Monatsarchiv für November 2010

Erfahrungsbericht (Clifford Chance): Großkanzlei macht Spaß

Montag, den 8. November 2010
Erfahrungs- bericht

''Je mehr Vergnügen du an deiner Arbeit hast, umso besser wird sie bezahlt'', wusste schon Mark Twain. Aber was hat Vergnügen mit einer internationalen Großkanzlei zu tun? e-fellow Celia war skeptisch und neugierig, probierte es schließlich aus, begleitete spanische Mandanten im Bereich Real Estate Transactions bei Clifford Chance – und räumte erst mal mit vielen Vorurteilen auf.

Großkanzlei? Arbeitet dort nicht der Typ Anwalt, der sein Studium mit exzellenten Noten in kürzester Zeit absolviert hat, mehrere Sprachen fließend spricht, seine Arbeit über alles stellt und mehr als 60 Stunden die Woche im Büro verbringt? Spaß? Vergnügen? Mit solchen Vorurteilen ging ich während meines Auslandsaufenthaltes in Lausanne zu einer Abendveranstaltung, zu der Clifford Chance geladen hatte. Ich konnte mir definitiv nicht vorstellen, jemals in einer Großkanzlei zu arbeiten.

e-fellow Celia (25) hat Sozialpädagogik in Stuttgart studiert und anschließend Jura in Tübingen und Lausanne. Zurzeit studiert sie in Frankfurt neben Jura auch Soziologie. Eine Karriere in einer internationalen Großkanzlei wie Clifford Chance kam für sie nicht in Frage. Überraschend positiv fällt aber das Fazit aus, das sie in Ihrem Erfahrungsbericht zieht.

Nach einem Vortrag über Real Estate Transactions, den die Anwälte Dr. Gerold Jaeger und Christian Trenkel hielten, wurde ich beim nachfolgenden Abendessen hellhörig, als Herr Jaeger mir erzählte, dass er sich bei seinem Einstellungsgespräch in einem Büro voller E-Gitarren wiedergefunden habe: Der Partner, der ihn damals interviewte, liebte E-Gitarren und sammelte sie in seinem Büro. Das passte so gar nicht in mein vorgefertigtes Bild; mein Interesse war geweckt. Einige Stunden und viele Fragen später hatte Herr Jaeger mich überzeugt: Ich wollte mir selbst ein Bild machen und bewarb mich für ein Praktikum im Bereich Real Estate in Frankfurt.

Schon vor Praktikumsbeginn stand ich in regelmäßigem E-Mail-Kontakt mit Herrn Jaeger, der fortan mein Mentor war. Tatkräftig unterstützte er mich bei allen Fragen zum Praktikum, von der Wohnungssuche bis hin zu vorbereitender Literatur, die er mir gab. Das hatte ich bis dato bei keinem Praktikum erlebt.

Diese freundliche und unterstützende Atmosphäre war denn auch ein Vorbote für die eigentliche Zeit bei Clifford Chance. Vom ersten Tag an wurde ich von der Abteilung Real Estate herzlich und offen aufgenommen. Nicht nur, dass man mir umgehend ein eigenes Büro zur Verfügung stellte und meinen Namen mit Lichtbild sofort ins System einspeiste – auch eine Führung durch die Abteilung inklusive Vorstellung aller Kollegen direkt nach meiner Ankunft schien selbstverständlich.

Begeistert hat mich bei Clifford Chance besonders, dass ich Jura von einer ganz anderen Seite kennenlernte. Ich war mitten im Geschehen, als es darum ging, den Ankauf eines Objekts für spanische Mandanten von der Due-Diligence-Prüfung bis zum Closing samt dem obligatorischen Notartermin zu begleiten. Dabei erhielt ich nicht nur Erklärungen zu allen Vorgängen, sondern übernahm eigenständig die Bearbeitung von Teilaufgaben. Beispielsweise lernte ich, wie man einen Grundbuchauszug auf Belastungen überprüft und welche Posten in der Praxis relevant sind, weil sie wirtschaftliche Auswirkungen haben können.

Als Übung und zur Vorbereitung für meinen Mentor modifizierte ich einen Vertrag und stellte beim Verkauf eines Objekts Teile des Datenraums zusammen, der dem ankaufenden Unternehmen für die Due-Diligence-Prüfung zur Verfügung gestellt wurde. Ich war jedoch nicht nur im Büro vollständig ins Team eingebunden, sondern lernte auch die Mandanten kennen, für die ich arbeitete – zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen und anschließendem Fußballschauen von Spielen der spanischen Mannschaft während der WM.

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Besonders gut hat mir auch gefallen, dass ich zwar mit meinem Mentor zusammenarbeitete, jederzeit jedoch die Möglichkeit hatte, auch anderen Anwälten meine Unterstützung anzubieten. War ich anfangs noch etwas schüchtern, einfach in ein Büro zu platzen und die Anwälte anzusprechen, so verflog das umgehend, als ich merkte, dass die Kollegen sich über Unterstützung freuten und sich für die angebotene Hilfe bedankten.

So nahm ich einer Kollegin in Zeitdruck die Übersetzung eines Gutachten ins Englische ab und half einem Kollegen bei der Vorbereitung eines Vortrags, indem ich ein Prüfungsschema anfertigte, das danach vollständig in seine Präsentation eingearbeitet wurde.

Dabei stellten die Aufgaben eine echte Herausforderung dar, weil gerade im Real Estate Kenntnisse gefragt waren, die ich nicht im Studium erworben hatte. Allerdings wurde ich mit meinen Aufträgen nie alleine gelassen, sondern hatte jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mir Hilfe zu holen. So kam es durchaus vor, dass mir die Grundzüge des Vergaberechts in der Lounge von Clifford Chance bei einem Latte Macchiato erklärt wurden oder ich die Telefonnummer eines Partners in einer anderen Niederlassung erhielt, um mir Rat bezüglich einer Rechtslage zu holen, die zu dessen Spezialgebiet zählte.

Selbst an einem längeren Arbeitstag oder während einer eher trockenen Aufgabe wurde mir deshalb nie langweilig, sondern ich hatte in dieser freundlichen und hilfsbereiten Atmosphäre im Gegenteil viel Spaß bei der Arbeit.

Für mich war es ein Glücksfall, dass ich die Möglichkeit hatte, ein Praktikum bei Clifford Chance zu machen und so mit vielen meiner Vorurteile über Großkanzleien aufzuräumen. Für diese Chance und die tolle Erfahrung, Teil dieses Teams zu sein, bin ich meinem Mentor und den Kollegen sehr dankbar und kann nur alle Jurastudenten dazu ermuntern, sich ein eigenes Bild zu machen – getreut dem Motto von Pablo Picasso: ''Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen.''

Erfahrungsberichte, Quelle:sxc.hu Autor:clixMehr Erfahrungsberichte?
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Live-Case mit McKinseys Recruiting-Chef: Der Ball ist rund, und der Case dauert 150 Minuten

Freitag, den 5. November 2010
Maximilian

Wie viele Schals in den Vereinsfarben braucht ein Fußballfan? Wo kauft er das Trikot? Beim Bummel durch die Innenstadt, vor dem Spiel am Stadion oder lieber vom heimischen PC aus? Beim zweiten Live-Case in der e-fellows.net community mit McKinseys Recruiting-Chef Dr. Thomas Fritz mussten die e-fellows tief in die Psyche des Fußballfans einsteigen.

Dass Bundesligavereine auch veritable Wirtschaftsunternehmen sind, ist bekannt. Dabei geht es aber nicht nur um Sponsorengelder oder Ticket-Verkauf. Auch die Fans sollen mit dem Kauf von Fan-Artikeln das Geschäft am Laufen halten.

Thomas Fritz stellte den e-fellows den fiktiven Bundesliga-Verein FC Beuel 75 vor, der in der letzten Saison mit einem Gewinneinbruch beim Merchandising zu kämpfen hatte. Im Live-Case sollten die e-fellows zuerst die Gründe für den monetären Abstieg analysieren und in einem zweiten Schritt Vorschläge machen, wie der Club finanziell wieder in der ersten Liga spielen könnte.

"Wo liegt das Stadion"?
Im Minutentakt wurde McKinseys Recruiting Director zunächst mit Fragen gelöchert: Sind die Produktionskosten gestiegen? Wo werden die Fan-Artikel verkauft? Gibt es einen Online-Shop?

Fußball-Fans [Quelle: sxc.hu, Autor: duduhp]

Doch nicht nur betriebswirtschaftliche Fragen interessierten die Case-Teilnehmer, auch die Gesamtsituation des Vereins sollte in den Blick rücken: Konnte der FC Beuel in letzter Zeit sportliche Erfolge verbuchen? Hat er eine lange Fußballtradition? Haben wichtige Spieler zu anderen Clubs gewechselt? Wie weit liegen Stadion und Trainingsgelände voneinander entfernt?

Trikot vs. Flaschenöffner
Allmählich gelang es den e-fellows, den Kern des Problems herauszuschälen und daraufhin Lösungsstrategien zu entwickeln. Offenbar haben die Fans eher Produkte mit niedriger Marge gekauft und die Artikel mit hoher Gewinnspanne links liegen lassen.

Eine Strategie wäre also, künftig mehr auf T-Shirts und Flaschenöffner statt auf Trikots zu setzen. Auch Paket-Angebote wurden vorgeschlagen: Man könnte Trikot-Käufern Rabatt auf Artikel mit höherer Marge gewähren. Schließlich brachte Thomas Fritz die Idee ins Gespräch, einen Fan-Shop in der Beueler Innenstadt zu eröffnen. Dieser würde sich bei einer Kannibalisierung von 25% tatsächlich lohnen, stellten die Case-Löser schließlich fest.

Nach dem Case ist vor dem Case
Thomas Fritz war jedenfalls beeindruckt, wie schnell die e-fellows auf die richtigen Lösungswege kamen und resümierte: "Crowd-case-solving ist offensichtlich möglich!" Darüber hinaus war das Forum ein gutes Trainingslager für alle, die sich auf Case-Interviews vorbereiten wollen. Denn nach dem Case ist vor dem Case.

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