wieder bei dir? Wird es noch ein persönliches Bewerbungsgespräch geben?
  • Wenn die ganze Situation sehr ungewohnt ist, kannst du auch einen Freund bitten, mit dir zu üben und ein Probe-Telefon-Interview zu machen.

Mehr Tipps gibt es in der Community-Gruppe zur Bewerbung oder auf der Website in der Rubrik "Bewerben".

Dein neues Ich – im neuen CV

Freitag, den 12. März 2010
Sabine

Happy Birthday, e-fellows.net! Wir werden 10 Jahre alt. Davon sollen alle was haben: Ihr bekommt einen neuen Online-Lebenslauf geschenkt. Eure Wunscharbeitgeber werden euch damit ganz anders wahrnehmen, nämlich übersichtlicher und dennoch detaillierter. Ihre könnt euren Werdegang leichter verwalten – denn jetzt passt das Formular auch besser auf Bachelor- und Masterstudiengänge und vieles mehr.

Jahre – das kann man wohl so sagen – haben wir daran gearbeitet. Schweiß und Tränen sind geflossen – hitzige Diskussionen wurden geführt. Jetzt ist er fertig, und wir freuen uns, ihn euch endlich präsentieren zu können: der neue Online-Lebenslauf von e-fellows.net.

What’s new?

  • Den Abschnitt "Studium" haben wir an die neuen Abschlüsse angepasst, damit ihr eure Bachelor- und Master-Studiengänge leichter unterbringen könnt. Mehr Notensysteme sind auswählbar (z.B. Punktesystem der Juristen). Auch die Hochschul- und Fächerauswahl haben wir verbessert.
  • Juristen können ihr Referendariat inklusive Zweitem Staatsexamen nun in einem eigenen Abschnitt anlegen. Wahlstationen könnt ihr einzeln hinzufügen, um euren Werdegang transparenter und detaillierter darzustellen.

Referendariat

  • Die Niveaus bei Sprachen haben wir an die gängigen Bewerbungsstandards angepasst.
  • Alle Lebenslauf-Abschnitte könnt ihr einzeln bearbeiten und abspeichern. Das sorgt für Übersichtlichkeit.
  • Der PDF-Lebenslauf hat ein neues Layout und zeigt den Personalern dadurch übersichtlicher, aber dennoch detaillierter, was euch ausmacht und ihr bisher geleistet habt.

  • Aktiv in Community oder City Group? Helfer bei Startschuss Abi oder Autor von Artikeln auf Website, Wiki oder unseren Büchern? Das soll belohnt werden. Bei der jährlichen Datenaktualisierung könnt ihr uns euer Engagement bei e-fellows.net (unter Schritt 3: "Bewerbung abschließen") nun noch mal deutlich zeigen.

efn-Engagement

  • Wie ihr euch eure "Berufliche Zukunft" (unter Schritt 3: "Bewerbung abschließen") vorstellt, könnt ihr uns nun auch detaillierter mitteilen. Das ermöglicht uns, euch Angebote passgenauer zukommen zu lassen.

berufl_Zukunft

  • Übrigens: Im nächsten Jahr werden wir auch die Community-Profile umgestalten und an den neuen CV anpassen. Dann müsst ihr nicht mehr Community-Profil und CV doppelt pflegen. Denn alle Felder, die mit diesem Icon markiert sind, werden beim Bearbeiten mit dem Community-Profil synchronisiert – und umgekehrt.Syncho-Icon

What to do now?
Im neuen Lebenslauf gibt es andere Strukturen, neue Auswahl-Menüs und Zusatzfelder. Daher mussten wir all eure Daten aus dem alten Online-Lebenslauf in die neue Struktur bringen. Dabei kann es bei dem ein oder anderen e-fellow vorkommen, dass nicht alles hundertprozentig korrekt ist. Und generell hat nun jeder die Möglichkeit, seinen Lebenslauf zu verbessern, da wir euch nun mehr Lebenslaufdetails anbieten.

So bitten wir euch, euren Lebenslauf zu checken und gegebenenfalls zu korrigieren bzw. optimieren. Keine Panik: Ihr müsst keine neue Stipendiumsbewerbung abschicken, sondern einfach bei Gelegenheit über eure Daten schauen.

Help!? Feedback, Kritik – und gerne auch Lob
Weil vieles neu ist, gibt's sicher viele Fragen. Antworten findet ihr in den zugehörigen FAQ. Falls nicht, könnt ihr uns natürlich eure Fragen stellen. Ebenso freuen wir uns auf euer Feedback. Das werdet ihr los in der "Fragen und Anregungen zu e-fellows.net"-Gruppe oder per E-Mail: stipendium[at]e-fellows.net. Und telefonisch unter: 089 – 23232-315.

Wir sagen Danke!
Wir sind gespannt, wie euch der neue Lebenslauf gefällt und bedanken uns an dieser Stelle noch mal herzlich bei allen Beta-Testern und allen anderen schon mal fürs Checken eurer Daten. Viel Spaß mit dem neuen CV – und vor allem viel Erfolg damit bei künftigen Bewerbungen.

Nutellabrötchen im Web 2.0

Montag, den 22. Februar 2010
Katharina

Web 2.0: Die Revolution der Datenverbreitung oder nervige Mikroblogging-Mania? Wir alle lieben unsere Netzwerke, doch wollen wir dort auch noch von Unternehmen zugetextet werden?

Recruiter tummeln sich in der e-fellows.net community oder auf Xing. Klar – das ist nichts Neues, sind ja auch Karrierenetzwerke.

Inzwischen entdecken aber immer mehr auch Twitter und Facebook für sich. Jetzt kann ich also Fan von meinem Lieblingsarbeitgeber "Fischers Konservendosen" werden. Und was passiert dann? Sieht dann deren Personaler, an den ich kürzlich meine Bewerbung verschickt habe, die Einträge auf meiner Pinnwand? "Ey Tinka, hast du noch nach Hause gefunden oder musstest du wieder im Garten pennen?" Okay, da schau ich doch lieber nach. Uff, nein – mein Profil kann man über die Fanpage nicht einsehen. Yuppieh.

Die Freuden des Fantums
Was also bringt mir mein neues Fantum? Fischers Konservendosen hat gerade einen tollen Artikel gefunden. "Wie man Konserven am besten stapelt und verschickt." Das ist ja genial! Wenn sie mich jetzt im Bewerbungsgespräch danach fragen, hab ich die perfekte Antwort zur Hand.

Da schau ich doch gleich noch mal, ob nicht Konrads Fischerhosen – der zweite Arbeitgeber auf meinerbrötchen Quelle:sxc.hu Autor:funny-p Liste – auch eine Fanseite hat. Und tatsächlich: Bald erscheint der erste Post in meinem Facebook-Feed: "Guten Morgen. Bei uns gibts es heute Brötchen im Büro."

"Ähm", denke ich mir etwas verwirrt. "Na ja, eigentlich ist es ja ganz nett, auch mal etwas Persönliches vom Unternehmen mitzubekommen."

Da kommt schon der zweite Eintrag: "Brötchen waren lecker. Jetzt ab an die Arbeit."

"Na dann mal los!", freue ich mich.

10 Minuten später drücke ich F5 und bekomme: "Heute arbeiten alle besonders schnell – das wird ein produktiver Tag." Dann: "Jetzt ist der Chef gerade auf Toilette – Meeting verschoben." Und kurz darauf: "Ging schnell, jetzt im Meeting."

"Endlich Ruhe!", denke ich.

Doch weit gefehlt: "Ich liebe Smartphones. facebook im Meeting."

"AHHHHHHHHHHHHHHHHH!"

Heute schon gezwitschert?
schatz Quelle:sxc.hu Autor:krilm
Dummerweise habe ich vergessen, dass Konrads Fischerhosen sich auch auf meiner Twitter-Zeitleiste austoben. Verdammt! Entnervt scrolle ich durch die 500 neuen Einträge. Oha, gestern hat Fischers Konservendosen eine Seminar-Einladung gepostet. Die ersten 50 Retweets durften kostenlos mit. Verdammt, das ist vor lauter Brötchen-Gewäsch untergegangen. So ein Mist!

Etwas angesäuert suche ich nach weiteren Twitter-Juwelen. Ein Hinweis von Konrad auf den neuen Unternehmensblog. Soll ich den Fischerhosen noch eine Chance geben? Ich bin skeptisch, aber die Neugier siegt. Klick.

"Erlebe Konrads Fischerhosen hautnah. Einblicke in unser Innenleben. Exklusive Informationen aus den Chef-Etage, nur hier im Blog." Na, tinka mit explodiertem kopfdas klingt doch nach was. Mit diesen Insider-Infos kann ich sicher auch im Bewerbungsgespräch punkten. Klick.

Der erste Eintrag:
"Heute ist mein erster Tag im Büro. Ich freue mich total, dass ich hier jetzt für drei Monate Praktikant sein darf. Heute Morgen gab es leckere Brötchen. Das war toll. Die Kollegen haben mir Nutella gegeben …"

Die berüchtigten Tippfehler in der Bewerbung…

Donnerstag, den 28. Januar 2010
Lukas

"Mehr als einen Tippfehler darf sich kein Jobkandidat erlauben, sonst landet seine Bewerbung bei rund einem Drittel der Personaler sofort auf dem Absage-Stapel. Ab drei Fehlern sortieren bereits 70 Prozent die Bewerbungsunterlagen aus."

Ein Fehler, und zack ist die Bewerbung im Mülleimer - von wegen! [Bildquelle: sxc.hu, Autor: nkzs]
Ein Fehler, und die Bewerbung ist im Mülleimer – von wegen! [Bildquelle: sxc.hu, Autor: nkzs]

So beginnt eine Pressemitteilung zur kürzlich durchgeführten "Bewerbungsstudie 2010" von alma mater und karrierebibel.de [Nachtrag: Oder vielleicht doch nur von karrierebibel.de? Die beiden diskutieren hier (siehe Kommentare) um die Urheberschaft.]

Fehlerfrei? Von wegen!
Es ist nicht das erste Mal, dass wir lesen, Tipp-, Formatierungs- oder gar Rechtschreibfehler seien ein absolutes No-Go für Personaler. Daher mal ganz im Ernst: Ich kann nur für die Bewerbungen sprechen, die wir bei e-fellows.net auf unsere Stellenausschreibungen erhalten. Aber in meinen drei Jahren hier ist uns wahrscheinlich kein einziges Mal eine Bewerbung ohne Formfehler (Tipp-, Rechtschreib- oder Formatierungsfehler) untergekommen – und das selbst bei Redakteursbewerbungen. Am Anfang fand ich das jedes Mal extrem schlampig, mittlerweile sehe ich es gelassener und schaue auch gar nicht mehr so genau hin. Man hat ja auch keine Wahl…

Der Personaler, ein wandelnder Duden?
Es ist einfach extrem schwer, ein Anschreiben und einen komplex formatierten Lebenslauf wirklich hundertprozentig fehlerfrei einzureichen. Würden die Personaler wirklich so radikal aussortieren, wie sie es behaupten, könnten sie fast niemanden mehr einladen. Denn selbst ein Personaler ist kein wandelnder Duden, der genau weiß, wo die Bindestriche hingehören, wo welches Komma zu stehen hat und wann Groß- oder Kleinschreibung gefordert ist. Oder der immer erkennt, dass jemand nicht mit Tabulatoren umgehen kann oder ob alle Zeilenabstände konsistent sind. Meine Erfahrung ist: Viele halten sich für (fast) perfekte Rechtschreiber, Keiner aber ist perfekt (ich schon gar nicht!), und jeder sieht einfach andere Fehler.

Job bekommen – trotz Todsünde
Wir bei e-fellows.net haben jedenfalls viele eingeladen, die (wenige) Rechtschreib- und Tippfehler in ihrer Bewerbung hatten. Manche sind heute sogar Kollegen. Und ja, auch ich habe meine erfolgreiche Bewerbung später noch mal durchgeschaut und einen ganz gravierenden Fehler gefunden (verrate ich jetzt nicht, aber laut der genannten Studie ist es eine "Todsünde"). Peinlich, peinlich – aber trotzdem wurde ich eingeladen.

Das ist keine Ermutigung zum Schlampern
Das heißt jetzt nicht, dass man bei der Bewerbung jetzt ruhig etwas nachlässiger sein kann. Im Gegenteil: Es zeigt, dass man sich mit einer wirklich anstandslosen Bewerbung tatsächlich vom Rest abhebt. Wichtiger als der eine Tippfehler sind aber die Formalia – was steht im Anschreiben, wie gliedere ich den Lebenslauf, was gehört in den CV und was nicht. Meiner Meinung nach sind Patzer hierbei viel gravierender, leider aber auch nicht viel seltener. Dabei kann man sich zum Beispiel bei e-fellows.net eine Menge praktischer Tipps holen. Zum Beispiel über die Ergebnisse unseres CV-Checks, in der "Bewerben"-Rubrik oder in der Community-Gruppe "Bewerbung".

Was halten andere e-fellows von eurer Bewerbung?
Ganz wichtig: Lasst die Bewerbung von jemandem Korrektur lesen, der Ahnung davon hat. Stellt euer Anschreiben doch mal als anonyme Frage in die Community und fragt nach der Meinung der anderen karriereerfahrenen e-fellows. Eine bessere Feedback-Gruppe kann man nicht kriegen. Und vielleicht schaut ja sogar einer der Unternehmensvertreter drauf und gibt einen guten Tipp.