Stephanie startete sehr zuversichtlich in ihr erstes Semester Physik. Doch ehe sie sich versah, war sie trotz fleißigen Lernens durch die ersten Prüfungen gefallen. Fast hätte sie das Handtuch geworfen – doch dann beschloss sie, sich durchzuboxen.
Viele e-fellows, die sich für ein Physikstudium entschieden haben, werden ähnliche Erfahrungen gemacht haben: Die ersten Semester sind häufig sehr theoretisch und es stehen hauptsächlich Mathematik-Vorlesungen auf dem Plan.
Mit Zuversicht ins erste Semester
Als ich zum Wintersemester 2009 mein Physikstudium begann, war ich zuversichtlich, dass alles schon irgendwie klappen würde. Viele meiner Freunde und Bekannten hatten im Vorfeld Zweifel geäußert – sie fragten mich, ob ich mir diese Entscheidung auch gründlich überlegt hätte. Schließlich sei das Studium sehr schwer und mit großem Arbeitsaufwand verbunden. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich dachte, ich hätte es mir gründlich überlegt – aber meine Vorstellung vom Ablauf des Studiums erwies sich schnell als falsch.

e-fellow
Stephanie (20) studiert im dritten Semester Physik in Köln. Zu Beginn ihres Studiums war sie sehr zuversichtlich, doch bald kamen ihr Zweifel, ob das Fach das Richtige für sie war.
Der Durchhänger: abstrakter Stoff und ganz viel Mathe
In der Schule verstand ich den Stoff meistens schnell und hatte so bis zum Abitur kaum Mühe, gute Noten zu kriegen. Dadurch war es eigentlich am schwersten für mich damit klar zu kommen, dass ich nun schon fürs bloße Durchkommen kämpfen musste. In Klausuren durchzufallen gilt unter Physikstudenten als "normal". Dennoch ist es sehr frustrierend, wenn man merkt, dass auch das viele Lernen nicht immer zum Bestehen führt. Gerade die mathematischen Klausuren sind tückisch, da Erstsemestern dabei gerne Punkte für Formfehler abgezogen werden. Und ehe man sich versieht, ist man durchgefallen. Das kann sehr frustrierend sein.
Das Physikstudium besteht im ersten Semester zu zwei Dritteln aus Mathematik und nur zu einem Drittel aus Physik-Vorlesungen. Die Mathematik schreckt die meisten Studenten ab. Viele Studienanfänger freuen sich darauf, direkt mit Physik loslegen zu können und sind dann nach den ersten Wochen ihres Studiums enttäuscht, dass sie sich vorerst mit der für die meisten sehr trockenen und abstrakten Mathematik abmühen müssen. Diese ist aber nun mal das "Werkzeug des Physikers" und daher kommt keiner um sie herum.
Keine Zeit: Die Freunde beschwerten sich
Mit der Zeit warf ein Mitstudierender nach dem anderen das Handtuch und die Reihen in den Vorlesungen lichteten sich. Auch ich begann zu zweifeln, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Ständig beschwerte ich mich über mein Studium. Meine Freunde – von denen die meisten ein Freiwilliges Soziales Jahr, den Zivildienst oder ein anderes Studium absolvierten – waren genervt, da ich wegen des hohen Lernaufwands immer wieder Verabredungen absagen musste. Leichter hingegen war es, Kontakte in der Uni zu knüpfen. So ergaben sich durch gemeinsames Essen in der Mensa und gemeinsames Bearbeiten von Übungszetteln neue Freundschaften. Diese Freundschaften waren einfacher zu pflegen, da diejenigen aus eigener Erfahrung wussten, wie viel man selbst zu tun hatte und da man vieles nun einfach zusammen erledigen konnte.
Während der Woche feiern? Fehlanzeige
Ich bemerkte immer wieder, dass Schulfreunde, die etwas anderes studierten, offensichtlich weit weniger beschäftigt waren als ich. Oft erzählten sie davon, wie viel Zeit sie nun hätten, um während der Woche feiern zu gehen. Zudem schienen einige meiner Kommilitonen zwar ebenfalls sehr viel arbeiten zu müssen, dies jedoch lockerer zu nehmen.
Studenten aus höheren Semestern machten Mut
Kurz gesagt, für mich war der ewige Spagat zwischen Stress im Studium und dem Wunsch nach geregeltem Privatleben sehr hart. Studenten aus höheren Semestern meinten, man müsse sich durch das Grundstudium regelrecht durchbeißen, um dann im Hauptstudium zu den wirklich interessanten Dingen zu gelangen. Den Stoff des Hauptstudiums würde man als leichter empfinden und man hätte dann auch wieder mehr Zeit für sich. Schon im zweiten Semester sollte sich dies bewahrheiten. Das Lernen fiel mir leichter und es wurden endlich auch Probleme behandelt, die einen Bezug zum alltäglichen Leben hatten.
Das Praktikum als Motivation
Mich motivierte auch das obligatorische Praktikum im zweiten Semester. In dieser Zeit führt man im Labor Experimente durch, die den Stoff des ersten und zweiten Semesters abdecken. Auch wenn die Durchführung der Experimente selbst eher langweilig war, so war die Vor- und Nachbereitung der Versuche sehr hilfreich, um die Inhalte der ersten beiden Semester zu verstehen.
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Mehr Praxisnähe im dritten Semester
Mittlerweile bin ich im dritten Semester und das Studium hat sich mir als Puzzle gezeigt, bei dem immer mehr Teile dazu kommen. Langsam nimmt alles Gestalt an und macht Sinn. Da ich gemerkt habe, dass ich Geophysik interessanter und alltagsnäher finde als die klassischen Physikbereiche, führe ich mein Studium nun im Bereich Geophysik und Meteorologie fort. Das macht sehr viel Spaß und fasziniert mich, da es genau die Bereiche abdeckt, über die ich schon immer gerne mehr wissen wollte, wie zum Beispiel Klimawandel.
Leider haben mich meine Anlaufschwierigkeiten etwas in Verzug gebracht, doch da ich nun ein Ziel habe und auch die nötige Begeisterung für das, was ich da tue, bin ich sehr zuversichtlich, dass ich die letzten Hürden gut meistern werde.
Fürs Studium braucht es Leidenschaft
Inzwischen ist mir klar geworden: Erfolg ist eine Sache, aber viel wichtiger ist, dass man hinter dem steht, was man tut und auch mit Herz bei der Sache ist. Denn wenn das gegeben ist, hält man auch die Phasen durch, in denen es mal nicht so läuft, um letztendlich dann doch sein Ziel zu erreichen.