Erfahrungsbericht (Bosch Rexroth): Erst forschen, dann über die Teststrecke sausen

20. Juli 2011
Erfahrungs- bericht

Hydraulik, Simulation und Fahrzeugtechnik – damit beschäftigt sich e-fellows.net-Stipendiatin Verena am liebsten. Beim Workshop mit Bosch Rexroth konnte sie ihr Uni-Wissen endlich in der Praxis anwenden. Sie entwickelte Hybrid-Konzepte, berechnete hydraulische Speicher oder dimensionierte hydrostatisch regenerative Bremssysteme -  die dann zum Beispiel in Müllfahrzeugen eingesetzt werden.

Titel und Thema der Veranstaltung:
Workshop zur Entwicklung hydraulischer Hybridantriebe

Zeit, Ort und Dauer der Veranstaltung:
19. und 20. Mai 2011, Bosch-Rexroth-Niederlassung, Elchingen bei Ulm

Teilnehmerzahl und Unternehmensvertreter:

  • 15 Studenten des Maschinenbaus, der Mechatronik und der Fahrzeugtechnik
  • Neun Unternehmensvertreter vom gesamtverantwortlichen "Entwicklungsleiter für Mobil-Elektronik und Systeme" über weitere Abteilungsleiter sowie Projektleiter und Entwicklungsingenieure bis hin zur Vertreterin der Personalabteilung

Eingeladen hatte die Entwicklungsabteilung "Mobile Funktionen und Software" der Business Unit "Mobile Applications", die das hydrostatisch-regenerative Bremssystem (HRB) mitentwickelt. Das ist ein hydraulisches Hybridsystem, das zum Beispiel in Müllfahrzeugen eingesetzt werden kann. Diese Fahrzeuge bremsen und beschleunigen in kurzen Zeitabständen. Anstatt die Bremsenergie in konventionellen Bremsen zu verbrennen, wird sie genutzt, um Druck in einem hydraulischen Speicher aufzubauen. Anschließend nutzt das Fahrzeug diesen Druck für den Beschleunigungsvorgang.

Begeistert von Hydraulik und Fahrzeugtechnik
Im Workshop kam eine Gruppe von technikbegeisterten Studenten zusammen. Viele von uns hatten sich schon während des Studiums mit Hydraulik, Simulation und Fahrzeugtechnik beschäftigt, so dass im Verlauf des Workshops viele interessante Fragen aufkamen, die wir angeregt diskutiert haben.

e-fellows.net-Stipendiatin Verena (26) studiert im 10. Semester Maschinenbau mit Hauptfach Fluidtechnik am Karlsruhe Institut für Technologie (KIT). Dank des Doppeldiplomstudiengangs verbrachte sie ein Teil ihres Studiums in Frankreich. Privat singt sie im Uni-Chor oder spielt Wasserball.

Wir durften gleich selbst ran
Am ersten Tag durften wir nach der Begrüßung durch Dr.-Ing. Markus G. Kliffken, "Entwicklungsleitung Mobil-Elektronik und Systeme", und der Vorstellung des Unternehmens Bosch Rexroth und der Abteilung Entwicklung Systeme und Hybride direkt selbst aktiv werden. Wir kamen in Gruppen zusammen, um Konzepte für einen hydraulischen Hybrid zu entwickeln. Diese Konzepte haben wir anschließend gemeinsam mit Matthias Müller, Entwicklungsingenieur der Abteilung Funktionsentwicklung, diskutiert und bewertet. "Wie man’s richtig macht", zeigte uns dann Christian Grabe aus dem technischen Produktmanagement und stellte die Lösung vor, die Bosch Rexroth entwickelt hat.

Mal ganz locker den Chef löchern
Nach dem Abendessen hatten wir dann Gelegenheit zu einem "Kamingespräch" mit Dr. Reinhard Vonnoe, Abteilungsleiter Entwicklung Mobile Funktionen und Software. Er stand Rede und Antwort zu Fragen über seine Karriere, seine Führungsphilosophie, die Arbeitszeit und –belastung für Führungskräfte und Mitarbeiter in der Entwicklung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

"Alles und nichts"-Könner
Besonders interessant fand ich die Frage, wie lange es dauert, bis ein Uni-Absolvent richtig produktiv ist. Da man nach einem Studium an der Uni "alles und nichts" kann, vergeht laut Dr. Reinhard Vonnoe ein gutes Jahr, bis der frische Ingenieur komplett eingearbeitet ist.

Wie kann ich anfangen? – Einstiegsmöglichkeiten bei Bosch Rexroth
Der zweite Workshoptag startete mit einer Vorstellung der Einstiegsmöglichkeiten für Hochschulabsolventen bei Bosch Rexroth. Jede Einstiegsvariante wurde von einem Mitarbeiter vorgestellt, der sie selbst durchlaufen hat. Dr. Steffen Mutschler hat seine Doktorarbeit bei Bosch Rexroth geschrieben. Özcan Ögüt hat das Junior Managers Programm der Bosch-Gruppe, also das Traineeprogramm, durchlaufen und alle seine Stationen bei Rexroth absolviert. Dr.-Ing. Ulrich Ahrholdt hat nach einer Promotion an der Uni den Direkteinstieg gewählt.

Direkteinstieg oder doch erst Promotion?
Viele von uns stehen kurz vor der Entscheidung über Berufseinstieg beziehungsweise eine mögliche Promotion. Also hatten wir viele Fragen zum Sinn und Zweck einer Promotion, dem Unterschied zwischen einer Promotion an der Uni, oder in der Industrie und der Bedeutung eines Traineeprogramms oder eines Direkteinstiegs für die Karriere. Unabhängig vom Einstieg, den die Ingenieure gewählt hatten, haben sie mit viel Begeisterung von ihrer Arbeit und den vielfältigen Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten bei Bosch Rexroth erzählt.

Dann zeigt mal, was ihr in der Uni gelernt habt
Und dann waren wir wieder gefordert. An einem Zahlenbeispiel dimensionierten wir in Gruppen ein hydrostatisch-regeneratives Bremssystem und wandten dabei Erkenntnisse aus der Hydraulik und Mechanik an. Dabei fanden wir heraus, wie groß der hydraulische Speicher sein muss, der die Bremsenergie aufnimmt. Anschließend stellte Dr. Steffen Mutschler die Simulation des Bremssystems vor und verglich die Simulationsergebnisse mit Messergebnissen.

Technik an der frischen Luft erleben
Nachdem wir soviel über das hydrostatisch-regenerative Bremssystem gelernt hatten, konnten wir es nach dem Mittagessen auf der Teststrecke endlich in Aktion sehen. Und während das Versuchsfahrzeug Nummer 1 ständig an uns vorbei über die Teststrecke sauste, nahmen wir an Nummer 2 alle Komponenten des HRB in Augenschein. Ein Versuchsingenieur und zwei Entwicklungsingenieure zeigten uns das hydrostatisch-regenerative Bremssystem und weitere Versuchsträger und -stände.

Kontakt zu Bosch Rexroth aufnehmen?
In der Community-Gruppe "Inside Bosch Rexroth" Fragen stellen oder über Partner im Profil mehr erfahren.

Das Gelernte in der Industrie anwenden
Ich kann den Workshop zu hundert Prozent weiterempfehlen. Während man häufig Gelegenheit bekommt, sich die Produktion eines Unternehmens anzusehen, erhält man selten so einen guten Einblick in eine Entwicklungsabteilung. Im gesamten Zeitraum stand eine Reihe von Ingenieuren und Führungskräften jederzeit für Fragen zur Verfügung und hat uns mit viel Begeisterung ihre Tätigkeiten vermittelt. Der Workshop war eine tolle Gelegenheit, das, was ich in der Uni lerne, in der Industrie anzuwenden. Ich bin mit sehr vielen neuen Ideen für den Rest meines Studiums, meine Diplomarbeit und meinen Berufseinstieg nach Hause gefahren.

Erfahrungsberichte, Quelle:sxc.hu Autor:clixMehr Erfahrungsberichte?
Weitere Berichte der e-fellows von Recruiting-Events, Praktika und Jobs findest du in der Rubrik "Erfahrungsberichte".

Einen Kommentar schreiben